Wurden im Mittelalter Kinder verkauft?

5 Antworten

Nein. Kinder sind im Mittelalter mehr als genug vorhandne. Sich eines zu kaufen, hätte wenig Sinn. Allerdings könnte eine arme Familie das Mädchen einem Bauern geben, damit es dort genug zu essen hat und auf dem Hof als Magd dient. Achte aber dann darauf, dass die Geschichte in einer Region spielt, in der es überhaupt freie Bauern gibt. Leibeigenen würde man das Kind nicht überlassen. Wenn der Bauer zu reich ist, wird er ein armes Kind nicht aufnehmen.

Ich hab eigentlich gemeint, dass Mädchen an Männer als Braut verkauft wurden.

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Im Tessin wurden Kinder zum Schornsteinfegerdienst nach Norditalien verkauft, Händler nutzten finanzielle Notlagen der Eltern aus. Ist im deutschsprachigen Raum, ok passt vielleicht nicht in dein Setting, aber aus der Dokumentation und historischen Schriften geht dies eindeutig so hervor. Ein gutes Buch darüber ist von Lisa Tetzner und Kurt Held, es heißt "Die Schwarzen Brüder". Hoffe konnte dir helfen.

Im Mittelalter sind Kinder verkauft worden.

Es hat Sklaverei gegeben und Sklavenhandel, auch mit Kindern, wurde betrieben. Beim sogenannten Kinderkreuzzug 1212 wurden viele am Ende in Nordafrika in die Sklaverei verkauft.

Bei den alten Römern und Germanen konnte ein Mensch Sklave durch Erblichkeit (geerbten Status), aber auch Selbstversklavung (der eigenen und/oder der Nachkommen) sein. Gefangenschaft durch Raubzüge oder Kriege konnte zu Verkauf in Sklaverei führen. Die christliche Kirche hat eine Versklavung christlich Getaufter untersagt, allerdings wurde dieses Verbot anfangs nicht immer beachtet und eingehalten. Eine allgemeine Ablehnung der Sklaverei (also nicht nur gewisse Einschränkungen) hat es im Christentum lange Zeit nicht gegeben (allgemeine Gegner waren Ausnahmen, die meisten tolerierten die Bestehen dieser Rechtsinstitution oder befürworten sie). Im Mittelalter war Osteuropa dort, wo es eine »heidnische« Bevölkerung gab, längere Zeit ein bedeutendes Herkunftsgebiet von Sklaven (das Wort »Sklave« ist wohl von »Slawe«/»Slave« abgeleitet).

Es gab im Mittelalter auch noch andere Formen der Unfreiheit, so verschiedene Arten von Hörigkeit (Hörige als gutsgebundene Abhängige von einem Landesherrn, Grundherren und Gerichtsherren) und die Leibeigenschaft (personengebundene herrschaftliche Abhängigkeit). Ursachen von Leibeigenschaft waren Kriegsgefangenschaft, Schuldknechtschaft, vor allem aber entsprechende Geburt nach dem Stand der Mutter oder der »ärgeren Hand« (nicht ebenbürtiger, das heißt im Status schlechterer/niedrigerer Ehepartner).

Vorgekommen ist ein Verkauf von Kindern in die Leibeigenschaft aufgrund von großer wirtschaftlicher Not.

Im Schwabenspiegel (um 1270 geschriebenes Rechtsbuch), das damaliges Gewohnheitsrecht in Südwestdeutschland enthält, wird es für Recht/rechtmäßig erklärt, wenn ein Mann sein Kind aus echter Not verkauft, indem er es als leibeigen einem Herrn gibt (»Eigenleute« ist eine Bezeichnung dieser Zeit und Region für Leibeigene). Dagegen darf er ein Kind nicht in ein Hurenhaus verkaufen und auch nicht an welche, die es töten wollen.

Schwabenspiegel Landrecht, 357 (nach Friedrich Leonhard Anton Freiherr von Laßberg):

„der sin kint verkouffet.
Unde ist daz ein man sin kint verkovffet. durch ehafte not. daz tut er wol mit rehte. er sol ez aber niht verkouffen in daz hur hus noch daz man ez toete. er git ez einem herren wol fvr eigen.“

Ein Verkauf als Braut an einen Mann war so direkt wie anscheinend überlegt im europäischen Mittelalter nicht möglich. Sowohl nach römischem Recht als auch nach kanonischem Recht (katholisches Kirchenrecht) ist ein beiderseitiger Ehewille/eine nicht erzwungene Zustimmung zur Ehe eine erforderliche Voraussetzung. Ein Mindestalter für Mädchen für eine vollgültig rechtswirksame Ehe betrug 12 Jahre. Nur mit einer Freien war eine Vollehe/vollgültige Ehe möglich. Mit einer Unfreien konnte eine Kebsehe eingegangen werden. Die christliche Kirche sah diese Form eines Eheverhältnisses nicht gerne.

Der Verkauf an einen Mann ist bei der Geschichte möglich als Verkauf in die Leibeigenschaft in einem ersten Schritt und einer Kebsehe in einem zweiten Schritt.

einige einführende Informationsmöglichkeiten:

Stéphane Lebecq, Sklaverei A. Westen I. West- und Mitteleuropa. In: Lexikon des Mittelalters, Band 7: Planudes bis Stadt (Rus'). München ; Zürich : Artemis, 1995, Spalte 1977 - 1980

Harald Ehrhardt, Sklaverei A. Westen II. Nordeuropa. In: Lexikon des Mittelalters, Band 7: Planudes bis Stadt (Rus'). München ; Zürich : Artemis, 1995, Spalte 1980 – 1982

Christian Lübke, Sklaverei A. Westen III. Östliches Europa . In: Lexikon des Mittelalters, Band 7: Planudes bis Stadt (Rus'). München ; Zürich : Artemis, 1995, Spalte 1982 – 1983

Michele Luzzati, Sklaverei A. Westen IV. Europäisches Spätmittelalter. In: Lexikon des Mittelalters, Band 7: Planudes bis Stadt (Rus'). München ; Zürich : Artemis, 1995, Spalte 1983 – 1984

Günter Prinzing, Sklaverei B. Byzanz. In: Lexikon des Mittelalters, Band 7: Planudes bis Stadt (Rus'). München ; Zürich : Artemis, 1995, Spalte 1984 – 1985

Hans-Georg von Mutius, Sklaverei C. Judentum. In: Lexikon des Mittelalters, Band 7: Planudes bis Stadt (Rus'). München ; Zürich : Artemis, 1995, Spalte 1985 – 1986

Hansgerd Glöckenjan, Sklaverei D. Muslimischer Bereich [1] Araber. In: Lexikon des Mittelalters, Band 7: Planudes bis Stadt (Rus'). München ; Zürich : Artemis, 1995, Spalte 1986

Hansgerd Glöckenjan, Sklaverei D. Muslimischer Bereich [2] Mongolen. In: Lexikon des Mittelalters, Band 7: Planudes bis Stadt (Rus'). München ; Zürich : Artemis, 1995, Spalte 1986 - 1987

Suraiya Faroqhi, Sklaverei D. Muslimischer Bereich [3] Osmanisches Reich. In: Lexikon des Mittelalters, Band 7: Planudes bis Stadt (Rus'). München ; Zürich : Artemis, 1995, Spalte 1987 - 1988

Hans-Werner Goetz, Leibeigenschaft: Lexikon des Mittelalters, Band 5: Hiera-Mittel - Lukanien. München ; Zürich : Artemis, 1991, Spalte 1845 – 1848

Peter Weimar, Ehe B. Recht I. Römisches Recht. In: Lexikon des Mittelalters. Band 3: Codex Wintoniensis bis Erziehungs- und Bildungswesen. München ; Zürich : Artemis, 1986, Spalte 1621 – 1623

Rudolf Weigang, Ehe B. Recht II. Kanonisches Recht. In: Lexikon des Mittelalters. Band 3: Codex Wintoniensis bis Erziehungs- und Bildungswesen. München ; Zürich : Artemis, 1986, Spalte 1623 - 1625

Bei Abhandlungen zu geschichtlichen Formen von Eheschließungen kommt unter anderem die Bezeichnung »Kaufehe« vor. Allerdings ist Vorsicht anzuwenden. Ein Brautgeld/eine Brautgabe kann eher eine Brautwerbungsgeschenk sein, die Familien in eine Verhältnis setzen und der Sicherung dienen, wenn die Frau Witwe wird. Für die dotierte Muntehe (nach germanischen Recht zwischen dem Muntwalt der Frau und dem künftigen Ehemann vereinbart), bei der vom Bräutigam der Muntschatz (die dos) gegeben wurde (die volle und normale Form germanischer Eheschließung), ist die Bezeichnung Kaufehe irreführend, auch wenn die Frau dabei weitgehend Objekt blieb. Die Frau wurde durchaus als Person angesehen und geachtet. Die dos war kein Kaufpreis bei einem Brautkauf, sondern Ablösung des personalrechtlichen Gewaltverhältnisses der Familie über die Frau (Edith Ennen, Frauen im Mittelalter. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. München : Beck, 1991, S. 35).

Im Alten Orient war die Gewährung von Brautgeld, allein an die Braut oder außerdem an die Eltern der Ehefrau, eine von mehreren Arten der Eheschließung. Deutungen, ob z. B. in Babylonien eine Art von Kaufehe vorkam, gehen auseinander.

ein kurzer Artikel in einem Nachschlagewerk:

Raymond Westbrook, Ehe I. Alter Orient. Übersetzung: Hans Jörg Nissen. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 3: Cl - Epi. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1997, Spalte 893

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Den Eindruck eines Verkaufs von Mädchen an Männer erwecken mancher Erzählungen über Völker in Afrika (z. B.) Naturvölker wie Hottentotten) und Asien (z. B. Indien). Zu überprüfen wäre, ob die Vorstellungen einer Kaufehe dabei zutreffen und inwieweit die Mädchen eine Ehe mit einem bestimmten Mann ablehnen konnten

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Ja, es gab sehr arme Landstriche, ich weiß nur von der Alpenregion, wo Eltern gegen ihren Willen, aus reiner Not gezwungen waren, ihre Kinder nach zB Schwaben an wohlhabende Bauern oder Bürger zu verkaufen, manchmal nur für eine Saison. Die Kinder wurden auf Märkten angeboten und mussten dann hart auf den Feldern arbeiten, oder, wenn sie Glück hatten, als Dienstmädchen in einem Haushalt. Manche wurden auch missbraucht.

Sie wurden getauscht. Z.b. sogenannte lustknaben

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