Wurde jemand im 18 Jhr ohne Gericht verhaftet?

...komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Im 18. Jahrhundert gab es in Deutschland nahezu ausschliesslich die absolute Monarchie. es galt noch (bis 1806!) die alte Reichsverfassung des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" .

Nachzulesen unter wikipedia.org/wiki/HeiligesRömischesReich#VerfassungdesReiches

Das bedeutet: Sehr wohl konnte jeder Untertan und jeder Beamte (auch der war Untertan!) auch willkürlich verhaftet werden, auch misshandelt und gehängt oder verbrannt.

Der Befehl des jeweiligen Gerichtsherrn genügte.

Die Rechtsprechung (niedere Gerichtsbarkeit) lag zumeist in der Hand der Feudalherren, konnte aber auch verpachtet sein, so dass manche Prozesse (und Verhaftungen) nur im finanziellen Interesse des jeweiligen Richters (des Pächters!) stattfanden.

Hier nachlesen: wikipedia.org/wiki/Niedere_Gerichtsbarkeit

Die "hohe Gerichtsbarkeit" war den höheren Herrschaften vorbehalten. So wurden Mitglieder des Adels meist nicht gehängt sondern mit dem Schwert enthauptet. Toll, nicht? Aber auch hier konnte ein Befehl des Gerichtsherrn (ohne ordentliches Urteil nach Recht und Gesetz!) ohne weiteres zu Verhaftung und Kerker oder Tod führen.

Hier nachlesen: de.wikipedia.org/wiki/Hohe_Gerichtsbarkeit

Ein Beispiel hierfür ist das "Verschwinden" von politisch unliebsamen oder anderweitig "haftwürdigen" Personen auf der Festung Königstein (Sachsen). Hier die Liste der Gefangenen, von denen vor 1806 kaum einer ein Gerichtsurteil gehabt haben dürfte. Insbesondere nicht der (angebliche) "Goldmacher" und (wirkliche) Erfinder des Europäischen Porzellans, Johann Friedrich Böttger. Der wurde einfach verhaftet und bis ans Lebensende (zuletzt auf der Albrechtsburg zu Meissen) gefangen gehalten, weil der Kurfürst von Sachsen das Geld eben brauchte. So einfach war das.

Hier nachlesen: de.wikipedia.org/wiki/FestungKönigstein#DieFestungalsGef.C3.A4ngnis

Verhaften ist nicht gleich Gefängnisstrafe!

Sondern das Verhaften dient der Sicherstellung der Person, damit sie bis zur Klärung der Umstände und Personalien nicht flüchtet, oder Beweise vernichtet.

Bis zur Verhängung der eigentlichen Strafe kann die Person auf freien Fuß kommen - oft noch in der selben Stunde der Festnahme - oder bei schweren Vergehen oder Verdunklungsgefahr (Vernichtung von Beweisen) in Untersuchungshaft verbleiben.

Ok, nach allem was man hier so über das neue Putin-Russland hört, mag es in Russland anders sein - wer da in die Fänge der Polizei gerät hat nichts zu lachen, wird verletzt, oder kommt gar zu Tode - aber hier in Deutschland ist das wesentlich gerechter.

Ratirat 22.01.2013, 19:41

Nein nein, eine Verhaftung setzt einen richterlichen Haftbefehl voraus. Wenigstens im heutigen Deutschland.

Die "Sicherstellung der Person, damit sie bis zur Klärung der Umstände und Personalien nicht flüchtet, oder Beweise vernichtet." ist zwar unter Umständen auch ohne haftbefehl möglich, das nennt man dann aber Festnahme oder Gewahrsam.

0

Was möchtest Du wissen?