Woher kommen die modernen israelischen Namen?

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5 Antworten

Ich habe dieses Jahr ein Praktikum in einer israelischen Anwaltskanzlei gemacht und meine, mich folgendermaßen an die Lage zu erinnern:

man kann seinen Namen relativ beliebig ändern, jedenfalls ohne eine besondere behördliche Erlaubnis oder einen gewichtigen Grund (wie in Deutschland). Allerdings gibt es auch da Grenzen, bspw. meine ich, dass man dort nicht jedes Jahr aufs Neue seinen Namen ändern kann, sondern dann entweder eine gewisse Zeit warten muss oder eine besondere Erlaubnis braucht.

Zu der Zeit vor der Staatsgründung Israels wurde mir gesagt, dass gerade viele Deutsche Juden nicht ihren urpsünglichen deutschen Namen behalten wollten (viele haben später ja auch nie wieder Deutsch gesprochen oder Deutschland boykottiert). Daher haben sie teilweise schon sobald sie mit Schiffen aus Europa ankamen, sich mit einem neuen Namen in Israel gemeldet. Ihr alter deutscher Name blieb quasi auf dem Schiff. Da dort auch heute einiges sehr viel unbürokratischer abläuft, gab das auch meines Wissens nach keine größeren Probleme.

Ansonsten kann ich nur meinen Vorrednern zustimmen, gerade was die Entstehung der Nachnamen der europäischen Juden betrifft.

Neben Suchanfragen bei der Knesset würde ich noch eine Anfrage an die israelische Botschaft in Berlin schicken, die können dir bestimmt auch Auskunft geben.

Eigentlich hatten die Juden füher nur patronomische Namen die mit Ben (Sohn) oder Bat (Tochter) begannen und dann den Namen des Vaters nannten. Diese findet man heute in Israel auch noch (z.B. Avi Bed David). Im Mittelater übernahmen die Sephardischen Juden Nachnamen, teils auch arbisch klingende. Den Ashkenazi Juden im christlichen Europa war das führen eines Nachnamens sowieso nicht möglich.Hier gab es nur Adelige Namen (von, zu) oder Berufsnamen. Da es den Juden verboten war Berufen nachzugehen und sie auch nie in den Adel erhoben wurden gab es auch keine Namen. Im mittelatlterlichen Frankreich hatten Juden alt- testamentarische Nachnamen wie Farissol, Bonet, Barron, Lafitte oder Samson.

Im späten 18. und feühen 19. Jhd. wurden die Juden durch Verwaltungakte gezwungen Nachnamen anzunehmen. Zunächst in Östereich und dann auch in Preussen und Frankreich.

Mit dem Beginn der Verwaltung mussten Ausweisdokumente etc. immer mit Nachnamen versehen sein, daher wurde es Pflicht. Juden die sich geweigert haben wurde manchmal ein Name von einem Beamten verpasst. Da gab es auch den ein oder anderen Antisemiten der seinem Opfer einen beleidigenden Namen wie z.B. "Afterduft" verpasste. Der Rest wählte für die Zeit wohlklingende Namen wie Goldstein, Lindenbaum oder europäisierte Formen jüdischer Funktionstitel wie Cohen für Rabbis etc.

Später wurden viele dieser euopäischen Namen wieder hebräisiert. David Ben Gurion, der Staatsgründer von Israel hieß eigentlich Grün und sein Vater hieß auch nicht Gurion (Löwe) sondern Avigdor.

Wenn Du in Wikipedia mal nach Namensrecht oder Namensänderung suchst, wirst Du feststellen, dass es international (europäische Kulturzone) mehr oder weniger zwei Traditionslinien gibt:

  1. die liberale, zu der ua. Britannien gehört, in der es jedem frei gestellt ist, sich selbst den Namen zu geben, den man wünscht und
  2. die autoritäre, zu der ua. Deutschland gehört, in der es grds. verboten ist, den Namen zu ändern und staatlicher Ausnahmegenehmigungen braucht.

Israel hat keine obrigkeitsstaatliche und feudale Tradition wie Deutschland. Dazu ist es einfach zu jung;-)

Autoritäre Strukturen kommen dort nur in Zusammenhang mit "Sicherheit" gegen Palästinenser, Militär usw. auf. Aber kaum im Zivilrecht.

Daher kannst Du eigentlich immer von Liberalität ausgehen. Das gilt übrigens auch für Bereiche wie Schulen: man kann fast ohne staatliche Einmischung Schulen aller Art aufmachen. Israel galt als Reformpädagogen-Eldorado!

Die europäischen Namen aus dem christlichen Kulturkreis waren in Israel in der Gründerzeit verpönt. Man wollte alles, was an die Kultur der Diaspora erinnerte, auslöschen. Dazu gehörte sogar das Wort "Jude". Die nannten sich "Hebräer" und wollten eine "hebräische" Kultur wieder erschaffen.

Mit dem Jüdischen assoziierten die Anpassung und Unterwerfung unter die christlichen Unterdrücker. In gewisser Weise war es logisch - finde ich - wenn die Namen dann beseitigt wurden, denn die waren ja auch eine ganz erhebliche Anpassung!

Also gab man sich eben auch hebräische Namen.

Wenn Du genaue Rechtsquellen willst, musst Du gezielt googeln (z.B. Datenbank der Knesset für Gesetze) oder einen israelischen Juristen befragen, denke ich. Dafür ist dieses Forum kaum der geeignete Platz.

Über die britische Rechtslage findest Du genug mit dem Googeln zur Namensänderung.

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