Woher wissen die Übersetzer amerikanischer Filme, ob sie Du oder Sie verwenden?

12 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Interessant zu lesen, was die bösen Übersetzer immer alles so anstellen ... Ich weiß ja nicht, was sich manche so vorstellen - wahrscheinlich, dass man drei Wochen Zeit hat, um den Film in die Zielsprache zu übertragen. Ist aber nicht. In den wenigsten Fällen haben die Übersetzer tatsächlich den Film und das Script vorliegen - d. h. sie müssen sich entweder mit Genuschel auseinandersetzen oder lediglich mit einem Script (ohne Film), das den gesprochenen Text des Films meist nicht vollständig und korrekt wiedergibt. Hinzu kommt der Zeitfaktor: Filme müssen teils in zwei Tagen (oder gar einem) übertragen werden. Da bleibt keine Zeit, sich alles noch einmal genau und im Kontext anzusehen, was eine Schande ist. Im Idealfall hat der Übersetzer das Script vorliegen und den Film und kann dann entscheiden, welche Form angemessen ist. Als Grundlage wird eine entsprechende Situation in der Zielkultur gewählt. Schwierig wird es zum Beispiel beim Arbeitsverhältnig - wenn Chef und Angestellter zum Beispiel abends gemeinsam in die Bar gehen (was im deutschen Kulturraum ja nun eher die Ausnahme wäre), dann liegt es nahe, dass eine gewissen Freundschaft besteht. Dann kann man das 'Du' anbringen. Das passt aber im Verlauf des Films auch nicht immer und überall. Die Verwendung des Nachnamens und des Vornamens sind zwar Indikatoren, aber gerade im US-amerikanischen keine zuverlässigen. Dort ist generell eher die Anrede mit dem Vornamen üblich - auch wenn die Hierarchie im Deutschen definitiv die förmlichere Sie-Form verlangt.

Außerdem muss natürlich der zeitliche Rahmen berücksichtigt werden: Ein Film, der im Mittelalter spielt, darf gewissen sprachliche Formen nicht verwenden. Die direkte Anrede - selbst mit Sie - wäre dann nicht korrekt. Der Knecht müsste seinen Herrn mit 'Ihr' ansprechen: 'Wünscht Ihr, dass ich Euch den Rappen sattele?' Daher kommt es zu Formen, die heute seltsam klingen. Die gesiezte Liebeserklärung auf der Titanic war schon okay - auch wenn andere Sachen viel zu modern waren.

Beim Film kommt noch ein wichtiger Faktor hinzu, gerade bei der in Deutschland so beliebten Synchronisierung: die Lippensynchronität. Die Anpassung des Zieltexts (also der deutschen Übersetzung, die so korrekt sein mag wie irgend möglich) wird letztendlich überarbeitet, um ein Höchstmaß an Lippensynchronität (Deckung des gehörten Texts mit den Lippenbewegungen des Sprechers) zu gewährleisten. Diesem Schritt fallen manche guten oder originellen Übersetzungen zum Opfer. Darauf haben die Übersetzer keinen Einfluss.

Bei der Untertitelung gibt es Normen, wie lange die Zeile eingeblendet sein muss, wie viele Buchstaben sie haben darf etc. Wenn der Dialog schnell und wortreich ist, MUSS gekürzt werden, auch wenn das leider der Qualität des Films und der Untertitelung selbst abträglich ist.

So, und natürlich gibt es richtig gute Übersetzungen bei Synchronisationen und Untertitelungen (denkt mal an die Disney-Filme, die in der Regel hervorragend aufbereitet sind), aber auch miserable. Das einzige, was hilft: Schaut euch die Filme im Original an. Nicht umsonst sprechen die Niederländer oder auch Skandinavier häufig sehr gut Englisch: In diesem Ländern wird grundsätzlich nicht synchronisiert, höchstens untertitelt. Und die Untertitelung soll lediglich als Verständnishilfe dienen. Das sollte man auch mal berücksichtigen ...

0

das entscheidet der übersetzer von fall zu fall und meines erachtens auch nicht immer richtig oder schlüssig.

Naja, grundsätzlich sind es dieselben Regeln, die wir auch benutzen, wenn wir deutsch sprechen. "Du", bei persönlichen Beziehungen oder Bekanntschaften, sowie dann, wenn man privat oder inoffiziell reden möchte. Außerdem dann, wenn mit Kindern oder Jugendlichen gesprochen wird.

Alles, was übrig bleibt, ist entweder "Sie" oder aber es wird im Einzelfall entschieden. Als Kompromiss, wenns nicht klar ist, wird mit Vornamen gesiezt.

Was möchtest Du wissen?