Wodurch kann der rücken vom Pferd schief werden?

2 Antworten

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Und wie. Jedes Pferd und jeder Mensch haben eine natürliche Schiefe. Zum Teil kann man die dem Pferd und dem Reiter weg trainieren, wobei das Zeit braucht. Also gehört es zur Grundausbildung jedes Reiters zu wissen, wo seine Schiefeprobleme liegen und was er zu tun hat, das zu kompensieren, bis er selbst ausreichende Geraderichtung (also in seinem menschlichen Skelett) erreicht hat, um das Pferd nicht schiefer zu reiten als es ist.

Aber nicht nur die natürliche Schiefe des Menschen stellt ein Problem da, sondern auch unsere Händigkeit und das eigene Balancegefühl. Dadurch, dass wir unsere Fähigkeiten mit Stand- und Spielbein im Sport sogar für uns nutzen, also die Beine zum Teil unterschiedlich trainieren (welcher Weitspringer trainiert bitte den Absprung mit dem falschen Bein in gleicher Regelmäßigkeit wie den auf seinem Sprungbein?), werden wir sicher nicht gleichseitiger, dadurch, dass es inzwischen als Frevel gilt, einem Linkshänder mal einen Stift in die rechte Hand zu geben bzw. schon immer rechts geschrieben wurde, vor allem, wenn dieses die starke Hand war, arbeiten wir auch immer mehr eine Hand heraus, die mehr Kraft hat und eine, die mehr Feingefühl hat. Das hilft uns in Teilen unseres Alltags und hemmt uns in anderen Teilen. So hat auf alle Fälle die gleichseitigeren reiterlichen Hilfen derjenige, der schon einen "symmetrischen" Sport ausübt wie beispielsweise Schwimmen, wo man mit Einseitigkeit im Kreis schwimmen würde ... und selbst da ... wer krault, hat die offene Seite, auf der er atmet, ist also auch nicht 100% grade. Beim Volleyball, wo es vielleicht egal wäre, schlagen wir den Aufschlag von der Grundlinie rechts aus. Hm. Der Mensch hat eine ausgesprochene Händigkeit, die nicht immer die Wirbelsäulenschiefe unterstreicht, aber auch nicht immer kompensiert. Wenn der rechte Schenkel immer mit Kraft Hilfen gibt, der linke mit weniger Kraft und dafür mehr Feingefühl, weicht das Pferd mit seinem Rippenbogen dem rechten mehr aus, gewöhnt sich aber dran, dass gradeaus trotzdem ist, wenn der rechte so presst, dass man weg weicht, geht also mit ausweichendem Rippenbogen gradeaus.

Das Balancegefühl ist ganz wichtig. Lass einen Reiter geradeaus gerade sitzend auf seinem Pferd reiten und geh hinter ihm her: Die wenigsten sitzen da in der Mitte des Sattels, aber sie fühlen sich mittig. Man muss den Reiter dann sogar ein wenig auf die andere Seite setzen, damit ihm die Mitte später mittig vorkommt, man muss ihn regelrecht kalibrieren. Wer nun immer ein bisschen nach links sitzt, weil er sich sicher ist, da wäre die Mitte, muss sich nachher nicht wundern, wenn sich das Pferd dem anpasst und sagt, wenn's so viel links drückt, geht's gradeaus, also weicht es dem Druck, indem es seine Wirbelsäule ein wenig wölbt, läuft aber trotzdem gradeaus (Reiterbeine und -hände dirigieren ihm das ja) und gewöhnt sich selbst auch an diese Schiefe.

Besser kann mans nicht formulieren! Hut ab!

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Ja, natürlich z.B. bei Fehlbelastungen, Krankheiten, Erbanlagen, unpassende Ausrüstung ...

Auf dem Pferd sitzt eine Reitbeteidigung , mit einem Stuhl Sitz. Könnte es auch davon kommen ?

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@onekill132

Das kann man so pauschal nicht sagen. Wer es schafft, mit den Beinen hinter den Ohren sinnvoll gradeaus zu reiten, ist mehr wert, als wer lehrbuchmäßig, aber steig wie noch was sitzt und nur mit dem linken Schenkel und der linken Hand feinfühlig einwirken kann, während rechter Schenkel und rechte Hand grobmotorisch gesteuert werden.

Der Stuhlsitz kommt ja so oft gar nicht vom Menschen, sondern daher, dass Pferd und / oder Reiter der Sattel nicht wirklich passt. Setzt man einen Menschen, der durchschnittlich gebaut ist, in einen ihm passenden Sattel, so wird er auch gut sitzen. Aus Kostengründen und auch aus Gründen der Unkenntnis beobachtet man heute oft, dass sich Menschen hinter Pauschen klemmen und ihre Beine davon zurecht drücken lassen, statt mal zu sehen, ob der Blattschnitt und die Sitzausformung überhaupt den Beinlängenverhältnissen, dem Becken, der daraus resultierenden Oberschenkelaufhängung etc. entspricht. Es macht einen deutlichen Unterschied, ob ein Mensch im Verhältnis zur Gesamtlänge der Beine die Knie höher hat oder tiefer. Zwei so unterschiedliche, aber sonst gleich große Menschen, die sich auch sonst sehr ähnlich sehen, brauchen komplett verschiedene Sättel. Ich habe auch das gleiche Sattelmodell auf unseren beiden Pferden (eben die Pferdeseite je Pferd angepasst, aber quasi die Menschenseite gleich) und dennoch passt mir der Sattel nur bei einem der Pferde, weil diese ganz unterschiedlichen Körperbau haben. Dennoch kann ich damit beide Pferde geraderichtend arbeiten, weil ich eben das, was mir da nicht passt, ausblende und nur auf Gleichseitigkeit achte und darauf, die Bewegung des Pferdes frei zuzulassen. Bei einem der Pferde muss ich dafür ein bisschen Stuhlsitz zulassen, sonst würde ich klemmen und den Bewegungsfluss festhalten.

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