Woher kommt die Assoziation "Regen = schlecht"?

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich verstehe diese extrem einseitige Sichtweise zum Wetter auch nicht. Dieser Sommer-, Sonnen- und Trockenheitsfanatismus hat sich über die Jahrzehnte eingeschlichen und ist mittlerweile in vielen Köpfen total verankert.

Zumindest erinnere ich mich nicht daran, dass Fernseh- oder Radiomoderatoren in den 90ern schon über einen einzelnen Tag mit Regen oder auch nur Bewölkung gleich gejammert haben, weil ja "keine schöne Sonne" ist. Und bei Dürre wurde auch über die Problematik berichtet, statt von "Suuupaaa Sommaaawettaaa!" zu flöten.

Egal ob das Getreide verbrennt oder die Schifffahrt zum Erliegen kommt, die Spaßgesellschaft will Sonne, Sonne, Grillen, am Strand herumhängen und natürlich noch mehr Sonne! Regentage passen nicht zum Zeitgeist und "machen depri" - und jeder davon ist einer zu viel.
Essen und Getränke gibt es doch reichlich im Supermarkt...

Fröhliche, durch Pfützen hüpfende Kinder mit Gummistiefeln waren ein häufiger Anblick - aber heute könnte Finn-Lucas Designer-Spielhose schmutzig werden, deshalb wird er gleich prophylaktisch im Wohnzimmer vor der Playsi geparkt...

Neutrale, wertungsfreie Wetterberichte findet man kaum noch. Auf den großen bunten (Boulevard-)Wetterseiten ist der trockene Norden trotz Feldbränden und braunen Wiesen "im Vorteil"; Wolken werden als "Störfaktoren" oder "Schönheitsfehler" bezeichnet und der für die Natur so wichtige Regen "droht", als sei er eine Gefahr.
(An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Herrn Kachelmann für seine erfrischend objektive Weise, über das Wetter zu schreiben. Sie sind eine der wenigen, wichtigen Ausnahmen!)

Liegt es daran, dass sich die Menschheit immer mehr von der Natur und von ihren Wurzeln entfernt, immer dekadenter wird? Glaube die Wettermoderatoren den Humbug, den sie in die Köpfe streuen? Und falls nicht, wem dienen sie?
Man kann über die Gründe nur spekulieren...

Aber ich finde es schon mal schön, dass es noch mehr Leute da draußen gibt, denen diese Einseitigkeit überhaupt auffällt! ;)

PS: Wenn Du magst, schau doch mal hier vorbei: https://www.regenwetter.org/ :)

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Danke,danke,danke für diese Antwort.....ich kann gar nicht sagen,wie gut es mir tut,dass wirklich mal jemand diesen Irrsinn so deutlich benennt.

Ich könnte vor Wut ins Tischtuch beissen,wenn draußen bei 30° und mehr die Natur nach Wasser lechzt und aus dem Radio schallt das überschwängliche Lob für das wunderbare Sonnenwetter.....

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Generaelin, einfach TOP!!! Super gut zusammengefasst. Du hast diesen weitreichenden Wahnsinn mit wenigen Worten alles anschaulich dargelegt. Ich freue mich, dass ich nicht die Einzige bin, die diese manipulative Berichterstattung erkennt und verabscheut. Jedes Jahr während ich völlig geplättet mit bedrohlich niedrigem Blutdruck in der ewigen Hitze halb kollabiere und dann noch von Leuten lese, die was von ihren dämlichen Abendpartys, Grillen und Biergarten schreiben, könnte ich diejenigen mit meiner letzten Kraft verkloppen. Für ihr dümmliches Verhalten und ihre Ignoranz.

Das wäre umgekehrt genauso wie wenn ich an einem Erfrierenden vorbei käme und demonstrativ die Jacke ausziehe von wegen „puh ist das heute aber ein milder Wintertag“.

Diese Hitzejubler sind ein Spiegel der maroden Gesellschaft. Gedankenlos, narzisstisch, ignorant und einfach nur dumm, dumm, dumm.

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Geht mir ähnlich. Wenn ich mal mit jemandem über heißes Wetter und meine Sonnenaversion rede, begegnet mir häufig Unverständnis und man sieht mich vorwurfsvoll an. Als wäre es geradezu eine Todsünde sich darüber zu beklagen :)

Es hängt auf jeden Fall damit zusammen, dass durch die Sonne Glückshormone. gebildet werden. Für viele ist das einfach nur "sonnenklar" sich gefälligst draußen aufzuhalten.

An einer Bushaltestelle stand ich mal hinter dem Häuschen im Schatten. Zwei Damen redeten über mich: "Nun sieh Dir den an - jetzt haben wir gerade noch mal schönes Wetter und der stellt sich in den Schatten !"

Man sollte niemals von sich auf andere schließen. Denn jeder ist anders.

Genau so sehe ich das auch. Wir werden einfach manipuliert von den Medien.

Man hat ja fast schon ein schlechtes Gewissen, wenn Maxi Biewer uns "so ein tolles Wochenende" verkündet, und man nicht - im Garten arbeitet, -spazieren geht, - ne Radtour macht, - ins Schwimmbad geht, sondern zu hause vor der Glotze hockt.

Im Winter geht der Quatsch dann weiter: Es kommt "endlich sooo toller Schnee", aber zumindest im Flachland kann keiner damit umgehen. Unfälle, Staus, Schneeschippen usw ....

Das ist das Nächste, was ich am Sommer so schrecklich finde. Dieser kollektive "Zwang", man müsse jeden freien Tag jubelnd im Freibad, am See, Fahrradfahren, Biergarten und Partys verbringen. Wieso sollte man denn, nur weil Sommer ist, plötzlich dauernd raus wollen? Ich habs lieber gemütlich und kalt. Und im Winter gehe ich wesentlich öfter raus als im Sommer. Eben weils da kalt ist! Und eben weil alle anderen Kältephobiker sind und ich somit oftmals ziemlich alleine durch die Straßen laufe und die Welt gefühlt für mich alleine habe. Diese Sommer-Hektik finde ich ekelhaft.

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Ich sehe das genauso wie Generaelin und kann das alles nicht nachvollziehen warum in den Medien so ein Hype aus dem Sonnigem, heißem und trockenem Wetter gemacht wird.

Ich finde es auch sehr schlimm, dass schon gejammert wird wenn auch nur ein Tropfen Regen fällt, obwohl die Pflanzen den Regen brauchen. Ich komme aus Hannover und dort hat es seit vielen Wochen (fast) gar nicht geregnet, die Bäume verlieren sogar schon ihre Blätter, ein Teich ist fast trocken und das Gras auf den Wiesen ist sehr gelb. Es hat auch schon ein Feld am Flughafen gebrannt und trotzdem freuen sich die Leute in den Medien darüber, dass es nicht regnet.

Es scheint so als wüsste niemand wie wichtig Regen eigentlich ist..

Weil es viele nicht mögen, von kalten Tropfen nass zu werden und sich dementsprechend anzuziehen, dann noch die Kleidung zu trocknen.

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