Würdet ihr es knapp zwei Jahre zu mehreren Personen in wenigen Räumen aushalten, ohne das Haus zu verlassen?

Das Ergebnis basiert auf 33 Abstimmungen

Nein, eher weniger. 82%
Ja, sicher. 18%

24 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Die Situation war für die ganze Familie Frank und die anderen im "Haushalt" schwierig. Aber es ging um Leben oder Tod. Es gab praktisch keine andere Möglichkeit mehr.

Die Schwester von Anne Frank hat später gesagt, dass Anne nach der Entdeckung in der kurzen verbleibenden Lebenszeit direkt aufgeblüht ist, weil sie wieder "draussen" sein konnte.

Nein, eher weniger.

Ich finde es schon anstrengend, die typischen Familienbesuche zu absolvieren. Aber zwei Jahre mit Eltern, Geschwister und Tante im Dunkeln hinter einem zugenagelten Kabuff zu sitzen, ohne Kontakt zur Außenwelt, ohne Freunde, Partner, Internet.. Horror pur. Aber ja, immer noch besser als sofort sterben oder langsam und unendlich qualvoll zu sterben wie im KZ. Kommt darauf an, was für Alternativen man so hat, nicht wahr?

Locker aushalten, wohl kaum. Anne Frank hat es ja auch nicht locker ausgehalten. Aber sie wusste halt, dass es um Leben und Tod ging..

Ja, sicher.

Nur wer es erlebt hat weiß, wie es ist, um sein Leben zu bangen. Wir können es uns nur vorstellen, aber ich glaube, dass ich es unter lebensbedrohlichen Umständen aushalten könnte, auch wenn es bestimmt nicht leicht wäre.

Nein, eher weniger.

Ich war schon Skipper auf langen Segeltörns, z.B. über den Atlantik. So eine Segelyacht mit einer länge von 14 Metern ist ja nicht groß. Es gibt Null Privatsphäre. An Deck hat man nur den wenigen Platz im Cockpit.

Unter Deck ist es noch enger. Die Kabinen sind so eng, dass es schon mühsam ist, wenn man sich darin anzieht oder umzieht. Und in den Kojen ist es erst recht eng, manche bekommen da sogar Platzangst.

Die meisten sind bereits nach zwei Wochen nervlich am Ende, auch bei Crews, wo sich die Leute gut kennen oder miteinander verwandt sind. Mitten auf dem Atlantik kann man eben nicht mal rechts ranfahren, aussteigen und sich die Beine vertreten.

Am Ende will man nur noch ein schnelles Boot haben und hofft, dass es schnell zu Ende ist. Auch längere Segeltörns halten die Leute zwar irgendwie aus, aber jeder hofft nur noch, dass es schnell vorbei ist.

Man muss da schon sehr belastbar sein. Wenn ich da nur an Regatten um die Welt denke, wo es nicht nur eng ist, sondern auch extrem unbequem, nass, kalt, man wird nur durchgeschüttelt und dann ist es noch körperlich eine absolute Plackerei.

Die Erfahrung aus der Seefahrt zeigt, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, sowas auszuhalten: 1. man selbst und alle Leute in der Gruppe haben einen ganz speziellen besonders gruppenfähigen und toleranten Charakter. 2. man hat einen Anführer oder Skipper, der die Mannschaft mit strenger Hand, drakonischen Strafen, sparsamen Belohnungen und eiserner Disziplin führt.

Die Routinen beim Militär oder in der Seefahrt kommen nicht von ungefähr. Da stecken jahrhunderte von Erfahrung drin. Z.B. auf so einem Handelssegler 30 Seemänner, oft nicht die besonders gebildetsten und charakterlich geschultesten Leute auf engstem Raum, monatelang unter schlechten Bedingungen. Da muss man sie den ganzen Tag lang scheuchen und trietzen. Deck schrubben, hier putzen, da aufräumen, dort ein Manövertraining, wieder Deck schrubben. Du musst sie so auspowern, dass sie keine Energie für Reibereien haben. Sparsam mit Belohnungen umgehen, mal jeder eine halbe Flasche Bier oder zwei Gummibärchen.

Und so ist es da auch. Man muss so eine Gruppe aktiv führen wie eine Bunkermannschaft, die monatelang in einem Bunker ihren Dienst tut. Feste Tagesroutinen, Boden schrubben, was auch immer. Man braucht einen disziplinierten, robusten, aktiven, resilienten und strengen Anführer, der die Leute mit harter Hand führt und in dieser Zeit beschäftigt hält.

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