Woran merkt man, daß man wunderlich ist?

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14 Antworten

"wunderlich" ist ein nicht gerade genau definierter Begriff.

Du musst dir die Menschheit als eine Spezies von höheren Affen vorstellen, die ihre ganz eigene Definition und Vorstellung von "normal" hat. Nur wenn du die Brille deines eigenen eingeschränkten Blickwinkels ablegen kannst, hast du eine Chance, diesen "Normalitäts-Begriff" zu hinterfragen. Wer nicht durch Sozialisierung eine gesellschaftlich akzeptierte und bekannte Identität (oder Reihe von Identitäten) annimmt und entsprechend der Erwartungen und Normen fortan diese "Rolle spielt" (Geschlechterrollen, Religionen, Rolle von "genormten" Positionen in einer sozialen Gruppe), kann von seinen Mitmenschen nicht einem bestehenden Persönlichkeitstypen zugeordnet werden, sodass andere Menschen Schwierigkeiten haben, den richtigen Umgang mit einem zu finden bzw. das Gefühl haben, dass man sich nicht den gleichen Werten und Normen verpflichtet fühlt wie andere, weil man sich nicht wie diese ausdrückt.

Die heutige Vorstellung von "Handlungsfreiheit", "Freier Entfaltung der Persönlichkeit" sowie "Selbstverwirklichung" ist ein eher zweischneidiges Schwert. Zwar kann theoretisch jeder so handeln wie er will und sich entwickeln, wie er will, aber praktisch wird diese Freiheit durch die für den entwickelnden Menschen sehr wichtige ständige Beobachtung und Bewertung durch Mitmenschen gelenkt (das nennt man ja gerade "Sozialisierung"). Nicht-gesellschaftsfähige oder gegen die gesellschaftlichen Normen verstoßende Verhaltensweisen und Auffassungen werden sozial geächtet, sodass diese für gewöhnlich abtrainiert werden (es sei denn, man bezieht sein Selbstverständnis über das Nicht-Beachten der Meinung der anderen oder man sucht sich eine Bezugsgruppe, die in gleicher Weise eine gegen die Gesellschaftsnormen verstoßende Auffassung vertritt).

Nun sind gerade die Lebensumstände der heutigen Generation heranwachsender Jugendlicher charakterisiert durch einerseits ein außergewöhnlich hohes Maß an Möglichkeiten, auch praktisch ohne oder mit nur sehr wenig Druck Sozialisierung wahrzunehmen oder eben nicht wahrzunehmen (sich sozial zu isolieren und z.B. "nur Freunde im Internet haben"), aber andererseits einen höheren sozialen Druck durch ständiges Vergleichen der Menschen und einem (wenn du mich fragst) höheren Grad an Oberflächlichkeit und Selbstdarstellung im Umgang miteinander, insbesondere im Jugendalter (facebook, whatsapp etc).

Daraus resultierend ist durchaus zu vermuten, dass Menschen, die früher "spätestens mit 20 ihr Verhalten verändert haben", weil sie sich von allen Seiten verurteilt und beobachtet fühlten, heute weniger Druck zu diesem Schritt haben und ggf. ihr "Außergewöhnlichsein" über eigene Bezugsgruppen (wenn auch nicht-klassische, z.B. solche im Internet) als natürlichen Bestandteil ihrer Persönlichkeit ansehen und sich nicht mehr dafür schämen (wie oben beschrieben hilft die Bezugsgruppe, die "klassischen" gesellschaftlichen Normen kritisch zu sehen und sich eher den Normen und Erwartungen seiner Bezugsgruppe verpflichtet zu fühlen).

Jetzt stellt sich doch die Frage, willst du "wunderlich" sein, siehst du es teilweise positiv, teilweise negativ oder siehst du es vollständig als negative Belastung und Erschwerung deines Soziallebens? Die Menschheit braucht einen gewissen Prozentsatz an "Sonderlingen", also Menschen, die "außerhalb der Box" denken können, und bekannte genormte Denkbahnen aufbrechen und hinterfragen können. Viele bekannte Erfinder, Schriftsteller und Entdecker sind bis zu einem gewissen Grad "wunderlich". Natürlich kann es, je nach persönlichem Selbstverständnis, in einen Konflikt zu den eigenen Lebenszielen und Vorstellungen treten, denn zu viel "wunderlich sein" macht den Mitmenschen und sich selbst das Leben schwer und kann dafür sorgen, dass niemand wirkliches Verständnis für einen hat.

ennas09 26.11.2016, 19:47

Du liebst Monologe,oder!?

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"Wunderlich" ist kein feststehender psychologischer Begriff. Was für die einen wunderlich ist, ist für andere normal. In der Regel ist das ja eine Zuschreibung von außen, wenn irgendwelche Lebensgewohnheiten oder charakterlichen Eigenschaften nicht nachvollzogen werden können.

Ich empfinde das Wort "wunderlich" auch gar nicht als so negativ, als dass man sich darüber Sorgen machen müsste.

In früheren Zeiten konnte man es daran merken, daß man durch andere darauf aufmerksam gemacht wurde.

Inzwischen haben sich jedoch die Mehrheitsverhältnisse geändert, und nunmehr kann man es daran merken, daß man sich in den Mainstream vollständig integriert hat.

Oder war die Frage ganz anders gemeint?

Wenn ja, dann merkt man es am ehesten am Verhalten der anderen, z. B., wenn diese nur noch verständnisvoll lächeln anstatt auf das, was man sagt oder tut, säuerlich zu reagieren, oder auch, wenn der Hausarzt das Gespräch auf betreutes Wohnen lenkt, obwohl man körperlich noch einigermaßen fit ist.

Spielwiesen 24.11.2016, 13:36

Klasse Antwort, danke!

Aber gemessen an der Dichte der Realsatire rundherum, der ich mich in meiner alltäglichen Realität ausgesetzt fühle, befürchte ich, kein richtiges Maß für meinen Grad an Wunderlichsein mehr zu finden - wenn z.B. andere verständnisvoll lächeln. Interpretiere ich sein Lächeln richtig als 'verständnisvoll', oder ist es eher spöttisch - oder habe ich nur gerade jemanden gut amüsiert, der auch Satire schätzt?

Schwierig, finde ich!

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Dxmklvw 24.11.2016, 14:37
@Spielwiesen

Manche Dinge, wenn man sie auch einmal um die Ecke betrachtet, lassen sich mit etwas Satire besser auf den Punkt bringen. Doch das hindert mich nicht daran, auch ernst gemeintes anzufügen.

Ja, verständnisvoll und spöttisch ist da nur ganz schwer unterscheidbar, es sei denn, man ist selbst noch nicht so wunderlich, daß man noch erkennt, ob das vermeintliche "verständnisvoll" den Umständen angemessen ist. Wenn nicht, dann ist die Interpretation "spöttisch" naheliegender.

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Spielwiesen 24.11.2016, 16:08
@Dxmklvw

Wobei ich auch schon bemerkt habe, dass jemand, der mit meinem - sagen wir mal - Ausmaß an gelebten Realitätsmustern leicht bis mittelmäßig überfordert ist (mein Bruder ), mich aus seiner Zweidimensionalität heraus schon mal als 'schrullig' bezeichnet hat - ein anderes Wort für 'wunderlich', denke ich. Was mir nur zeigt, dass es Zeit wird, dass er endlich aus seinem Berufsleben raus kann - dann kann er auch diese Mainstream-Denk-Fesseln abwerfen. 

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Dxmklvw 24.11.2016, 16:34
@Spielwiesen

Manch einer ist froh, wenn da ein anderer kommt und ihn aufweckt. Andere schlafen aber nicht wirklich und werden "seltsam", wenn sie nicht mehr ihrer Art gemäß leben und denken können.

Da zeigt es sich häufig, daß im Leben kaum etwas schwieriger ist, als die Dinge im Voraus so einschätzen zu können, wie sie sich hinterher zeigen.

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ennas09 26.11.2016, 20:00
@Dxmklvw

Ihr seid alle Selbstdarsteller, die sich hier profilieren wollen! Traurig!!! Da ist ein Mitglied, das Antworten sucht und Ihr philisophiert Euch zu ekstatischer Selbstdarstellung! Da ist keinerlei Empathie!

Schluss jetzt! Antwortet oder haltet Euch ´raus!


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Dxmklvw 26.11.2016, 20:24
@ennas09

Ich habe deine Selbstdarstellung verstanden. Doch es wäre günstiger, wenn du diese nicht in alle anderen hineinprojizierst.

Es ist nicht deine Aufgabe, zu bestimmen, was und wie der Fragesteller gefälligst zu empfinden hat, und es ist ungedeihlich, sich einzubilden, zum Meinungszensor berufen zu sein.

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ennas09 26.11.2016, 21:24
@Dxmklvw

Jaja, dahinter steckt nicht viel Substanz, mein kleiner Dxmklvw! Schon klar: Ihr braucht eine Bühne für Euer Ego!

Könnt Ihr nicht einfach das Geschwafel lassen? Für Euer Ego wird sich doch im Internet irgendein anderes Portal finden lassen!

zErfresser wollte nachfragen, ob er eventuell wunderlich auf seine Mitmenschen wirkt! Und als Antwort bekommt er das Endlos-Geschwafel von "Wirklich-Wunderlichen" um die Ohren geschlagen! Und DAS bis zum Erbrechen! Bis zum Abwinken, bis zum Geht-nicht-mehr!!!

Und: ja, klar Du wirst wieder das UNWIDERSTEHLICHE Verlangen haben, mich zu belehren! Du MUSST mir einfach antworten! DU bist ja schließlich ein großer Philosoph!

Lass´ es gut sein!!! MICH beeindruckst Du nicht! Íst schon gut: Du bist ein ganz Großer! Ja, das akzeptieren wir alle!

Aber lass´ doch zErfresser in Ruhe! Ich wiederhole: keinerlei Empathie!


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Dxmklvw 26.11.2016, 22:23
@ennas09

Manchmal kann es natürlich auch vorteilhaft sein, wenn du deine Eigenschaften in andere hineinreflektiert, denn nebenher hilft es natürlich auch, dich besser einschätzen zu können und dich so zu sehen, wie du tatsächlich gestrickt bist.

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Hm, wenn man in einer Gesprächsrunde feststellt , dass nach einer vermeintlich klugen Antwort , irritierte Blicke ausgetauscht werden , einem aber huldvoll auf die Schulter geklopft- und wohlwollend gelächelt wird !

Solange es dem Jenigen noch selbst auffällt , ist alles zwar etwas peinlich , wenn nicht .... ist' eh egal ! :)

ennas09 24.11.2016, 10:44

Oooh, jetzt komme ICH in´s Grübeln...... ´Kommt mir irgendwie bekannt vor....

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Wenn Du Dich nicht mehr über Dich selbst verwundern kannst, sondern andere sich über Dich wundern.

ArbeitsFreude 27.11.2016, 23:46

Dann, aber, lieber Rosenblad: Wunderst Du Dich nur noch darüber, dass die anderen sich über Dich wundern..., weil das ja gar nicht sein kann... - wenn Du es überhaupt noch merkst...

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1., lieberzErfressser: Merkt man es meisten ÜBERHAUPT NICHT

2. WENN man je doch noch in der Lage ist, sowas zu bemerken:

Daran, dass jemand Dir gerade etwas sagen möchte und dieser jemand von einem Dritten mit einem vielsagenden Nebenblick auf Dich davon abgehalten wird.

ÁBER: Warum fragst Du?

Wenn der näheren Umgebung auffällt, dass dein Verhalten irrational ist und dich darauf anspricht. 

Zb daran wie andere Leute auf einen reagieren. 

Ist zwar nur eine Vermutung, aber vielleicht ist sie hilfreich:

Wer wirklich wunderlich ist, merkt es nicht, kann es nicht bemerken.

Unwirklich wunderlich ist jeder Mensch, nur ist bei vielen schwierig, das zu erkennen.
Die werden als Normalos bezeichnet. Evtll. nur, bis die Fassade fällt.

 

Öhm ...worum geht's  hier eigentlich ?    *irritiert guck* 

Dass Du wunderlich bist, merkt man an Deiner wunderlichen Frage!

Wie bei so vielen psychischen Gebrechen, nämlich garnicht. Das merken nur die Anderen!

Das können Dir eindeutig nur Menschen sagen, die Dich kennen! Verwandte, Freunde, Kollegen.

(Naja, außer es ist gut ersichtlich. Wenn Du z.B. mit einem Schlüpfer auf dem Kopf rumrennst oder die Socken über den Schuhen trägst, dann brauchst Du keine Meinung von guten Bekannten!)

Das steht meistens im Personalausweis. Also ich heiße Griffin.

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