Woher stammt das Wort "Schuft"?

1 Antwort

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

So ganz klar ist die Herkunft nicht. Im Deutschen Wörterbuch weisen die Gebrüder Grimm verschiedene Erklärungsstränge nach:

"SCHUFT, m. schelte, zuerst im 17. jahrh. bezeugt, nach den älteren lexicographen zunächst eine spottende bezeichnung von edelleuten, vile et ironicum nomen in nobiles SCHOTTEL 1410, nach STIELER 1715 von armen edelleuten und noch von FRISCH 2, 234a angeführt als namen womit einige die edelleut zuschimpffen vermeinen. ADELUNG erklärt es als verächtliche benennung eines armseligen, bettelhaften menschen in den 'niedrigen sprecharten', CAMPE nennt es üblicher in schärferem sinne, als harten beleidigenden ausdruck, wie 'schlechter ehrloser mensch', und so wird es in der regel auch heute gebraucht. man glaubte früher, das wort hätte ursprünglich einen guten sinn gehabt und brachte es zusammen mit schaffen, schöffe, so SCHILTER nach SCHERZ-OBERLIN 1445, und gleich dem letzteren (vgl. STIELER 1715) mit hebr. schophet, richter: schofft s. schufft, olim honestum erat vocabulum prœfectorum, in agris aut oppidis justitiam administrantium. nunc versatur in contemtu, quum vulgo sic appellamus nobiles cum re tenui imperiosulos. oritur a schophet, i. e. judex, praetor, ein scheppe. HELVIGIUS orig. dict. germ. bei WACHTER 1470; tschufft ist gar ein verachtet wörtlein worden, gleich wie das wort pape, da doch beyde köstlich gut seyn, denn tschufft kömpt vom hebreischen schophet, das ist ein richter, regierer oder verweser der gerechtigkeit. SEBALDUS breviarium hist. (Wittenb. 1655). auf diese ansicht spielt auch J. PAUL in der folgenden stelle (scherzend?) an: er (der gerichtshof) wird grösztentheils von uns damen gebildet und wir richten oder verläumden -- wiewol man den letztern ausdruck besser gar abkommen liesze, da man mit ihm doch so wenig wie mit den worten schuft, pfaff [etc]. noch den alten edlern begriff verknüpfft -- fast alle tage. a. d. teufes papieren 1, 60. STIELER weist sie ab und stellt eine andere sehr sonderbare etymologie auf: stiefelschaft, scapus ocrearum, a quo nobiles pauperes per contemtum dicuntur schüfte, quasi schäfte, qui pluris non valeant, quam tales vetusti ocrearum scapi. et licet hujus vocis significationem nonnulli mitigare, et ab Hebraeo scophet, judicare, derivatum velint, minime tamen persuadebunt nobilem, schuft eis honori esse, quasi judices et senatores hac appellatione salutarentur. 1715. WACHTER erwähnt als neueste ableitung die vom griech. σοφιστης. 1470. FRISCH vermuthet zusammenhang mit schupfen. 2, 234a. im brem. wb. 4, 725 wird schuft als zusammengezogen aus dem nd. in gleichem sinne gebrauchten schuvût erklärt und als eigentliche bedeutung 'ausgestoszener, auswurf' angegeben (schuv ût imperativische bildung zu ût schuven). WEIGAND billigt diese erklärung unter hinweis auf das gleichbedeutende nndl. schavuit4 2, 647, das schon bei KILIAN bezeugt ist, dort aber mit dem wahrscheinlich aus dem romanischen entlehnten schavuit, schuifuit als bezeichnung des uhus zusammengestellt wird. dasselbe würde auf schufut in diesem sinne passen (s. dies unten). das nndl. kennt auch schoft in entsprechender bedeutung. FRANCK etym. wb. 853 hält dies für eine ableitung zu schobben, schaben, reiben. in gleichem verhältnis könnte nd. schubben zu schuft stehen. darnach würde die grundbedeutung etwa 'schäbiger kerl' sein (vergl. schubber, schubbert), und das wort wol zunächst auf äuszere armseligkeit, abgeschabte kleidung gehen. -- der plur. lautet nach STEINBACH 2, 518, ADELUNG und heute regelmäszig schufte. GÖTHE braucht neben dieser form auch schuften. schüfte erscheint in quellen des 17. jahrh. und noch bei BÜRGER. s. die belege. "

http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&mode=hierarchy&textsize=600&onlist=&word=schuft&lemid=GS18227&query_start=1&totalhits=0&textword=&locpattern=&textpattern=&lemmapattern=&verspattern=#GS18227L0

Ein Däumchen für Deine Recherche !

0
@eltenjohn

Das "Deutsche Wörterbuch" von Grimm ist die beste Quelle für Fragen der Ethymologie - liegt in meinen Lesezeichen. :-)

0

Was möchtest Du wissen?