Woher weiß man was real ist, wenn Wahrnehmung subjektiv ist?

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11 Antworten

Ich glaube, unsere Realität wird durch die Wahrnehmung bestimmt.

Wir nehmen praktisch nie die Realität wahr, sondern diese wird immer durch mentale Filter - Instinkte, Konditionierung, Erziehung, Vorurteile, Lebenserfahrung - wahrgenommen.

Wir bewerten - und verändern dadurch unsere Wahrnehmung.

Außerdem werden Sinneseindrücke der Realität, die für uns irrelevant sind, zumeist herausgefiltert, so dass wir sie gar nicht wahrnehmen.

Wir erleben also immer eine Realität, die jedoch subjektiv gefärbt ist.

Zwei Menschen können das selbe Objekt sehen, benennen es auch beide mit dem gleichen Begriff - bewerten es aber unterschiedlich.

Das merkt man beispielsweise bei Assoziationsspielen, oder dem Rorschach-Test in der Psychologie.

Wir sagen beispielsweise "diese Frau ist schön" - "das Essen ist lecker" - "Die Party" ist toll - und klingen dabei so überzeugt, dass man meinen könnte, dies wären objektive Fakten.

Dabei würde ein anderer Mensch die gleiche Frau als unattraktiv, das Essen als ungenießbar und die Party als sterbenslangweilig ansehen.

Die Realität besteht einfach aus dem unbewerteten Zustand der Dinge.

Eine Frau ist eine Frau, Essen ist Essen und eine Party ist eine Party.

Alles andere ist eine Frage von Konditionierungen, Bewertungen und dadurch beeinflusster Wahrnehmung. Das ist jedenfalls meine Meinung.

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Wissenschaftstheoretisch gesehen gibt es mehrere Antworten auf die Frage:

  1. Der wissenschaftstheoretische Rationalismus sieht den menschlichen Geist als einzige Quelle der Erkenntnis an. In der empirischen Forschung wurde daraus die Forderung entwickelt, Aussagen in der Wissenschaft einer möglichst strengen Überprüfung zu unterziehen.
  2. Der wissenschaftstheoretische Realismus nimmt eine objektiv gegebene Realität an. Daraus folgt, dass Menschen diese nur näherungsweise erfahren können. In der empirischen Forschung werden daher sogenannte Korrespondenzregeln entwickelt, die Wahrnehmungsaussagen (Protokollsätze) mit wissenschaftlichen Schlussfolgerungen verbinden.
  3. Postempiristische Ansätze haben - kurz gesagt - verschiedene Vorstellungen entwickelt, wie die Wahrnehmung von Phänomenen durch organisierende Prinzipien wie z.B. die "disziplinäre Matrix" geformt wird. Wahrnehmungen sind daher nicht subjektiv, sondern aus einer Art Weltbild abgeleitet.
  4. Konstruktivistische u.ä. Ansätze sehen wissenschaftliche Forschung als Konstruktionsprozess an, bei der auch Beobachtungen aus sinnlichen Wahrnehmungen auftauchen (emergieren).

Das Problem der Subjektivität der Wahrnehmung ist eigentlich nur für den naiven Empirismus ein Problem, der den Zusammenhang zwischen Sinneseindrücken und wissenschaftlichen Aussagen nicht reflektiert.

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DerBaertigeBert 13.02.2016, 21:08

Es heißt ja, dass alles was wir mit den Sinnen wahrnehmen vom Gehirn interpretiert wird. D.h. man könnte ohne Gehirn die Realität sehen, allerdings würde es nichts nützen, weil man ohne Gehirn eben nicht Leben kann. Ist Realität also eine Illusion? Können Autisten die Realität wahrnehmen?

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wwalter59 13.02.2016, 21:46
@DerBaertigeBert

Die einfache Wahrheit ist: das Gehirn hat keine Augen, keine Ohren und keine Nase. Wenn die Realitätswahrnehmung im Gehirn stattfinden sollte, was weder ich noch irgendjemand hier außer Ihnen behauptet hat, muss die Wahrnehmung ohne Sinnesaktivitäten stattfinden.

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Eine klare Abgrenzung zwischen Realität und Wirklichkeit gibt es wohl gar nicht. 

Wenn man sich frägt, wie wirklich etwas ist, frägt an sich eigentlich immer nur, in welcher Rolle das Betrachtete wirklich ist.

Sämtliche physikalischen Modelle etwa beschreiben stets nur Realität, aber keinesfalls Wirklichkeit. Als Modelle aber - d.h, in der Rolle "Modell" - sind sie tatsächlich wirklich (wenn auch nur geistige Wirklichkeit).

http://greiterweb.de/zfo/Realismus.htm#msgnr0-35

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Warum kann ich denn nicht durch Wände gehen? Würde es nicht reichen, dass wir alle in dem Raum uns darauf einigen, dass dort keine Wand ist? Dann gestaltet meine Wahrnehmung die Umgebung und ich kann sie ändern je Sichtweise. Und doch hau ich mir ständig die Birne an. Check ich auch nicht.

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Sibylled 13.02.2016, 12:35

Weil deine Gedanken des  Verstandes auf gleicher Schwingungsfrequenz wie die Wand ist. Druck gegen Druck erzeugt Gegendruck.

Um also durch die Wand gehen zu können, müsstest Du die Fähigkeit haben die Schwingungsfrequenz deines Körpers zu verändern - das geht aber nur über das Überbewusstsein.

Sibylle

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DrPanzerfaust 13.02.2016, 13:47
@Sibylled

Man kann in ein Aquarium eine Glasscheibe mit demselben Brechungsindex wie Wasser einfügen. Diese Scheibe ist meines Wissens für alle Fischarten unsichtbar, die kein Sonar haben, und trotzdem können die Fische nicht durch die Scheibe schwimmen.

Wenn man die Scheibe wieder entfernt, brauchen die Fische einige Zeit bis sie gelernt haben, dass da keine Scheibe mehr ist, von der sie aufgehalten werden.  

D.h. unser Wissen und Bewusstsein folgt der Realität nach und beschreibt diese nur. Du, Sibylled, scheinst da anderer Ansicht zu sein. Kannst du uns ein Beispiel nennen, das deine Ansicht bestätigt?

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schlonko 13.02.2016, 16:31
@DrPanzerfaust

Ich, ich! Die Mainzelmännchen haben einen Bleistift, mit dem sie ein Auto malen, einsteigen und wegfahren. Ich bin schon in Anfängerkurs 2!

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OK... das ist ja auch mit Psychologie getaggt worden. Deshalb mal aus Psychologen-Haltung:

Das, was der Klient erlebt, ist Realität. Das ist seine Realität. Die ist wahr und unumstößlich. ABER: Wirkungen sind auch niemals ein-deutig, sondern haben immer mehrere Wirkungen gleichzeitig. Also: Die Mutter liebt nicht nur ihr Kind, sondern sie hasst es auch. Und wenn die Mutter im Gespräch immer und immer wieder von der Liebe zu ihrem Kind erzählt, dann ist ihr einerseits Glauben zu schenken, dass dies extrem wichtig für sie ist - andererseits deutet es auch darauf hin, dass die andere Seite (die hier sehr zugedeckt wird) besonders stark ist.

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Da gibt es zum ersten die Intersubjektivität. D.h. wenn du es für real hältst und es auch von vielen anderen für real gehalten wird, dann ist es das vermutlich auch. Und zum zweiten gibt es den Kontext. Wenn sich das, was du für real hältst, widerspruchsfrei in den Gesamtkontext deines Wissens einfügen lässt, dann ist es vermutlich auch real.

Aber 100%-ige Sicherheit hat man fast nie. 

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Die Wirklichkeit wirkt weiter, auch wenn wir nichts davon wissen oder wissen wollen. Der Traum endet, wenn wir aufwachen.

Das Reale besteht jeden Test. Evidenzbasiert. Lügen haben kurze Beine, verheddern sich irgendwann in Widersprüche. Lügen brauchen immer neue Lügen, um nicht entlarvt zu werden.

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Es ist ein schmaler Grad.

Sind wir Spielfiguren, Träume anderer, charaktere aus einem Buch oder sind wir ein Bewusstsein eines anderen?

Ich selber kann nicht mit 100% Sicherheit behaupten ob das alles Real ist. Selbst wenn nicht, ist das unsere Realität. Es sei denn du hast das alles geträum. ;-)

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Man weiß es nicht. Man hält das, was man erkennt, bis zum Auftreten des Gegenteils für die Realität.

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Savix 13.02.2016, 01:21

Wie Niels Bohr die einst in Worte fasste:

"Das Gegenteil einer großen Wahrheit, ist immer eine andere große Wahrheit,,



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Genau da ist ja der Punkt: man weiß es nicht, man nimmt es einfach nur an.

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Das weiß man überhaupt nicht. 

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