Wollen Menschen alleine sterben?

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6 Antworten

"[...]Sterben [ist] eine unglaublich persönliche und private Angelegenheit [...]"

Das ist der Punkt und genau dadurch wird die Entscheidung, wie man sterben möchte, auch von persönlichen Bedürfnissen und Vorstellungen geleitet. Fragt man Menschen, wie sie sie gerne sterben möchten, hört man die verschiedensten Vorstellungen und Wünsche. 

Eines was man oft hört, ist das "friedliche einschlafen und im Schlaf unbemerkt sterben" aber auch vieles andere. Manche wünschen sich durch die eigene Hand, an einem selbst gewählten Zeitpunkt und Ort, zu sterben. Manche fantasieren sogar von einer Steigerung - also dem gemeinschaftlichen Suizid. Wieder andere möchten im Kreise der liebsten sterben und fürchten den einsamen Tod, wie nichts anderes. Die Liste ließe sich lange fortsetzten, wohl lang genug, um ein Buch damit zu füllen - gerade wenn man die Unterschiede im Detail auch mit einbezieht.

Allgemeingültig kann man demnach nichts festlegen. Fest steht schlicht, dass man irgendwann einmal sterben wird aber wie dies geschieht und ob es auch so geschieht, wie man es sich womöglich wünschen würde, dass weiß man erst, wenn es soweit ist. 

Um aber nochmals auf das von den von dir genannten Wunsch eingehen zu wollen, der dich wohl sehr beschäftigt - wichtig ist, wie welche Beziehung man zum Sterben pflegt. Ob man die Ablenkung sucht oder auch die Zeit des Sterbens als letzten, intimen Moment für sich aufwenden möchte, steht und fällt damit, welche Gefühle man diesem entgegen bringt. Angst, Trauer, Glück, Scham - es gibt unzählig viele Konstellationen und Variationen, die auch immer mit der Lebenssituation zusammenhängen. 

Allein schon aufgrund dessen, ist das einsame Sterben sicher nicht immer begleitet von dem Gefühl, dass "Reize von außen nur noch als Belastung empfunden werden" - im Gegenteil, diese können als sehr schön und angenehm wahrgenommen werden. Unabhängig aber davon wie sich jemand entscheidet, sollte dieser Wunsch auch akzeptiert werden, wenn man ihn den erfüllen kann. 

Mit dem Wissen jemanden am Sterbebett einen erfüllbaren Wunsch verwehrt zu haben, lebt es sich ungemein schlecht, weitaus schlechter, als wenn man den eigenen Wunsch, dort gewesen zu sein, nicht erfüllen konnte.

Im Endeffekt stirbt man, um auch noch eine persönliche Note mit einfließen zu lassen, immer alleine. Es gibt einen schönes Zitat aus dem Film "Seul contre tous" von Gaspar Noé

"Du wirst allein geboren, du lebst allein, du stirbst allein. Allein, immer allein. Und selbst wenn du vögelst, bist du allein. Allein mit deinem Fleisch, allein mit deinem Leben."

Im Endeffekt geht es also nur darum zu entscheiden, wie man dieses "allein sein" verbringen möchte. Unabhängig von den Umständen, die wie beschrieben sehr verschieden sein können, hat der Mensch nicht die Entscheidung ob er alleine stirbt oder nicht - er tut es einfach, wie jeder andere auch. Das ist nicht traurig, im Gegenteil gewinnt damit jeder, durch seinen Tod, einen Moment, der nur ihm selbst gehört und das halte ich für äußerst wertvoll.

Liebe Grüße.

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Das ist wohl, wie schon gesagt wurde, von Mensch zu Mensch verschieden. Ich selbst, 83 Jahre alt aber gefühlt noch weit vom Sterben entfernt, würde mich belastet fühlen, wenn neben meinem Bett ein(e) Angehörige(r) mit Tränen in den Augen sitzen würde, weil ich dann wüsste, dass ich ihm (ihr) mit meinem Sterben jetzt Leid zufügen werde. Wenn niemand neben meinem Bett sitzen würde, würde ich mich trotzdem nicht verlassen fühlen, weil ich wüsste, das meine Lieben in Gedanken bei mir sind. Aber nochmals: Die Menschen sind unterschiedlich und fühlen unterschiedlich. Es gibt kein Allgemeinrezept.

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Hallo,
Es kann schon sein.
Es ist zwar auch eine persönliche Angelegenheit, aber zum Beispiel Berühmtheiten wie Leonarde Decaprio (keine Ahnung ob es richtig geschrieben ist 😂) oder Madonna, wird es nicht im Privaten zu Ende gehen. Na klar sind wir nicht bei dem Tod der Berühmtheiten live dabei, aber alles wird im Fernsehn gebracht.
Normale Menschen wie wir kriegen höchst warscheinlich eine Todesanzeige in der Zeitung.

Ich zum Beispiel würde gerne alleine sterben, damit die die mich lieben den Anblick nicht ertragen müssen. Andererseits würde ich mich auch gerne verabschieden können.
Diese Entscheidung ist jedem selbst überlassen. Egal ob Berühmtheiten, Obdachlose, Normale Menschen wie wir oder die Bundeskanzler, es ist jedem Menschen selbst überlassen was er gerne möchte. Dennoch können wir das nicht immer selbst entscheiden, nur das Schicksal entscheidet. (Es kann an einer Krankheit liegen, ein Autounfall kann Schuld sein oder dein Alter, du kannst nicht entscheiden ob in diesem Moment gerade Menschen um dich herum sind oder nicht. Oder du nimmst es selbst in die Hand und begehst alleine Suizid, aber das ist eher unwarscheinlich 😉)
Jeder Mensch hat eine eigene Entscheidung, doch meistens trifft das Schicksal die Wahl wann du gehen solltest oder wann nicht.

Ich hoffe ich konnte dir helfen. LG

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Das ist ganz individuell.

Ich habe Menschen erlebt, die konnten nicht alleine sterben; und es mussten erst bestimmte, für sie wichtige Angehörige kommen, bevor sie sterben konnten.

Und dann gibt es Menschen, die werden Tag und Nach von Angehörigen und guten Freunden begleitet, und die sterben genau in dem kurzen Augenblick, als alle mal draußen waren.

Das, was bis zuletzt besonders gut "funktioniert", ist das Gehör. Darum sollte man am Sterbebett nur mit dem Sterbenden sprechen (auch wenn er nicht antworten kann) und niemals über ihn oder sie.
(Dazu sollte man lieber raus gehen.)

Und ja: Ich habe in den Fällen, in denen ich dabei sein durfte, Sterben als sehr persönliche und intime Angelegenheit erlebt.

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Hm, ich denke, es gibt unterschiedliche Phasen beim Sterben. Sterben ist ja oft ein längerer Prozess, in dem Menschen oft schon spüren, dass es bald vorbei ist und sich mit ihrem Leben nochmal auseinandersetzen und vielleicht bestimmte Dinge für sich selbst klären wollen. Da kann alleine sein sicher gewünscht sein. Bei den letzten Minuten - ich weiß nicht, ich kann's mir nur schwer vorstellen, dass man das gerne alleine durchstehen will. Aber es gibt ja auch Fälle, wo man Angehörigen, v.a. Kindern diese letzten Momente ersparen will. Schwer zu sagen.

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Das ist eine echt gute Frage. Merk ich mir.

Ich würde auch sagen dass es 1:1 sein dürfte. Jeder ist und denkt anders

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