Würden Sie eher ein Kind aus Deutschland oder aus dem Ausland adoptieren und warum?

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5 Antworten

Meine Frau und ich sind gerade mittendrin im Adoptionsverfahren.

Auf natürlichem Weg (und auch durch künstliche Befruchtung) können wir kein Kind bekommen.

Ein befreundetes Ehepaar hat ein Kind adoptiert (aus dem Inland), darum haben wir uns auch für diesen Weg entschieden.

Es gibt einige Unterschiede zwischen Inlands- und Auslandsadoptionen. Einer der größten dürfte der finanzielle Aspekt sein.

Die Kosten für eine Inlandsadoption belaufen sich auf ca. 50€, mehr nicht. Das sind dann Ausgaben wie Ordner, Paßbilder, polizeiliches Führungszeugnis, Porto, etc.

Bei einer Auslandsadoption dagegen belaufen sich die Kosten auf ca. 30.000€ Bei vielen Ländern der EU übernimmt der Staat bis zu 50% der Kosten, aber in Deutschland (und Italien) nicht.

Viele Paare können so eine Summe nicht zusammenbekommen, für die kommt eine Auslandsadoption nicht in Frage.

Ein anderer Unterschied ist:

in Deutschland gibt es eigentlich nur Säuglingsadoptionen. Wenn man aus dem Ausland adoptiert, sind die Kinder in der Regel mindestens 2, eher aber schon 3. Aber auch ältere Kinder können vom Ausland her adoptiert werden.

Der 3. große Unterschied ist: in Deutschland werden kaum Kinder zur Adoption freigegeben. Es gibt viel mehr Bewerber Paare als Kinder, die freigegeben werden.

Hier mal ein "kurzer" Bericht über unsere Erlebnisse.

Wie gesagt, wir sind ungewollt kinderlos. Obwohl die Ärzte immer sagen, daß meine Frau und ich beide körperlich total gesund wären, kam es nicht zu einer Schwangerschaft. Nach zahlreichen künstlichen Befruchtungen kam es insgesamt zu 4 Schwangerschaften, die alle mit Fehlgeburten endeten.

Bei einem befreundetes Ehepaar war der Mann unfruchtbar. Sie haben sich im Inland beworben und hatten das große Glück: sie hatten kaum eine Wartezeit bevor sie ein Kind adoptieren konnten.

Wir haben uns dann auch für diesen Weg entschieden. Da wir die Kosten für eine Auslandsadoption nicht aufbringen konnten, blieb nur das Inland.

Wir haben uns dann bei unserem Jugendamt beworben, aber es hieß gleich, daß die Chancen nicht so gut seien. Bereits seit ca. 2 Jahren wurde in dem Landkreis kein Kind mehr zur Adoption freigegeben. Nachdem wir das Bewerberverfahren hinter uns hatten, hieß es nur noch warten. Aber, wie zu erwarten war, passierte nichts.

Nach einiger Zeit allerdings kamen wir durch eine Erbschaft zu Geld - jetzt konnten wir uns Gedanken machen, über eine Auslandsadoption.

Wir hatten uns natürlich vorher schon Gedanken gemacht, und wir entschieden uns, ein schwarzes Kind zu adoptieren, aus Haiti. Wir haben uns dann an eine Adoptionsvermittlung (ohne so was ist Auslandsadoption sehr schwierig, fast schon unmöglich). Dort durchliefen wir diverse Seminare, rund ums Thema Adoption (eins war auch zum Thema Rassismus).

Dann wurde uns genau gesagt, welche Unterlagen wir für die Bewerbung benötigen.

Und hier ist ein weiterer Unterschied vom Ausland zum Inland.

Viele benötigte Unterlagen, wie z. B. Hochzeitsurkunde, Geburtsurkunde. etc. werden bei Inland von Behörde zu Behörde weitergegeben, da muß man selbst gar nichts machen. Bei Ausland muß man die alle selbst beantragen, bei den jeweiligen Ämtern.

Und jetzt kommt es noch besser: mal als Beispiel: man benötigt ein Referenzschreiben von einem Freund (oder Paar). Einfach so ne Art Beschreibung. Das muß dann beim Notar unterschrieben werden. Der bestätigt dann, die Identität des Unterzeichnenden. Anschließend muß man mit diesem Dokument zum zuständigen Landgericht. Dort wird dann bestätigt, daß der Notar auch wirklich ein zugelassener Notar ist.

Und das muß mit so ziemlich jedem Dokument gemacht.

Sämtliche Unterlagen müßen dann übersetzt werden (von einem staatlich anerkannten Übersetzter) und ins Land geschickt werden, zu einer Repräsentantin.

Dort kommt man auf eine Warteliste (für ca. 1 Jahr), bevor die Unterlagen selbst eingereicht werden. Die Bearbeitungsgebühr dauert noch mal ca. 1 Jahr. Dann bekommt man einen Kindervorschlag. Wenn man den annimmt reist man ins Land um das Kind kennenzulernen und vor Ort einige Unterlagen zu unterschreiben.

Danach reist man (ohne Kind) nochmal heim um ca. 6 weiter Monate zu warten. Dann kann man das Kind abholen.

Das nur für Haiti. Je nach Land gelten andere Regeln. Als Beispiel Kenia: wenn man von dort ein Kind adoptiert, muß man, nachdem man das Kind bekommen hat noch 9 MONATE im Land bleiben. Das ist für viele aber nicht umsetzbar.

Falls du noch mehr Fragen hast über Adoption, melde dich einfach.

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Die meisten adoptivwilligen Menschen kommen früher oder später automatisch auf die Idee einer Auslandsadoption, schlicht und ergreifend aus dem Grund, weil es in Deutschland sehr wenige Kinder in der Adoption gibt

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Es spielt keine Rolle, ob das Kind aus Deutschland oder aus dem Ausland ist. Ein Kind, das keine Familie hat, braucht eine neue Familie. Jedes Kind.

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Ich war am WE auf einer Veranstaltung für Adoptiveltern. Da waren "gefühlt" über 9/10 der anwesenden Paare Eltern von aus dem Ausland adoptierten Kindern. Die meisten davon hätten wohl auch im Inland adoptiert, aber es gibt sehr wenig Adoptionsfreigaben im Inland.

Wenn es so wäre, dass der von Ihnen erwähnte Personenkreis auslandsados bevorzugt, dann kann ich mir nur vorstellen, dass für jene Personen eine Inlandsadoption nahezu unmöglich ist.

Bei einer Adoption geht es nicht darum ein Kind für Eltern zu finden, sondern Eltern für ein Kind.

wenn ca. 50 heterosexuelle Paare und ein homosexuelles Paar auf ein Kind kommen, das zur Adoption freigegeben wird, und gleichzeitig das Jugendamt allein nach dem Wohl des Kindes entscheidet, wie hoch ist da dann die chance für ältere und homosexuelle??

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Ich glaube dass es im Ausland oft einfacher ist.... Deshalb vielleicht!

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Kommentar von Saturnknight
12.10.2016, 02:00

Ich glaube dass es im Ausland oft einfacher ist

Wie hat mal jemand zu mir gesagt: Glauben heißt "nicht wissen".

Eine Inlandsadoption ist einfacher als eine Auslandsadoption. Glaub es mir, ich spreche aus Erfahrung auf beiden Gebieten.

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