Worauf bezieht sich Platons Ideenlehre

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2 Antworten

Platons Ideenlehre bezieht sich auf die ganze Wirklichkeit.

Ideen sind eine Antwort auf die Frage, wie man Allgemeinbegriffe erklären kann, die empirisch nicht greifbar sind.

Nach Platon gibt es von fast allen Dingen Ideen.

Ausnahme sind zum einen individuelle konkrete einzigartige Dinge (Singularia). Diese gibt es nur einmal und es kann sie auch nicht mehrfach geben. Es gibt z. B. keine Idee des Sokrates, bezogen auf das Individuum. Es gibt kein Sokrates-Sein als bestimmtes Etwas, das ein fester gleichbleibender Sachverhalt ist. Es kann nicht mehrere Sokratesse geben, die alle an einer Idee Sokrates teilhaben. Eine Teilhabe an einer Idee gibt es beispielsweise darin Mensch zu sein oder bestimmte Charaktereigenschaften zu haben.

Ausnahme ist zum anderen Undefinierbares.

Zu etwas, das kein abgrenzbares Etwas ist, nur ein Das-da, gibt es keine (platonische) Idee.

Platon, Politeia 596 a (gewohnte Methode, als Idee - εἶδος- jede Einheit/jedes Eine von allen Vielheiten anzusetzen, an die wir denselben Namen herantragen) legt nahe, es gebe Ideen für alle Klassen von Dingen, die mit einem umfassenden Begriff bezeichnet werden.

Platon hat vielleicht in einer geschichtlichen Entwicklung mit der Annahmen von Ideen für Werte begonnen, dann auch Ideen zu mathematische Dingen angenommen und schließlich auch zu natürlichen und künstlich geschaffenen Gegenständen.

Platon, Parmenides 130 b – e sagt die Dialogfigur Sokrates in einem (fiktiven) Gespräch, er sei oft in Zweifel gewesen, ob es eine Idee des Menschen, eine Idee des Feuers und eine Idee des Wassers gebe. Von Dingen, bei denen es lächerlich erscheinen könnte, und verachteten und geringwertigen Dingen wie Haar, Kot und Schmutz möchte Sokrates keine Idee dazu annehmen, auch wenn der Gedanke beunruhigt, ob es sich nicht bei allen Dingen auf die gleiche Art verhalte (es gibt die Idee selbst und Dinge, die an ihr Anteil haben). Die Dialogfigur Parmenides bemerkt dazu, Sokrates sei noch jung und von der Philosophie noch nicht in höchsten Grad ergriffen, sondern nehme wegen seiner Jugend zu viel Rücksicht auf menschliche Meinungen. Die Ablehnung von Ideen zu wertlosen Dingen wird also mit seiner Jugend entschuldigt.

Nach Platon, Timaios 51 b sind Ideen Gegenstände von Einsicht/Geist/Vernunft/Denkkraft (νοῦς).

Von den genannten Ausnahmen abgesehen gibt es bei Platon keine Einschränkungen von dem, wozu es Ideen gibt.

Es gibt bei Platon beispielsweise Ideen von leblosen und belebten Dingen (vgl. Timaios 39 e – 40 a: Gestirngötter), von Qualitäten (Phaidon 65 d – e), Bewegung und Ruhe (Sophistes 254 d), abstrakten Dingen (Identität, Andersheit, Ähnlichkeit, Unähnlichkeit, Gleichheit Phaidon 74 a), Tugenden (Phaidros 247 d; Phaidon 100b) von schlechten Dingen wie von Krankheit (Politeia 475 e – 476 a), sogar von Nichtseiendem (in der Akademie umstritten).

Es gibt Ideen von Artefakten, z. B. eine Idee des Bettes und eine Idee des Tisches (Politeia 596 a – 597e; vgl. Politikos 293 d), eine Idee des Weberschiffchens (Kratylos 389 a – b).

Es gibt Ideen von relationalen Dingen (Symposion 199 e; Parmenides 133 d).

Es gibt Ideen von geometrischen Figuren und Zahlen (Politeia 524 e).

Es gibt eine Idee des Schönen (Phaidon 78 d; 100 c; Symposion 210 e – 211 e; Politeia 476 b;493 e).

Darstellungen, die herangezogen werden können, sind z. B.:

Michael Erler, Platon. Originalausgabe. Beck : München, 2006 (Beck`sche Reihe: bsr - Denker; 573), S. 146 - 148

Michael Erler, Platon (Grundriss der Geschichte der Philosophie. Begründet von Friedrich Ueberweg. Völlig neu bearbeitete Ausgabe. Herausgegeben von Helmut Holzhey. Die Philosophie der Antike - Band 2/2). Schwabe : Basel ; Stuttgart, 2007, S. 390 – 406

Christian Schäfer, Idee. In: Platon-Lexikon : Begriffswörterbuch zu Platon und der platonischen Tradition. Herausgegeben von Christian Schäfer. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft : Darmstadt, 2006, S. 157 - 165

Benedikt Strobel, Idee/Ideenkritik/Dritter Mensch. In: Platon-Handbuch : Leben, Werk, Wirkung. Herausgegeben von Christoph Horn, Jörn Müller und Joachim Söder. Unter Mitarbeit von Anna Schriefl und Simon Weber. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2009, S. 289 – 296

suuusu 20.12.2013, 14:00

das hätte ich vor 2 Wochen gebrauchen können :D trotzdem danke!

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Hier kannst Du darüber nachlesen

http://de.wikipedia.org/wiki/Ideenlehre

Gruß Fantho

suuusu 02.12.2013, 16:37

wikipedia? naja...

ich konnte inzwischen meine philo-lehrerin fragen und sie meinte es bezieht sich auf alles

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Fantho 04.12.2013, 21:40
@suuusu

Naja, wenn man an der Quelle sitzt ;-)

Gruß Fantho

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