Wozu gibt es Anwälte?

10 Antworten

was kann der Anwalt denn tun um den Mörder aus der Sache rauszubringen?

Es geht nicht allein darum, in der Sache einen Freispruch zu erreichen. Ein Ziel der Verteidigung kann sein, das Gericht davon zu überzeugen, dass hier kein Mordmerkmal vorliegt, der "Mord" also in Wirklichkeit ein Totschlag ist. Auch kann man das Gericht ggf. davon überzeugen, dass hier kein Tötungsvorsatz vorgelegen hat, dann könnte es eine fahrlässige Tötung gewesen sein. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, hier ggf. eine mildere Strafe zu erreichen im Vergleich zu dem, was sich die Staatsanwaltschaft so vorgestellt hat.

Na, wenn die Feststellung der Schuld so einfach wäre, bräuchten wir ja auch keine Gerichte mehr. Wir schauen einfach ins Gesetzbuch und sperren den Täter ins Gefängnis.

Nein, im Ernst. So läuft das nicht in einem Rechtsstaat. Hier, und das ist auch gut so, muss die Schuld eines Angeklagten in einem Gerichtsverfahren bewiesen werden. Hierzu legt die Staatsanwaltschaft Beweise und Indizien, sofern sie welche hat, vor. Der Verteidiger durchleuchtet die Beweise und versucht Widersprüche und Ungereimtheiten aufzudecken. Nicht immer ist alles so einfach, wie es aussieht.

Das Gericht weiss ja im Voraus nicht, ob der Angeklagte schuldig ist. Das Gericht muss letztlich anhand der von Staatsanwaltschaft und Verteidigung vorgelegten Beweise ein Urteil fällen.

Kein Strafverteidiger kann einen Freispruch erzwingen, es gibt aber neben Schwarz und Weiß (Verurteilung vs. Freispruch) noch weitere Verteidigungsmöglichkeiten: In § 211 StGB wird definiert, wer ein Mörder ist und dass dieser mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft wird, das stimmt. Damit eine Tötung aber als Mord bezeichnet werden kann, muss ein Mordmerkmal erfüllt sein, z.B. Heimtücke, Habgier oder die Verdeckung oder Ermöglichung einer anderen Straftat.

Denn nicht alles, was im Krimi leichtfertig als Mord bezeichnet wird, ist auch einer, nur weil irgendwo eine Leiche liegt. Liegt keines der Mordmerkmale vor, ist die Tat kein Mord und kann höchstens als Totschlag bestraft werden, der in der Regel geringer geahndet wird. In der Hauptverhandlung oder schon während der Ermittlungen kann nun der Anwalt geltend machen, dass die Tat so abgelaufen ist, dass sie nur noch als Totschlag zu werten ist. Je nach Beweislage kann er auch erklären, dass der Angeklagte das Opfer nicht töten, sondern nur verletzen wollte, womit eine Körperverletzung mit Todesfolge im Raum steht.

Ein Verteidiger kennt das Recht besser als sein Mandant und sorgt durch Fragen an Zeugen und durch geschickt platzierte Anträge und Rechtsmittel dafür, dass das Verfahren trotz einer erdrückenden Beweislage fair abläuft.

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