Woher weiß ich, ob sich das nicht nur jemand ausgedacht hat?

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4 Antworten

Als Schüler kannst Du nicht jede Reaktionsgleichung überprüfen die in Lehrbüchern steht.Wir leben in einer stark arbeitsteiligen Gesellschaft in der jeweils alle von dem Wissen und den Erkenntnissen aus Forschung und Wissenschaft profitieren.

Natürlich können Ergebnisse auch falsch sein und in wenig beachteten Bereichen halten sich auch einige Fehler hartnäckig. Sie werden von Lehrbuch zu Lehrbuch abgeschrieben, bis sie jemand überprüft und korrigiert. Auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse werfen manchmal ganze Erklärungsmodelle über den Haufen. Das passiert immer wieder und wird von Wissenschaftlern dann heiss diskutiert und gegengecheckt.

Wenn Du sicherer werden willst ob eine chemische Formel stimmt oder eine wissenschaftliche Behauptung stimmt,hast Du drei Möglichkeiten:

Du rechnest mit dem entsprechenden Hintergrundwissen an Bindungsvalenzen und Energiepotentialen die Formel nach und schaust ob sie stimmen kann und dann siehst Du auch gleich ob sie endotherm oder exotherm ist. Dann kannst Du auch gleich das Tempo abschätzen, da sich bei höheren Temperaturen die Reaktionsgeschwindigkeiten erhöhen.

Dann kannst Du in der Literatur recherchieren ob diese Reaktion von vielen unterschiedlichen Menschen auch schon so durchgeführt und beobachtet wurde. Heute ist das im Internet einfacher geworden als früher als man in Bibliotheken in Schlagwortverzeichnissen suchen und dann manchmal lange auf die Lieferung der Bücher zum lesen im Lesesaal warten musste. Wenn viele Menschen diese Reaktion aus eigener Kenntnis und Übung so beschrieben haben, dann kannst Du Dir recht sicher sein das sie wohl stimmen wird. Achte darauf ob es eigene Erkenntnisse sind und nicht nur nachgeplappert oder abgeschrieben.

Diese beiden Möglichkeiten hast Du als Schüler jederzeit, das geht schnell und ist billig.

Die Königsdisziplin wäre dann natürlich zum Schluss der Versuch im Labor mit genauem nachwiegen der Molgewichte um die Masseformel zu bestätigen oder zu widerlegen.

Im Extremfall kann es dann trotzdem noch sein das die Formel falsch ist weil die Theorie dahinter einen Fehler hat und die Laborergebnisse sich nur zufällig decken. Dann wird vielleicht später ein Wissenschaftler den Fehler aufdecken und eine verfeinerte Theorie der chemischen Bindungen präsentieren. Dann werden sich viele Wissenschaftler daran reiben, neue Versuche machen und schauen ob die neue Theorie besser zu den Ergebnissen passt oder widerspricht.

So funktioniert unsere Wissenschaft und so entwickelt sich das Wissen der Welt weiter. Wenig ist in Stein gemeisselt aber man benötigt Erklärungsmodelle und Gedankengebäude um den jetzigen Wissenstand zu verstehen.

Was Deine Formel beschreibt ist die Herstellung gelösten Goldes in Königswasser.  Wenn Ihr ein Schullabor habt, kannst Du mit der Hilfe des Lehrers ja einen Versuch machen. Salzsäure und Salpetersäure hat das Labor bestimmt und zum lösen kannst Du mal schauen ob Du nicht eine alte Goldkette findest oder Goldzähne. Diese müssten zwar erst einmal aufbereitet werden, aber das kann Dir Dein Chemielehrer zeigen. Als Ergebnis kannst Du dann einen Feingoldklumpen erschmelzen. Dieser Vorgang ist seit langem bekannt und wird bei der Goldscheidung angewandt, bei der Analyse und zum Beispiel schon vor Jahrhunderten zur Herstellung intensiv rotem Glas in Venedig. Das Glas wurde dabei durch feinste Partikel Gold rot gefärbt die aus so einer Lösung gefällt wurden.

von: Heinrich Butschal, Goldschmiedemeister und Gutachter für Schmuck und Edelsteine.

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Kommentar von DepravedGirl
16.02.2016, 17:07

Recht herzlichen Dank für deine umfangreiche und gute Antwort !

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MIt Erfahrung kann man vieles ahnen und in einfachen Fällen auch wissen.

Ich weiß:

  • dass Gold durchaus Verbindungen eingeht
  • dass es von Chlor angegriffen wird
  • dass Gold, wenn es reagiert, gerne 3wertig auftritt
  • dass es viele anionische Chlorkomplexe gibt

Also ahne ich, dass die Reaktion so stattfinden kann.

Aber um sicher zu sein, müsste ich es nachprüfen. Im nternet oder im Extremfall in einer Bibliothek. Und im schlimmsten Fall mit einem Experiment.

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Kommentar von DepravedGirl
16.02.2016, 17:09

Recht herzlichen Dank für deine Antwort !

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1. Du oder jemand anders hat die Reaktion genau so beobachtet.

2. Irgendein schlauer theoretischer/physikalischer Chemiker hat sich ganz viele Gedanken gemacht, am PC wilde Sachen gerechnet und kommt zum Schluss: Ja läuft so ab.

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Kommentar von DepravedGirl
15.02.2016, 23:06

Vielen Dank für deine Antwort !

Das bedeutet ja im Prinzip, dass die Leute einem alles erzählen können und man keine andere Wahl hat, als das alles zu glauben, es sei denn man kann sich eine ultrateure Laborausrüstung leisten usw.

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Man muss unterscheiden zwischen dem Glauben an Mögliches (nachprüfbar) und Unmögliches. Je mehr man weiss, desto weniger ist man auf Glauben angewiesen.   -   Den Verlauf einer Reaktion kann man berechnen, wenn man sie gründlich untersucht hat. In Wirklichkeit (was immer das ist) gibt es um ein Vielfaches mehr chemische Reaktionen, als in Lehrbüchern erwähnt werden, aber sie kommen  so weit am Rande vor, dass sie höchstens von theoretischem Interesse sind.

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Kommentar von DepravedGirl
16.02.2016, 17:09

Vielen Dank für deine Antwort !

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