Woher weiß man wann eine Tierart fertig entwickelt ist, es entwickelt sich doch ständig weiter, oder?

7 Antworten

Es gibt kein fertig oder halb entwickeltes Tier, weil die Evolution kein denkender Prozess mit einem erklärten Ziel ist, das teilweise oder ganz erreicht werden könnte.

Der Artbegriff entspringt unserem Bedürfnis, die Natur in Schubladen zu unterteilen, um sie verstehen zu können, und ist für die Forschung auch absolut notwendig. Im Gegensatz zu anderen Abstammungseinheiten wie Gattung oder Ordnung ist die Art oder Spezies objektiv definiert, in der Regel als Gruppe von Individuen, die untereinander fertile Nachkommen zeugen können. In der Theorie sollte dieses Konzept reichen, um Arten klar abgrenzen zu können, aber die Realität macht es uns leider nicht so einfach.

Zuerst einmal lässt sich dieser biologische Artbegriff nicht auf fossile und ungeschlechtliche Arten übertragen. Die Abgrenzung einer Art erfolgt hier deshalb genauso willkürlich wie bei den höheren Einordnungen.

Das zweite Problem ist das von dir angesprochene, dass die Arten sich eben entwickeln und ineinander übergehen, wodurch die Artgrenzen unscharf werden. Dein Beispiel ist etwas unglücklich, weil die Mammuts nicht die Vorfahren der heutigen drei Elefantenarten sind, sondern ohne Nachfahren ausgestorben sind.

Bei den Vorfahren der Menschen kommen beide Probleme zusammen. Der moderne Mensch ist die einzige rezente hominine Art, und die fossilen Arten stehen recht nah zusammen im evolutionären Stammbaum. Wir unterscheiden im Moment fünf-sechs Gattungen in der Ahnenreihe des Menschen, von denen die jüngsten beiden, Australopithecus und Homo wiederum in einige Arten unterteilt werden.

Die Zuordnung eines Fossils zu einer dieser Arten ist schwierig, weil das Erscheinungsbild einer Art oder Gattung über die Jahrmillionen variierte. Teilweise haben die ersten und letzten Vertreter einer Art mehr Gemeinsamkeiten mit den vergangenen und späteren Arten als untereinander. Letztendlich sind wir nur rückwirkend in der Lage, Unterscheidungen vorzunehmen. 

Bei heutigen Arten, die in der Aufspaltung begriffen sind (z.B. Angehörige der Gattung Bos, die sich deutlich unterscheiden, sich aber fast uneingeschränkt kreuzen können, was in der Natur aber nicht vorkommt), prallen dann auch verschiedene Artbegriffe aufeinander, mit denen man Ordnung schaffen will. Wo hier dann wirklich die Grenze einer Art liegt, lässt sich einfach nicht sagen.

Genau so ist es.

Es gibt keine "fertige" oder "abgeschlossene" Entwicklung. Jedes einzelne Tier, jede einzelne Pflanze ist ein Phänotyp einer Spezies, mit ihrer ganz eigenen genetischen Struktur. Die Begriffe "Gattung" und "Art" sind nur Modellbegriffe, die der Mensch geprägt hat - der Natur sind diese Begriffe egal, also gibt es sie dort auch nicht.

Was eine Art zur Art und eine Gattung zur Gattung macht, hat der Mensch definiert: Eine Art sind alle Angehörigen einer Spezies, die untereinander zeugungsfähige Nachkommen zeugen könnnen, eine Gattung sind alle Angehörigen einer Spezies, bei denen die Nachkommen (Hybriden) zumindest lebens- aber nicht mehr zeugungsfähig sind. Diese Faustregel gilt aber nicht in allen Fällen: So sind zum Beispiel weibliche Hybriden aus Löwen und Tigern (Liger und Tions) durchaus fortpflanzungsfähig, trotzdem gelten Löwen und Tiger als eigene ("ferig entwickelte") Arten - weil eben die männlichen Hybriden steril sind.

Die Schlüssel zur Entstehung neuer Arten, Gattungen und auch von Familien, Ordnungen und ganzer Klassen und Stämme sind also die Genetik und vor allem die Zeit. Durch Rekombination, aber auch durch Mutation entstehen immer neue genetische Strukturmuster, welche sich über die Generationen stets verändern - aber nur sehr, sehr langsam und im Ablauf von tausenden, ja sogar Millionen von Generationen. Auch der Mensch, der Löwe und der Tiger werden sich irgendwann weiterentwickelt haben, und sie haben es bereits: Ein heutiger Mensch würde mit einem (heute ausgestorbenen) Homo erectus vermutlich zwar Nachkommen zeugen können, die aber steril wären, mit einem noch früheren Vorfahren wie dem Australopithecus aber höchstwahrscheinlich nicht - genauso wenig, wie wir imstande sind, uns mit Schimpansen und Gorillas zu paaren.

Das ist nicht so ganz einfach.

Klar ist folgendes:
Wenn die beiden Elterntiere Nachkommen hervorbringen, die unfruchtbar sind oder wenn es sogar überhaupt keine Nachkommen gibt, dann handelt es sich um unterschiedliche Arten.

Die Grenzziehung wird dann schwierig, wenn bei der Mischung der Arten voll fortpflanzungsfähige Nachkommen entstehen. Da ist es dann eher Definitionssache, wo man Artgrenzen zieht.

Eine Tierart ist immer nur im Bezug auf ihre Umwelt "fertig". Da geht die Evolution in die Richtung der optimalen Anpassung an die Umwelt und wenn die optimal ist, ist die Tierart fertig. Sobald sich aber die Umweltbedingungen ändern, wird ein neuer Evolutuinsschub in Gang gesetzt, bis wieder die optimale Anpassung erreicht ist.

Physikalisch betrachtet ist eine Tierart dann fertig, wenn sie dem Prinzip der minimalen Entropieproduktion gehorcht.

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