Zählt Organspendeausweis nur nach dem Tod?

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6 Antworten

Trotz des allgemeinen Trends, Aufrufe zum Organspenden positiv zu sehen, werde ich meine Organe nicht spenden.

Mir ist zum einen der Vorgang der Feststellung des Hirntodes suspekt, denn oft sind Menschen noch lange nach dem angeblichen Hirntod wieder aufgewacht.
Der Konflikt von Ärzten, die ein Interesse an meinen Organen haben, könnte zu einer vorschnellen Feststellung meines Hirntodes führen.
Ist auf meinem Organspendeausweis 'ja' angekreuzt, wird niemand ärztlicherseits groß mehr etwas unternehmen, mir bei einem schweren Unfall noch zu rettenden Maßnahmen zu verhelfen.

Außer in der Schweiz (dort wird vor Organentnahme eine Narkose gesetzt - sicherheitshalber!) wird einem -angenommenen- Hirntoten alles entnommen, was überhaupt verwertbar ist - und zwar gänzlich OHNE Narkose. Im Falle, dass der Spender noch 'nicht ganz tot' war, hätte er sein eigenes Ausschlachten miterlebt, ohne sich äußern oder wehren zu können (solche Fälle gab es schon).

Es gibt noch mehr, was man kritisch erwähnen könnte - aber entscheidend ist für mich: Ich misstraue einfach der Transplantationsindustrie, die so groß und mächtig ist und Vorgaben und Geschäftsziele hat, die sie erreichen muss, und es geht um so dermaßen viel Geld dabei, dass ich nicht glauben kann, dass die Sache für einen kleinen gutherzigen Spender mit rechten Dingen zugehen kann.

Wenn du googelst, findest du kritische Argumente im Netz. Ich will dich keinesfalls davon abhalten, Gutes zu tun. Nur solltest du informiert über die Argumente pro und kontra sein.

Ich wünsche gute Entscheidungen!

LeadBread 19.07.2017, 23:27

Wie wahrscheinlich ist es denn, das der Spender, nachdem er von drei Ärzten für hirntot erklärt wurde, wieder aufwacht? Wenn man mit gebrochenen Genick als blutiger Haufen im Straßengraben liegt, macht es wohl kaum noch einen Unterschied, ob nun die Organe einem anderen Menschen vielleicht das Leben retten oder feierlich zum Verrotten in eine Kiste wandern und verbuddelt werden.

Zur Industrie: Geld bewegt die Welt. Wenn es keinen Profit machen würde, würde sich doch keiner dazu bequemen, einem Verstorbenen die Organe rauszupulen.

Und letztlich: Man ist zu diesem Zeitpunkt tot. (Was die oben erwähnte Rate angeht, sei mal dahingestellt.) Da juckt es dich doch eh nicht mehr, ob deine Niere in die Urne oder in die Kiste oder eben in eine Person geht, die sie braucht. Du hast in letzterem Fall wenigstens die Genugtuung, das du auch als Leiche noch helfen kannst.

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holjan 13.08.2017, 02:40
@LeadBread

Wenn man sich intensiv mit der Thematik befasst, kommen durchaus berechtigte Zweifel auf.

Es gibt sie nun mal die Fälle in denen Menschen tatsächlich nicht nur wieder aufgewacht, sondern einige sogar anschließend wieder vollends genesen sind. 

Ich weiß leider nicht mehr genau wo ich es gelesen habe, aber es sollen angeblich ca. 30% der Hirntoddiagnosen fehlerhaft sein.

Mitunter liegt das auch daran, das z.b. bei Unfallopfern seitens des Rettungsarztes Medikamente verabreicht werden, die mitunter die Diagnostik in Sachen Hirntod beeinflussen. Das muss nichtmal Absicht sein, sondern es reicht schon, das der Notarzt vergisst das in der Hektik der Aktion zu kommunizieren.

Auch bin ich skeptisch was die Diagnostik als solche betrifft. Aus den Informationen, die ich dazu bekam, geht hervor, das der sogenannte Apnoe-Test (Patient wird für mehrere Minuten von der künstl. Beatmung entkoppelt) dazu führen kann, das ein Patient, der bis dahin durchaus reversible Gehirnschäden hat, durch den Test irreversibel geschädigt wird. 

Sprich - was bis dahin noch nicht kaputt war, ist es danach mit recht hoher Wahrscheinlichkeit. Schließlich kappt man die Sauerstoffzufuhr und ein Hirn, dem man zu lang den Sauerstoff entzieht stirbt eben ab.

Berichten (anschließend zumeist ehemaliger) OP-Schwestern aber auch Ärzte zu Folge geht hervor, das es sehr häufig vorkommt, das der Hirntote in Folge der startenden Entnahme klassische Stressymptome zeigt. Starkes schwitzen, ein massiv ansteigender Blutdurck und Puls.

Nun lassen sich die Bewegungen, von denen ebenso häufig berichtet wird, medizinisch auf Reflexe durch Reizung des Rückenmarks begründen, aber besagte Stressymptome werden durch Signale im Gehirn hervorgerufen und sind keine mechanischen Abläufe, weshalb man sich durchaus die Frage stellen muss, wie tot das Hirn wirklich ist, wenn der Hirntod bescheinigt wurde.

Ich würde zwar nicht unbedingt befürchten, das sich um mich weniger gut gekümmert würde, wenn ich Spender wäre, aber allein die Vorstellung, das ich eventuell tatsächlich live miterlebe, wie mir die Organe entnommen werden - auch wenn es nicht übermäßig wahrscheinlich sein sollte - hält mich davon ab einer Organspende zuzustimmen.

Generell möchte ich nicht von irgendwelchen Maschinen künstlich am Leben gehalten werden, weshalb ich so oder so als potentieller Spender wegfalle, denn ohne Lebenserhaltene Maßnahmen auch keine Organspende - schließlich kommt man als tatsächliche Leiche nicht für die Entnahme in Frage.

Eines noch. Auch bei Hirntoten wird der offizielle Todeszeitpunkt am Herzstillstand festgemacht...das ist also der Zeitpunkt, der letztendlich in der Sterbeurkunde steht. Man darf da natürlich mal kritisch hinterfragen warum das so geregelt ist.

Wer spenden möchte, den würde ich nie davon abhalten, aber bei denen die ablehnen steckt idR eben mehr dahinter als der Wunsch als Ganzes begraben zu werden.


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Spielwiesen 13.08.2017, 09:51
@holjan

Danke, Holjan, guter Kommentar! Es gäbe noch nachzutragen, dass es in vielen Kulturen so ist, dass Verstorbene erst nach mehreren Tagen beigesetzt werden - man begleitet sie solange mit Wachen, Familie und Freunde sind zugegen, bis die Seele sich endgültig verabschiedet hat. Das alles ist nur ohne Hektik möglich - und Maschineneinsatz zur Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen ist nun mal das genaue Gegenteil. 

Du sagst, wer spenden möchte, den würdest du nie davon abhalten. Ich schon: wenn ich jemanden zumindest zum Nachdenken bringen kann, würde ich es tun. Meinen Neffen z.B. - der ist noch so jung, dass er sich die Schweinereien noch gar nicht vorstellen kann, er hat aber schon seinen Spenderpass mit ja ausgefüllt.

Dabei gibt es auch noch Unterschiede bei der Behandlung von Spenderausweisen mit NEIN: in manchen Ländern gilt im Notfall, dass alles, was an Halbtoten anfällt, verwertet wird. Dazu habe ich mal in einer anderen Antwort hier zu diesem Thema etwas gelesen - unfassbar. Es sind Länder, in die ich nie reisen will!

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Der Organspendeausweis ist in der Tat nur von Nöten,um im Falle deines Ablebens deinen letzten Willen zu dem Thema darzulegen.

Als Lebendspender kannst du dich aber für Blutspenden oder Stammzellenspenden zur Verfügung stellen. 

Für eine Nierenspende als Lebender musst du mit dem Empfänger verwandt oder eng verbunden sein:

http://www.transplantation-verstehen.de/spezialthemen/lebendspende/voraussetzungen/

Der Organspendeausweis gilt nur dann, wenn mindestens 3 Ärzte Dich für Hirntod erklärt haben. Lebendspenden sind in Deutschland nur unter engen Verwandten und in Ausnahmefällen erlaubt

Organspende Ausweis ist sinnvoll und gut. Die Organe werden dir nach denn tot entnommen. Leben spenden darf man nur bei sehr engen bekannten und verwandten. Allerdings gibt es einen Organspende Ausweis erst mit 18. Bis dahin sind deine Eltern dafür verantwortlich ob sie deine Organe spenden wollen oder nicht.

studiogirl 19.07.2017, 22:01


 Allerdings gibt es einen Organspende Ausweis erst mit 18. 

Stimmt nicht, schon ab 14 kann man einen Spenderausweis bekommen.


. Leben spenden darf man nur bei sehr engen bekannten

...stimmt auch nicht!! Lebendspenden geht nur bei engen Verwandten, nicht bei Bekannten.


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Bitte benutze Google. Das hier habe ich innerhalb von Zwanzig Sekunden gefunden:

"Eine Organ- und Gewebespende ist theoretisch möglich, wenn der unumkehrbare Hirnfunktionsausfall („Hirntod“) eingetreten ist. In diesem Fall kann sich Ärztinnen und Ärzten die Frage stellen, ob die Organe des Verstorbenen zu Spenderorganen werden dürfen oder nicht."

https://www.organspende-info.de/organspendeausweis/informieren

Ja der Ausweis zählt nur im Fall dass du Hirntod bist.

Es gibt eine Spenderliste wo Menschen auf bestimmte Organe warten.

Transimplantat nennt sich das. Wenn die Herz für ein anderen menschen passt wird es dem Menchen auch gegen. So ist es mit allen Organen außer Nieren und Rückenmark.

Da muss die Niere fast Gewebegelich passen.

Die Organe sind nicht für deine Verwandschaft. Das wäre ja dann unmöglich jemanden zu Retten. Denn dann müsste ja jemanden aus deiner Verwandtschaft auf ein Organ warten. Das ist also Quatsch.

Herz, Lunge, Darm, Hornhaut......  die passen immer zu jemanden der das braucht.

Und mit 16 kannst du es selbst entscheiden ob du eine Organspende zustimmst.

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