Würdet ihr gerne offen über Abtreibung reden?

Das Ergebnis basiert auf 22 Abstimmungen

Ja, man sollte offen über Abtreibung reden 95%
Nein, besser nicht über Abtreibung reden 5%

6 Antworten

Ja, man sollte offen über Abtreibung reden

Wie bei so vielen Themen im Bereich Schwangerschaft und Geburt wäre es auch hier wünschenswert, offen darüber zu reden.

Es ist für alle ungewollt Schwangeren sehr unschön, dass es ihnen so schwer gemacht wird, sich mit der ungewollten Schwangerschaft wertfrei auseinander zu setzen.

"Selbst schuld, hättest du mal besser verhütet", "du tötest Kinder", "dein Leben ist kaputt, du bekommst für immer Hartz4", "du willst doch nur Unterhalt kassieren und dir auf Kosten von XY ein schönes Leben machen" sind nur einige der Sätze, die man sich dann anhören muss.

Dunkelziffer unbekannt

Gar so hoch ist die Dunkelziffer vermutlich nicht, da es ja möglich ist, in Deutschland bis zur 14. Woche straffrei abzutreiben.

Das werdende Leben im Mutterleib ist kein Zellhaufen, sondern ein ungeborenes Kind.

Richtig. Es ist ein WERDENDES noch UNGEBORENES Leben. Während die Mutter tatsächlich am Leben ist. Von daher ist es für mich tatsächlich fraglich, warum das Ungeborene mehr Wert sein soll als die Mutter.

Denn reden wir mal offen über Schwangerschaften und ihre Auswirkungen:

Eine Schwangerschaft ist eine körperlich ziemlich belastende Angelegenheit. Und die Gebärmutter ist kein Pickel, der halt mal neun Monate anschwillt und dann platzt und dann ist alles wieder wie vorher.

Mit Wunschkind kann eine Schwangerschaft ein wunderbarer Zustand sein, du genießt die Zeit und freust dich über deine Kugel. Die lästigen Begleiterscheinungen - Unterleibsschmerzen, regelmäßige Übelkeit, permanentes Sodbrennen, Stimmungsschwankungen, Blasenschwäche, Schlafstörungen und so weiter nimmt man in Kauf, weil man sich ja schon auf das Kind freut. Aber sogar mit Wunschkind ist eine Schwangerschaft auch ein beängstigender Zustand. Der Körper verändert sich wie nie zuvor und du bist dem machtlos ausgeliefert.

Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie schlimm es sein muss, ein ungewolltes Kind austragen zu müssen.

Und dann ist da ja noch die Geburt an sich. In Deutschland sind ca. 30% aller Geburten Kaiserschnitte, also eine massive, große Bauch-OP mit jeder Menge möglicher Spätfolgen (Wucherungen, Verwachsungen, beeinträchtige Funktion der Eierstöcke, Unfruchtbarkeit, Wundschmerzen, erhöhtes Risiko einer Plazenta accreta,...) und Komplikationen (Lungenembolie, starker Blutverlust, Thrombosen, ...) Bei den restlichen Geburten wird in etwa 30% der Fälle ein Dammschnitt gemacht - also das Gewebe zwischen Scheide und After durchgeschnitten. Es kommt auch nicht so selten vor, dass das Gewebe von selbst einreißt, wenn der Kopf des Kindes sich seinen Weg bahnt.

Der Beckenboden wird durch Schwangerschaft und Geburt massiv belastet. In einer britischen Studie gaben 38% aller befragten Frauen noch 12(!) Jahre nach der ersten Geburt an, eine persistierende (dauerhafte) Inkontinenz zu haben. Stell dir mal vor, was das bedeutet: du kannst nicht lachen, husten oder hüpfen, ohne ein paar Tropfen zu pinkeln.

Nicht weniger als 85 Prozent aller vaginal gebärenden Frauen müssen mit irgendeiner Verletzung ihrer Genitalien, Überdehnung und Abrissen der tragenden Muskeln und Bindegewebsplatten des Beckenbodens oder sogar dem Einreißen der Schließmuskeln des Enddarms rechnen, so beziffert es eine Übersichtsarbeit aus dem vergangenen Jahr.

Das Spektrum reicht von oberflächlichen Dammrissen etwa an den Schamlippen oder der Scheidenschleimhaut, die häufig unbehandelt wieder abheilen, bis hin zu tiefen Dammrissen, die quer durch den Beckenboden gehen und im schlimmsten Fall auch den Analkanal erreichen.

Als Konsequenz der Geburtstraumata und des geschwächten Beckenbodens können später innere Organe wie die Gebärmutter durch die Scheide nach außen vorfallen, oder die Harnblase beult zum Beispiel die Vaginalwand aus und drückt sich in die Scheide hinein. Weitere Beeinträchtigungen sind Harninkontinenz oder Verlust der Kontrolle über den Darmschließmuskel, was mit unwillkürlichem Abgehen von Winden oder flüssig-schmierigem bis sogar festem Stuhl – einer so genannten Fäkalinkontinenz – einhergeht.

Und ja, es ist vergleichweise selten, aber jedes Jahr sterben auch Frauen bei Geburten und im Wochenbett. In Deutschland sind wir laut WHO bei 7 Frauen auf 100.000 Geburten. Das bedeutet, dass statistisch gesehen immerhin 7 ungewollt Schwangere, die aktuell ihr Baby abtreiben lassen, bei der Geburt sterben würden, wenn sie die Schwangerschaft austragen müssten.

Also ja, lasst uns ruhig mal offen miteinander reden.

Und es darf sich gerne jeder, der das hier liest, die Frage stellen, ob er bereit wäre, für einen anderen Menschen, den er nicht kennt, nicht kennen lernen will oder sogar ablehnt, ernsthafte körperliche/ psychische Schäden in Kauf zu nehmen.

Und wer diese Frage mit Ja beantwortet, kann sich gerne gleich noch selbst fragen, ob er einen Organspenderausweis hat und wenn nein, warum nicht.

Denn immerhin rettet ein Organspenderausweis im Falle eines Falles andere Menschenleben.

Das soll jetzt nicht in Whataboutism abgleiten, aber ich finde es schon interessant, wie Abtreibungsgegner von schwangeren Frauen immer wieder eine Art "Aufopferungsbereitschaft" für das werdende Leben postulieren, selbst aber nicht bereit sind, für jemand anderen das gleiche zu tun.

Ja, man sollte offen über Abtreibung reden

Es muss auch endlich mal aufgehört werden das "Leben" eines Embryos über das einer Frau zu stellen.

Wie eine ungewollte Schwangerschaft zustande gekommen ist spielt absolut keine Rolle und ich kann jedem hier versichern, dass keine Frau eine Abtreibung leichtfertig als Verhütungsmethode ansieht. Zumindest nicht mehr als einmal, denn gerade medikamentöse Abtreibungen haben es in sich.

Zu viele Leute scheinen die körperlichen und psychischen Folgen einer Schwangerschaft und Geburt deutlich zu unterschätzen mit dem Argument es sei ja so natürlich. Nur weil mein Körper etwas tun kann und vielleicht aushält heißt das noch lange nicht, dass ich mich dem auch unterziehen muss. Könnten Männer ebenfalls schwanger werden wäre Abtreibung überhaupt kein Thema, denn es geht dabei sicherlich nicht nur um das Wohl des Embryos, sondern größtenteils um die Bevormundung der Frauen.

körperlichen und psychischen Folgen

Die Sache ist, dass Abtreibungsgegner in der Abtreibung die Tötung eines Kindes sehen. Psychische und körperliche Folgen beim Weiterleben des Kindes rechtfertigen aber noch lange nicht die Tötung eben dieses. Das sollte jedem klar sein. Der einzige Weg, das noch irgendwie ethisch zu rechtfertigen ist, dass man sagt, dass ein Embryo noch kein Kind ist. Das Problem ist aber, dass vielen abtreibenden Frauen durchaus bewusst ist, dass das ein Kind ist, das sie töten lassen. Und das ist dann verachtenswert und absolut nicht mehr ethisch zu rechtfertigen.

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@SuperMenschMann

Was hat die Einstellung einer Frau zu dem Thema "ist ein Embryo ein Kind" damit zu tun, wie ihre Entscheidung zu einer Abtreibung bewertet wird?

Angegangen wird man trotzdem, noch einmal doppelt, wenn man einen Embryo nicht als Kind wahrnimmt.

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@marloweyaa
Was hat die Einstellung einer Frau zu dem Thema "ist ein Embryo ein Kind" damit zu tun, wie ihre Entscheidung zu einer Abtreibung bewertet wird?

Das hat meiner Ansicht nach sehr viel damit zu tun. Es ist erstens streng verboten, Kinder aus egoistischen Gründen zu töten. Zweitens ist es auch noch eines der schwersten ethischen Verbrechen, eines worüber sich die halbe Welt aufregt und nicht wenige Menschen nach der Todesstrafe verlangen, wenn sie davon in der Zeitung lesen.

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@SuperMenschMann

Ob man einen Embryo als Kind ansieht oder nicht ändert aber noch lange nichts an der Gesetzeslage. Ein Embryo ist kein Kind und darüber hinaus keine juristische Person.

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@marloweyaa

Es ändert nicht unbedingt etwas an der Gesetzeslage, aber an der ethischen Lage. Das ethisch zu rechtfertigen wird sehr, sehr schwierig, wenn man sagt, dass ein Embryo ein lebendiger Mensch bzw. ein Kind ist. Wenn für eine Frau der Embryo aber kein Kind ist, dann kann man ihr höchstens Ignoranz vorwerfen, falls sich die Gesetzeslage mal ändern sollte oder auch die medizinische Forschung feststellt, dass es doch schon ein schützenswerter Mensch ist, den man nicht aus Eigennutz töten darf.

Und Ethik ist nicht gleich Religion. Das muss man leider sagen, weil viele Menschen die beiden gleichsetzen. Ich bin weder Christ noch gläubig.

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@SuperMenschMann

Ethik ist sowieso ein viel zu verzwicktes Thema, da es in der Ethik einfach keine Fakten gibt, sondern nur persönliche Meinungen, um es mal vereinfacht darzustellen.

Für mich wäre es beispielsweise ethisch nicht vertretbar eine Frau zur Austragung eines aus welchen Gründen auch immer ungewollten Kindes zu zwingen. Ein anderer stellt das Recht auf Leben des Embryos über das Selbstbestimmungsrecht der Frau.

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Ja, man sollte offen über Abtreibung reden

Über Themen schweigen, und sie zu Tabu-Themen zu erklären, hat noch nie geholfen.

Ich persönlich mag Abtreibung nicht, schon erst recht nicht, wenn Abtreibung als Ersatz für Verhütung missbraucht wird, wie das in einigen Ländern, wie zum Beispiel in Russland, schon seit vielen Jahren im Trend ist.

Aber ich bin dennoch der Meinung, das soll jede Frau individuell für sich selbst entscheiden, ob sie abtreiben will oder nicht.

Frauen zu zwingen ein Baby zur Welt zu bringen, oder ihnen ein schlechtes Gewissen einzureden, halte ich für grundfalsch.

Ja, man sollte offen über Abtreibung reden

Nur wer sich informiert oder sich informieren kann, kann eine Entscheidung treffen, die sonst viele danach bitter bereuen. Egal welche das nun sein mag.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Vater einer Tochter die als extremes Frühchen zur Welt kam
Ja, man sollte offen über Abtreibung reden

Warum ein so wichtiges Thema Taburisieren? Die Frau muss entscheiden ob sie ihrem Körper diese Tortur antun möchte und ob sie das Kind generell haben und großziehen will. Es gibt auch sowas wie ungewollte Schwangerschaften und da ist abtreiben oftmals der beste Weg, sofern man denn das Kind nicht später zur Adoption oä freigeben möchte.

Aufklärung ist wichtig. Es ist die alleinige Entscheidung der Frau. Niemand hat da rein zu reden oder zu verbieten

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