Was ist Sozialismus?

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5 Antworten

  • An Stelle des Privateigentums tritt ein gesellschaftliches Eigentum
  • Arbeit wird unmittelbar gesellschaftliche Arbeit
  • die erarbeiteten Produkte müssen nicht mehr erst auf dem Markt als gesellschaftlich notwendig sich erweisen
  • die Ware-Geld-Beziehung tritt zurück, der Markt-Preis Mechanismus hört auf
  • es herrscht eine gesellschaftliche Planung
  • die Unterschiede zwischen Stadt und Land treten zurück
  • die Unterschiede zwischen geistiger und körperlicher Arbeit minimieren sich
  • Arbeit verliert immer mehr ihren knechtischen Charakter
  • Arbeiter werden nicht mehr privat ausgebeutet, sondern jeder arbeitet nach seinen Fähigkeiten und seinen Leistungen
  • die Klassengegensätze verschwinden zusehens
  • als Übergang zum Kommunismus tritt eine Diktatur des Proletariats
DetlefRuchatz 29.06.2017, 02:05

Ich glaube, die zunehmende Verarmung der Bevölkerung, Staatsbankrott und das weltweite Scheitern des Sozialismus sind in diesem Zusammenhang auch noch erwähnenswert.

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voayager 29.06.2017, 09:32
@DetlefRuchatz

Blödsinn, gescheitert ist nicht der Sozialismus, gescheitert sind vielmehr solche armseligen Figuren wie Gorbatschow und Honecker.

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Fuchssprung 29.06.2017, 10:27

Ich beschreibe mal wie Sozialismus in der DDR aussah.

Das Privateigentum gab es nur noch in den eigenen vier Wänden. Wenn du eine Firma besessen hast, wurdest du enteignet. Du konntest dann froh sein, wenn du in deiner ehemaligen Firma als Angestellter weiter arbeiten durftest. Die Partei setzte einen Direktor ein, der deinen Job übernahm und einen Parteisekretär, dessen Aufgabe es war den Direktor zu überwachen. Beide mussten nicht zwangläufig Ahnung von der Leitung einer Firma haben. Es reichte vollkommen, wenn sie “gute“ Genossen waren.

Die hergestellten Produkte mussten den Kunden nicht gefallen. Ohne Alternative hatten die Kunden keine Wahl und mussten die Waren kaufen,
auch wenn sie den internationalen Vergleich nicht standhielten. Ein Beispiel
war der Trabant. Wer würde schon freiwillig ein Auto aus “Pappe“ kaufen? Doch wenn man keine Wahl hat, dann kauft man auch so etwas und wartet auch noch 10 Jahre und mehr darauf.

Es gab keinen Wettbewerb mehr, weil es keinen Markt mehr gab. Das führte zu furchtbaren Verzerrungen. Wohnungsmieten waren in der DDR unglaublich
billig. Man konnte eine 3 Zimmer Wohnung für 30 Mark im Monat mieten. Von dem Erlös konnten die Häuser jedoch nicht instand gehalten werden und so verfiel die Bausubstanz des gesamten Landes. Nach 40 Jahren DDR sah es an vielen Orten so aus als hätte ein Krieg statt gefunden. Verfallene Häuser, marode Straßen, Trostlosigkeit überall.

Gesellschaftliche Planung fand nicht statt. Stattdessen bestimmte die Partei was die Menschen brauchten. Da diese Leute aber immer nur von ihren eigenen Bedürfnissen ausgingen, ging dieser Plan oft an den Bedürfnissen
der Menschen vorbei. Die Hüter über das klamme Konto strichen dann diesen unsinnigen Plan auch noch auf das Notwendigste zusammen.

Egal ob auf dem Land oder in der Stadt, überall versuchten die Menschen irgendwie zu überleben. Weil die Bauern kein eigenes Land besaßen, mähten sie die Straßenränder und füttern mit dem Gras ihre Kaninchen. Wenn die
Äcker gemäht und das Getreide eingeholt war, gingen die Kinder über die Felder und suchen nach ein paar verlorenen Ähren für die eigenen Hühner. War dieses Futter im Herbst aufgebraucht, fütterte man die Tiere einfach mit Brot. Weil der Markt ja außer Kraft war, wurde das Brot subventioniert. Es war billiger als Getreide und so machte es keinen Sinn Getreide für die Tiere zu kaufen.

In der Stadt gab es andere kleine Nebeneinkünfte. Jeder schaute was der große Plan der Partei nicht bedacht hatte, was die Menschen tatsächlich gerade benötigten und wer geschickte Hände hatte, der konnte viel Geld mit der eigenen Nähmaschine, mit dem Schweißgerät oder mit anderen Werkzeugen verdienen. Weil der Plan jedoch einfach nicht vor sah, dass handwerklich begabte Menschen Blech, Holz, Rohre, oder Ähnliches zu kaufen bekamen wurde jeder Schrott bis auf die letzte Schraube wieder verwertet. Es war das einzige Positive, am Sozialismus es gab nur wenig Müll. 

Die Unterschiede zwischen geistiger und körperlicher Arbeit waren immens! Hatte man im Westen teuere Technik, welche die körperliche Arbeit erleichterte, musste man im Osten darauf verzichten. Vier Mann, vier Ecken, anpacken und los! Dazu kam, dass man Leuten unterstellt war, die von vielen Dingen keine Ahnung hatten. Da sie jedoch das richtige Parteibuch in der Tasche hatten, waren sie Boss und diejenigen die wussten wie es besser geht, waren ihre Angestellten. Man konnte in seinem Fachgebiet noch so gut sein. Saß jemand mit einem SED Abzeichen am Revers auf dem Chefsessel, hatte man nicht die geringste Chance, diesen Stuhl irgendwann selbst zu besetzen.

Diese Gleichmacherei und die ständige Bespitzelung frustrierten die Leute ungemein. Dazu kam die allgegenwärtige Propaganda die nichts mit der Realität zu tun hatte. Irgendwann war man zermürbt und dann verlor man einfach die Lust am Leben.

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voayager 29.06.2017, 10:37
@Fuchssprung

Iss alles sattsam bekannt, was du da holzschnittartig uns präsentierst. Da kann ich, weil schon 1000 mal gehört und/oder gelesen, nur noch müde gähnen.

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Fuchssprung 29.06.2017, 11:26
@voayager

Das war jetzt aber schwach, Voayager! Das kannst du doch besser!

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voayager 29.06.2017, 11:52
@Fuchssprung

1.Ok, dann halt noch dies: wenn du glaubtest, dass du mich mit deinem Sermon erschrecktest oder gar beeindrucken wolltest, so irrst du gar sehr.

2. gesellschaftliche Planung fand sehr wohl statt, allerdings nicht so, dass alle diese gestaltete. Wie eine solche überhaupt ausgesehen hätte, darüber schweigen sich die Kriker aus. Interessant wäre es ja schon, wenn ein ganzes Volk drauflos planen möchte. Der gesunde Menschenverstand sagt einem doch, das dies nie und nimmer gelingen kann, sondern nur heilloses Durcheinander generiert. ("da ne Meinung, dort ne Meinung")

3. die Gleichmacherei frustrierte die Menschen. Kann schon sein, von einem Volk, das sich nicht vom Hitler-Faschismus befreite, ja noch nicht mal nennenswerten Widerstand gegen diesen leistete, kann man allerdings nicht viel erwarten, da haste recht.

4. Einerseits hebst du die Gleichmacherei hervor, dann wieder unterstreichst du die angeblich erheblichen Unterschiede zwischwen geistiger und körperlicher Arbeit. Ja was denn nun? Logik sieht anders aus, ergo biste mir unlogisch gekommen.

5. "fehlender Wettbewerb führte zu Verzerrungen" - welche Verzerrungen, bloße Worthülsen helfen nicht weiter.

6. die DDR hat in Sachen Autobau allerdings eine Riesenkacke veranstaltet. Sicherlich ist eine Rennpappe (Trabi) eine arge Zumutung. In einem solchen Fall wäre es besser gewesen, erst gar keine Autos zu bauen, bevor man sich absolut lächerlich macht. Es ging aber auch anders, in der CSSR wurde der Skoda gebaut, der war ganz ok.

7. "Parteileute wurden bevorzugt", tja was denn sonst! Soll man denn all die stillen Feinde des Sozialismus begünstigen? Wer vorwärts kommen wollte, der konnte ja schließlich in die SED eintreten, niemand hinderte ihn daran, also was soll das ? Was erwartest du denn eigentlich von einem Land (DDR) dass den sozialismus von der SU übergeschwenkt bekam und das mit Widerwillen. Die UdSSR hätte sehr viel lieber ein neutrales Gesamtdeutschland vorgefunden, eines dass kapitalistisch ist, allerdings strikt antifaschistisch und  antimonopolistisch. Der Kalte Krieg machte dies zunichte.

Fazit. die DDR war ein bloßes Kunstprodukt, eine Art Notgeburt, mehr auch nicht.

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DerMantis 29.06.2017, 18:35
@voayager

Ich glaube, Voayager will sagen, dass der Kerngedanke des Sozialismus als Schritt zum Kommunismus ein gut gemeinter Gedanke war. Nur haben Unrechtssysteme wie die DDR, UdSSR die "Diktatur des Proletariats" als Vorwand genommen, um eine Diktatur zu errichten und zu erhalten. 

Das dort aus menschlicher Dummheit und Egoismus geschaffen wurde, hat -im Kerngedanken- nicht mehr viel mit der Utopie zu tun, an die Marx glaubte.

Dennoch ist jede Kritik von Fuchssprung an der DDR gerechtfertigt, besonders wenn man in der Zeit aufwachsen musste.

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Fuchssprung 30.06.2017, 08:21
@voayager

Siehst du, es geht doch! Das war doch schon viel besser! An dem einen oder anderen Gedanken von dir klebt sogar ein Fünkchen Wahrheit. (Wenn auch nur ein sehr schwaches Fünkchen :-)

Mit der Gleichmacherei meinte ich weder die körperliche noch die geistige Arbeit, sondern dass es niemandem erlaubt war eigene Ideen zu entwickeln. Niemand konnte sich mit einer eigenen Idee selbstständig machen und damit Geld verdienen. Es gab Ausnahmen, wie ein paar Künstler aber die fielen nicht ins Gewicht. Die große Masse musste sich der Diktatur der Partei unterwerfen und wenn das jemandem nicht möglich war, weil an sich selbst und seine Ideen glaubte, dann wurde er einfach eingesperrt. Dafür musste man kein Gegner des Regimes sein. Es reichte aus, wenn man nicht in einem VEB Betrieb arbeiten wollte und statt dessen lieber eine Autowerkstatt (nur ein Beispiel) aufmachen wollte. Jede eigene Initiative wurde unterdrückt, jeder Nagel der heraus stand, wurde eingeschlagen. Das meine ich mit Gleichmacherei.

Mit den Verzerrungen meine ich zum Beispiel die verfallenden Häuser durch die viel zu geringen Mieten. Niemand konnte das geerbte Haus seiner Eltern besonders schön her richten und dafür eine höhere Miete verlangen. Die wurde vom Staat festgelegt. (eine Mark am Tag) Davon konnte man noch nicht einmal die notwendigsten Reparaturen bezahlen. So wurde die Bausubstanz ebenso schnell ruiniert, wie man Neubaublöcke hoch zog. Oder das Brot das tonnenweise an das Vieh verfüttert wurde, weil es vom Staat subventioniert war. Es kostete den Staat unglaublich viel Geld und führte dann dazu, dass gutes frisches Brot zu Schweinefutter verarbeitet wurde. Im ganzen Land und tonnenweise! Mein Nachbar hatte zum Beispiel zwei wunderschöne große Kirschbäume in seinem Garten. Die Ernte brachte er jedes Jahr zum Lieferanteneingang unserer "Kaufhalle". Dort wurde sie ihm abgekauft und in das Sortiment aufgenommen. Im Laden wartete bereits seine Frau. Die hat die Kirschen sofort zurück gekauft, denn auch Kirschen wurden vom Staat subventioniert. Sie musste also deutlich weniger bezahlen, als ihr Mann bekommen hatte. So zogen die Beiden von Laden zu Laden. Diese Verzerrungen des Marktes haben der DDR wirklich nicht gut getan. Sie waren kontraproduktiv und dumm.

Du kannst dir gar nicht vorstellen wie froh ich 1989 war, als der Spuk endlich vorbei war. 

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voayager 30.06.2017, 10:18
@Fuchssprung

Das was du an der DDR kritisierst, das finde ich gerade gut, denn all den bürgerlichen Gelüsten wird so Einhalt geboten, cool so was! Alles andere führt schnurstracks zurück in den Kapitalismus. Warum sich Totengräber ins Haus bestellen wollen? Der reine Selbstschutz sagt da klar NEIN ! Mithin ist deine Kritik die eines Spießers, der sich nach dem Kapitalismus sehnt mit all seinen Ausbeutungsverlangen. Imer wieder neu das Gleiche: Geschäftchen machen, Leute ausbeuten, andere übers Ohr hauen, so was wird dann gemeinhin als Freiheit deklariert, dabei isses nur die Freiheit des Geldsackes. .

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voayager 30.06.2017, 10:22
@DerMantis

Nee, wollte ich so nicht sagen. Jeglicher Versuch in Ostdeutschland, der DDR einen Sozialismus zu bringen, war nicht geeignet, nicht passend. Sowohl die DDR als auch der von Außen übergestülpte Sozialismus war von vornherein verfehlt, was alles nur ein Notnagel. Also komm mir da nicht moralisch, denn ich sehe all das nicht aus der Perspektive heraus, sondern ganz praktisch.

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Kontrolle der Arbeiter über die Produktionsmittel (Fabriken, Land, Arbeitsplätze im Allgemeinen).

Diese Kontrolle ist je nach Form des Sozialismus unterschiedlich organisiert:

Staatssozialismus (DDR, UdSSR, Kuba, etc.) - Die Produktionsmittel sind verstaatlicht, und ein zentrales Planungsorgan organisiert die Wirtschaft. Theoretisch sollte das Volk hier ein Mitspracherecht haben, um dies Sozialismus nennen zu können.

Syndikalismus (z.B. im anarchistischen Katalonien) - Gewerkschaftsbündnisse und direkte Demokratie der Arbeiter in den Unternehmen selbst.

Marktsozialismus (z.B. in Yugoslawien unter Tito) - Alle Produktionsmittel sind öffentliches/staatliches Eigentum, der Mehrwert wird als Dividente an alle ausgeschüttet. Ansonsten noch ein Markt, d.h. Konkurrenz zwischen Unternehmen usw.

Dann gibt es noch rund 50 andere Formen, aber das würde hier zu weit gehen ;)

Jede Woche schreibe ich hier, dass es 4 sehr unterschiedliche Sozialismen gibt:

 1) die sozialdemokratische Ausrichtung (demokratisch)

2) die ökologische Ausrichtung (demokratisch)

3) die kommunistische Ausrichtung (diktatorisch)

4) die anarchistische Ausrichtung (Auflösung hierarchischer Strukturen) 

"Sozialismus" ist also ein Oberbegriff und nicht synonym mit Kommunismus.

Hoffentlich sind die Sätze für Sie genügend kurz.

Die Produktionsmittel gehören dem Staat und damit dem Volk, nicht einer Einzelperson.

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