Woher weiß ich, dass bei Na2So4, die Indexzahlen für Natrium =2 und für O=4 ist

6 Antworten

Du möchtest mal eben die halbe Chemie erklärt kriegen. Es geht um Wertigkeit. Der Einfachheit halber würde ich dir raten: Lerne es auswendig, dann weisst du es. Verstehen kannst du es später immer noch, wenn du dich etwas mehr mit Chemie beschäftigt hast. Es ist keine Geheimwissenschaft, im Gegenteil, aber Autofahren kannst du ja auch nicht, nur weil dir jemand erklärt hat, wie es geht.

Was bedeutet Wertigkeit? Erkenne ich das an den Hauptgruppen? Oder an der Elektronegativität?

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@tojale

o je, pass ein bisschen in der Schule auf!
Ja, an den Hauptgruppen, aber nicht nur. Und es gibt auch nicht nur Na2SO4, sondern auch Na2SO3 (Natriumsulfit), Na2S(Natriumsulfid), und noch viele andere, kompliziertere. Du musst schon aufbauend lernen, nicht irgendwo mittendrin anfangen!,

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@Iamiam

kannst du mir eine Literatur empfehlen?

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Frage beantworten ist eben nicht so einfach!

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!

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Zum Natriumsulfat:

Natriumsulfat ist ein Salz. Das Natrium darin ist das Metall. Natrium gehört zu den Alkalimetallen (1. Hauptgruppe des Periodensystems) und hat daher in Verbindungen die Oxidationszahl +1,

In einem Mol Natriumsulfat sind zwei Mol Natrium enthalten. Deswegen die Indexzahl 2. Das ergibt also insgesamt zwei positive Ladungen.

Das Anion des Natriumsulfats ist das Sulfat (SO4^2-). Ein Mol Sulfat hat zwei negative Ladungen. Diese gleichen sich mit den beiden positiven Ladungen der beiden Natriumkationen aus, so dass man für Natriumsulfat insgesamt keine überschüssige elektrische Ladung in der einen oder anderen Richtung hat.

Im Sulfat hat der Schwefel die Oxidationsstufe + 6. Schwefel gehört zur sechsten Hauptgruppe des Periodensystems +6 ist die höchste Oxidationszahl, die Schwefel haben kann. Es gibt aber auch Verbindungen, in denen Schwefel in einer niedrigeren Oxidationsstufe vorliegt, z,B. im Sulfit (SO3^2-) ist es +4.

Der Sauerstoff im Sulfat hat die Oxidationszahl -2, ist also ziemlich elektronegativ. Die vier Sauerstoffatome ergeben zusammen eine Ladung von -8. Dann kann man sich ausrechnen: + 6 - 8 = -2.

Zum Calciumoxid:

Calcium gehört zu den Erdalkalimetallen. Dies ist die zweite Hauptgruppe des Periodensystems. Calcium hat deshalb in Verbindungen die Oxidationszahl +2. Da Sauerstoff in den meisten Verbindungen die Oxidationszahl -2 hat, kommt es gut hin, dass ein Mol Calcium und ein Mol Sauerstoff in der Verbindung Calciumoxid ihre Ladungen ausgleichen.

"Im Sulfat hat der Schwefel die Oxidationsstufe + 6. Schwefel gehört zur sechsten Hauptgruppe des Periodensystems +6 ist die höchste Oxidationszahl, die Schwefel haben kann. Es gibt aber auch Verbindungen, in denen Schwefel in einer niedrigeren Oxidationsstufe vorliegt, z,B. im Sulfit (SO3^2-) ist es +4."

Kannst du mir auch erklären warum es unterschiedliche Oxidationsstufen gibt? Bei H2O und H2O2 ist das ja auch so, aber ich verstehe das nicht, für mich ist das O- immer -2 gewesen und jetzt ist es aber auch mal -1 wie geht das?

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@tojale

Ein Atom besteht aus einem Atomkern und einer Elektronenhülle. Der Atomkern wiederum besteht aus positiv geladenen Protonen und neutralen Neutronen. Diese machen fast die gesamte Masse des Atoms aus.

Die jeweils einfach negativ geladenen Elektronen umschwirren den Atomkern. Nach den üblichen Atommodellen sind die Elektronen in verschiedenen "Schalen" oder "Orbitalen" angeordnet. Ich weiß nicht, wie detailliert du dies wissen sollst oder willst.

Auf jeden Fall stehen nur die Elektronen der äußersten Schale für irgendwelche chemischen Reaktionen oder Bindungen zur Verfügung.

Schwefel hat nun sechs Außenelektronen. Je nachdem, welche Verbindung der Schwefel eingeht, können nur ein Teil der Elektronen oder alle Elektronen an der chemischen Bindung, z.B. zum Sauerstoff, teilnehmen. Die Bindungselektronen befinden sich dann zwischen dem Schwefel und dem Sauerstoff, wobei sie etwas mehr in Richtung auf den Sauerstoff hingezogen werden. Deswegen werden diese Elektronen dann bei der Berechnung der Oxidationsstufe dem Sauerstoff zugerechnet.

Wenn durch die Reaktionsbedingungen nun der Schwefel nicht mit vier, sondern nur mit drei Sauerstoffatomen eine Bindung eingeht, bleiben noch zwei Außenelektronen des Schwefelatoms ganz dicht bei diesem. Deshalb hat das Schwefelatom dann eine Oxidationsstufe von +4, denn (+ 6 - 2) = +4.

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Woher weiß ich, dass bei Na2So4, die Indexzahlen für Natrium =2 und für O=4 ist

Welches Element meinst Du mit So? Sodium? Dies ist der englische Begriff für Natrium, da kannst Du Deine ganzen Indexzahlen vergessen. Es handelt sich um elementares Natrium.

und Natriumoxid Na2O das o=1 aber das Na=2

Welches o aus Na2O? Da gibt es kein o.

Falls Dir die Antwort harsch vorkommt: Ja, das ist sie. Aber in der Chemie sind Co und CO zwei völlig verschiedene Stoffe. Da mußt Du durch. :-)

Moin,

jobul hat natürlich Recht; Barnold und - mit kleinen Abstrichen - Paguangare auch. Die Kritik an deiner Schreibweise von cg1967 solltest du dir ebenfalls zu Herzen nehmen. Aber ich denke, dass alles nützt dir in Bezug auf deine Frage im Moment relativ wenig.

Die von jobul erwähnte "Wertigkeit" ist ein nützliches, aber im heutigen Chemieunterricht nicht mehr oft gebrauchtes Instrument. Das liegt einerseits daran, dass heutzutage weniger formale (Auswendiglernen), sondern eher praktische Herangehensweisen im Unterricht üblich sind. Andererseits ist der Begriff selbst mehrdeutig und etwas "schwammig". Dazu kann man stehen, wie man will. Ich halte das Wissen um die "Wertigkeit" - wie gesagt - für nützlich. Darum gebe ich dir mal zunächst eine kleine (unvollständige) Liste mit Teilchen, deren Wertigkeiten du kennen solltest.

H^+ (Wasserstoff-Kation, Proton) H^- (Hydrid-Anion) , Li^+ (Lithium-Kation), Na^+ (Natrium-Kation), K^+ (Kalium-Kation), Rb^+ (Rubidium-Kation), Cs^+ Cäsium-Kation), Ag^+ (Silber-Kation), F^- (Fluorid-Anion), Cl^- (Chlorid-Anion), Br^- (Bromid-Anion), I^- (Iodid-Anion) sind unter den einfachen Ionen 1-wertig,

NH4^+ (Ammonium-Kation), H3O^+ (Oxonium-Kation), OH^- (Hydroxid-Anion), NO3^- (Nitrat-Anion), HSO4^- (Hydrogensulfat-Anion), HSO3^- (Hydrogensulfit-Anion), HCO3^- (Hydrogencarbonat-Anion), H2PO4^- (Dihydrogenphosphat-Anion) sind unter den zusammengesetzten Ionen 1-wertig,

Be^2+ (Beryllium-Kation), Mg^2+ (Magnesium-Kation), Ca^2+ (Calcium-Kation), Sr^2+ (Strontium-Kation), Ba^2+ (Barium-Kation), Zn^2+ (Zink-Kation), Co^2+ (Cobalt-Kation), Ni^2+ (Nickel-Kation), O^2- (Oxid-Anion), S^2- (Sulfid-Anion) sind unter den einfachen Ionen 2-wertig,

SO4^2- (Sulfat-Anion), SO3^2- (Sulfit-Anion), CO3^2- (Carbonat-Anion), HPO4^2- (Hydrogenphosphat-Anion) sind unter den zusammengesetzten Ionen 2-wertig,

Al^3+ (Aluminium-Kation), N^3- (Nitrid-Anion), PO4^3- (Phosphat-Anion) sind 3-wertige Ionen.

Daneben gibt es noch Ionen von Elementen, die mehrere Wertigkeiten haben können. Dazu gehören zum Beispiel:

Cu: Cu^+ (Kupfer-I-Kation) (1-wertig), Cu^2+ (Kupfer-II-Kation) (2-wertig)

Hg: Hg^+ (Quecksilber-I-Kation) (1-wertig), Hg^2+ (Quecksilber-II-Kation) (2-wertig)

Fe: Fe^2+ (Eisen-II-Kation) (2-wertig), Fe^3+ (Eisen-III-Kation) (3-wertig)

Sn: Sn^2+ (Zinn-II-Kation) (2-wertig), Sn^4+ (Zinn-IV-Kation) (4-wertig)

Pb: Pb^2+ (Blei-II-Kation) (2-wertig), Pb^4+ (Blei-IV-Kation) (4-wertig)

Mit den oben genannten Teilchen hast du eine Liste mit den im Chemieunterricht am häufigsten vorkommenden Ionen vor dir. Beim Betrachten der Liste könntest du auf die Idee gekommen sein, dass Wertigkeit = Ionenladung ist?! Das stimmt. Aber leider nur zum Teil. Es gibt auch Verbindungen, die nicht aus Ionen aufgebaut sind, in denen aber den Bindungspartnern ebenfalls Wertigkeiten zugewiesen werden können. In nichtionischen Verbindungen gelten folgende Zusammenhänge:

H (Wasserstoff), F (Fluor), Cl (Chlor), Br (Brom), I (Iod): 1-wertig,

O (Sauerstoff), S (Schwefel): 2-wertig,

N (Stickstoff): 3-wertig,

C (Kohlenstoff): 4-wertig.

Neben den Ladungen und Wertigkeiten der Teilchen, solltest du auch die Namen dazu lernen!

Wenn du diese Listen auswendig kannst (oder zumindest zur Hand hast), brauchst du dir über die Bildung von korrekten Formeln eigentlich keine Sorgen mehr zu machen. Der Trick ist nämlich, dass du anhand der Wertigkeiten die Teilchen zu den korrekten Formeln kombinieren kannst. Dabei musst du lediglich zwei, drei kleine Regeln beachten:

Ionische oder nichtionische Verbindung?

a) Ionische Verbindung:

• Die Wertigkeiten der zu kombinierenden Ionen müssen zusammen passen (1 x Wertigkeit 3 mit 3 x Wertigkeit 1 oder 2 x Wertigkeit 3 mit 3 x Wertigkeit 2 oder 1 x Wertigkeit 2 mit 2 x Wertigkeit 1 etc.) UND

• Die zu kombinierenden Ionen müssen verschiedene Ladungen haben, wobei sich die Ladungen gegenseitig aufheben (zu 0 addieren: 1 x Ladung 2+ mit 2 x Ladung 1- oder 2 x Ladung 3+ mit 3 x Ladung 2- etc.).

Beispiele:

Natriumsulfat:

Na^+ und SO4^2-; wie du siehst, sind Natrium-Kationen einfach positiv geladen (Na^+). Das zusammengesetzte Sulfat-Anion ist dagegen zweifach negativ geladen (SO4^2-). Damit sich die Ladungen gegenseitig aufheben, brauchst du also 2 Natrium-Kationen und 1 x das Sulfat-Anion. Die Formel lautet daher: Na2SO4

Aluminiumoxid:

Al^3+ und O^2-; du brauchst 2 x Al^3+ und 3 x O^2-, weil sich dann die Ladungen aufheben (2 x 3+ = 6+ werden aufgehoben durch 3 x 2- = 6-). Die Formel lautet also: Al2O3

Magnesiumnitrat:

Mg^2+ und NO3^-; du brauchst 1 x Mg^2+ und 2 x NO3^-; die Formel lautet: Mg(NO3)2.

Weiter im Kommentar...

Moin, die zweite; weiter geht's...

Am Beispiel des Magnesiumnitrats kannst du gleich noch etwas über Formeln lernen... Die Index-Zahl in einer Formel bezieht sich nämlich ausschließlich auf das direkt davor Stehende!

Na2SO4 meint 2 x Na (und 1 x SO4); das zusammengesetzte Sulfat-Anion besteht seinerseits aus 1 x S und 4 x O.

Und im Magnesiumnitrat brauchst du - wie gezeigt - 1 x Mg, aber 2 x NO3. Wenn du nun MgNO3 2 schreiben würdest, dann würde sich die "2" auf das direkt vor ihr Stehende beziehen, also auf die "3". Die "3" ihrerseits bezieht sich ebenfalls auf das direkt vor ihr Stehende, demnach auf das "O". Du würdest mit der Schreibweise NO3 2 also nur die "3" verdoppeln und somit das "O" versechsfachen (2 x 3 x O = 6 O). Du willst aber nicht das "O" im "NO3" versechsfachen, sondern das gesamte NO3-Ion verdoppeln. Darum musst du eine Klammer um das "NO3" schreiben und daran den Index "2" setzen. Denn dann bezieht sich die "2" auf die vor ihr stehende Klammer und in der Klammer steht das "NO3", das somit verdoppelt wird.

So, jetzt kannst du sicherlich alleine beantworten, warum Calciumoxid die Formel CaO hat, während es bei Natriumoxid Na2O heißen muss...

b) Nichtionische Verbindungen

Da hier keine Ionen auftreten, kannst du im Prinzip die Atome gemäß ihrer Wertigkeiten beliebig miteinander kombinieren.

Beispiele:

Wasser (H2O):

H und O; da Wasserstoff 1-wertig ist, Sauerstoff dagegen 2-wertig, brauchst du 2 x H und 1 x O. Die Formel lautet also H2O, wobei beide Wasserstoffe jeweils mit dem Sauerstoff verbunden sind (H–O–H).

Ammoniak (NH3):

H und N; Wasserstoff ist 1-wertig, Stickstoff 3-wertig. Darum: 3 x H und 1 x N; Formel: NH3, wobei alle Wasserstoffatome jeweils eine Bindung zum Stickstoff haben (hier nicht darstellbar).

Methan (CH4):

C und H; C ist 4-wertig, H ist 1-wertig; darum brauchst du 1 x C und 4 x H. Formel: CH4, wobei alle Wasserstoffe je eine Bindung zum Kohlenstoff haben (hier nicht darstellbar).

Kohlenstoffdioxid (CO2):

C und O; C ist 4-wertig, O ist 2-wertig; daraus folgt: 1 x C, 2 x O; Formel: CO2, wobei zwischen jedem Sauerstoffatom und dem Kohlenstoffatom eine Doppelbindung besteht (O=C=O).

Ethan (C2H6):

2 C und 6 H; da die Wasserstoffe jeweils 1-wertig sind, können sie auch nur je eine Bindung zu Kohlenstoff ausbilden. Damit könnte man eins der C-Atome voll absättigen (siehe Methan), aber dann blieben für das andere C-Atom nur noch zwei H-Atome übrig, was von den Wertigkeiten her nicht hinkommt. Wenn man dagegen jedes C-Atom mit drei H-Atomen verbindet, bleibt bei beiden C-Atomen eine "Wertigkeitsstelle" übrig. Das kann so gelöst werden, dass auch die beiden C-Atome miteinander verbunden sind: CH3–CH3.

Es gibt auch Grenzen des Systems mit den Wertigkeiten. So kannst du damit nicht so ohne Weiteres erklären, wie es zu Verbindungen wie Kohlenstoffmonoxid (CO) kommt. Aber das sollte dich jetzt nicht weiter stören, denn bei sehr vielen anderen Verbindungen funktioniert das alles ganz prima!

Zum Schluss noch eine Antwort auf deine Frage, ob man die Indexzahlen von Formeln dem Periodensystem der Elemente (PSE) entnehmen kann!? Die Antwort lautet: Ja, zum Teil...Dazu müsstest du aber etwas vom Atombau verstehen. Da ich nicht weiß, wie viel du davon weißt, gibt's an dieser Stelle nur eine ganz "kurze" Erklärung:

Anhand der Hauptgruppennummer kannst du direkt ablesen, wie viele Elektronen ein Atom des betrachteten Elements in seinem äußeren Hauptenergieniveau (in der äußeren "Schale") hat. Diese Außenelektronen nennt man auch Valenzelektronen. Darin steckt das Wort Valenz, was so viel wie "Wertigkeit" heißt. I. Hauptgruppe (HG): 1 Valenzelektron, Wertigkeit 1; II. HG: 2 Valenzelektronen, Wertigkeit 2; III. HG: 3 Valenzelektronen, Wertigkeit 3; IV. HG: 4 Valenzelektronen, Wertigkeit 4; V. HG: 5 Valenzelektronen, Wertigkeit (jetzt kommt's!!) 3 !; VI. HG: 6 Valenzelektronen, Wertigkeit 2; VII. HG: 7 Valenzelektronen, Wertigkeit 1. Du hast also von links nach rechts bei den Hauptgruppen folgende Wertigkeiten bei den jeweiligen Elementen: (I)1, (II)2, (III)3, (IV)4, (V)3, (VI)2, (VII)1

Aber Vorsicht, das gilt nur für die Elemente der Hauptgruppen und auch da nicht immer vollkommen streng (vgl. IV. HG, Zinn oder Blei...). Bei Nebengruppenelementen ist die Sache ohnehin komplizierter.

Warum in Hauptgruppen des PSE dieser Zusammenhang besteht, hängt mit der Ursache für chemische Reaktionen und mit chemischen Bindungsformen zusammen. Vielleicht weißt du ja, dass in der VIII. HG des PSE die Edelgase zu finden sind. Die Atome dieser Elemente zeichnen sich dadurch aus, dass ihre äußeren Hauptenergieniveaus mit Elektronen vollständig besetzt sind. Dieser Zustand ist energetisch offenbar so überaus günstig, dass jede Veränderung daran schlecht ist. Das ist der Grund, warum Edelgase praktisch keine stabilen Verbindungen mit anderen Stoffen eingehen (von gaaanz wenigen Ausnahmen einmal abgesehen).

Weiter im nächsten Kommentar...

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@DedeM

Moin, die dritte...

Während die Edelgase also keine Reaktionen eingehen, weil sie im Grunde den optimalen Zustand bereits von Natur aus besitzen, reagieren alle anderen Elemente munter miteinander, weil ihre Atome eben diese ideale Elektronenkonfiguration der Edelgase anstreben.

Dazu gibt es im Grunde drei verschiedene Methoden:

1) Entweder ein Atom überträgt seine Außenelektronen auf andere Atome, weil im Falle der vollständigen Leerung das unvollständig besetzte äußere Hauptenergieniveau (HEN) wegfiele, so dass das nächst äußere HEN zum äußeren wird, wobei dieses dann ja voll besetzt wäre, während beim Bindungspartner das noch nicht ganz besetzte HEN aufgefüllt würde, so dass auch hier der Edelgaszustand erreicht wird. Das setzt allerdings voraus, dass ein Atom Elektronen abgeben will und ein anderes Atom da ist, welches bereit wäre, die ungewollten Elektronen aufzunehmen. Außerdem gilt es zu beachten, dass es immer schwerer wird, weitere Elektronen abzugeben, wenn man schon ein, zwei abgegeben hat, denn immerhin führt jedes Abgeben eines Elektrons (negativ geladenes Teilchen!) dazu, dass das zurückbleibende Teilchen zunehmend positiv geladen wird. Und da positiv geladene Teilchen negativ geladene anziehen, muss es schwerer werden, ein weiteres negativ geladenes Elektron abzugeben... Umgekehrt wird es für aufnahmewillige Atome (Ionen) auch immer schwerer, weitere Elektronen aufzunehmen, wenn das bereits ein-, zweimal geschehen ist. Jede Aufnahme führt schließlich dazu, dass sich das aufnehmende Teilchen zunehmend negativ lädt (es kommt ja jedesmal ein negativ geladenes Elektron dazu). Da sich gleiche Ladungen abstoßen, ist es nur logisch, dass es immer schwerer wird, einem bereits negativ geladenen Teilchen ein weiteres Elektron aufzudrücken. Das funktioniert also im Grunde nur dann, wenn Atome von Elementen mit relativ wenigen Außenelektronen mit solchen Atomen von Elementen mit relativ vielen Außenelektronen zusammentreffen und miteinander reagieren. Das ist typischerweise dann der Fall, wenn Metallatome mit Nichtmetallatomen reagieren. Die Übertragung von Elektronen von einem Atom zu einem anderen führt dann zur Bildung von geladenen Teilchen (Ionen) und zur so genannten Ionenbindung.

2) Wenn beide Atomsorten der reagierenden Elemente viele Außenelektronen haben, scheidet eine Elektronenübertragung aus, weil einer der Reaktionspartner einfach zu viele Elektronen abgeben müsste (was ja immer schwieriger würde). Darum gibt es einen zweiten Weg, wie das große Ziel - die Edelgas-Elektronenkonfiguration - erreicht werden kann. Dazu nähern sich die beiden Atome soweit einander an, dass sie zwischen sich Auffenthaltsräume (Orbitale) für Elektronen schaffen, die sie gemeinsam nutzen. Meist gibt jeder Bindungspartner je ein Elektron in einen solchen Raum, wobei anschließend die beiden Elektronen sowohl zu dem einen als auch gleichzeitig zu dem anderen Bindungspartner gehören. Auf diese Weise "teilen" sich die Bindungspartner gemeinsame Elektronen. Weil jedoch die Elektronen gleichzeitig jeder Bindungspartner für sich in Anspruch nehmen kann, erreichen die Atome bei entsprechender Anzahl solcher Bindungselektronenpaare eine "Auffüllung" ihrer HENs und somit den Edelgaszustand. Die gemeinsame Nutzung von Bindungselektronenpaaren kommt in der Regel zustande, wenn zwei Nichtmetalle miteinander reagieren und führt zu Atombindungen (= Elektronenpaarbindungen = kovalente Bindungen).

3) Schließlich gibt es noch den Fall, dass Atome von Elementen aufeinander treffen, die beide nur wenige Außenelektronen haben. Hier kann es ebenfalls nicht zur Ionenbildung kommen, weil einer der Reaktionspartner zu viele Elektronen aufnehmen müsste (was ja ebenfalls irgendwann zu schwierig würde). Die Lösung dieses Problems kann man sich folgendermaßen vorstellen: Es nähern sich sehr viele solcher Atome einander an, so dass im Grunde eine Struktur entsteht, in der sich positiv geladene Atomrümpfe an relativ festgelegten Positionen befinden. Zwischen diesen positiv geladenen Atomrümpfen gibt es einen großen Aufenthalstraum für Elektronen, in den alle beteilgten Atomrümpfe ihre jeweiligen Außenelektronen geben, so dass sich die Elektronen relativ frei bewegen können (Elektronengashypothese) oder wo die gebildeten Aufenthaltsräume für immer zwei Elektronen so häufig vorkommen, dass sie einander so ähnlich werden, dass sich die abzugebenden Valenzelektronen quasi wie auf einer "Energieband-Leiter" mit sehr dicht beeinander liegenden "Energiestufen-Sprossen" bewegen können (Energiebändertheorie). Wie auch immer, Kern ist, dass es zu dieser Form der Bindung nur kommt, wenn Atome mit wenigen Außenelektronen - also Metalle - miteinander reagieren. Die Bindung wird folglich auch als metallische Bindung bezeichnet.

Weiter im Schlusskommentar...

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@DedeM

Moin, die letzte...

So, wir sind fast angekommen am Ende der "kleinen" Exkursion. Du wolltest ja auch noch wissen, woher du wissen kannst, dass der Index "4" an den Sauerstoff im Sulfat-Anion SO4^2- gehört.

Das hat einerseits etwas mit der Elektronenaffinität (also dem Bestreben, Elektronen zu ergattern) von Sauerstoff zu tun, andererseits mit einem Bindungstyp, der nahe mit der Atombindung (siehe 2. Möglichkeit im 2. Kommentar) verwandt ist und den man "koordinative -" oder auch "dative Bindung" nennt. Das zu erklären würde - je nach Genauigkeit - noch einmal so lange dauern wie der Rest des Textes. Darum erspare ich uns beiden das jetzt erst einmal und rate dir, lerne einfach die ganz oben aufgezählten zusammengesetzten Ionen mit ihren Namen auswendig. Sonst müsstest du dir jetzt etwas über Säuren und Säurereste, Komplexe und besagte koordinative Bindung sowie über Sauerstoff und seine Elektronenaffinität durchlesen...

Wichtig ist in diesem Zusammenhang am Anfang eigentlich nur, dass sich zusammengesetzte Ionen (SO4^2-, NH4^+, NO3^-, CO3^2-...) in üblichen Reaktionen wie ein Teilchen verhalten. Ein Teilchen, das stabil erhalten bleibt und nicht mal eben in seine Bestandteile zerfällt. Das soll nicht heißen, dass man die zusammengesetzten Ionen chemisch nicht zerlegen kann. Es soll nur bedeuten, dass bei den üblichen Umsetzungen chemischer Stoffe miteinander diese Ionen als solche erhalten bleiben. Und gerade darum ist es sinnvoll, die paar Formeln (und ihre Bezeichnungen) auswendig zu lernen.

Wie du siehst, hatte jobul vollkommen Recht: Du wolltest im Grunde die halbe Chemie erklärt bekommen. Gräm dich nicht, wenn du von dem ganzen Zeugs oben nicht alles verstehst. Das kommt mit der Zeit. Und bis dahin halte dich an die Ratschläge der anderen: Lerne bestimmte Dinge anfangs einfach auswendig (jobul), passe im Unterricht gut auf und stelle interessierte Fragen (Barnold) und achte sowohl mündlich, aber vor allem auch schriftlich auf eine saubere Fachsprache (cg1967).

In diesem Sinne: LG von der Waterkant.

P.S.

Ja, ich bin nicht ganz dicht, so viel zu schreiben. Ja, ich habe zu viel Zeit. Und ja, ich drücke mich mit solchen Ausführungen vor einer eigentlich anstehenden Arbeit. Aber andererseits macht es mir nun einmal Spaß, solchen Kram so ausführlich zu erklären und schließlich darf doch wohl jeder seine (Lebens-)Zeit so unsinnig wie er will verschwenden, oder?

Nochmals liebe Grüße von der Waterkant...

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@DedeM

Ach du schreck, DeDeM, bist du auf einer einsamen Insel mit deinem laptop gestrandet? Aber du hast es ja schon selbst erklärt, ob es unserem mit wenig Grundwissen behaftetem Fragesteller hilft, bezweifle ich jetzt mal, aber wenn du es versuchen wolltest... von mir jedenfalls großen Respekt für deine Mühe!!!

Und wenn jemand gar nicht helfen will (wie Barnold), und dafür gleich zwei Antworten ohne echten Rat gibt , hast du umso mehr Anerkennung verdient.....

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Brauchst du nur ins Periodensystem zu schauen. Wenn du damit noch nichts anfangen kannst, frag deinen Lehrer.

Nö, falsch, bei der Frage hilft der Blick ins PSE nur teilweise.

Und eigentlich sollte man Antworten, die keine Hilfe und keinen Rat geben, gar nicht erst posten, noch dazu gleich zwei solche Antworten vom gleichen user. Oder bist du Punktesammler?

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@valentin301

Nein, ich bin Rentner! Und da die Punkte bezüglich der Rente nichts bringen, brauch ich sie auch nicht. Die Frage betrifft Basiswissen in Chemie und dafür ist die Schule zuständig. Aber wie du siehst, hat Dedem sich ja erbarmt und gleich ein ganzes Lehrbuch geschrieben. Hoffentlich hat es dem Fragesteller geholfen.

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@Barnold

Naja, auch einem Nichtrentner bringen die Punkte nichts, trotzdem sammeln hier manche, als ob es um ihr Leben ginge.. ;-)

Trotzdem sagt uns der Blick ins PSE nicht, warum es SO4 heißt, bei dir habe ich mich nur gewundert, warum du gleich zwei Antworten gibst, die den Fragesteller null weiterbringen.

Und wie gesagt: die meisten Chemiefragen hier betreffen Basiswissen, anscheinend schafft es die Schule nicht immer, hier Durchblick zu verschaffen.

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