Wutanfälle beim Kleinkind

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9 Antworten

Hallo Choizz,

als bei unserer Kleinen die Trotzanfälle losgingen war ich auch kurzfristig etwas verzweifelt. Uns hat das Buch "das glücklichste Kleinkind der Welt" enorm geholfen!

Der wichtigste Tip aus dem Buch war für uns die "Fastfood-Regel". Damit kann man alle Tobanfälle enorm abkürzen und für alle erträglicher und sogar nützlich machen.

Sie funktioniert kurz erklärt so: Erst hört man zu - so wie die Dame am drive in. Dann wiederholt man das, was das Kind gesagt hat - so wie beim drive in ;) Man wiederholt so lange, bis man wirklich verstanden hat worum es geht und bis das Kind (der Kunde) auch sicher weiß, dass man ES verstanden hat (das dauert beim trotzenden Kind natürlich länger als beim drive in ;). Dann beginnt sich das Kind normalerweise zu beruhigen, weil es sich verstanden fühlt. Dadurch zeigt es sich etwas offener über Alternativen nachzudenken oder eine Grenze zu akzeptieren. Dabei immer kurze, einfache Sätze verwenden und mit Mimik und Gestik unterstreichen.

Für Dein erstes Beispiel: Kurze tobt. Du beobachtest kurz, atmest tief durch, denkst nach und dann...Du: "Du willst das Fenster auf haben?" Kurze tobt. Du: "Du willst jetzt das Fenster aufhaben" Kurze tobt, aber hört etwas zu. Du: "Du willst das Fenster selber aufmachen?" Kurze: "Jaaaaa. Fenster auf." tobt weiter. Du "Du willst das Fenster aufmachen, aber Mama und Papa sagen nein. Fenster bleibt zu. Du bist wütend." Kurze tobt. Du: "Du bist ganz wütend. Du schreist laut. Du weinst. Du willst das Fenster aufhaben". Kurze "Ja, ja Fenster auf." Und dass dann so lange fortführen, bis sie sich beruhigt. Ruhig das gleiche wiederholen. Zauberwörter sind "Du, selber" und das Verhalten bzw. die Gefühle des Kindes zu beschreiben "Du bist wütend. Du schreist. Du willst groß sein. Du willst selber machen.". Das klingt umständlich aber dauert nur ca. 2-5 Minuten. Danach habt ihr wieder ein Kind mit dem man sprechen kann! Wenn Du merkst sie hört zu kannst Du Deine Meinung sagen und Alternativen anbieten. "Du willst Fenster aufhaben. Mama und Papa sagen Fenster bleibt zu. Mama und Papa ist kalt.". Pause machen zum zuhören und ggf. einen Schritt zurück machen. Oft schlägt das Kind einen Kompromiss vor oder hat eine Idee. "Komm wir singen jetzt ein Lied zusammen und wenn wir fast zu Hause sind darfst Du noch ein bischen das Fenster aufmachen." Klingt kompliziert, dauert aber auf keinen Fall länger als ein "normaler" Trotzanfall und ist für alle beteiligen angenehmer.

Im Buch stehen dazu viele Beispiele, Tips und noch Informationen wie Kleinkinder denken und fühlen und wie man gut mit ihnen kommuniziert und Trotzanfälle auch vorab verhindert.

LG, Hourriyah

Es ist doch verdammt ärgerlich, wenn beim Entdecken des eigenen Willens und gleichzeitiger "beschränktem" Sprachvermögen, Erwachsene (und dazu noch die Eltern!) einem gleich Grenzen gesetzt werden, ohne die persönliche Erfahrung

"Oh Fenster auf war jetzt nicht so angenehm"

machen zu können.

Ihr könnt sagen "uns wird es zu kalt, wenn das Fenster offen ist". Aber ihr zu verbieten, dass sie sich darüber ärgert, finde ich einfach unmöglich.

Oder willst du mir etwa erzählen, dass du noch NIE über irgendjemand geflucht hast. Oder denjenigen sogar angemotzt hast.

Das ist normal.

Wenn möglich freundlich bleiben, aber beim "Nein" bleiben.

Falls ihr ein schlechtes Gewissen bekommt, da beim "Nein" zu bleiben, empfehle ich euch das Buch von Jesper Juul "Nein aus Liebe".

http://www.amazon.de/Nein-aus-Liebe-Eltern-starke/dp/3466307767/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1391446041&sr=8-1&keywords=jesper+juul+nein+aus+liebe

Barney123 04.02.2014, 15:19

Auf jeden Fall freundlich bleiben, und natürlich ist Jesper Juul erste Adresse

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Ostseemuschel 04.02.2014, 15:39
@Barney123

Ich würde sagen, die erste Adresse ist immer unser Bauchgefühl... Aber den Jesper schätze ich natürlich auch.

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Barney123 04.02.2014, 16:56
@Ostseemuschel

Hallo Ostseemuschel,

Hier sehe ich etwas Erklärungsbedarf. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass uns unser Bauchgefühl sehr täuschen kann. Ich bin z.B. sehr konservativ erzogen worden, will sagen in meiner Erziehung gab es böse und brave Kinder. Und mein Bauchgefühl hat mir da so manche Schwierigkeit bereitet, denn wenn ich immer nach dem Bauchgefühl gegangen wäre, dann hätte ich mich oft über meine Kinder geärgert. Mein Verstand aber sagte mir, dass dies falsch ist, wovon ich Heute weiß, dass das Bauchgefühl in dieser Situation tatsächlich falsch ist. Auch wird in der Werbung ein Milliardenumsatz gemacht, um das Bauchgefühl der Leute zum Kaufen zu animieren. Ich habe gelernt, mich da lieber auf meinen Verstand zu verlassen!

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Ostseemuschel 04.02.2014, 17:07
@Barney123

Dann eben eine Mischung aus beiden:-))Ich bin allerdings absolut* Bauchmensch* und lag da auch noch nie verkehrt-besonders was meine beiden Kinder betrifft. Das heißt ja nicht, dass ich meine Kids locker-flockig erziehe. Z.B. ein Nein bleibt schon ein Nein...

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Barney123 05.02.2014, 09:31
@Ostseemuschel

Hallo Ostseemuschel,

dann lies mal das Buch "Starrköpfe überzeugen" von Sebastian Herrmann, Da wird nachvollziehbar erklärt, wie wichtig das eigene Gefühl ist, wenn jemand die Meinung ändern soll! In dem Buch findest Du eine gute Zusammenfassung quer durch die Hirnforschung. Die Argumente, die dort aufgeführt werden, kenne ich meist schon aus anderem Zusammenhang. Da wird die Geschichte von Christine Maddiore erzählt. Eine gebildete Studierte Frau. Nachdem die Ärzte bei ihr AIDS diagnostiziert hatten, beschäftigte sie sich damit und wurde zur großen Aids-Leugnerin. Nichts konnte sie überzeugen, denn ihr Bauchgefühl sagte ihr, AIDS gibt es nicht. Sie und ihre Tochter starben an Aids. Beschäftige Dich einaml damit, damit unser Bauchgefühl stimmt, können wir Menschen die scheinbar unmöglichsten Widersprüche überbrücken! Alle Menschen sind so! Dass Du in der Sache richtig liegst, nur weil Dein Bauchgefühl stimmt, ist eine Illusion! Da bilde ich keine Ausnahme! Und Du auch nicht!

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Ostseemuschel 05.02.2014, 10:01
@Barney123

Hallo Barney, danke für den Tipp. Letztendlich muss jeder seinen "Weg" finden, den er für richtig hält. Ich bin mit meinem* "Weg"* sehr zufrieden. Habe tolle Kinder, die im Leben/Schule gut klar kommen...

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Barney123 05.02.2014, 10:08
@Ostseemuschel

Hallo Ostseemuschel,

Es geht nicht um den Weg, sondern darum, die Tatsachen so zu sehen wie sie sind. Aber da sind wir schon am Thema, Du bist mit Deinem Weg zufrieden, also kannst Du Dir erlauben Tatsachen zu ignorieren!

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Ostseemuschel 05.02.2014, 10:14
@Barney123

Ich denke nicht, dass es die perfekte Mutter, den perfekten Vater, den perfekten Menschen gibt.... jeder macht sicher Fehler. Ja! ich bin zufrieden, ich habe glückliche Kinder, die auf einen guten Weg sind. Warum sollte ich es anders sehen....

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Barney123 05.02.2014, 15:54
@Ostseemuschel

Hallo Ostseemuschel,

Es ist schön, dass es Dir gutgeht, und dass Deine Kinder zufrieden sind. Daran möchte ich auch gar nichts ändern.

Es geht mir nur darum, zu erkennen, dass Gefühle uns sehr falsche Eindrücke vermitteln können! Ich bin z.B. sehr stolz darauf, wenn ich wieder einmal erkenne, dass mich da ein Gefühl getäuscht hat und ich wieder ein Stück mehr Erkenntnis gewonnen habe. Und mit dieser Erkenntnis mein allgemeines Verhalten verbessern kann! Oder aber in einer anderen Situation nicht in die Falle tappe, sondern eine bessere Lösung gefunden habe, auch und vor Allem dann wenn ich gefühlsmäßig etwas anderes gemacht hätte! Da freue ich mich jedes Mal aufs Neue!

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Nein, keine Sorgen, vollkommen normal. Wichtig ist nur, Ruhe bewahren, austoben lassen, so lange es eben dauert (ggf. auf Gefahrenzone entfernen), aber nur nicht nachgeben (der Kompromiss war schon okay). Dann wird sie bald lernen, mit den zurueckweisungen zurecht zu kommen und die Anfaelle werden weniger und kuerzer.

Auf Beschimpfungen nicht reagieren, nicht mit ihr sprechen, Wurfgeschossen ausweichen, bzw. sie schnell entfernen, reden bringt da nicht viel und Koerperkontakt lehnen viele auch ab, daher auch nicht versuchen, sie zu beschwichtigen und auf die Einreden waehrend des Anfalls. Ihr koennt ja ggf. sagen, wenn Du dich beruhigt hast, sprechen wir nochmal drueber spaeter, jetzt nicht. Je mehr man auf sie einredet, umso mehr steigern sie sich rein.

Ganz am Anfang kann evtl. noch Ablenkung helfen, man kann es jedenfalls versuchen.

Nerven braucht man dafuer, ja, aber da muss man durch.

Sie koennen das "nein" halt einfach noch nicht ertragen, fuehlen sich in ihren Moeglichkeiten eingeschraenkt und schon ist das Geschreie gross.

Barney123 06.02.2014, 08:55

Hallo Petrapetra,

Dieser Satz:

Sie koennen das "nein" halt einfach noch nicht ertragen, fuehlen sich in ihren Moeglichkeiten eingeschraenkt und schon ist das Geschreie gross.

gefällt mir besonders gut. Er erklärt das "erstaunliche" Verhalten des Kindes meiner Meinung nach am Besten! Die Vermutung, dass die Kinder nur ihren Willen durchsetezen wollen und die Eltern testen wollen, belastet emeiner Meinung nach nur die Beziehung zwischen Eltern und Kind, und führt in eine Sackgasse. Mit etwas Verständnis kann man dann die kleinen auch mal schreien lassen, oder sie in die Arme nehmen und sie trösten: "Manchmal ist es ganz schön schwierig, wenn du nicht alles bekommst und ganz verzweifelt bist!" So lernt ein Kind aggressives Verhalten nicht schon vor dem Kindergarten!

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petrapetra64 06.02.2014, 09:51
@Barney123

Das Kind hat halt gerade erkannt, was es alles erreichen und bewirken kann und will voller Begeisterung alles ausprobieren, die Welt erkunden und entdecken und dann kommt so ein Spielverderber und sagt einfach "nein" und bremst einem aus. Macht uns Autofahrer auch manchmal wild, wenn wir im Sommer flott ueber die Strassen braussen und dann stossen wir auf einen Langsamfahrer, den man einfach nicht ueberholen kann und wir muessen im Schneckentempo hinterher tuckern. Zum Glueck haben die meisten aber gelernt, sich den Wutanfall weitgehend zu verkneifen.

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in dem alter völlig normal. trotzphase, sie testen die grenzen aus. ich wünsche euch gute nerven. mit etwa 5 wird es wieder besser, dann wird es zur pubertät wieder schlimm. ;-)

was die fenster angeht: kindersicherung reinmachen ist eh sicherer, sonst hüpft sie noch raus!

Das passt schon zum Alter. Meine Tochter hat sich in dem Alter immer mal gerne aus Wut hauf den Boden geschmissen. Ich sagte ihr immer: Wer sich hinschmeißt, der muss auch alleine wieder aufstehen. Die Blicke der Leute waren mit egal. Wenn ein Kleinkind anfängt handgreiflich zu werden, würde ich Folgendes tun. Die Hände des Kindes in meine nehmen und zu dem Gesicht des Kindes führen, dabei sagen, dass Hände zum Streicheln da sind. Meine Tochter hat mir auch in diesem Alter den letzten Nerv geraubt. Jetzt ist sie 10 Jahre und ein super Mädel. Konsequenz und Liebe sind die Zauberwörter. Auf keinen Fall Liebesentzug, so wie es hier vorgeschlagen wurde. Und vll. auch ab und zu daran denken, dass wir Erwachsenen ja manchmal auch unzufrieden über bestimmte Dinge sind, nur wir können halt besser damit umgehen.

bei leichteren fällen mit liebesentzug bestrafen und sie stetig daran erinnern warum sie das eine oder andere "goodie" jetzt nicht bekommt (weil sie nicht brav war...)

in extremeren fällen .. ab und zu mal psychologisch oder körperlich züchtigen. das kind muss sehen, dass sich andere auch beherrschen auch wenn es schwer fällt .... und wenn es begreift dass auch andere mal austicken können, wird es verstehen, dass es "fair untereinander" ist, wenn sich beide beherrschen auch wenn beide unzufrieden sind oder man mal was machen muss was nicht so schön ist. klingt heftiger als es gemeint ist aber genau an solchen scheidewegen sind die antiautoritären erziehungen gescheitert.

ich wünsche euch viel kraft und gute nerven. :-)

Menuett 03.02.2014, 17:45

Mit Liebesentzug bestrafen und für so eine Pille palle ein für den Rest des Lebens gestörtes Kind haben?

Elternliebe ist nur dann gesund, wenn sie bedingungslos ist.

Ein Kind in Deutschland hat ein Recht auf eine psychisch wie auch physisch gewaltfreie Erziehung

Das was Du da beschreibst, kann ein Kind in diesem Alter überhaupt nicht verstehen.

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Barney123 04.02.2014, 17:00
@Menuett

Hallo Menuett,

Ich finde Deinen Einwand hier richtig und wichtig. Aber wir sollten die Kleinen nicht unterschätzen, ich habe festgestellt, dass man sogar mit Zweijährigen erstaunlich vernünftig reden kann.

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hourriyah29 03.02.2014, 23:21

OH Meine Güte! Willst du ein braves, gebrochenes Kind oder ein sensibles, vernünftiges, selbstbewustes erziehen?

Züchtigung und Strafe - was soll das Kind daraus lernen?

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petrapetra64 05.02.2014, 16:15
@hourriyah29

Nein, sicher nicht mit Liebesentzug bestrafen und schon gar nicht spaeter daran erinnern oder bestrafen. Das ist ja grausam. Die Kinder koennen doch nichts dafuer, zumindest am Anfang. Erst wenn man nachgibt, lernen sie das gezielt einzusetzen.

Ignorieren, so lange der Anfall dauert, ja. Und das Fenster bleibt zu und fertig. Bzw. es wird im eigenen Bett geschlafen. Aber nach dem Anfall darf man natuerlich wieder gut zureden und beruhigen. Und natuerlich dem Kind wieder die volle Aufmerksamkeit (und Liebe) schenken.

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Hi choizz!

Als ich klein war, haben mir meine Eltern immer gesagt, sie würden die Polizei anrufen, wenn ich so weitermachen täte. Das hat dann ganz gut geklappt.

Ich wünsche Dir sonst noch veil Glück mit Deiner Kleinen!

Grüße, cowboy21!

kiniro 06.02.2014, 15:00

facepalm

Meine Eltern waren nicht perfekt - aber so einen Stuss hätten sie nie von sich gegeben.

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normal. ignoriert sie, wenn sie tobt. auch wenn sie euch strampft. oder geht aus dem zimmer. das klappt. sie wird zwar dann die erste zeit noch mehr toben aber mit der zeit kapiert sie, dass es keinen sinn hat. viel glück

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