Wurde früher auch schon so genau die Zeit gemessen?

Wie kommst du auf diese Frage?

Naja, ich bin vorhin grad aufgestanden, hab den Geschichtetest an der Wand gesehn wo ich ne 1+ hatte und auf die Uhr geschaut und dann kam halt eines zum anderen...

8 Antworten

Es war eine Frage des Überlebens. Schon in der Steinzeit war es wichtig jahreszeitlich bedingte Tierwanderungen zu wissen.

Nach der Seßhaftwerdung mussten unsere Vorfahren Sonnenwenden und Tag- und Nachtgleichen kennen um Aussaat und Ernte zu bestimmen. Früheste Überbleibsel reichen ca. 11.000 Jahre zurück.

Durch Beobachtung von Sonne, Mond und Sterne entstand somit sehr früh erste Kalender. In unserer Hemisphäre ist ein erster Kalender im römischen Reich ca. aus dem Jahr 450 v. Chr. bezeugt. Monate wurde mit der Zeit nach Göttern oder Kaisern benannt und Jahre erstmal nach dem Regierenden gezählt ("Im Jahr 4 des Konsuls..."). Wochentage gab es mal neun, mal acht, aber an den alten Mondkalendern angelehnt hat sich irgendwann mal die 7-Tage-Woche durchgesetzt (Mondphase: 28 Tage).

Ca. 175 v. Chr. wurde aus den ersten Mondkalendern ein gemischter Sonne-Mond-Kalender. Seit 45 V. Chr. galt bei uns der Julianische Kalender (Name von Julius Caesar), der bis 1582 galt und von Papst Gregor nur etwas reformiert wurde (Schaltjahre und 10 Tage übersprungen) und bis heute gilt.

Unsere Jahreszahlen gibt es etwa seit dem 700. Jahrhundert, als ein findiger Mönch (Venerabilis) rückwirkend das Geburtsjahr Jesu errechnen wollte. Dazu dienten ihm die Regierungszeiten einzelner Herrscher. Wir wissen heute, er hat sich nur um wenige Jahre verrechnet (Jesus ist wohl zwischen 7 und 4 v. Chr. geboren).

Tag und Monat war den Menschen zum Überleben von Anfang an wichtig. Das wissen wir auch von den so genannten "Bauernregeln", die auch durchscheinen lassen, dass ein Heiligengedenktag wesentlich wichtiger war, als das eigentliche Datum. Manche "Alte" sprechen immer noch so: "Heute ist Lichtmess." - nie käme man auf die Idee vom 2. Februar zu reden.

Jahreszahlen dürften in den letzten Jahrhunderten vielleicht nur die "Oberen 10.000" interessiert haben, haben doch bis vor wenigen Jahrhunderten die Menschen gar nicht mitbekommen, wer sie regiert hat. Vielleicht hat es sich in der "Aufklärung" durchgesetzt, dass man weiß, wann man lebt, damit man sich zu historischen Ereignissen in Beziehung setzen konnte. Wahrscheinlich durchgesetzt - im einfachen Volk - hat sich die Jahreszahl im täglichen Leben erst in der Zeit der Industrialisierung (allerdings konnte ich zu dieser Behauptung keine Quelle finden - nach allem, was ich aber recherchieren konnte, scheint mir das eine logische Erklärung zu sein - vorher bestand kein Bedarf, kein Interesse).

Meine Urgroßmutter hätte den heutigen Tag (08.06.) so gefasst: "An St. Medardus wird ausgemacht, ob 40 Tage die Sonne lacht."

Woher ich das weiß:Hobby

Exakte Kalender waren bereits in den ersten Zivilisationen bekannt, dort aber nur einem kleinen Kreis, meist Priester, vorbehalten. Die Darstellung vom TT.MM.YYYY hat sich dann über die Jahrhunderte von oben nach unten in der Gesellschaft durchgesetzt. Wasseruhren waren bereits um 800 aus dem arabischen Raum bekannt. Mechanische Uhren kamen in Europa ab dem 12.Jhdt als Prestigeobjekte in den Städten auf. Die Kirchen folgten später. In Frankreich wurden am Ende des MA / frühe Neuzeit Uhren mit Schlagwerk im Weinbau eingesetzt und sollten die Arbeitszeit der Tagelöhner, über die es dauernd Streit gab, regeln. Diese Uhren gingen aber sehr ungenau. Uhrmacher fuhren dann von Dorf zu Stadt um die Anlagen zu warten und je einen "städtischen Mitarbeiter" in der täglichen Korrektur zu unterweisen.

Exaktere Uhren wurden dann mit der Seefahrt zur Bestimmung des Längengrads und später beim Eisenbahnbetrieb zur Einhaltung der Fahrpläne benötigt.

Das Datum spielt seit den ersten Hochkulturen eine große Rolle, damals gerechnet nach Herrschern oder römischen Konsuln: "Im Jahr des ersten Konsulats von Q. Tullius Cicero an den Iden des Januars" (= Monatsmitte).

Im Mittelalter wurde dann mit dem genauen Tagesdatum gerechnet, 8. Juni 1350 usw., nur oft mit dem Zusatz "Am Tag vor dem Michaelsfest, drei Tage nach Maria Himmelfahrt" usw.).

Ab der Neuzeit um 1500 alles wie heute.

Ich denke , dass damals eine Sonnenuhr verwendet worden ist . Die gibt es ja schon ziemlich lange

Im 18. Jahrhundert? Da gab es schon längst Uhren...

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Ja, hat man. Den gregorianischen Kalender den wir heute benutzen gibt es schon seit dem Ende des 16. Jahrhunderts. Den julianischen Kalender, der nur minimal von unserem abweicht, gibt es sogar schon seit 45 vor Christus.

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