Worin unterscheidet sich ein erdachter Gott von einem tatsächlich existierenden Gott?

22 Antworten

Ich bin hier mal die Antworten durchgegangen. Bei den meisten mit einem Schmunzeln. Einige Nutzer wollten gleich wieder die Gelegenheit nutzen, dich von ihrem Glauben zu überzeugen. Einige, dich davon zu überzeugen, dass es gar keinen Gott gibt. Und ich fürchte, für viele ist deine Frage auch einfach nur der allergrößte Schwachsinn und Quatsch.

Ich sage dir: Die Antwort auf deine Frage kannst nur du allein finden. Glauben ist eine Frage der eigenen Überzeugungen. Du musst dir also selbst die Frage stellen, was dich überzeugt. Was sind für dich Anhaltspunkte, weshalb du an einen Gott glaubst oder eben auch nicht glaubst?

Hattest du schon einmal ein Erlebnis, dass dir so wunderbar oder so erfüllend vorkam, dass du in diesem Moment gespürt hast, dass es da eine übermächtige Kraft gibt? In der Vergangenheit hatten die Menschen solche Erfahungen öfter als heute. Schon bei einem Gewitter erschienen ihnen die zerschmetternde Kraft eines Blitzes Gotteswerk zu sein - da war es dann eben Thor oder Zeus, der seine Macht demonstrierte. Heute wissen wir, wie Blitze und wie Gewitter entstehen. Wir können sie sogar vorhersehen und haben den alten Göttern damit ihre Macht genommen - ihre Magie gewissermaßen. Doch das ändert nichts daran, dass ein Blitz immer noch eine Naturgewalt ist. Und dass ein Blitz enorme Macht hat, uns sogar töten kann und dass jeder von uns sich deshalb bei einem Gewitter besser drinnen aufhält, ist auch noch gleich geblieben. Blitze und Gewiter sind real, sie existieren - egal ob man sie nun erklären kann oder nicht.

Gott kann sich also hinter allen möglichen natürlich erklärbaren Naturereignissen verbergen und darin für dich spürbar sein. Es gibt so viele Wunder in der Natur, die mich zumindest glauben lassen, dass es dahinter noch jede Menge Kräfte und Energien gibt, von denen die Menschen noch absolut keinen Dunst haben. Und dass auch das Universum einer zwar beobachtbaren, messbaren und an manchen Stellen auch vorhersagbaren Regelmäßigkeit folgt, die aber auch wenn wir sie beobachten, messen und vorhersagen können aber trotzdem selbst von den brilliantesten Physikern unserer Zeit nicht oder nur begrenzt imstande sind zu erklären, lässt für mich zumindest die berechtigte Annahme zu, dass diese Regelmäßigkeit irgendeinem Muster folgt - und das ist für mich Gott. Gott ist also für mich nicht mehr das Gewitter oder der Blitz höchstpersönlich, sondern er ist vielmehr der Grund dafür, dass es Blitze und Gewitter gibt. =)

Was allerdings ganz gewiss nicht existiert und auf jeden Fall nur Menschenwerk ist: Die Vorstellung von einem strafenden und bösartigen Gott, der die Menschen zwar einerseits mit einem freien Willen und der Fähigkeit, zwischen Gut und Böse wählen zu können ausgestattet hat, aber ständig wie ein kleiner Junge mit einem Brennglas über einem Ameisenhaufen sitzt, um uns nach unserem Tod dann bis in alle Ewigkeit zu quälen, wenn wir "seine" Regeln nicht einhalten. Solche Regeln entstammen nämlich allesamt von herrschsüchtigen und manipulativen Demagogen, die ihre Untertanen damit unter Kontrolle halten wollten. Gerade diese ganzen unerfüllbaren Regeln in Bezug auf Sexualität, die im Gegensatz zu den menschlichen Grundbedürfnissen stehen, können nicht das Machwerk Gottes sein. Wozu dann der Sexualtrieb, wenn wir in die Hölle kommen, falls wir ihn ausleben? Ganz einfach: Wenn prinzipiell jeder schon von Natur aus "schuldig" und "böse" sein MUSS, dann kann man ihn leicht dazu bringen, alle möglichen Dinge zu tun oder auch Geld dafür zu bezahlen, damit er diese Lasten wieder los wird.

Das einzige Regelwerk, was tatsächlich Sinn macht und nachdem ich mich als Gläubiger richte, sind die zehn Gebote und die Philosophie von Jesus Christus. Diese Regeln schränken die Menschen keineswegs ein, sondern führen dazu, dass wir alle in Frieden miteinander zusammenleben können. Wenn wir sie einhalten und uns nach ihnen ausrichten, wird Ungerechtigkeit und Leid verhindert. Nicht zu stehlen - absolut sinnvoll! Nicht zu töten - absolut sinnvoll! Nicht seinen Partner zu betrügen und ehrlich zu sein - ebenfalls absolut sinnvoll! Und in einem Streit auch mal nachzugeben und immer zu versuchen, jede Gewalt zu vermeiden und auf Deeskalation zu setzen, ist damals wie heute eine absolut lebensbejahende und friedvolle Philosophie!

Jesus war ein Mensch, der erkannt hat, dass religiöse Regeln für die Menschen da sind und nicht etwa die Menschen für eben diese Regeln. Er verurteilte den Machtmissbrauch von sogenannten "Gelehrten", er lehrte die Menschen, ihre Mitmenschen zu respektieren und zu lieben, er setzte sich für gesellschaftlich benachteiligte ein, er predigte das Bild von einem versöhnlichen und liebenden Gott und er ging für seine Überzeugung sogar in den Tod. Und selbst als er grausam starb, vergab er den Menschen und war ihnen nicht böse. Deshalb kann ich mich mit dem Christentum als Religion am ehesten identifzieren.

Trotzdem würde ich nie soweit gehen, Jesus oder den christlichen Gott als einzigen real existierenden Gott zu bezeichnen. Real ist für die Menschen alles, was sie überzeugt und was sie glauben - wenn sie es eben glauben. Und so hat jede Religion und Weltanschauung in meinen Augen ihre Daseinsberechtigung und ich kann sie tolerieren. Leider können das viele andere Menschen aber wiederum nicht.

Real ist für die Menschen alles, was sie überzeugt und was sie glauben - wenn sie es eben glauben.

Dadurch dass man an etwas glaubt wird es aber nicht real.

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@TroIIinger

Trollinger: lies den Satz noch mal, dann verstehst du ihn bestimmt. 

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@TroIIinger

Für sich selber schon. An dem Geist oder an dem Dämon, an dem du beispielsweise glaubst, der kann sich in dir verselbstständigen. Es kann sogar soweit kommen, dass er dein Ich ganz über nimmt, du also nicht mehr existiert, sondern nur noch er in deinem Körper. Siehe Besessene. 

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@MarkusPK

Da der Weihnachtsmann nicht dadurch real wird, dass man an seine Existenz glaubt, verändert sich die Bedeutung des Satzes auch bei nochmaligem Lesen nicht.

Ob man an etwas glaubt oder nicht, hat keinen Einfluss auf dessen Existenz.

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@Napayshni

Das nennt man Wahnvorstellung. Das bedeutet nicht, dass Geister oder Dämonen existieren. Etwas kann nicht nur für eine bestimmte Person existieren. Entweder es existiert (und zwar für alle) oder nicht.

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@TroIIinger

Was ist mit Liebe, Trollinger? Ist Liebe etwa auch nicht existent? Schlägt dein Herz nicht höher, wenn du die Frau deine Lebens siehst? Wenn sie dir zulächelt? Ist das nicht real für dich? Und fühlst du nicht ungeheure, reale Qualen, wenn man sie dir entreißen würde? Jedem, der dir in so einer Situation etwas von nicht realen Wahnvorstellungen und Nichtexistenz deiner Liebe erzählen würde, würdest du in so einem verletzlichen Moment sicher an die Kehle gehen.

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@TroIIinger

Für das Kind, das unter dem real existierenden Baum real existierende Geschenke findet, existiert auch ein realer Weihnachtsmann. Ganz unabhängig davon, dass es der real existierende Papa war, der die Geschenke unter den Baum gelegt hat. 

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@MarkusPK

auf eine Weise verstehe ich durchaus, warum trollinger dir da widerspricht. Aber deine Aussage ist durchaus richtig, auch wenn man das auf den ersten Blick vielleicht als religiöse Aussage wegtut. 

Es ist nun mal die eigene Wahrnehmung. Und mit allem, was man erlebt, alle Einflüsse, die man im Laufe des Lebens erfährt, prägt sich die eigene Wahrnehmung. Und das Wahrgenommene glaubt man dann auch. Es ist ja schließlich die eigene individuelle Realität. Es gibt keine absolute Realität. Menschen wie auch andere Lebewesen erleben diese nur sehr sehr eingeschränkt und immer mit einem individuellen Filter. So sehen wir Menschen mit bestimmten Eigenschaften basierend auf guten oder schlechten Erfahrungen mit solchen Menschen dann entsprechend mit guter oder weniger guter Miene. Im erweiterten Sinn ist das auch auf abstrakte Denkweisen übertragbar, also auch auf einen Glauben an ein höheres Wesen. Manifestiert sich dieser Gedanke, dann ist das für diese Person sehr real.

Im Endeffekt erklärt das natürlich auch, wieso in solchen religiösen Diskussionen Nichtgläubige schwer mit Gläubigen auskommen. Die wahrgenommene Realität ist eine gänzlich andere. Und da spielt es keine wirkliche Rolle, wessen Realität nun am ehesten zutrifft.

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Erlebnisse hatte ich schon einige, die wunderbar und erfüllend waren, aber es befanden sich auch welche darunter, die so furchtbar waren, dass sie ich sie lieber nicht erwaehne. Dein Gott oder ein anderer kann es geben,  sie können aber auch reine Fiktion sein. Solange das so ist, wovon sollte ich in der Zwischenzeit über zeugt sein? Dann kann es wohl eine ganz natürliche physikalische Ursache der Welt geben ohne eines Schöpfergottes. Ich betone "Kann!" Glauben, mag er noch so herrlich und erhaben sein, kann sich irgendwann als Irrtum erweisen. Die agnostische Philosophie scheint mir hier die weiseste zu sein - welche weder eine Gottheit strikt ablehnt (wie die Atheisten) noch felsenfest behauptet, es gibt einen Gott, es kann nicht anderst sein..

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@Napayshni

Wenn du das für dich selbst als Antwort gefunden hast, ist doch alles prima! Stellt diese Antwort dich zufrieden, kommst du dabei mit dir selbst und deinen Überzeugungen ins Reine, dann ist das eben dein Glaube. Für den Moment. Denn du wirst im Laufe deines Lebens sicher noch an andere Punkte kommen. Deine Überzeugungen können sich auch noch ändern. Vielleicht entdeckst du ja in irgendeiner Religion oder Philosophie noch bessere, dir dann weiser erscheinendere Antwortenden.

Ich wünsche dir auf deinem Weg alles Gute!

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Glauben kann für die Gläubigen erbauend sein, und auch Irrglaube kann das. Wenn aber das zwangsläufige Resultat eines Irrglaubens das Chaos ist, dann ist das plötzlich weit weniger erbauend.

Ich meine, beim Thema "Glauben" liegt der Fokos an den falschen Stellen. Selbst der Blick in die Vergangenheit und auf all die Übel, die Irrglauben über die Menschheit gebracht hat, ist da nur sehr begrenzt hilfreich.

Es fehlt nach wie vor der konsequente Blick auf die möglichen Spätfolgen eventueller Irrtümer.

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@Dxmklvw

Da hast du uneingeschränkt Recht. Ich persönlich finde, dass jede Religion, jede Weltanschauung und jede Philosophie Respekt und Achtung vernient, wenn sie nur ganz einfachen Grundprinzipien verfolgen: Keinem Menschen etwas aufzwingen. Jedem Menschen seine Freiheiten lassen. Irrtümer eingestehen können. Und alle Diskussionen nicht mit der Absicht führen, sie zu gewinnen. Was wäre das für eine schöne Welt. ;-)

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@MarkusPK

mit dem ersten Teil hast du Recht

Aber mit dem zweiten Teil stößt du an die Grenzen des menschlichen Egos. Insbesondere agieren imho Menschen nie wirklich altruistisch, was das zum Problem beim Verfolgen deiner genannten Grundprinzipien wird. Selbst wenn es um die eigenen Nachkommen geht handelt der Mensch nicht altruistisch, da er dann sich als Person aus der Gleichung herausnimmt aber das nicht wirklich, da es um seinen Genpool handelt, der weitergegeben wird und dann eine nicht-altruistische Opferung wieder altruistisch wird.

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@Coffee4U

ich meinte: und dann eine altruistische Opferung wieder nicht-altruistisch wird.

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Ein nicht existenter Gott kann nicht von einem nicht nachweisbaren Gott unterschieden werden.

Es gelang noch nie der Nachweis der Existenz eines Gottes. Es gelang weder ein direkter noch ein indirekter Nachweis, es wurde also ein Gott nachgewiesen, noch gibt es irgendetwas, was schlüssig auf ihn zurückzuführen wäre.

Gäbe es also einen Gott, der nur Dinge tut, die nicht auf ihn zurückzuführen sind, so könnten wir nicht wissen, ob er überhaupt existiert. Somit wäre er in keiner Weise von einem erdachten Gott zu unterscheiden, da auch dieser nichts tut, was auf ihn zurück zu führen wäre.

Und wenn er die Welt nur erschaffen hat, und sich seitdem heraus hält, was in ihr geschieht? Glauben an ihm oder beten zu ihm, wäre dann ueberfluessig. Ob das ein Gott ueberhaupt bräuchte, ein Religion loser?

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@Napayshni

Und wenn er die Welt nur erschaffen hat, und sich seitdem heraus hält, was in ihr geschieht?

Dann wäre er verantwortungslos und der Anbetung unwürdig.

Glauben an ihm oder beten zu ihm, wäre dann ueberfluessig.

Beten ist ohnehin überflüssig, denn es hat einfach keine Wirkung außer dem Placeboeffekt.

Ob das ein Gott ueberhaupt braucht?

Was wäre das den für ein jämmerlicher Gott, der so etwas braucht?

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@Napayshni

ich habe die betenden gefragt und noch keiner konnte eine schlüssige Antwort auf die Frage geben. Sinngemäß lautet die Antwort nur "Ist einfach so".

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@TroIIinger

Beim Thema "Gott braucht das Beten" bin ich ganz bei dir: auch ich halte das für Quatsch. Religionen, die ihre Gläubigen geradezu zwingen, ihren Alltag auf ständige Gebete einzurichten, kann ich nicht ernst nehmen. Ein Gebet muss vom Herzen des Menschen selbst kommen und aus seiner freien Entscheidung heraus. Ansonsten hat man es nur mit einem Marionettenkult zu tun. 

Gebete entstehen aus den Bedürfnissen des Menschen heraus, können aber ganz unterschiedlich aufgebaut sein. Nicht alle Gebete sind Bitten und Wünsche, viele Menschen beten auch, um für eine Situation Dankbarkeit zu zeigen oder weil sie sich dadurch aufgehoben und sicher fühlen. 

Beten kann somit durchaus positive psychologische Effekte haben. Natürlich meine ich damit nicht so lächerliche Wunderlampengebete wie "Bitte mach, dass der HSV morgen gewinnt!" oder "Lass doch bitte die schnuckelige Chrissi sich in mich verlieben", das ist natürlich Blödsinn und zwecklos, denn da es sicher auch Leute gibt, die genau um das Gegenteil erbitten, läuft das Ganze doch eher konträr ab. Und solche Gebete werden auch sicher von keinem Gott gehört - denn wenn der HSV tatsächlich gewinnt, liegt es an der Leistung seiner Spieler und nicht am Eingreifen eines Gottes. Und was Chrissi angeht: die darf sich aufgrund ihres eigenen freien Willens schon selbst entscheiden, in wen sie sich verliebt.

Beten kann aber in Zeiten der Trauer Trost geben und beim Verarbeitungsprozess mitwirken. Vor Prüfungen und schweren Herausforderungen kann es Zuversicht und Hoffnung spenden. Wer für seine Lieben betet, offenbart damit Anteilnahme und Mitgefühl. Und man kann im Gebet auch Antworten auf alle möglichen Schwierigkeiten finden - das habe ich selbst schon erlebt. 

Im Buddhismus gehören Meditationsübungen, die den Gebeten anderer Kulturen nicht unähnlich sind, fest zum Alltag, und der Buddhismus kennt noch nicht mal Gottheiten. In einer tiefen Meditation kann der Mensch immense Kraft schöpfen und Entspannung erlangen. Das alles sind Wirkungen, die weit über den Placeboeffekt hinausgehen. 

Urteile also bitte nicht so pauschal über Dinge, die du selbst noch gar nicht ausprobiert hast. Wenn du das für überflüssig und Zeitverschwendung hältst, ist das dein gutes Recht, aber gestehe deinen Mitmenschen bitte zu, eine andere Meinung zu haben.

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@MarkusPK

was du da beschreibst, hat nichts mit einem Gott zu tun, sondern mehr mit Autosuggestion und Meditation. Wir kommen vom Thema ab. Ob es einen erdachten Gott gibt, der (weil er ja nur in den Köpfen der Gläubigen existiert) keine Gebete erhören kann, oder ob es einen existierenden Gott gibt, der keine Gebete erhört, lässt sich nicht unterscheiden. Beim beten gibt es eben keinen Effekt, der sich schlüssig auf einen Gott zurückführen ließe.

Das alles sind Wirkungen, die weit über den Placeboeffekt hinausgehen.

Nein, sind es nicht. Der Placeboeffekt kann sehr große Auswirkungen haben

Urteile also bitte nicht so pauschal über Dinge, die du selbst noch gar nicht ausprobiert hast.

Als ich noch gläubig war, habe ich auch gebetet.

Wenn du das für überflüssig und Zeitverschwendung hältst, ist das dein gutes Recht, aber gestehe deinen Mitmenschen bitte zu, eine andere Meinung zu haben.

Meinungen sind in diesem Fall irrelevant. Entweder es gibt einen Gott, der Gebete erhört, oder nicht. Was existiert und was nicht ist von jedweder Meinungen unabhängig.

Ich gestehe natürlich jedem seine Meinung zu, nur bedeutet das nicht, dass ich keine Kritik daran übe, wenn ich einen Fehler entdecke.

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Ein real existierender Gott wäre in seinem vergangenen und/oder gegenwärtigen Handeln irgend wie nachweisbar in der Realität. Wenn er das nicht ist, kann einem gleichgültig sein ob er existiert, denn für alle Belange wäre es dann so, als sei er nicht existent.

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