Wodurch ist Antisemitismus entstanden?

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Das ist natürlich eine sehr tiefgehende Frage udn ich kann Dir nur raten selbst zu recherchieren um ein umfassendes Verständnis der Mechanismen zu bekommen.

Hier ist meine Meinung dazu (in stark gekürzter und vereinfachter Form):

Die Ursachen des Antisemitismus liegen im Altertum und haben wenig mit der neuzeitlichen Ausprägung & Vorurteilen zu tun.

Die Juden waren auch in vorchristlicher Zeit einem starken Assimilations-Druck durch die jeweiligen Großreiche ausgesetzt. Ein der Hauptgründe warum sie sich als völkische/religiöse Einheit behauten konnten war der unübliche und sehr strikte Monotheismus.

Indem die Juden andere Götter, Gottkönige usw. aus religiösen Gründen ablehnten, konnten sie sich zum einen eine grundlegende jüdische Identität bewahren, wurden aber immer als Fremdkörper im jeweiligen Großreich gesehen.

Insbesondere natürlich auch, weil die Religion das Leben und die Lebensumstände sehr stark reglementierte (ähnlich wie das Christentum vor nicht allzu langer Zeit und der Islam noch heute) und dadurch eine Integration in den gelebten Alltag anderer Völker schwer machte.

Da diese religiöse Sondervorstellung auch oft mit einem Hauch Fanatismus und Unabhängigkeitsstreben einherging und die weltliche Macht zumindest stark dem religiösen Establishment unterworfen war, kam es hier besonders oft zu Unruhen und Aufständen.

Das hat Alles in Allem schon zu römischer Zeit den Juden den Ruf eingebracht besonders stur, fanatisch und rückwärtsgewandt zu sein (besonders weil sie aus religiösen Gründen nur wenig am kulturellen Leben der römisch /griechischen Gesellschaft teilnahmen.

Aber dies hat noch nicht den Antisemitismus oder den Antijudaismus begründet.

Der ergab sich aus den Anfängen des Christentums.

Die frühen Christen waren ja alle Juden und im Wesentlichen eine kleine Sekte innerhalb der jüdischen Religionsgemeinschaft, die sich wegen grundlegender Fragen mit der Mehrheit des jüdischen Volkes überwarf.

Insbesondere als die Gemeinschaft wuchs und auch organisatorisch und Machtfragen neben dem Glaubensinhalt wichtiger wurden, gab es eine grundlegende Diskussion ob Nichtjuden (Heiden) überhaupt Christen sein können.

Die Heiden/Missionierungsfraktion setzte sich durch und löste damit eine Abtrennung vom jüdisch religiösen Kontext und Umfeld aus.

Dieser Ablösungsvorgang ging nicht ohne Streit und Hass, auch weil die Missionierung der römisch geprägten Gesellschaft eine Änderung der Lebensumstände und –regeln der frühen Christen verlangte.

Die primär jüdische Identität des Frühchristentums wurde dem Missionierungsstreben (manche würden vielleicht auch Machtstreben sagen) geopfert.

Dazu kam das es zwischen Juden und Römern zu immer stärkeren Spannungen kam und die Christen auch aus Opportunitätsgründen nicht mehr mit dem Judentum assoziiert werden wollten.

Als Rom dann 70 n. Chr. Jerusalem und den Tempel zerstört (nach überwiegend religiös bedingten Aufständen) und 135 n.Chr. die Ansiedlung von Juden in Palästina verbot, sahen sich die Christen in ihrem Denken und Handeln bestätigt.

Als das Christentum zur Staatreligion wurde kam dann die ganze Wucht des Ausschließlichkeitsgedanken des Monotheismus dazu und die, ebenso beharrlich auf ihrem Gott bestehenden, Juden wurden auch aus theologischer Sicht untragbar und auch angegriffen.

Ich denke die besondere Abneigung des Christentums gegen die Juden stammt auch von der großen Ähnlichkeit der Kernaussagen. Zwei strikte monotheistische Aussagen sind schwerer zu vereinbaren als ein monotheistisches System und einen Haufen (als barbarisch oder minderwertig betrachteter) heidnischer/ polytheistischer Vorstellungen.

Als in der Spätantike die Großkultur Roms im Wesentlichen unterging (dunkles Zeitalter usw) wurde das Weltbild der Menschen sehr viel eingeschränkter. Die Gedankenwelt war noch stärker und bis in die Neuzeit von irrationalen, esoterisch/magischen Vorstellungen geprägt die nicht oder wenig durch ein ziviles Rechtssystem eingegrenzt wurden.

Aus diesem Grund viel es leicht den Juden, als von der christlichen Gemeinschaft sich abhebender Gruppe, eine Sündenbockrolle für viele natürliche Katastrophen zu geben.

Im weitern Geschichtsverlauf wurden die Juden, weil sie sich der Integration verschlossen, auch von den christlichen, herrschenden Mächten immer weiter isoliert und in bestimmte, mit negativen Werten oder als „unmoralisch/unchristlich“ bewerteten Berufe gedrängt (z.B. Geldhändler).

Weil sie auch dort erfolgreich waren wurden die üblichen Vorurteile durch Neid und Missgunst weiter verstärkt.

Dies Alles bildete die Grundlage für den Antisemitismus der Neuzeit, wobei der religiöse Aspekt durch die völlig schwachsinnigen Rassentheorien ersetzt wurde.

Die Antwort ist nicht uninteressant, lässt aber den eigentlichen 'Antisemitismus' etwas aus...

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Das Wort 'Antisemitismus' entstand um 1860 und fällt in die selbe Zeit, wo sich Anthropologen mit dem 'Rassenbegriff' auseinandersetzten. Dabei bemühte man sich, die Überlegenheit der einen über die andere Rasse herauszustellen. Der 'Antisemitismus' wurde von den Deutschen zum Ende des 19. und zum Anfang des 20. Jh. perfektioniert und auch in die arabischen Länder exportiert, im Gegensatz zu Europa, lebten Juden und Moslems recht freidlich nebeneinander, die Tiefe Abneigung der Christen ist tatsächlich auf die frühe Verfolgung der Urchristen und in dem Vorwurf der Hinrichtung des Heilands begründet, die wirkliche Instrumentalisierung erfolgte aber durch die Nazis, denn zu diesem Zeitpunkt war der 'Judenhass' gerade wieder am steigen, vorher hatte es mehr als 200 Jahre keine nennenswerten Zwischenfälle in Europa gegeben...

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Im Grund ist das schon mit Entstehung des Christentums mitentstanden. Die einen fanden die anderen wohl rückständig und verbohrt, weil sie den Messias nicht anerkannt hatten und waren für die anderen im Gegenzug Abtrünnige, die sich von der wahren Religion abgewendet hatten. Bis zu den auffälligen Diskriminierungen im Mittelalter konnte sich das dann schon recht gut aufbauen, nachdem das Christentum ja immer mächtiger wurde.

auch der Neid spielt eine wichtige Rolle. Die Juden hatten viel mit Geld zu tun, da waren manche sehr reich. Ist auch heute noch so, die Diamantenbörse in den USA ist in jüdischer Hand. Dennoch wollen die immer Geld, wohl um Palästina eine aufs Maul zu geben

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