Wurde es jemals in Erwägung gezogen, Zeichensetzung in die gesprochene Sprache zu integrieren?

7 Antworten

Ja, bei Überlegungen zu entworfenen Sprachen (Plansprachen).

Besonders wichtig sind drei Punkte:

1) Hörbare Kennzeichnung von Namen

2) Hörbarer Beginn und Ende von Zitaten (Anführungszeichen)

3) Hörbare Begrenzung von Komposita oder Satzteilen (das wäre im Englischen sehr wünschenswert)

Es gibt Plansprachen wie Toki Pona, die die obigen Wünsche zum Teil umgesezt haben.

Die hörbare Kennzeichnung von Namen ist wichtig, damit man fremde Namen nicht in seinem Wörterverzeichnis im Gedächtnis sucht, sondern gleich weiß, dass das sinnlos ist. Außerdem werden Homonyme mit Inhaltswörtern vermieden.

Beispiel: Ariovist hatte seine Franziska fest im Griff.

a) Franziska (Name): war wohl eine seiner Frauen ;-)

b) Franziska (kein Name): Wurfaxt der Germanen

Entscheidungsfragen (auf die man nur mit "ja" oder "nein" antworten kann) erkennt man in sehr vielen Sprachen nur an der Veränderung der Intonation am Ende (im Deutschen zusätzlich Umstellung der ersten Satzteile). Im Esperanto werden solche Fragen sämtlich mit "ĉu" ('ob') eingeleitet, so dass der Hörrer gleich weiß, dass jetzt eine Frage kommt. Im Schriftlichen wird dann trotzdem noch am Ende ein Fragezeichen gesetzt (gebotene Redundanz).

Der Sinn von Zeichensetzung ist nicht der, geschriebenen Text "bunter" zu machen (und schon garnicht der, Schüler zu quälen), sondern die Satzzeichen sollen die Intonation der gesprochenen Sprache so gut es geht abbilden, damit der Text ähnlich strukturiert wie die Sprache gelesen und verstanden werden kann.

Das Mitsprechen von Satzzeichen macht nur Sinn, wenn eine Schreibhilfe notwendig ist (etwa beim Erlernen der Zeichensetzung oder Verwendung von Spracherkennungssystemen), oder für eine gezielte Betonung. Eine oft praktizierte Form gezielter Betonung von Satzzeichen ist ja auch die Geste der "in die Luft gemalten" Anführungszeichen.

Nein. Man hat mal überlegt, Orthografie in die gesprochene Sprache zu integieren. Da aber Orthografie schon bei geschriebener Sprache selten problemlos ist, hat man die Integration der Interpunktion in die gesprochene Sprache zunächst einmal auf Eis gelegt, um sich dringlicheren Problemen widmen zu können.

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