Wodurch wurde die Judenverfolgung im 3. Reich religiös begründet?

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8 Antworten

Da ich mir als Nicht-Historiker nicht anmaßen möchte solch ein komplexes und sensibles Thema zu verhandeln, erlaube ich mir einen Historiker von Rang zu „befragen“ – Saul Friedländer:
Bei all seinen wichtigen Entscheidungen war das Regime von Hitler abhängig. Insbesondere in seinem Verhältnis zu den Juden wurde Hitler von ideologischen Obsessionen getrieben, die alles andere als die kalkulierten Manöver eines Demagogen waren; das heißt, er führte einen ganz spezifischen Typ von völkischen Antisemitismus an seine extremsten und radikalsten Grenzen. Ich bezeichne diesen charakteristischen Aspekt seiner Weltanschauung als »Erlösungsantisemitismus«; dieser ist verschieden, wiewohl abgeleitet von anderen Varianten antijüdischen Hasses, die im gesamten christlichen Europa verbreitet waren, und er ist gleichfalls verschieden von den gewöhnlichen Arten des deutschen und europäischen rassischen Antisemitismus. Diese erlösende Dimension, diese Synthese aus einer mörderischen Wut und einem »idealistischen« Ziel, die der Führer der Nationalsozialisten und der harte Kern der Partei miteinander teilten, führte zu Hitlers schließlicher Entscheidung die Juden zu vernichten. Aber Hitlers politisches Handeln war nicht allein von Ideologie geprägt (……) in dem er agierte. Der NS-Führer fällte seine Entscheidungen nicht unabhängig von den Organisationen der Partei und des Staates. Seine Initiativen waren vor allem in der Frühphase des Regimes nicht nur von seiner Weltanschauung geprägt, sondern auch von den Auswirkungen interner Zwänge, vom Gewicht bürokratischer Beschränkungen, bisweilen vom Einfluß der öffentlichen Meinung in Deutschland und sogar von den Reaktionen ausländischer Regierungen und der öffentlichen Meinung im Ausland.“ (Saul Friedländer, Das Dritte Reich und die Juden, S. 13,14)

Deine Frage zu den religiösen Treibsätzen dürfte im Gesamtkontext einem ideologischen Unterbau entsprochen haben - einer individuellen, wie kollektiven Legitimation für eine sowohl binnenpsychologische, als auch außen"faktologische" Begründung. Zu diesem Unterbau kamen eine Vielzahl von sozialen, politischen, demagogischen, rechtlichen, scheinmoralischen, scheinwissenschaftlichen und informellen (geprimten) "Aufbauten" für eine "Gesamtarchitektur".

Die "religiösen Aspekte" beschränken sich, so viel ich weiß, tatsächlich auf die Kreuzigung Jesu.

Du kannst ja mal nach diesem Hitlerzitat googeln, da kommt mehr Info: "Indem ich mich des Juden erwehre, vollende ich das Werk des Herrn." (Aus "Mein Kampf".)

Dazu ist noch zu sagen, dass Hitler kein religiöser Mensch war. Aber etliche seiner Anhänger waren es, daher benutzte er eine religiöse Argumentation, wenn es seinen Zwecken diente. 

Der Antisemitismus kann religiös nur mit dem Exklusivanspruch der eigenen Religion begründet werden: "mein Glauben ist der Richtige, und jene, die sich weigern, ihn anzuerkennen, sind meine Feinde. Und ich töte meine Feinde."

Bei der NS-Ideologie kam das selbe Prinzip zum Tragen. Nur dass hier der Exklusivanspruch nicht hauptsächlich auf die Religion, sondern auf die "Rasse" bezogen wurde.

Hallo blackfighter12,

Hitler hat keine religiösen Aspekte genutzt, da er von der Kirche nichts hielt. Er hat allerdings den auch in der Kirche latent vorhandenen Antisemitismus ausgenutzt und ist wahrscheinlich auch davon geprägt worden.

Seine Motive waren überhaupt nicht religiös sondern rein rassistisch.

das hat nichts mit der religion zu tun. damals waren juden reich, da sie meistens gebildeter waren, die bevölkerung wurde neidisch. außerdem hat man sie für die ausbreitung der pest verantwortlich gemacht mit ein grund wewegen der est der bevölkerung schon so "schlecht" auf sie zu sprechen war

Es gab eigentlich keine religiösen Aspekte. Auch schon lange zum Christentum konvertierte Juden oder Atheisten wurden verfolgt und galten bei ihm als Juden. Nonnen wurden  z.B.  aus dem Kloster geholt und  ins KZ, weil sie früher mal Jüdinnen waren. Es gibt da so eine Geschichte wonach der Adolf ja unbedingt Kunst studieren wollte. Der Leiter der Wiener Kunstakademie nahm ihn nicht an, weil er ihm kein Talent bescheinigte. Dieser war jüdischen Glaubens. Er soll wohl seiner Familie gegenüber so getan haben, als wäre er angenommen worden und trieb sich auf der Straße herum, haßte den Leiter der Akademie und kam eben in solche Kreise die ebenfalls nationalsozialistisch waren.

Religiös wurde das wie bei den Judenverfolgungen im Mittelalter begründet: die Juden sind die Jesusmörder.

Sie wurden nicht religiös, sondern rassistisch begründet, damit dass Juden Schädlinge der Gesellschaft. Siehe Film "der ewige Jude" (dürfte auf youtube sichtbar sein).

blackfighter12 13.07.2016, 12:35

Aber es muss doch auch religiöse Gründe gegeben haben, bzw. von Hitler ausgedachte Gründe.

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Mastrodonato 13.07.2016, 13:01
@blackfighter12

Du kannst mal auf wiki den Lebenslauf von Adolf Hitler nachlesen - dort wird erwähnt, dass er von den Wiener Antisemiten Schönerer und Lueger beeinflusst worden ist. 

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