Woher stammt die Redensart "Jemandem auf den Zahn fühlen"?

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3 Antworten

Die Redensart „Jemandem auf den Zahn fühlen“ stammt von einer zahnärztlichen Methode, erkrankte/schadhafte Zähne zu ermitteln. Es ging vor allem darum, aus der Reaktion bei Beklopfen und Befühlen der Zähne herauszufinden, von welchen Zähnen Schmerzen ausgingen. In übertragener Bedeutung ist der Ausdruck seit etwa 1700 gebräuchlich. Nicht selten führten damals Bader, Barbiere, Dorfschmiede oder fahrende Zahnbrecher Zahnbehandlungen (insbesondere Ziehen von Zähnen) durch. Die technischen Instrumente für eine Diagnose waren ziemlich beschränkt.

Unterschiedlich sind Angaben in Nachschlagewerken, ob die bildliche Redensart zuerst im Bereich des Pferdehandels entstanden ist. Ein Anschauen und Überprüfen der Zähne dient dazu, Alter und Gesundheit des Pferdes einzuschätzen. Der Zustand des Gebisses ist dazu aussagekräftig (z. B. ermöglicht der Abnutzungsgrad der Kauflächen der Zähne Rückschlüsse auf das Alter). Ein wichtiges Motiv war, nicht auf einen Roßtäuscher hereinzufallen.

Die Bedeutung der Redensart ist: (genau/gründlich) prüfen, ausforschen, ausfragen, auf die Probe stellen

Die Bedeutung ist eine Überprüfung, nicht, geheime Informationen anvertraut zu bekommen. Es ist Ziel, Kenntnisse, Fähigkeiten, Einstellungen, Meinungen oder Absichten von Personen zu überprüfen, auf die Probe zu stellen, zu erforschen und zu ergründen.

Dabei wird möglicherweise ein wunder Punkt/Nerv getroffen. Die Überprüfung kann für den Betroffenen schmerzhaft (psychisch unangenehm, mit Stress und Unwohlsein verbunden) sein. Ein starker Schmerz gehört aber nicht zwangsläufig dazu. Brutalität ist bei dem gemeinten Vorgang nicht notwendig. Von einer antiken Foltermethode leitet sich die Redensart nicht her. Es gibt auch keine überlieferten antiken Redensarten mit der übertragenen Bedeutung (griechisch ὀδούς und lateinisch dens sind die Wörter für »Zahn«, zu denen nachgesehen werden kann), die ganz ensprechend ist. Am nähesten kommt wohl indagare et odorari solebat; (Marcus Tullius Cicero, Orationes in Verrem 2, 2, 135).

Lutz Röhrich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Band 5: Spieß – Zylinder. 5. Auflage der Taschenbuchausgabe [der Neubearbeitung 1991]. Freiburg [Breisgau] ; Basel ; Wien : Herder (Herder-Spektrum ; Band 5200), 2001, S. 1756:  

Einem auf den Zahl fühlen: ihn gründlich auf seine Kenntnisse und Fähigkeiten prüfen. Die übertr. Anwendung der Rda. ist seit etwa 1700 gebräuchl. Das Bild ist vom Zahnarzt genommen, der durch Befühlen und Beklopfen den schmerzhaften Zahn ermittelt. Weniger wahrscheinlich ist die Herleitung von der Praxis des Pferdekaufs, bei dem man noch heute aus der Beschaffenheit der Zähne das Alter und den Wert der Tiere festzustellen sucht (daher auch das Sprw. ‚Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul‘).“

übertr. = übertragene  

Rda. = Redensart  

gebräuchl. = gebräuchlich  

Sprw. = Sprichwort

Lexikon der Redensarten : Herkunft und Bedeutung deutscher Redewendungen. Herausgegeben von Klaus Müller. München : Bassermann, 2005, S. 692:

jemandem auf den Zahn fühlen (umgs.)

jmdn. gründlich auf seine Fähigkeiten überprüfen [Prüfung]

„Sie wollen also in unserer Firma anfangen und verfügen sogar schon über einschlägige Kenntnisse? Haben sie etwas dagegen, wenn ich Ihnen etwas auf den Zahn fühle?“

Ähnlich wie bei der gleichartigen Redensart jmdn. auf den Puls fühlen wird hier ein Aspekt der medizinischen Diagnose umgangssprachlich im Sinne von Prüfung verwendet. Durch Befühlen und Klopfen auf die Zähne ermittelte der Zahnarzt den schmerzenden Zahn. Das seit etwa 1700 gebräuchliche Bild dürfte allerdings zuerst im Bereich des Pferdehandels entstanden sein, da man Alter und Zustand eines Pferdes gut an seinem Gebiss erkennen kann. Daher auch das Sprichwort: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.“

umgs. = umgangssprachlich  

jmdn. = jemanden

Duden, Redewendungen : Wörterbuch der deutschen Idiomatik. Herausgegeben von Dudenredaktion. 4., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Herausgegeben von Dudenredaktion. Redaktionelle Bearbeitung Werner Scholze-Stubenrecht, Angelika Haller-Wolf]. Berlin ; Mannheim ; Zürich : Dudenverlag, 2013 (Duden ; Band 11), S. 867:  

jmdm. auf den Zahn fühlen (ugs.): jmdn. ausforschen, überprüfen: Man fühlte mir politisch auf den Zahn (Niekisch, Leben 120). Mein Bruder akzeptierte meine Angetraute. Nachdem er ihr auf den Zahn gefühlt hatte, war sie auch seiner Freundschaft würdig (Wilhelm, Unter 120).

♢ Der Zahnarzt versuchte früher an der Reaktion des Patienten zu erkennen, welcher Zahn der kranke war, indem er mit den Fingern die infrage kommenden Zähne beklopfte oder befühlte. Hierauf geht die vorliegende Wendung zurück.“

ugs. = umgangssprachlich  

jmdn. = jemanden

Michael Krumm, Hummeln im Hintern oder das Herz in der Hose : Redewendungen von Kopf bis Fuß. 1. Auflage. Stuttgart : PONS GmbH, 2011, S. 49:  

Jemandem auf den Zahn fühlen

jemanden sehr gründlich prüfen, ihn ausfragen

Auf den Zahn fühlen kann man jemandem redensartlich schon seit Ende des 17. Jahrhunderts, es gibt allerdings zwei Kandidaten für den Ursprung der Wendung. Zunächst die unangenehmere Version: Bis ins 18. Jahrhundert galt die Behandlung von Zähnen nicht als Metier eines echten Mediziners, sondern wurde Badern, Barbieren, Schmieden oder gar den berüchtigten fahrenden Zahnbrechern überlassen. Ähnlich fortgeschritten wie das zahnchirurgische Handwerkszeug dieser Zeit, meist eine Kneifzange, waren auch die diagnostischen Methoden. Wollte man den Übeltäter ausfindig machen, der Schmerzen verursachte, so wurde ausgiebig bei allen Kandidaten angeklopft, gekratzt und geschabt, bis die euphorische Reaktion des Patienten ihn eindeutig identifizieren ließ. Man fühlte dem Patienten also ganz handgreiflich und direkt auf den Zahn. Der zweite Kandidat für die Herleitung ist eng verwandt mit dem Sprichwort vom geschenkten Gaul, dem man nicht ins Maul schaut: Um Alter und Gesundheit eines Tiers vor dem Pferdekauf feststellen zu können, schaute man dem Pferd eben doch hinein und befühlte die Zähne, deren Abnutzungsgrad und Gesundheit eindeutig über Alter und Allgemeinzustand des Pferdes Auskunft gaben.“

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Ich könnte es jetzt googlen, dann hätte ich ich 10 sek die Antwort.

So muss ich raten. Ich weiß, dass "einen Zahn zulegen" daher kommt, dass man früher über ein Zahnrad die Höhe eines Topfes über der Feuerstelle reguliert hat (sprich die Hitze). Hat man also einen "Zahn" zugelegt, war der Top näher am Feuer und wurde entsprechend heiß.

Danke für's lesen und vlt. googelt ja jmd. die Antwort.

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