Woher habe ich auf einmal so viel Willen und Kraft nach meinen Depressionen?

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10 Antworten

Hallo,

Depressionen sind extreme Gefühle. Gefühle entstehen in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle nicht durch eine Situation, in der wir uns befinden, sondern durch unsere Gedanken über diese Situation. 

Du hast offenbar schon mit 11 Jahren Schlimmes erlebt und danach nach Deiner Einschätzung auch nicht alles richtig gemacht. Was immer das war, es hat bei Dir Gedanken und Gefühle ausgelöst. Du schreibst selber:

" Es hat sich für mich so angefühlt als hätte jeder auf dieser Erde seine Augen und Ohren geschlossen, als würde niemand mein Leid sehen oder hören... So lief das 5 Jahre ab, ich hab mich einfach wie ein Nichts gefühlt."

Seit 8 Monaten ist das jetzt aber offenbar anders. Du hast Kraft gefunden, neu anzufangen. In den letzten 8 Monaten ist Dir nichts passiert. Dir ist etwas gelungen! Du hast - vermutlich durch Erfahrungen - es geschafft über Situationen, die Dich früher belasteten völlig anders zu denken, denn Du schreibst:

"Und Dinge, die mich früher verletzt hätten, jucken mich jetzt nicht mal ansatzweise"

Und das zeigt Dir, dass nicht eine Situation Deine jeweiligen Gefühle auslöst, sondern Deine Gedanken über eine Situation. Frei gegriffenes Beispiel:

Ein Mädchen ist in einen Jungen unsterblich verliebt. Die beiden gehen miteinander und nach einiger Zeit beendet der Junge die Beziehung und ist mit einer anderen zusammen.

*Das Mädchen denkt: "Dieser Idiot! Der hatte mich gar nicht verdient." Das Mädchen empfindet Ärger und Wut.

Das Mädchen denkt: "Er war der netteste Typ, den ich je getroffen habe. Ich wollte mein Leben mit ihm verbringen. Nie wieder werde ich jemanden wie ihn treffen." Das Mädchen ist traurig.

Es gibt bestimmte Gedanken-Gefühls Kombinationen:

Wenn Du eine Situation als "falsch" bewertest, ärgerst Du Dich. Im ersten Beispiel bewertet das Mädchen das Verhalten des Jungen als falsch und ärgert sich. Ärger gibt einem Menschen Kraft etwas gegen das falsche zu tun. Vielleicht scheuert das Mädchen dem Jungen eine.

Wenn Du eine Situation als "schade" bewertest, dann fühlst Du Dich traurig. Du findest Die Situation schlimm, kannst sie aber nicht ändern und weißt, dass Du sie akzeptieren musst. Wenn ein Mensch oder ein Tier stirbt, den bzw. das man geliebt hat, dann ist das eine solche typische Situation.

Wenn Du eine Situation als "furchtbar" bewertest, dann deshalb, weil Du nicht weißt, wie du mit dieser Situation leben kannst. Wenn Du die Situation nicht einfach hinnehmen kannst und gleichzeitig keine Möglichkeit siehst, wie Du die Situation ändern könntest, dann empfindest Du Angst.

Wenn Du eine Situation als richtig und schön bewertest, empfindest Du Freude. Vielleicht denkt das Mädchen oben ja auch:

"Gott sei Dank, dass der Typ Schluss gemacht hat, der ging mir ja nur noch auf die Nerven aber ich hab mich halt nicht getraut Schluss zu machen"

(Gut Freude ist vielleicht zu viel, aber Erleichterung wird es schon verspüren)

Du schreibst, dass Du Verzweiflung spürst und lieferst auch gleich den Grund: Es sind Deine Gedanken, "Du könntest es nicht schaffen", die Deine Verzweiflung auslösen.

Du könntest auch Denken, "Also wenn ich es vom "Nichts" zum "ich will mein Leben ändern" geschafft habe und mir jetzt schon vieles nichts mehr ausmacht, was mich früher umgehauen hätte, dann pack ich auch den Rest."

Das Du Zweifel hast, ist völlig verständlich, denn wie Du so richtig schreibst, trägst Du etliche Narben in Form schlechter Erfahrungen mit Dir rum, die
"leichte Depressionen" verursachen. Das ist vermutlich richtig und schlimm, aber der Hammer ist doch: es sind "nur noch" leichte Depressionen und nicht mehr das Gefühl ein "Nichts" zu sein!

Denke in Deinem Leben zurück und überlege, ob es Situationen gab, in denen Du Dich auch schon mal besser gefühlt hast bevor es Dir so schlecht ging.

Schreibe Dir diese Situation auf. Wie alt warst Du als Du Dich besser gefühlt hast und warum hast Du Dich besser gefühlt. Was war an diesen Situationen richtig und schön. 
Was waren schöne Situationen in den letzten 8 Monaten? Was war an diesen Situationen richtig und schön? Warum hast Du Dich besser gefühlt?

Nimm an, heute Nacht geschieht ein Wunder: Deine Depressionen verschwinden, Du merkst es aber nicht, weil Du schläfst. Morgen früh wachst Du dann auf und beginnst mit Deinem Tag. 

1. Woran merkst Du, dass dieses Wunder geschehen ist?
2. Was ist dann anders? Was wirst Du dann tun, was Du jetzt nicht tust?
3. Was wird den Menschen, die Dich kennen als erstes auffallen?

Überlege Dir auf einer Skala von 1 bis 10 wobei 1 für "Ich weiß überhaupt nicht mehr weiter, bin total depressiv" und 10 für "Also wo ich bin ist vorn" steht, wie Du Deine aktuelle Gefühlslage bewertest. Dann beantworte Dir die oben genannten Fragen. Anschließend bewerte Deine Gefühlslage erneut. 

Hat sich was verändert? Vielleicht sogar zum besseren?
Wenn Du es von einer sagen wir 3 auf eine 4 geschafft haben solltest, dann überlege was passieren müsste und was Du tun kannst, um auf eine Fünf zu kommen.

Viel Erfolg!

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Kommentar von LuzifersBae2
27.09.2016, 10:09

Wow was für eine Antwort ... Vielen Dank! :-)

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Erwachsen geworden? Dinge abgehakt, die man eh nicht ändern kann? Irgendwann findet jeder seine eigene "Überlebenswahrheit" zur passenden Situation und Zeit. 

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auch wenn du Atheist bist kann es trotzdem einen Gott geben. oder anders ausgedrückt: auch wenn du dir dessen nicht bewusst bist.  Also ich glaube schon an Gott. Nicht nur durch das Leben an sich, was schon irgendwie komisch ist, dass man am Leben ist usw. du weißt schon was ich meine aber dann habe ich im Laufe meines Lebens einige wirklich sehr interessanter Erfahrungen gemacht/machen dürfen/machen müssen, die mir gezeigt haben dass es da höchst wahrsch. eine höhere Macht geben muss. Das waren Erfahrungen die die meisten Leute nicht kennen und auch nie erleben werden. Aber damit belasse ich es auch. So oder so (also mit dem Wissen um Gott oder ohne) muss man sein Leben leben.
Dann möchte ich noch sagen, also von wegen Depresseion. Auch wenn du diese schon mal überwunden hast kann es immer noch sein dass du in Zukunft, vielleicht wegen einer anderen Sache doch wieder depressiv wirst. Aber klar, du hast die Erfahrung schon gemacht, hat dir bestimmt nicht gefallen und wahrscheinlich wirst du dann so leicht nicht wieder da rein tappen.

Meiner Meinung nach, wieso du jetzt auf einmal wieder Lust am Leben hast ist, weil sich irgendwas in dir getan hat, dein Verstand, deine Bewusstsein, deine Erfahrung, deine Seele, egal wie man es nennt, hat gesagt dass das ein Lebensgefühl, ein Lebensmodell ist dass es nicht lohnt weiterhin aufrecht zu erhalten. Wieso immer weiter depressiv sein wenn es doch auch ne Alternative gibt. Irgendwas in dir hat gesagt, jetzt nach fünf Jahren, jetzt ist auch mal genug. Wenn ich so weiter mache hab ich gar nichts mehr vom Leben. usw. Und damit hast du auch recht. Mach das Beste aus deinem Leben, egal was das für dich ist, egal wie das aussehen mag, du hast nur ein Leben (gleichzeitig gibt es, meiner Meinung nach aber, Wiedergeburt, aber das Leben was du jetzt führst ist, trotz Wiedergeburt einzigartig, Es wird in diese Konstellation nie wieder geben, also ist es einzigartig)

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Aus sehr negativen Erfahrungen kann man durchaus auch relativ gestärkt wieder hervorkommen. Man empfindet so den "Normal-Zustand" positiver. Das scheint bei Dir so der Fall zu sein und Du spürst wieder elementare Kraft.

Interessant finde ich Deine Bemerkung "Es ist nicht Gott - bin Atheist ".

Hört sich an wie: "Es kann nicht sein, dass ich lebe - bin tot ".


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Das ist die erste Frage in der Psychologie, die ich nicht beantworten kann, obwohl mir was sehr Ähnliches passiert ist.

Ich hab mich selten so über eine Frage auf GF gefreut. Das ist so toll, wenn jemand den Lebensmut wiederfindet. =D *freu, hüpf

Weiter so

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Kommentar von LuzifersBae2
26.09.2016, 22:09

das ist süß haha danke :3

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du hast dir die tugend STARKMUT erarbeitet

gratulation!

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Was dich nicht tötet, macht dich stärker ;)

Vielleicht bist du einfach emotional stärker und reifer geworden in der letzten Zeit. Halt daran fest und verfalle nicht in Melancholie.

Alles gute.

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' nope,es ist nicht Gott, bin Atheist'

- Sorry,aber das war so dermaßen unnötig zu erwähnen. Dumme/überflüssige Provokation, die Rein gar nichts mit deiner Frage zutun hat.

Zu deiner Frage : Frag dich nicht woher das kommt,sondern nutz diese Energie,vlt ist sie ja bald wieder weg(was ich nicht für dich hoffe).
Also nicht denken, sondern einfach machen;)

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Kommentar von LuzifersBae2
26.09.2016, 22:06

Ich wollte einfach nicht dass gewisse Menschen mit ihrem Glauben und Religion ankommen. Ist mir schon oft passiert bei solchen ernsteren Themen und wie du auch unten lesen kannst ist eine wieder mit Allah angekommen, was mich ehrlich gesagt nur nervt.

Trotzdem danke für deine Antwort. :)

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Kommentar von FelinasDemons
26.09.2016, 22:08

Ja,Mädel wenn in deinen Tags "Glaube" steht, ist ja auch nichts anderes zu erwarten😅 Aber,schon klar was du meinst. Wenn dich solche Antworten stören,dann einfach ignorieren;) Und bitte, freut mich wenn ich helfen konnte.

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Kommentar von LuzifersBae2
26.09.2016, 22:12

Ach ein Glaube an etwas anderem, wie zB Ziele und das Leben kann man ja nicht haben, nein.

Das Wort "Glaube" steht nicht NUR für Gott und Religion. Sollte einem eig bewusst sein, aber okay ... (:

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Kommentar von FelinasDemons
26.09.2016, 22:18

Ja,stimmt, da hast du Recht. Es ja trotzdem für alles offen dieses Wort,auch für Religion.

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Ein Teil von dir ist gestorben und der Teil der überlebt hat will jetzt leben - lass diesen Teil leben - so gut er noch leben kann :) und es soll nicht zu deinem Nachteil sein.

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Du bist in einer manischen Phase.

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