Woher weiß ich, dass ich mich selbst einschätze oder mir einfach nur etwas einrede?

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7 Antworten

Ich finde die Frage ist ziemlich schwer zu beantworten - auch weil man ja gar nicht weiß, was genau du eigentlich meinst. Betrifft es nur einen Wert in deiner Einstellung oder eine bestimmte Fähigkeit? Es macht schon was aus, das zu wissen.

Aber mal ganz generell gesagt: Man muss nicht immer alles entweder zu 100% perfekt oder absolut gar nicht können - dazwischen gibt es doch einen Bogen an Abstufungen. Von "Das kann ich gar nicht und will ich auch nicht können" bis "Naturtalent - und zwar eins das den eigenen Lebenssinn bestimmt". Ich muss aber auch sagen, dass es wirklich Leute gibt, die sich selbst gar nicht einschätzen können - hätte ich selbst bis vor nicht allzu langer Zeit auch dran gezweifelt, gibt es aber wirklich. In dem von mir gemeinten Fall kommt aber noch erschwerend hinzu, dass eben diese Person auch nicht besonders sozialinteraktiv begabt ist - fragt er einen nach der Meinung, steht schon vorher fest was er eigentlich hören will und anwortet man dann in einem komplizierten drum herum, was man wirklich denkt, tut er so als hätte sie den Wink mit dem Zaunpfahl gar nicht gesehen.

Ich weiß nicht wie es bei dir ist - aber wenn du verwirrt bist, weil deine Mitmenschen gegensätzliche Aussagen treffen, dann geh doch zu jeweils zwei Vertretern beider Seiten und frage einfach mal klipp und klar, was die Person über deine angesprochene Angelegenheit denkt und warum sie so denkt. Argument für Argument. Liste dir diese Argumente gegeneinander auf und du siehst schnell worauf das ganze hinausläuft. Läuft das ganze aber nicht auf eine eindeutige Richtung hinaus, dann musst du eben akzeptieren, dass es sich hier um etwas handelt wo es eben nicht einfach entweder mit Talent und harter Arbeit oder gar nicht schafft, wei einem das einfach nicht liegt, sondern irgendwo dazwischen.

Dann kannst du wirklich nur nach Gefühl entscheiden: Lohnt sich die Arbeit an dir selbst, für das positive Gefühl, das du daraus ziehst oder ist die Wand einfach zu dick. Worin besteht dieses positive Gefühl überhaupt? Kann man es sich selbst vielleicht wieder ins Gedächtnis rufen, wenn man nur noch mal gut drüber nachdenkt wie vorteilhaft die genannte Angelegenheit für einen ist? Ist das gerade nur zeitweise so oder ist das Ende des Tunnels überhaupt gar nicht in Sicht? In Bezug auf den Letzten genannten Punkt würde ich aber zunächst mal folgendes raten: Nicht sofort aufgeben, weil da jetzt eine Wand ist, sondern erstmal bohren - wenn der Bohrer einfach nicht durch die Wand durch will: nicht weiter selbst frustrieren, sondern die Sache einfach ins Feld schmeißen.

Liebe JackySmith, wieder einmal eine interessante Frage und zur Abwechslung mal eine untypische kurze Antwort von mir. ;-)

Du erkennst deine Selbsteinschätzung, wenn du diese Frage ohne Zweifel selbst beantworten kannst. ;-)

Falls du lieber eine detailliertere Antwort hättest, melde dich ungeniert. Und vergiss dabei bitte nicht die gewünschte Textlänge anzugeben. ;-D Liebe Grüsse


"Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." -Reinhold Niebuhr-

JackySmith 20.06.2011, 21:25

Nein, schon gut. Ich kann mir meinen Reim darauf machen. Ich muss halt nur noch die Lösung finden.

Danke.

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Liebe JackySmith

Gut, ich versuche es. Hoffentlich wird es verständlich. Es mag sehr metaphysisch klingen, aber für mich ist es bitterer Ernst.

Manchmal muß man Dinge tun, die man nicht mag. Weil sie getan werden müssen. Und weil sie ordentlich getan werden müssen. Auch wenn man sie nicht mag, man erledigt sie.

Manchmal muß man Dinge tun, die schlimm sind. Für die man sich nicht leiden kann. Man tut sie, weil man sie keinem anderen zumuten mag. Weil man niemanden so wenig mag, daß man ihm diese Aufgabe an den Hals wünscht. Und weil die Alternativen noch viel schlimmer wären.

Manchmal muß man Dinge tun (häufig immer wieder), deren Sinn sich einem nicht erschließt. Es ist unbefriedigend, aber man erledigt sie, weil sie keinem schaden, und man erledigt sie schnell und sauber, um sich etwas anderem zuwenden zu können.

Und manchmal soll man etwas tun oder sagen; und dann gibt es so ein leises Stimmchen, und das sagt "Nein". Oder man liest oder beobachtet etwas, und dieses Stimmchen sagt plötzlich "Handele - jetzt!"

Ich für meinen Teil nenne dieses Stimmchen Gewissen, aber es hat viele Namen. Ich kann es überhören, übertönen, es mit Worten erschlagen. Ich habe genug davon. Aber es schweigt nicht.

Und ich bedarf ab und an der Stille. Könnte ich nicht gelegentlich darin eintauchen wie in kaltes, klares Wasser, würde mir diese Welt mehr und mehr unwirklich. Und in dieser Stille kann ich das Stimmchen nicht mehr überhören.

Ich habe in meinem Leben nicht nur einmal gegen diese Stimme gehandelt. Ich habe es jedes Mal bereut. Denn irgendwann kommt immer der Moment, wo ich diese innere Ruhe brauche, um wieder zu mir selbst zu finden. Ich kann ihr nicht aus dem Weg gehen. Sie ist Argumenten und Worten, ja selbst dem Lob oder dem Tadel anderer um mich herum unzugänglich. Sie zwingt mich durch ihre Präsenz, die Verantwortung für alles zu übernehmen, was ich sage oder tue. Sie vergibt nicht.

Ich kann sie nicht überreden. Sie macht keine Deals. Sie hat Zeit. Und in gewisser Weise ist sie mein einzig verläßlicher Leitfaden. Ihr zu mißtrauen wäre mir unmöglich.

Ich mag es nicht, wenn ich mich selbst einschätzen soll. Ich traue mir nicht. Ich kenne mich zu gut, um zu wissen, daß ich mich nicht gut genug kenne. Aber es gibt ein paar verläßliche Eckpunkte. Und einer von diesen ist, daß ich es vermeiden sollte, Dinge zu tun oder zu sagen, die mir dieses Stimmchen verwehrt. Mitunter werde ich belächelt, weil ich so vielleicht einen Vorteil nicht wahrnehme. In diesem Moment liegt mir aber nichts daran, von den anderen verstanden und akzeptiert zu werden. Sie handeln gewiß so, wie sie es für richtig halten. Ich muß meinem Kompass folgen ...

LG andisazi

aurata 22.06.2011, 00:02

Sehr schöne Antwort!

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veritas55 22.06.2011, 00:34

Damit ist Alles gesagt, was sich -mit gutem Gewissen- zu dieser Frage sagen läßt !

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JackySmith 23.06.2011, 17:19
@veritas55

Danke für die Antwort andisazi.

Mir stellt sich gerade die Frage, ob es verschiedene Arten von Gewissen gibt. Ja, es gibt ein Stimmchen, das zu einem redet. Aber dieses Stimmchen kann doch auch mit sich selbst reden oder nicht? Ein gespaltenes Gewissen würde mich nicht unbedingt wundern, denn es gibt vieles, was uns von Kindesbeinen an beeinflusst und ich weiß nicht recht, ob sich all jenes zu einem eindeutigen Stimmchen entwickeln kann.

Mit Arten des Gewissens meine ich beispielsweise:

  • Sozialisationsgewissen
  • Biologisches Gewissen
  • Gefühlsgewissen
  • perspektivisches Gewissen
  • Kritisches Gewissen
  • "Ich-Gewissen" (was von einem selbst ausgeht)
  • Gewissen der Denkfähigkeit
  • etc.

Ich denke, all jene setzen sich zusammen und sprechen zu einem. Oftmals je nach Situation nur ein, also das auf die Situation "passende" Gewissen, wodurch wir eine Richtigkeit empfinden, wenn wir danach gehandelt haben. Doch manchmal gesellt sich noch ein zweites hinzu oder alle wollen sich zu Wort melden. Es spricht zwar nur eine Stimme, doch diese ringt mich sich selbst. Egal wie man dann handelt, es wird sich nicht befriedigend auf einen auswirken, außer ein Gewissen übernimmt die Kontrolle und überzeugt die anderen von seiner "Richtigkeit", selbst wenn es dann eigentlich nicht richtig ist, fühlt es sich für einen richtig an, so dass man ein reines Gewissen hat, welches einem gut tut. Am vorteilhaftesten wäre dabei das "Ich-Gewissen", welches vielleicht das einzig Wahre zwischen all jenen ist. Nur selbst wenn es sich richtig anfühlt und wohl auch ist, bringt es einem nicht immer Gutes. Doch wenn es rein ist, ist es gefühlt letztendlich doch gut. Nur frage ich mich, woran man dieses Gewissen erkennt. Wie man es identifizieren kann, ohne das einem ein anderes Gewissen dazwischen funkt? Vielleicht tatsächlich in Stille, wo man jede andere Gewissensart nicht benötigt. Nur werden diese wieder mitsprechen, sobal man die Stille wieder verlässt und man weiß nicht, welches Gewissen spricht jetzt zu mir? Sobald man zweifelt, weiß man, dass sie alle zu einem sprechen. Von daher wäre es schön zu wissen, wie man die ganzen erlernten Gewissen ausschalten kann, wobei ich mich dann aber wieder frage, ob es wirklich vorteilhaft ist, sie zu vertreiben. Schließlich können sie auch nicht umsonst da sein, oder doch? Jedenfalls gibt es nur manche Augenblicke, in denen das "Ich-Gewissen" sich durchsetzt und das sind ganz gute Momente. Und manchmal spürt man es. Hört, was es sagt. Nur die anderen Gewissen sind auch noch da und halten davon ab, danach zu handeln. Vielleicht weil es richtig ist, weil man in bestimmten Momenten einfach nach einer gewissen Weise handeln muss, auch wenn sich der Sinn nicht erschließt und man sich vielleicht dabei schlecht fühlt. Vielleicht ist es aber auch falsch, weil man sich dabei selbst verleugnet.

Diese neue Frage nach vielleicht mehreren Gewissen schoss mir soeben durch den Kopf bei deiner Antwort. Denn es wäre leicht sich nach der einen Stimme zu orientieren, wenn sie nicht manchmal mit sich selbst ringen würde.

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andisazi 23.06.2011, 19:28
@JackySmith

Hm, ein multiples Gewissen ... Ich denke, dies wird von Mensch zu Mensch verschieden sein. Und da ich bei solchen Fragen nur von dem sprechen mag, was ich kenne, kann ich nur von mir selbst ausgehen. Da ist es nur eines. Gott sei Dank...

Wirklich sprechen im Sinne von Worten ist nicht seine Art. Mich "durchfährt" es eher; wie ein kleiner Stromschlag. Ein kurzer Moment, der in seiner Eindeutigkeit aber nicht zu leugnen ist. Mitunter wider den Verstand, wider dem Gefühl, wider den Konventionen - nicht selten muß ich mir später erst erarbeiten, warum es die bessere Entscheidung war. Und manchmal muß ich einfach darauf vertrauen, weil ich die Konsequenzen der anderen Entscheidung(en) ja nie kennenlernen werde. Aber in seiner Direktheit hat dieses Stimmchen in mir keine Konkurrenz. Ich wüßte es auch nicht auf Einflüsse irgendwelcher Art zurückzuführen, da sein Anspruch auf Veto oder Zuspruch universell in mir ist. Hinterfragt habe ich es oft - und bin jedesmal ungefähr da gelandet, wohin uns Religionsdiskussionen führen mit der Frage: Gibt es Gott? Alles, was ich sagen kann, ist: Für mich ist es da, nicht immer, eher selten - aber wenn, ist es besser, diesem "Impuls" zu folgen...

Jeden Tag treffen wir unzählige Entscheidungen; die allermeisten der meinen fallen von diesem Gewissen unbeeinflußt, soweit ich das sagen kann. Und die anderen, beeinflussten betrafen bis jetzt immer meine persönliche Verhaltensweise in einer Situation und führten in keinem Falle zu Schaden oder verursachten anderen Menschen Ungelegenheiten. Ich vermag allerdings auch kein Muster in ihnen zu erkennen, welches mir Rückschlüsse auf die Herkunft gestatten würde. Seine Existenz zieht sich durch mein gesamtes bewußtes Erinnern - durch alle Höhen und Tiefen, durch alle Glaubens- oder Vernunftaspekte, nach denen ich mich je moralisch ausgerichtet habe, durch Schwarz und Weiß und Grau dazwischen ...

Ich gestehe, daß ich ganz froh bin, daß es nur eines ist. Wären es mehr und gerieten sie in mir in Widerstreit, hätte ich wahrscheinlich endlich meine eigene, ganz exklusive Hölle...

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Sich selbst richtig einzuschätzen ist die schwierigste Geistesübung überhaupt!

Versuche nicht darüber nachzudenken, mach Dein Ding und sieh was rauskommt.

JackySmith 20.06.2011, 21:15

Ja, das glaube ich bzw. muss ich feststellen.

Vielleicht hast du gar nicht so unrecht. Vielen Dank Dichterseele.

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hallööchen,

ich fange mal an mit meinem lieblingssatz, den einer meiner lebenslehrer mal sagte:

"wenn du anderen menschen gestattest, dein leben zu gestalten, dann darfst du von grossem glück sagen, wenn dein leben nicht allzusehr verunstaltet wird"...

in diesem satz liegt sehr viel "zündstoff", und zwar für die eigenverantwortung, die wir alle in unserem leben haben...

und genau auf diese eigenverantwortung läuft alles hinaus...

wir selber sind gefragt: was will ich??? wer bin ich??? welche talente und fähigkeiten kann ich in mir finden??? was will ich von "meinem" herzen gerne tun/sein???

und nur du selber kannst dir deine lebensfragen beantworten...

du hast alleine für dich die verantwortung...

und...ängste dürfen dasein, du kannst sie jedoch verwandeln, mit jedem guten gedanken, nach dem motto: wie kann es für mich gehen??? (anstatt zu zweifeln)...

sei lösungsorientiert, das ist mit positivem denken gemeint, nicht om, und ES fällt vom himmel...

oder stell dir vor, du hast einen holzofen, es wird winter/kalt, und du bittest deinen ofen, dich schon mal warm zu machen, und dann besorgst du das holz...???kann das funktionieren???

also, nicht jeder mensch kann alles, jeder kann irgendetwas richtig gut, wir müssen herausfinden, was das genau ist...und das ist quasi unser lebenszweck...

alles gute

Was ist HIER und JETZT da?

Nicht Gestern, nicht Morgen.

Fühle ICH(!) mich mit dem, was ich HIER und JETZT wahrnehme wohl?

Nein?

Dann gehe ich aus der Situation heraus!

Wenn ich das nicht kann, verändere ich die Situation so, dass ich mich damit wohl fühle.

Kann ich auch das nicht, hinterfrage ich mich (ganz tief!), was genau ich nicht annehmen und akzeptieren kann, was mir diese Situation von meinem Inhalt zeigt.

Und solange ich diesen nicht erkannt und verstanden habe, kann ich mich auch nicht von dieser Situation verabschieden.

Möglicherweise ist sie genau das:Solange ich glaube, dass „andere“ besser wüssten, welchen Weg ich zu gehen habe und den Weg anderer beschreite, kann ich mich nur unwohl fühlen.

JackySmith 20.06.2011, 18:34

Tja. Da gibt es wohl nur die Lösung, den Weg zu finden, der aus diesem Unwohlsein hinausführt. Keine leichte Aufgabe denke ich.

Vielen Dank liebe Angel.

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selbsterkenntnis kannst du nur durch die folgen deiner taten, die du immer selber tragen mußt, erreichen.


dadurch wird dein erkenntnisschatz immer größer, und du weißt, wo deine grenzen liegen.



nur dadurch erkennt sich der mensch selober.

JackySmith 20.06.2011, 21:16

Kannst du bergründen, warum es so ist?

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nowka2 22.06.2011, 01:08
@JackySmith

indem du durch deine taten in irgendetwas reinfällst und die konsequenzen selber tragen mußt (so wie es immer im leben ist), lernst du deine grenzen kennen


das nächste mal kannst du dich dann besser einschätzen.

du hast dich selber etwas mehr erkannt.


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