Würde es helfen, wenn wir politisch unkorrekter wären?

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7 Antworten

Wie soll es helfen, wenn wir uns nicht korrekt verhalten?

Dadurch würden wir uns letztlich auf die selbe Stufe stellen. Willst du das wirklich? Wie willst du einem anderen Land gegenübertreten, in dem die Menschenrechte nicht geachtet werden, wenn wir es damit selbst nicht so haben?

"Politisch unkorrekt" hat immer so einen rebellenhaften Beiklang. Dieser Begriff ist irgendwie doch positiv besetzt, obwohl er eigentlich gar nichts positives ausdrückt. Politisch unkorrekt beinhaltet Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeidlichkeit und die Unterdrückung aller Minderheiten. Wie kann man das gut finden?

Referendarwin 29.07.2016, 13:29

Nun ja, ich denke die Grenze zum Rassismus ist fließend. Dennoch finde ich, dass manche Kulturen nicht anders sondern schlechter sind als andere.

Kann es sein, dass dein Nickname einen Rechtschreibfehler beinhaltet?

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Interesierter 29.07.2016, 18:42
@Referendarwin

Wenn du davon ausgehst, mein Nick leite sich von "Interesse" ab, dann könnte man das meinen.

Vielleicht kommst du aber auch auf eine andere Erklärung, die nicht unbedingt in der deutschen Sprache liegen muss. 

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Denke doch selber einmal einen Schritt weiter. Wem genau würde es denn helfen, wenn du deine These laut verbreiten würdest? Was für Auswirkungen würde das haben?

Es würde maximal dazu führen, dass Ressentiments gegenüber dem Islam und den Muslimen verstärkt würden. Daraus wächst logischerweise eine noch tiefere Spaltung, weil sich der muslimische Gesellschaftsteil angegriffen fühlt und denkt, seine bedrohten konservativen Werte verteidigen zu müssen.

Du solltest dich eher fragen, bei welchen Menschen du dir ein Umdenken wünscht. In diesem Fall wünschst du dir offensichtlich ein Umdenken innerhalb der muslimischen Gesellschaft bezüglich des allgemeingültigen Konsenses der Auslegung des Islam. Richtig? Da du den Islam unmöglich einfach so aus der Welt schaffen kannst, bleibt dir nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass sich die Auslegung und Lebensweise insgesamt liberalisiert, sodass negative Aspekte wie die Missachtung von Menschenrechten verschwinden. Und jetzt überlege einmal, wem du eigentlich den Rücken stärkst, wenn du verbal stumpf gegen den Islam schießt: Den reformativen Strömungen des Islam? Oder den konservativen Kräften? Den Konservativen natürlich, weil du ihnen Nährboden bietest, eine Stimme für den verärgerten Großteil der Muslime zu sein. Die reformativen Strömungen stehen dann als Verlierer da, weil sie von den Muslimen als Verbündete des Westens angesehen werden.

Fazit: Islamhass und Verbreitung von Islamhass schaden beiden Seiten, Muslimen wie Nicht-Muslimen, nachhaltig. Ein sachlicher und differenzierter Umgang mit diesem Themengebiet, der darauf abzielt, dem Islam einen anerkannten Platz in unserer Gesellschaft auf rechtsstaatskonformer Basis zu bieten, ist hingegen produktiv.

Referendarwin 29.07.2016, 13:34

Gute Antwort! Leider sehe ich dir Reformer so ziemlich auf verlorenem Posten. Die Reaktionen der Muslime auf die Mohammedkarikaturen hat mich sehr desillusioniert.

Weiterhin hat die Todesstrafe für offensiven Abfall vom Islam die Unterstützung der Mehrheit der Muslime wie es scheint.

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uyduran 29.07.2016, 14:07
@Referendarwin

Ja. Es stimmt, dass die Reformer derzeit nur begrenzte Möglichkeiten haben. Und es stimmt auch, dass die Geisteshaltung und die Glaubensauslegung von einem Großteil der Muslime derzeit nicht auf dem Niveau ist, das wünschenswert wäre. Leider ist die Welt kein Wunschkonzert und somit können wir uns nicht beklagen, dass eine Verbesserung der Umstände schwierig ist.

Es bleibt aber nun mal kein anderer Ausweg, als optimistisch zu sein und das Bestmögliche zu tun, eine Verbesserung in Gang zu bringen. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Islam erst seit 1400 Jahren existiert. Vergleichen wir den Entwicklungsprozess z.B. mit dem Christentum, dann war das Christentum umgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht weiter. Die Reformen brauchen leider Zeit. Vor allem ist die politische Situation entscheidend: Die Institutionen und Protagonisten, die wirklich großen Einfluss auf die Auslegung und Lebensweise des Islam haben, also diejenigen, die die Richtlinien für Muslime der ganzen Welt vorgeben, stehen in enger Verbindung mit den politischen Machthabern. Der schiitische Islam wird von den konservativen Ayatollahs im Iran gesteuert. Der sunnitische Islam wird von den Gelehrten in Saudi-Arabien gesteuert, die ihre feste Unterstützung vom stockkonservativen Königshaus haben. Was können Reformer da schon groß ausrichten? Der Iran und Saudi-Arabien sind wirtschaftliche Mächte, deren Regierungen agieren autoritär. Für sie sind die konservativen Geistlichen wichtig, da sie das Volk dumm halten und es dazu trainieren, sich Autoritäten zu unterwerfen statt kritisch zu hinterfragen. Deswegen wird die konservative Doktrin mit allen machtpolitischen Mitteln gestützt. Konservative Kräfte werden hingegen sofort im Keim erstickt. Lies dir einmal dieses Interview durch, dann verstehst du vielleicht genauer, was ich meine: http://www.spiegel.de/politik/ausland/ednan-aslan-islam-ist-das-was-wir-draus-machen-a-1017271.html

In Deutschland haben wir das Problem, dass die muslimische Gesellschaft in erster Linie aus Nachfahren türkischer Gastarbeiter stammt, die aus armen konservativen Verhältnissen kamen. Die Gastarbeiter waren also in keinster Weise repräsentativ für das komplette türkische Volk, sondern bestanden fast ausschließlich aus konservativen, armen, bildungsfernen Dörflern. Kein Wunder also, dass bei einer Mehrheit von konservativen Muslimen im Land die großen muslimischen Verbände und überhaupt die Mehrheit der Organisationen konservativ geprägt sind.

Das zweite Problem in Deutschland besteht darin, dass der Staat Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften fördert. Er hat die Kirchen damals für ihre Gebietsverluste entschädigt, indem er sich dazu verpflichtete, für sie Steuern einzutreiben und ihnen Aufgaben in der Bildung oder im Gesundheitswesen zu geben. Da die Kirchen derartige Privilegien genießen, ist es kein Wunder, dass auch muslimische Verbände, im Sinne der Gleichberechtigung, mehr Einfluss einforderten. Richtig wäre es, Religion generell politisch abzuwerten, sprich, mehr Säkularismus zu wagen.

Das dritte Problem in Deutschland besteht darin, dass die Türkei von einer erzkonservativen Regierung geführt wird und - neben dem Aspekt, dass Deutschland der wichtigste Handelspartner der Türkei ist, was ohnehin schon eine Nähe mit sich bringt - diese seit Jahren bewussten Einfluss auf die Deutschtürken nimmt. Somit konnte die sehr fragwürdige DITIB einen gewaltigen Einfluss gewinnen und stellt momentan die meisten Moscheen und Imame in Deutschland. An dieser Stelle war man sicherlich zu nachlässig.

Es gibt aber auch Lichtblicke, z.B. den, dass bei den vergangenen Wahlen die Reformer im Iran um Präsident Ruhani gegenüber den Konservativen triumphieren konnten und dass es im deutschsprachigen Raum in den Medien präsente Reformer wie Mouhanad Khorchide oder Lamya Kaddor gibt.

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Superking90 29.07.2016, 14:12
@uyduran

Das grade was du schreibst trifft nur zu auf Deutschland ,nicht jede Länder müssen westlich sein.

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uyduran 29.07.2016, 15:02
@Superking90

Das grade was du schreibst trifft nur zu auf Deutschland ,nicht jede Länder müssen westlich sein.


Naja, zunächst ist es ja auch so, dass der Fragesteller seine Frage in erster Linie auf Deutschland bezieht, gleiches gilt demnach auch für meine Antwort.

Zum zweiten fällt mir auf, dass du automatisch in diesen Kategorien ("westlich") denkst. Du magst das Attribut "westlich" nicht, weil es dir nicht gefällt, dass in "westlichen Gesellschaften" viele Atheisten leben und weil du mit diesem Wort amerikanischen Imperialismus oder israelischen Zionismus verbindest. Versuche einmal, dieses Gedankenmuster abzulegen und das Thema wirklich objektiv und sachlich zu betrachten:

Wieso ist der Islam gegenwärtig so konservativ geprägt? Ist diese konservative Ausprägung überhaupt die richtige? Erfüllt der Islam, der Frieden und Heil in die Welt bringen soll, überhaupt seinen Zweck, so wie er momentan gelebt wird?

Wenn eine Religion einen universellen Anspruch hat wie der Islam, dann muss sie auch entsprechend dem jeweiligen zeitlichen und gesellschaftlichen Kontext dynamisch sein. Deswegen ist eine historisch-kritische Theologie nötig und eine progressive, kontemporäre Auslegung unausweichlich. Das bedeutet übrigens nicht, dass deswegen die komplette muslimische Welt ihre Kultur aufgeben soll oder "verwestlicht" wird. Sondern es ist eine unausweichliche und logische Konsequenz, keine westliche, sondern eine allgemeingültige.

Ich zitiere an dieser Stelle gerne noch einmal Ednan Aslan: "Leider stelle ich fest, dass die geistige Reife vieler Muslime im zwölften Jahrhundert viel weiter entwickelt war als jetzt, im 21. Jahrhundert. Kritische Debatten, die vor 800 Jahren in Bagdad geführt wurden, sind heute undenkbar, weil viele Muslime sie als unislamisch betrachten."



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Man hätte halt nie mit dem Appeasement von Steinzeitkulturen anfangen dürfen. Ein guter Schuss Staatsräson würde der Zukunft des Landes guttun, einschließlich der Zukunft der Immigranten. Wenn dabei hier und da die political correctness auf der Strecke bleibt, seis drum.

Zum Beispiel MÜSSEN viel schneller und durchgreifender Ausweisungen stattfinden. Jedes Kapitalverbrechen muß zum sofortigen Verlust des Aufenthaltsrechts führen. Ebenso bekannte Haßprediger. Die Unart der doppelten Staatsbürgerschaft muss weiter eingeschränkt werden.

Und wer hier Asyl beantragt, dabei aber erwiesen falsche Aussagen macht, dem darf kein dauerhaftes Aufenthaltsrecht gewährt werden. Wer seine Nationalität verschweigt, kommt eben in Beugehaft. Soviele Syrer, wie gerade zwischen den Flüchtlingen herumschwirren, gab es im echten Syrien noch nie (ja, überspitzt).

Umgekehrt muss es endlich ein kohärentes System zur Zuwanderung geben, quasi mit Einzelzielen, die ein Immigrant in eigener Arbeit und aus eigener Leistung "abarbeiten" kann. So kann ein Williger aus eigener Kraft an seinem Ziel der Einbürgerung arbeiten, und muss nicht jedesmal aufs Neue darum bangen, daß ihm Amt XY die nächste Unterschrift gewährt auf seinem Wege. Das System ist für beide Partner nicht transparent.

Es kann nicht sein, daß wir ordentliche Leute, einschließlich fertig studierter Auslandsstudenten, wegen Formalitäten ausweisen, aber die Trickser, die lernen, das System zu spielen, hierbehalten.

Wem soll es helfen, "politisch unkorrekt" zu sein? Das ist doch lediglich eine rechtsetremistische Opferphrase, mit der man den Umstand des randständigen Minderheitendaseins für menschenverachtende politische Positionen bedarfsweise mal durch Mitleiderheischung oder Rüpelhaftigkeit girlandiseren möchte.

Im Weiteren kann man über die These gerne diskutieren. Dazu müsste man die einzelnen Länder eimal durchgehen.

Allgemein kann man jedoch sagen, dass es bislang nur "der Westen" geschafft hat, politische und rechtsstaatliche Verhältnisse zu etablieren, die sich weitgehend an die Menschenrechte halten.

In dieser Hinsicht ist nicht nur die Lage in islamischen Ländern defizitär, sondern auch in christlich-orthodoxen (Russland), katholischen (Polen, Ungarn), China und eben zahlreichen weiteren.

Gleichzeitig werden aber auch vielerorts durchaus Fortschritte bemerkbar. Das gilt allgemein für die heutige Situation in Lateinamerika aber eben auch für Nordafrika.

Auch unsere Verhältisse sind nicht vom Himmel gefallen. Auch hier mussten sich demokratische Verhältnisse gegen massiven Widerstand der politischen Rechten erstmal etablieren. Auch hier vollzog sich diese Etablierung nicht ohne temporäre Rückschläge...

Ein Vergleich:
Ein ganz wesentlicher Teil des Fundaments vergangener Rassentheorien lag darin, dass sich Forscher aus dem Westen dachten: Überall wo Schwarze die Bevölkerungsmehrheit stellen, egal wie unterschiedlich die Kulturen auch sein mögen, ist man technologisch, wirtschaftlich und, nach damaligem Ermäßen, auch zivilisatorisch unterentwickelt.

Diese alte Denke wird heute noch weitergetragen. Heute sind es nur nicht schwarze Menschen, sondern Muslime, die im Westen nicht "zivilisiert" und "aufgeklärt" wurden - nach dem Motto: Muslime, die sich hier integriert haben, für die sei der Zivilisierungsauftrag (oder besser: Aufklärungsauftrag) erfolgreich durchgeführt worden.

Die in Deutschland betriebene "politische Korrektheit" hat nichts mehr mit Normalität und Vernunft zu tun. Sondern ist ein landeszerstörender Wahn geworden, der, wenn sich nichts grundlegendes ändert, erst Deutschland und dann Europa in Bürgerkrieg und Massensterben reißt.

Interesierter 29.07.2016, 12:57

Und was genau ist so falsch daran, sich "korrekt" zu verhalten?

Ich persönlich kann "politisch Unkorrekten", also Rassisten, Homophoben und Unterdrückern nichts abgewinnen.

Du etwa?

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Agentpony 29.07.2016, 13:29
@Interesierter

Politische Korrektheit ist dann falsch, wenn sie nur zur Konfliktvermeidung, wider besseres Wissen oder dringende eigene Interessen angewandt wird.

Das hat nichts mit dem Haßdenken zu tun, mit dem du es in Verbindung bringst.

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earnest 29.07.2016, 16:15

Die in deinen Beiträgen zu politischen Fragen leider offenbar übliche schwarzmalende Übertreibung.

Nichts spricht für "Bürgerkrieg und Massensterben" in Deutschland.

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