wurden die erwartungen der nationalisten durch den wiener kongress erfüllt?

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2 Antworten

Nein, die Ergebnisse des Wiener Kongresses waren für die Vorstellungen und Wünsche vieler Nationalisten bzw. national empfindender Bürger eine Enttäuschung. Bei den Erwartungen ist allerdings sowohl ein Bezug auf eine erwünschte Gestaltung der Verhältnisse als auch ein Bezug auf Hoffnungen, die auf die Verhandlungen beim Wiener Kongress gesetzt wurden, möglich. Eine kluge Einschätzung konnte die Erwartungen an die Verhandlungen bereits nicht sehr hoch stecken.

Die Neuordnung Europas war nicht vom Nationalitätsprinzip bestimmt.

Die Fürsten hatten beim Wiener Kongress einige übergeordnete Grundsätze/Prinzipien:

1) Restauration: weitgehende Wiederherstellung der Verhältnisse vor der Französischen Revolution 1798, also Rückkehr zu den alten politischen Zuständen

2) Legitimität: Rechtmäßigkeit der Herrschaft der Fürsten, die auf althergebrachten Rechten beruht, die Herrschaftsbefugnis wird auch religiös gerechtfertigt (Gottesgnadentum der monarchischen Dynastien); das von Napoleon geschaffene Staatensystem wurde beseitigt und alte Dynastien (mit wenigen Ausnahmen bei ehemaligen Kleinstaaten) wiedereingesetzt

3) monarchische Autorität: die Fürsten wollten eine starke Stellung nach innen in ihren Staaten, die nicht vom Volk erschüttert werden sollte (Zementierung der Fürstenmacht)

4) monarchische Solidarität: die Fürsten wollten ihre (wiederhergestellte) Herrschaft durch Zusammenarbeit ihrer Staaten sichern und festigen, beabsichtigt war eine einträchtige gemeinsame (solidarische) Abwehr revolutionärer Erhebungen, Hilfe von außen sollte die Stellung der Fürsten gegen liberale und nationale Bewegungen schützen und diese Gegner bekämpfen

5) Gleichgewicht und Frieden: die Kräfteverhältnisse sollten ausbalanciert sein und in Europa ein Gleichgewichtssystem hergestellt werden, bei dem kein einzelner Staat eine deutliche Übermacht besitzt (wie zeitweise Frankreich unter dem „Usurpator“ – Herrscher, der „unrechtmäßig“ die Herrschaft an sich gerissen hatte – Napoleon); 5 Großmächte (Frankreich, Großbritannien, Russland, Preußen und Österreich) standen im Mittelpunkt des Systems (Pentarchie), das Frieden untereinander gewährleisten sollte

In Deutschland wurde der „Deutsche Bund“ geschaffen, ein Staatenbund, der einen losen Zusammenschluss der deutschen Länder wiederherstellte, in dem aber die Einzelstaaten souverän waren und auf Bundesebene vor allem eine gemeinsame Sicherheitspolitik beabsichtigt war. Die Fürsten kleiner Staaten konnten ihr Gebiet regieren (einige wenige ehemalige Fürsten sehr kleiner Staaten, die vorher in andere Staaten eingegliedert worden waren - Mediatisierung und Säkularisierung im Reichsdeputationshauptschluss - , erreichten keine Wiederherstellung). Ein starker Einheitsstaat Deutschland, der das das damalige europäische Gleichgewicht berührt hätte, wurde von den Fürsten nicht gewünscht. Der Wiener Kongress führte nicht zu einem Nationalstaat, sondern hielt grundsätzlich am Partikularismus fest.

Der Wiener Kongress stand mit seiner Politik in Gegensatz zu nationalen Strömungen, die damals oft auch einig mit Ideen von Freiheit und Volksherrschaft verbunden waren. Auch Italien bekam keine politische Einheit als Nationalstaat. Die polnischen Gebiete wurden unter Russland (der russische Zar herrschte in Personalunion über Kongresspolen), Preußen und Österreich aufgeteilt (die Republik Krakau, ein Stadtstaat war ein gemeinsames Protektorat).

Die Restauration in Europa war eine Absage an die nationalen Kräfte, die für die Gründung von Nationalstaaten eintraten.

FR1848 10.01.2010, 18:19

Sehr schön Albrecht, ich häts vlt. höchstens ein bisschen kürzer gemacht. ;-))

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Nein! Eine Gründung von Nationalstaaten hätte die Macht der Fürsten- und kleineren Königreiche gefährdet! Kurze Frage, präzise Antwort!

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