Zählt das noch zur Archäologie?

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5 Antworten

Dinosaurierknochen gehören den Paläonthologen, damit haben Archäologen nichts zu tun.

Archäologie ist die Wissenschaft von menschlichen Hinterlassenschaften, je nach Epoche und kulturellem Zusammenhang gibt es zahlreiche Teilgebiete.

Inzwischen sind wir Archäologen vor allem damit beschäftigt, Wissenslücken zu stopfen. Klar, auf einer Grabung hältst du Sachen in der Hand, die seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden im Boden lagen. Aber die wenigsten Funde sind einmalig. Das ist auch gut so, denn wir brauchen die Funde, um den Rest, also Baustrukturen, Gräber etc. zu datieren, und das geht nur, wenn wir sie mit anderen vergleichen können.

Du ziehst also selten los und suchst nach etwas völlig unentdeckten. Entweder du schließt an bestehende Kampagnen an, um eine ausführliche Erforschung zu gewährleisten oder erforschst das, wofür du bezahlt wirst, und das bedeutet für die überwiegende Mehrheit, dass du in Deutschland von Baustelle zu Baustelle tingelst und unter Zeitdruck versuchst, das beste aus deiner Situation zu machen. Du bist auch nicht damit beschäftigt zu graben, sondern zeichnest, photographierst, vermisst, beschreibst das, was du findest, schließlich muss das, was durch die Grabung zerstört wird, so dokumentiert werden, dass auch danach noch jemand daraus schlau wird.

Die Archäologie ist generell ein tolles Fach, aber die Rahmenbedingungen sind nichts für schwache Nerven. Die Stellensituation ist furchtbar, im Fach gönnen viele dem anderen nicht die Butter auf dem Brot, an der Wissenschaft hängt eine Menge Bürokratie und im Zweifelsfall gibt es nörgelige Auftraggeber, die dir das Leben schwer machen. Klick dich einfach hier durch ein paar Fragen, ich erläutere das regelmäßig.

Also sind zwei Realitätsabgleiche wichtig:

1. Stelle ich mir das richtige unter dem Fach vor? Erfahrungsgemäß: Wahrscheinlich nicht. Da können aber Praktika Abhilfe schaffen. Ein Universitätsinstitut ist da kein sinnvoller Ansprechpartner. Grabungsfirmen, Landesämter, Museen, da bekommst du eher einen Eindruck davon, wie der Alltag eines Archäologen aussieht.

2. Werde dir über die Rahmenbedingungen klar. Es hilft dir wenig, wenn du zwar das Fach toll findest, aber dich der Rest zermürbt. Archäologie setzt eine hohe Frustrationstoleranz voraus, ebenso hohe Flexibilität. Wer Sicherheit und Stabilität sucht, ist anderswo besser aufgehoben. Denk auch darüber nach, wie gut du dich von Freunden und Familie trennen kannst und wie du dir deine eigene Zukunft im privaten Bereich vorstellst. Für einen Job im Fach wirst du umziehen müssen, vermutlich sogar häufig, wenn du überhaupt einen bekommst. Das ist mit 25 noch lustig, aber was ist, wenn du eine eigene Familie gründen willst?

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Kommentar von Jerne79
02.03.2017, 21:33

Du bist auch nicht damit beschäftigt zu graben,

Es hätte natürlich heißen sollen: nicht nur

Und nach der Grabung kommt dann noch der Grabungsbericht, falls du weit genug oben in der Hierarchie stehst.

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Kommentar von SanyHila
02.03.2017, 21:37

Vielen Dank für die ausführliche Antwort 😊 Das hat mir wirklich sehr weiter geholfen! Ich finde das Themengebiet zwar sehr interessant und könnte es mir auch recht gut vorstellen, aber das Familienleben ist mir auch sehr wichtig. Außerdem sind mir jetzt auch viele negative Punkte klar geworden, die ich vorher nicht gesehen habe.... Es hat zwar auch viele positive Aspekte, aber vielleicht sollte ich mir das Ganze nochmal gründlich durch den Kopf gehen lassen... Auf jeden Fall aber danke für die Antwort 😊

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Kommentar von StrohhalmimMund
02.03.2017, 22:31

Du ziehst also selten los und suchst nach etwas völlig unentdeckten.

Gilt das auch für Archäologen in Israel oder Ägypten z. B.?

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Ich fasse mich mal kurz:

  1. Archäologie ist die Altertumskunde und bezieht sich auf die Erforschung menschlicher Artefakte. Dinosaurierknochen etc. gehören in die Paläonthologie (Und Menschenknochen in die Anthropologie).
  2. An Instituten der Universitäten gibt es keine Praktika. Dafür musst du zu Grabungsfirmen oder hörst dich bei den Denkmalbehörden deines Bundeslandes mal um.
  3. Archäologie ist ein Knochenjob: Anstregend, unterbezahlt und großer Konkurrenzkampf. Je nach Fachrichtung verdienst du mit einem Master-Abschluss weniger als ein Lackierer-Lehrling. Archäologe wird man aus Leidenschaft, nicht aus finanziellen Gründen.
  4. Archäologie ist mehrfach unterteilt. Die von dir genannte "Klassische Archäologie" beschäftigt sich mit der griechischen Antike (manche zählen auch die römische Antike dazu). Desweiteren gibt es noch die Ur- und Frühgeschichte (erste Menschen, Metallzeiten, Mittelalter), die Ägyptologie und die christliche Archäologie (selbstsagend).

Wenn du Fragen hast, frag ruhig!

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Kommentar von Jerne79
02.03.2017, 21:29

Eine Anmerkung: Archäologie des Mittelalters (meist zusammengefasst mit Arch. der Neuzeit) ist seit Jahrzehnten ein eigenes Fach, von Ur-, Vor- oder Frühgeschichtlern wird maximal noch die Völkerwanderungszeit oder an einzelnen Unis noch frühes Frühmittelalter abgedeckt.

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Kommentar von koten
02.03.2017, 23:15

Du hast wichtige Bereiche vergessen:

Industriearchäologie und Weltkriegsarchäologie. Die Untersuchung alter Bunkersysteme steckt noch in den Anfängen.

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Wie viele Jahre hast du denn noch bis zum Abitur? ;)

Du könntest versuchen, über das Landesamt für Archäologie in Dresden einen Platz für ein Schülerpraktikum zu bekommen. Die werden allerdings eher an ältere Schüler vergeben. Erwähne dabei niemals gegenüber einem Archäologen das Wort Dinosaurier.

Oder du wendest dich an die Uni Leipzig. Dort kann man auch Ur- und Frühgeschichte studieren, das heißt andernorts auch Prähistorische Archäologie. Ich weiß aber nicht, ob die Uni noch eigene Grabungen betreibt oder Schülerpraktika anbietet.

https://www.gko.uni-leipzig.de/historisches-seminar/seminar/ur-und-fruehgeschichte.html

Ein Praktikum solltest du auf jeden Fall machen. Denn die Vorstellung, die man hat, hat meistens mit der Realität nur wenig gemeinsam. Spätestens, wenn ihnen der Regen den Nacken hinunterläuft, verliert sich bei den meisten das Interesse. 3:)

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Neues Altes zu entdecken gehört natürlich auch zur Archäologie. Du kannst Dich also auch mit einem Team auf die Suche nach Atlantis begeben. Allerdings solltest Du dann reichlich Knete mitbringen. Keine Uni finanziert Dir das. Die berühmte alte Verwandte in Amerika, die Dir Millionen vererbt, ist natürlich auch eine Option.

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Einfach überall anrufen und nschfragen

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