Würdet ihr als Chirurg eine Op bei eurer Familie/Freunden durchführen?

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6 Antworten

Man würde in der Regel keinen Familienangehörigen operieren.

Im Nachtdienst ruft man die Bereitschaft, um die Kollegen die OP durchführen zu lassen. Im Tagdienst sind ohnehin genug Chirurgen im Haus.

Es besteht immer die Gefahr, sich von Gefühlen leiten zu lassen und die Kontrolle über eine unerwartete Situation zu verlieren. Daher wird eine solche Operation von Kollegen durchgeführt.

Im lebensbedrohlichen Notfall wäre das natürlich etwas anderes, aber sowas ist sehr selten. Im schlimmsten Fall ist normalerweise innerhalb von 20 Minuten ein Kollege vor Ort, der einspringen kann. Und die OP-Vorbereitungen dauern ja auch ihre Zeit, sodass man da nicht selbst an den Tisch müsste.

Im Notarztdienst kommt sowas natürlich vor. Da kann aber sofort ein zweiter Notarzt oder ärztlicher Kollege aus der Umgebung informiert werden, wenn sich herausstellt, dass es sich bei einem schwer verletzen Patienten um einen Angehörigen des Notarztes handelt.

Wenn Angehörige der Rettungswagenbesatzung in einen Notfall involviert sind, wird sofort ein zweiter Rettungswagen nachalarmiert und der erste Wagen vorläufig außer Dienst genommen. Der Mitarbeiter kann umgehend aus dem Dienst ausgelöst und durch einen anderen Kollegen ersetzt werden, der die Schicht dann beendet.

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Die Fragestellung gibt es nicht nur bei Chirurgen... und zumindest was planbare Eingriffe (also Nicht-Notfälle) betrifft:

Ich kenne das selbst - und unter Kollegen so, daß man Angehörige nur dann (bei "ernsthafteren" Behandlungen) selbst behandelt, wenn man sich im Umfeld für den / die Qualifizierteste(n) hält, z.B. weil man in der speziellen Behandlungsmethode sehr erfahren ist - und ggf. die Schwächen der Kollegen kennt.

Das trifft eher seltener zu.

Häufiger ist:

Man spricht den qualifiziertesten Fachkollegen an, den man erreichen kann und bittet den darum, den Angehörigen zu behandeln.

Unter Ärzten klappt das erfahrungsgemäß meist gut, zumindest habe ich und einige meiner Kollegen damit gute Erfahrungen gemacht.

....

Aber ich habe auch - lange her - mal erlebt, daß keiner dem auf "eigener" Station liegenden chir. Oberarzt Blut abnehmen wollte - keiner wollte daneben pieken. (kindisch eigentlich - schließlich "durfte" dann der AIP ran (ich)).

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Ich arbeite im OP und man operiert selbst Kollegen extrem ungern. Da will kaum einer dabei sein, wenn die eigene Verwandtschaft operiert wird. Wenn man Menschen, die man kennt, mit denen man befreundet ist, seit Jahren täglich zusammenarbeitet oder mit denen man sogar verwandt ist, operiert, ist man viel angespannter. Und genau dann passieren viel eher Fehler. Man kann vieles während der OP ausblenden, aber eben das nicht. Man hat Angst, dass etwas schief geht, man malt sich tausend Sachen aus, was passieren könnte. Da kann die OP noch so routiniert sein, aber bei Verwandschaft etc ist die Routine beinahe dahin.

Was unten einer schreibt, dass das allgemein nicht erlaubt ist, das weiß ich nicht. Allerdings kann es das Haus oder der direkte Vorgesetzte einfach verbieten, bei der OP dabei zu sein.

Ich als OP-Pflegerin weiß nicht, ob ich dabei sein wollen würde. Es kommt vielleicht auch auf die OP an. Eine kleine OP am Fuß ist eben mit weniger Risiken verbunden als eine Hüftprothese oder gar ein Eingriff an der Wirbelsäule oder sogar am Herzen. Wäre es ein großer Eingriff, würde ich an dem Tag wahrscheinlich nicht mal im Nachbarsaal sein wollen...

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Kommentar von Maxxismo
15.07.2017, 00:42

Geht mir genauso.

Ich würde keinen Herzkatheter bei einem Freund oder Angehörigen assistieren. Wenn du da einen unerwartet schweren Befund siehst, bist du nicht sicher in der Lage dein Können abzurufen und im Notfall bestmöglich zu agieren.

Unsere Ärzte führen auch keine Eingriffe bei Verwandten durch. Der Eingriff wird grundsätzlich vom erfahrendsten Kollegen durchgeführt, der verfügbar ist.

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Nein, ich würde das nicht tun, wenn ich Chirurg wäre. Statt dessen würde ich einen sehr guten Facharzt die OP durchführen lassen. Man kennt ja die Kollegen.

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Nein, würde ich nicht. Ich könnte da nicht in Ruhe arbeiten. Daher würde ich meiner Familie den besten Kollegen empfehlen, den ich kenne.

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Nein, würde ich nicht.

Ich verschreibe gelegentlich an Freunde oder Verwandte ein Medikament, wenn derjenige es braucht und nicht rechtzeitig zum Hausarzt oder zur Frauenärztin kann, aber chirurgische Eingriffe  - nein.

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