Zahlen Großunternehmen in Steuerparadiesen keine Steuern?

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5 Antworten

   ist es tatsächlich so, dass die bosse dieser unternehmen keine steuern auf ihr einkommen zahlen (während die angestellten es tun und dem staat, der das großunternehmen anlockte, somit den angepeilten gewinn garantiert)

Diese Aussage ist so garantiert nicht richtig, denn auch wenn ddurch eine Besonderheit des US-Rechts, Google, Apple udn andere einen Teil der Gewinne dem US-Fiskus entziehen, müssen die Manager der Unternehmen ihr Gehalt in den USA versteuern.

Bei Deutschen Konzernen ist es so (und das steht in fast allen Doppelbesteuerungsabkommen so drin), das gewerbliche Gewinne immer dort versteuert werden, wo man sie macht.

Also als Beispiel VW versteuert die Gewinne aus den Fabriken in Brasielen in Brasilien, die der Fabriken in den USA usw. Die Gewinne aus den deutschen Fabriken dann hier.

Natürlich kann man mit guter Software udn klugen Mitarbeitern udn Beratern einen Teil der Gewinne evtl. verschieben.

Aber ein Blick in die Bilanzen sagt, das dies kaum etwas bringt.

Gewinn vor Steuern 2013 4,6 Mrd. und über 1,5 Mrd. Steuern. Interessant übrigens, das Finanzergebnis ist mit 6,1 Mrd. höher als der Gesamgewinn, also mit dem Autobau hat man nichts verdient, nur mit Geldanlage.

Von diesen verschiebungen aus DEutschland raus profitieren nciht die deutschen Unternehmen, sondern zuerst die US-Konzerne wie Starbucks und McD, weil die ihre Gewinne erst in ihr europazentralen wie Niederlande, Irland udn Luxemburg schaffen, dort geringer versteuern müssen und dann den Rest in der Karibik "parken" und so die US-Steuer sparen.

Arbeitnehmer unterliegen der Lohnbesteuerung. Die findet dort statt wo gearbeitet wird. So der Grundsatz. Konzernvorstände sind auch Arbeitnehmer. Sie bezahlen ihre Lohnsteuer dort wo sie arbeiten. Deutscher Konzern und Konzernleitung in Deutschland, da ist der Arbeitsplatz der Vorstandsmitglieder natürlich auch in Deutschland.

Darum ist diese Formulierung mit den Bossen ziemlich ungeschickt. Im eigentlichen sind Konzerne Aktiengesellschaften. Die Besitzer sind die Aktionäre. Da kann ich Dir aber nicht sagen, ob die Ausschüttungen des Konzerns weil im Ausland angefallen steuerfrei behandeln können.

Was die Konzerne machen ist ganz einfach. Dieser große Online-Buchhändler, den ich nicht nur deshalb meide, hat in Luxemburg eine Tochter sitzen. Diese Tochter besitzt die Markenrechte und das Logo des Konzerns.

Errichtet nun der Konzern eine Tochter in Frankreich, Deutschland oder anderswo in Europa, dann wird diese Tochter einen Vertrag mit der Tochter über die Nutzung der Namensrechte mit der Tochter in Luxemburg schließen.

Diese Verträge sind eigentlich Gewinnabführungsverträge. Aufgrund einer genau zu berechnenden Relation aus Umsatz und Kosten wird der eigentlich in den Ländern der jeweiligen Töchtern erwirtschaftete Gewinn nach Luxemburg transferiert. Allerdings nicht als Gewinnausschüttung, sondern als Bezahlung für die Nutzung der Rechte.

Damit fällt in Deutschland kein Gewinn mehr an. Ohne Gewinn keine Körperschaftsteuer und keine Gewerbesteuer. Letzteres trifft die Gemeinden, wo die Töchter ihre Auslieferungslager betreiben.

Der Gewinn fällt also in Luxemburg an. Damit Steuerparadies erreicht.

Wenn jetzt die Gewinne an die Inhaber ausgeschüttet werden, dann ist mindestens keine Gewerbesteuer gezahlt worden. Da die nach Gemeinden in Deutschland unterschiedlich ist und in anderen Ländern wieder anders, kann man gar nicht sagen wie hoch die Ersparnis ist.

Ob die Aktionäre nun die Ausschüttung in Luxemburg erhalten oder wo der Konzernsitz ist, dass hat natürlich wieder Auswirkungen. Häufig bekommt der Staat etwas Geld wenn die Gewinne ausgeschüttet werden. Allerdings interessiert dies das Unternehmen nicht mehr. So lange das Geld im Konzern war, hat der Konzern keine Steuern gezahlt. Er konnte also investieren oder auch das Geld irgendwo steuerfrei am Markt vermehren.

Und natürlich führt dieses Handeln zu einer besseren Rendite für die Anteilseigner. Fällt eine Steuerbelastung ganz oder zum Teil weg, sei es vorher im Unternehmen oder später sogar noch bei der Ausschüttung ist dieses natürlich positiv für die Netto-Rendite.

Das sind Möglichkeiten, die kleinen Unternehmen natürlich nicht möglich sind. Die könnten nicht einmal die Miete für ein Büro in diesen Ländern bezahlen. Selbst wenn angeblich die Konzernzentrale in diese Steuerparadiese verlagert wird, dann machen vermutlich die Finanzämter dieser Welt die Augen davor zu. Um wenigstens noch die Lohnsteuer zu bekommen.

Denn im Konzernsitz müssen ausschließlich die wichtigen Entscheidungen getroffen werden. Ich glaube nicht, dass irgend ein Konzernvorstand einmal die Woche oder im Monat nach Luxemburg fliegt um dort die Beschlüsse zu fällen.

Diese ganzen Möglichkeiten und es gibt da noch mehrere Varianten, die entspringen einem amerikanischen Gedankengang. Demnach hat das Unternehmen egal welcher Rechtsform eigene Freihheitsrechte. Nämlich die eines Menschen. So darf ein Unternehmen natürlich wie alle anderen auch nach eigenem Glück streben. Es darf alles tun, sogar ungesunde Dinge verkaufen. Darf natürlich auch umziehen, wenn es irgendwo besser gefällt.

Die Kritik der Linken ist an vielen dieser Stellen noch viel zu harmlos.

Du kannst mal z.b. nach Apple googeln die machen dassehr intensiv in Irland.

Es ist wohl nicht so das sie dort keine Steuern zahlen aber der Satz ist nunmal verschwindend gering im Vergleich zu dem was ein US Mittelstandsunternehmen zahlt das keine solche Steueroasen nutzen kann. (Aber wenig von extrem viel ist immernoch besser als 0 ^^) Den Angestellten und Managern ist es herzlich egal was in Irland passiert (Privat) die Arbeiten und Leben wohl vorzugsweise in den USA und zahlen da auch (mehr oder weniger) brav Steuern. In Irland sind nur die Firmen gemeldet es wird Geld hin und her geschubbst und ein paar Mrd. $$ lagern dort. (Da durchzusteigen übersteigt wohl den Horizont der meisten Normalmenschen ... wohl auch der Grund weshalb es so toll klappt (?) ^^

Das kann man natürlich nicht pauschal behaupten, aber es ist tatsächlich so, das es für viele internationale Konzerne praktisch zum "guten Ton" gehört, sein Kapital möglichst steuerbegünstigt in gewissen Staaten zu "parken". Das ist eben eine Folge der "Globalisierung" und der viel zu lasch reglementierten Finanzwirtschaft, die diese moralisch mindestens fragwürdigen Methoden ermöglichen. Natürlich will jeder Unternehmer vor allem so viel Profit wie möglich machen, das ist irgendwo nachvollziehbar! Es liegt vor allem am Gesetzgeber, dieses Treiben einzudämmen! 

furavik 23.07.2015, 16:48

meine frage zielt darauf ab, ob es nun der boss ist, der keine steuern zahlt (nur die angestellten), oder ob es das unternehmen selbst ist, das keine (gewerbe- etc)steuer zahlt? worin besteht das modell steuerparadies?

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gertsch1981 23.07.2015, 16:55
@furavik

Der Boss zahlt ja die Steuern für seinen Betrieb nicht aus seiner Tasche, sondern aus dem Firmenetat. 

Der Boss muss die Steuer für sein persönliches Einkommen natürlich dort bezahlen, wo er seinen Arbeitssitz hat! Natürlich gibt es auch da wieder allerhand Tricks, um Steuern zu sparen.

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zonkie 23.07.2015, 16:56
@furavik

Die Firma zahlt keine/kaum Steuern. Was sich wohl gut auf alles im Konzern auswirkt. Die Firmen in den Steueroasen beschäftigen i.d.R. keine Angestellten die haben eine Adresse im Bürogebäude und sonst nichts. Deren Sinn ist nur Steueraufkommen vom Konzern möglichst gering halten.

Die Manager und "niederen" Angestellten sind ganz normale Gehaltsempfänger im Urpsrungsland für die macht es steuerlich kein unterschied (natürlich über ein paar ecken schon da Konzern vermögender => mehr Boni ... das zieht dann sicher durch zumindest für die Führungspositionen ^^)

"Apple hat vor allem durch den Erfolg von iPhone und iPad einen Geldberg von 145 Milliarden Dollar angehäuft. Gut 100 Milliarden davon lagern außerhalb der USA. [..]. Es sei außerdem zu teuer, das Geld bei einem Steuersatz von 35 Prozent in die USA zu holen"

schreibt z.b. http://www.handelsblatt.com in einem Bericht.

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Dirk-D. Hansmann 24.07.2015, 10:43

Das ist kein Problem der ungeregelten Finanzmärkte. Sieht man schon daran, dass dieses "Phänomen" der Konzerne Steuersparmodelle zu finden viel Älter ist. Bereits in der ersten Legislaturperiode von Kohl berichtete der Spiegel von einem Besuch der Bundesregierung bei Mercedes in Stuttgart. Dort erläuterte der Finanzvorstand wie man in den nächsten 10 Jahren keine Steuern bezahlen werde. Dieses wurde meiner Kenntnis nach erstens durchgezogen und zweitens immer wieder verlängert.

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Es ist mitnichten von Linken " verkürzend " dargestellt.

Es geht um den großen Zusammenhang. Es geht nicht darum, ob irgendwelche Einzelpersonen die beim Unternehmen arbeiten Steuern zahlen müssen, sondern darum das das Unternehmen als solches durch Tricksereien wie Ansiedelung des Unternehmens in einer sog. " Steueroase " sich davor drückt Steuern zu zahlen und sich auf diese Weise einen unangemessene Wettbewerbsvorteil gegenüber ehrlich Steuern zahlenden Unternehmen verschafft.

 


 

furavik 23.07.2015, 16:47

auf diesen großen zusammenhang bezieht sich meine frage aber nicht, sondern auf die tricksereien. wie genau sehen diese aus? mit anderen worten: zahlen die bosse keine steuern, nur die angestellten des unternehmens (das ist dann der gewinn für die steueroase)? wenn linke sagen, die unternehmen umgingen steuern, meinen sie dann die bosse persönlich oder das unternehmen direkt?

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