Wohlverhaltensperiode und Erbschaft

...komplette Frage anzeigen

3 Antworten

Eine Person in der Wohlverhaltensperiode erbt unerwartet einen kleinen Betrag

Und die will er an der Insolvenzmasse tatsächlich vorbeischmuggeln und dafür seine ersehnte Restschuldbefreiung riskieren? Zumal ihm die Hälfte seiner Erbschaft verbleibt?

1.) Wie und wodurch würde der Treuhänder davon erfahren?

  • Das Kreditinstitut des Erblassers muß verpflichtend eine Erklärung über Konten, Salden und gemietete Schließfächer der Erbschaftssteuerstelle mitteilen. Auf diese Steuerakten hat der IV Zugriff :-O

  • Grundbucheinträge sind bei berechtigtem Interesse jedem einsehbar

  • Erbscheinsauskünfte ebenso.

  • Eine Insolvenz im Internet öffentlich bekannt.

2.) Ist dem Nachlassgericht bekannt, dass genau diese Person in der Wohlverhaltensperiode ist? 3.) Meldet das Nachlassgericht eigenständig die Erbschaft an den Treuhänder?

Nein, wozu auch? Dem in Insolvenz Stehenden ist seine Mitwirkungspflicht hinlänglich bekannt, die Sanktionen knüppelhart und irgend ein Gläubiger erfährt bestimmt von dem Erbfall oder bekommt vom der gleichen Hausbank, einem Miterben oder enterbten Pflichtteilsberechtigten oder Geschätskunden einen Tipp und versagt dann knallhart seine Restschuldbefreiung :-O

G imager761

Es ist PFLICHT des Schuldners, dem Treuhänder das mitzuteiloen, denn ohne Meldung begeht er/sie eine Pflichtverletzung, die dazu führen kann, dass die Rechtschuldbefreiung erteilt wird. Man hat sich zu Beginn des Insolvenzverfahrens verpflichtet eine evtl. Erbschaft zu melden und mindesten die Hälfte davon an den Treuhänder abzuführen. Mitzuteilen ist dies spätestens mit dem Fragebogen, den man jährlich für den Treuhänder ausfüllen muss.

Inwieweit das NAchlaßgericht den Treuhänder informiert kann ich nicht sagen, aber man sollte nicht vergessen, dass die Insolvenz veröffentlicht wurde. Ob hier evtl sogar eine Pflicht des NAchla0gerichtes vorliegt das zu prüfen, wäre ich vorsichtig.

Nach meiner Erfahrung hat der Treuhänder keinen Zugriff auf Steuerakten (Steuergeheimnis). Ich kenne viele Fälle, in denen das Finanzamt sämtliche Anfragen von Treuhändern/Insolvenzverwaltern verweigert. Eine erfolgreiche Klage gegen das Finanzamt eines Treuhänders ist mir nicht bekannt.

Eine solche nicht gemeldete Erbschaft wird i.d.R. nicht erkannt. Die allermeisten Gläubiger verfolgen ein Insolvenzverfahren ohnehin nicht aktiv. Nach Abschluss des Insolvenzverfahrens wären auch die Treuhänder mit einer weiteren Prüfung aufgrund der vielen Fälle i.d.R. überlastet. Kontrollen erfolgen deshalb in der Praxis nur äußerst selten.

Ob es trotz des sehr geringen Risikos die Sache für die Person wert ist, muss diese selber entscheiden. Die Versagung der Restschuldbefreiung wird aber fast nie die Folge sein, denn diese können nur die angemeldeten Insolvenzgläubiger beantragen. Der Treuhänder hingegen besitzt nur ein sehr eingeschränktes Antragsrecht. Gläubiger, die die Anmeldefrist verpasst haben, können gar keinen Versagungsantrag stellen.

Ich hoffe aber nicht, dass Sie selber diese o.g. Person sind. Falls ich Ihren Namen richtig deute kenne ich Ihren Treuhänder und dieser ist recht engagiert bei der Sache.

Was möchtest Du wissen?