Wurde Maria eigentlich nie gefragt, ob sie die Mutter von Jesus werden wollte?

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12 Antworten

Die Fragen, die du stellt beinhalten viele theologische Fragen. Sie beinhalten wesentliche Elemente, die zum Glauben über das Wesen Gottes gehören und wesentliche Inhalte der Mariologie. 

Tatsächlich gibt es im Christentum keine Prädestinationslehre. Das würde bedeuten, dass Gott den Lebensweg des Menschen festlegt, was dem freien Willen des Menschen, der ein wesentliches Fundament des Christentums ist, widerspräche.  Dann stellt sich die Frage, wie Gott trotzdem wissen kann, was geschehen wird. Die Antwort ist eigentlich einfach: Gott ist ewig. Ewig heißt nicht, dass es einfach eine Linie gibt, auf der halt irgendwo ein Punkt ist, auf dem ein Ereignis stattfindet. Diese Linie habe keinen Anfang und kein Ende. Das würde heißen, dass Ewigkeit parallel zur Zeit verläuft. Aber das wäre ein falsches Verständnis von Ewigkeit. Ewigkeit heißt eigentlich Zeitlosigkeit. Gott ist nicht an die Zeit gebunden, d.h., er existiert jenseits der Zeit und erlebt nicht einen Moment nach dem anderen, sondern Gott erlebt vielmehr alles gleichzeitig, wenn man es doch irgendwo in menschliche Worte fassen will. Diese Ewigkeit kann der Mensch nicht wirklich verstehen, deshalb ist es schwer, die Ewigkeit Gottes zu denken. D.h. alles ist für Gott geschehen, geschieht für Gott und wird für Gott geschehen. 

Gott hat also Maria auserwählt, um die Mutter für Gott zu sein. Gott wollte eine reine Frau, denn im Alten Testament wurden die Gebote Gottes in ein reines, vergoldetes Gefäß getan. Aber wenn das Wort Gottes dann Fleisch wird, muss es dann nicht in einem noch viel reineren Gefäß kommen? Aus diesem Grunde hat Gott Maria als unbefleckt gebären lassen. Nun wuchs diese Frau heran, wurde dem Tempel geweiht und hat vermutlich durch Kontakte zu den Essenern ein Jungfrauengelübte abgelegt. Sie hat sich nun verlobt und dann kam der Engel mit der Botschaft und Maria wurde darüber aufgeklärt, dass sie ausgewählt wurde. Nun hing es gänzlich von ihr ab. Es kam auf ihren Willen an, ob sie es zulassen wollte. Maria gibt das "Ja-Wort", das du offenbar falsch aufgefasst hast: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort." Das heißt mit anderen Worten: Ich unterwerfe mich Gott und tue, was er mir sagt. Das bedeutet schließlich, dass Maria sich für Gottes Heilsweg hingibt: auf sie kommt es an, denn ohne sie wäre Gott nicht Mensch geworden. Maria ist die neue Eva, die perfekte Frau. Sie hört ganz auf Gott. Somit kam das Heil durch Maria. Und sie ist so nicht nur Mutter Gottes, sondern Mutter aller Menschen. Deshalb spielt die Marienverehrung in der katholischen Kirche auch eine so große Rolle: sie ist die perfekte Frau, sie hat die Erlösung überhaupt nur möglich gemacht. Damit nimmt sie nach Jesus für die Christen die höchste Position in der Geschichte der Menschheit ein. Durch ihr "Ja-Wort" begann die Erlösung, durch sie kam das Heil. Sie hätte natürlich auch "Nein" sagen können. Dann wäre der Mensch nicht erlöst, aber Gott hat ganz auf sie vertraut, dass sie seinen Plan der Erlösung unterstützt. Und dafür hat sie ihren Platz als regina caelorum verdient. Frei von Sünde musste sie nicht sterben, sondern ist wie ihr Sohn in den Himmel aufgefahren und tut das, was alle Mütter am liebsten tun: sie ist bei ihrem einzigen Sohn.

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Kommentar von marinchen65
05.03.2017, 18:46

Antwort nicht biblisch, nur katholisch und damit nicht haltbar !

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Mit dem ersten Absatz ("Bisher hatte ich immer gedacht...")  hast du recht.

Dass Maria ohne Erbsünde empfangen sei, ist eine Lehre der katholischen Kirche und biblisch nicht haltbar.

Ansonsten kann man das so sehen dass Maria zwar wirklich freiwillig JA zu ihrer Berufung gesagt hat (wie es jeder ernsthafte Christ machen sollte)*. Gott dies aber schon vorher wusste (er ist ja auch allwissend). Ich bin der Meinung, dass man aus der Bibel auch eine Prädesinationslehre ableiten kann. Ob es korrekt ist, kann ich aber nicht sagen.

*Als Einschub: Wenn ein Christ, der ernsthaft nach Gottes Willem fragt, seine Berufung findet oder sie "angeboten bekommt", fällt es ihm in der Regel trotz widriger Umstände und rationaler Gründe die dagegen sprechen, nicht allzu schwer, ein JA dazu zu haben.

Und dir rate ich, lies die Bibel, so dass du unterscheiden lernst, was dir ein konservativer Priester erzählt, und was tatsächlich die Grundlage christlichen Glaubens ist.


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Ich sehe das so: Jeder Mensch hat eine Bestimmung /Schicksal, es obliegt aber dem Menschen selbst, diese zu erfüllen. Wenn er es nicht tut, weil er es z.B. nicht mag, bekommt er ein anderes Schicksal. Und ein anderer Mensch nimmt seinen Platz ein.

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Wo findest Du zu Deinen Fragen verlässliche Infos? Richtig: in der Bibel:

"... wurde der Engel Gạbriel von Gott [nach] Nạzareth gesandt, 

27 zu einer Jungfrau, die einem Mann namens Joseph aus dem Hause Davids zur Ehe versprochen war; und der Name der Jungfrau war Maria. 

28 Und als er bei ihr eintrat, sprach er: „Guten Tag, du Hochbegünstigte, Jehova ist mit dir.“ 

29 Sie aber wurde bei dem Wort tief beunruhigt und begann zu überlegen, was das für ein Gruß sei. 

30 Da sagte der Engel zu ihr: „Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gunst bei Gott gefunden; 

31 und siehe, du wirst in deinem Schoß empfangen und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. 

32 Dieser wird groß sein und wird Sohn des Höchsten genannt werden; ... 

34 Maria aber sprach zu dem Engel: „Wie soll dies sein, da ich keinen ehelichen Verkehr mit einem Mann habe?“ 

35 Der Engel antwortete ihr und sprach: „Heiliger Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Geborene heilig, Gottes Sohn, genannt werden. 

38 Da sagte Maria: „Siehe! Jehovas Sklavin! Mir geschehe nach deiner Erklärung.“ Darauf schied der Engel von ihr. (Lukas, Kap. 1)

Der Bote Gottes hat ihr eine Mitteilung gemacht. Das war für sie verwirrend und unwahrscheinlich, aber sie hat auf Gott vertraut, obwohl eine Schwangerschaft unter diesen Umständen schwerwiegende Folgen für sie als Jüdin hätte haben können.

Sie wurde nicht gefragt, ob sie möchte. Jehova hat ihren Herzenszustand überprüft und kam zu dem Schluss, dass sie die richtige sei. Sie war demütig und hatte Gottvertrauen.

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Hatte Jesus ein vormenschliches Dasein im Himmel? JA:

Kol. 1:15-17 (EÜ): „Er [Jesus] ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. . . . Alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen. Er ist vor aller Schöpfung.“

Joh. 17:5 (EÜ): „[Jesus sagte im Gebet:] Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war."

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Wurde Maria von ihrer Mutter unbefleckt und ohne Erbsünde empfangen?

In der New Catholic Encyclopedia (1967, Bd. VII, S. 378 bis 381) wird über den Ursprung dieser Glaubensansicht zugegeben: „Die Heilige Schrift enthält keinen direkten Hinweis auf die unbefleckte Empfängnis Marias . . . Die frühesten Kirchenväter betrachteten Maria als heilig, aber nicht als absolut sündenlos. . . . Es ist unmöglich, ein genaues Datum dafür anzugeben, ab wann diese Ansicht zu einem Glaubenssatz erhoben wurde. Aber bis zum 8. oder 9. Jahrhundert schien sie allgemein angenommen worden zu sein. . . . [Im Jahre 1854 definierte Papst Pius IX. das Dogma,] ‚gemäß dem die selige Jungfrau Maria vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an von jedem Makel der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde.‘ “ 

Diese Ansicht wurde vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962—1965) bestätigt (Das Zweite Vatikanische Konzil, Freiburg, 1966, herausgegeben von Herder, Teil I, S. 335).

Die Bibel hingegen sagt: „Deshalb, wie durch e i n e n Menschen [Adam] die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod und so der Tod auf alle Menschen überging auf Grund der Tatsache, daß alle sündigten“ (Röm. 5:12, JB). 

Schließt dies Maria ein? Die Bibel berichtet, daß Maria in Übereinstimmung mit dem mosaischen Gesetz 40 Tage nach der Geburt Jesu im Tempel in Jerusalem ein Sündopfer zur Reinigung von ihrer Unreinigkeit darbrachte. Das wäre nicht nötig gewesen, wenn sie ohne Erbsünde gewesen wäre.

Auch sie hatte von Adam die Sünde und die Unvollkommenheit ererbt (Luk. 2:22-24; 3. Mo. 12:1-8).

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Blieb Maria immer eine Jungfrau?

Mat. 13:53-56 (JB): „Und als Jesus zu Ende war mit diesen Gleichnisreden, zog er von dort weiter. Und er kam in seine Vaterstadt und lehrte sie in ihrer Synagoge, so daß sie staunten und sagten: ,Woher hat der diese Weisheit und die Wunderkräfte? Ist das nicht des Zimmermanns Sohn? Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder [griechisch: adelphói] Jakobus und Joseph und Simon und Judas? Und sind nicht seine Schwestern [griechisch: adelphái] alle bei uns?‘ “ 

Maria hatte nach der Geburt Jesu weitere Söhne und Töchter.

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Maria ist nicht die Mutter Gottes, sondern die Mutter von Jesus — des Sohnes Gottes.

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Kommentar von marinchen65
05.03.2017, 18:48

Gute, biblisch fundierte Antwort !!

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Das "ohne Erbsünde empfangen" ist die Vorraussetzung für diese Freiheit. Die freie Entscheidung ist durch die Erbsünde praktisch nicht getrübt. Aber sie hätte mit der gleichen Freiheit auch "Nein, Danke!" sagen können. Das wär's dann gewesen, ein netter Versuch.

Gott sei Dank --- und an Maria auch --- dass die Entscheidung positiv augefallen war.

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Du hast bisher richtig gedacht: Maria wurde gefragt, ob sie die Mutter Jesu werden will.

Wenn dich die Fragen, die du gestellt hast, so brennend interessieren, wieso liest du dann nicht die einschlägige Literatur dazu? Das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis (Ineffabilis Deus) kann dir Auskunft geben.

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maria als magd des herrn (tempeljungfrau) wurde natürlich NICHT gefragt, denn die hatte zu gehorchen in damaliger zeit

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Da wurde nicht gefragt, einfach gemacht. In vielen alten Mythen ist das genauso. Manchmal sogar mit Gewalt.

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Maria war vollkommen

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Doch, sie wurde gefragt. Lies einmal Luk : 26-38.

Andererseits ist Maria ja "ohne Erbsünde empfangen", das heißt, es war schon vor ihrer Zeugung festgelegt, dass sie anders als alle anderen Menschen ist.

Maria wurde nicht ohne Erbsünde geboeren, weil es so etwas wie eine 'Erbsünde' im klassischen Sinn nicht gibt und das lediglich machgierigen Hirnen entsprungen ist.

Die Erbsünde wurde erfunden, um die Menschen zur Taufe ihrer Kleinkinder zu drängen, hat also rein mit Macht zu tun und nichts mit biblischer Lehre.

Wer heute noch diese Sache lehrt ist alles, aber kein Christ, sondern bestenfalls ein vom Teufel inspirierter Theologe.

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Auch das ist ein brilliantes Beispiel dafür, dass die Bibel an vielen Stellen nicht der Logik folgt. Ein von Menschen für Menschen erdachtes Werk, um Autorität zu schaffen, mehr nicht.

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Kommentar von Anthropos
05.03.2017, 17:57

Ja, natürlich für Autorität. Etwa für die Autorität der römischen Kaiser, dass sie alle, die daran glaubten, hinrichten ließen? Für den Diktator in Nordkorea, dass er einen Grund hat, mehr Leute zu töten? Die Menschen, die diese Bibel lesen, sind die am meisten verfolgte Gruppe auf der Erde. Das sollte man vielleicht nicht vergessen.

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damals war es unüblich Frauen nach ihrer Meinung oder ihren Wünschen zu fragen

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