Wo sind eigentlich die behinderten?

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8 Antworten

Vielleicht mal nur jemanden mit einer bandage oder mit gibs, aber sonst sehe ich keine voll behinderten..

Ich glaube, du hast ein komplett falsches Bild zur Definition des Begriffes Behinderung.

1. Jemand mit einem Gips oder einer Bandage ist nicht automatisch behindert, sondern meist verletzungsbedingt zeitweilig eingeschränkt.
Mehr nicht.

2. Wenn du glaubst, man müsste jeden behinderten Menschen sofort erkennen, weil er entweder Armbinde trägt, sich im Rollstuhl durch den vollen Gehsteig quält oder herumhampelnd und grimassenschneidend von einer Begleitperson begleitet wird, dann hast du dich mit der Thematik echt nie beschäftigt.

Eine Behinderung ist etwas, was dich in deinem Lebensalltag / deiner Lebensgestaltung einschränkt oder behindert und  dir entweder den Verzicht auf eine Reihe von Möglichkeiten /normalen Tätigkeiten einbringt oder dir deinen Alltag (so normal wie möglich) nur mit erheblichem Aufwand / Einschränkungen oder einer dauerhaften medizinischen Betreuung ermöglicht.
(das ist keine wissenschaftliche oder juristische Definition)
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Ich gehe mal meinen Familien- und engeren Bekanntenkreis durch ...

Ich selbst bin funktionell einäugig, Restsehen auf einem Auge bei 20%.
trotzdem habe ich mit Sehhilfe ein (Gesamt-)-Sehvermögen, welches Arbeit am PC, Autofahren und auch filigrane manuelle Arbeiten problemlos zulässt.

Außerdem habe ich eine seltene angeborene Gerinnungsstörung und bin quasi so etwas wie ein Bluter. Ich bezeichne mich als "Risikoperson", nicht als Risikopatient, denn ich bin nicht dauerhaft Patient, ich muss nur bei ein paar Sachen etwas aufpasen.

Mein Sohn hat nur eine Niere, die andere wurde im Alter von 10 wegen ständiger zystischer Entzündungen entfernt. Außerdem hat er keine Milz mehr. Er hat darauf einen Schwerbehindertenstatus und wird engmaschig medizinisch kontrolliert, ebenso wie ich.

Keinem von uns siehst du an, dass wir eine Behinderung haben. Und keiner will, dass wir dafür einen "Sonderstatus" haben bei unserer Umwelt. 

Der Partner meiner Freundin hat eine Spenderniere bekommen und war vorher ewig Dialysepatient und damit sehr eingeschränkt.

Meine Nachbarin, Altersgruppe 60+, ist nicht etwa altersbedingt etwas langsamer unterwegs, sondern hat seit Jahrzehnten ein künstliches Kniegelenk und eine künstliche Hüfte.

Zwei meiner Schüler in letzten Schuljahr hatten ein Hörgerät.

Ein Schüler war insulinpflichtiger Diabetiker und wollte nicht, dass das jemand aus der Klasse erfährt. Er galt so schon als Weichei, weil er -
als 17-jähriger - bei Feten eben nicht bis zum Totalausfall getrunken hat.

Der Sohn meines Bruders hat ein Cochlea-Implantat, so etwas wie eine implantierte Hörverstärkung, er ist schon einseitig taub geboren ...

Uns so weiter ...

10% der Bevölkerung haben eine Behinderung.
Und die wenigsten dieser Behinderungen siehst du.
Und die wenigsten Leute reden offen darüber.

Warum man Fremden gegenüber oft daraus ein Geheimnis macht? Weil die Nichtbetroffenen sich in den seltensten Fällen in unsere Situation reindenken wollen. Dann müsste man vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas Rücksicht nehmen (müssen).

Weil man oft genug automatisch nicht mehr als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft gesehen wird, sondern gerne auch als Kostenfaktor der Gesellschaft. Und das auch dann, wenn der Betreffende sein Leben ganz allein ohne (staatliche) oder finanzielle Hilfen bewältigen, arbeiten gehen, Kinder haben und erziehen, Familie managen ...

Unsere Gesellschaft will doch arbeitsfähige, gesunde, belastbare, engagierte Mitglieder der Gesellschaft - das bringen uns die Medien ständig rüber. Da passt jemand nicht ins Bild, der nur bedingt zum Bruttosozialprodukt beiträgt und statt dessen die Sozialkassen belastet.

Ja, und attraktiv, kreativ und superintelligent dürfen sie auch noch sein ...

 

Vielleicht fällts dir einfach nicht auf oder es ist Zufall.

Ich sehe regelmäßig Menschen mit Behinderung auf dem Weg zur Arbeit weil ich dort in der Nähe arbeite wo ein Unternehmen ist dass behinderte Menschen beschäftigt.

Außerdem ist mein Arbeitsplatz städtisch, da laufen einem ja von der Anzahl her allein schon viel mehr Menschen über den Weg als in ländlicheren Gegenden

Du hältst dich wohl an den falschen Orten auf. Ich besuche manchmal meine Schwester in einer behindertenachule weil sie dort eine Lehrkraft ist und unternehme Ausflüge mit denen. Aber auch wenn ich raus gehe sehe ich Menschen mit einer Beeinträchtigung. 

Da 10% der Bevölkerung in Deutschland eine anerkannte Behinderung haben, wirst du diesen Menschen wohl dauernd begegnen. Den größten Teil der Behinderungen sieht man nicht. ZB Schäden an der Wirbelsäule, Organschäden, Hörbehinderungen, Lernbehinderungen, Arm oder Beinprothesen.

...Sprach- und Sprechbehinderung gehört auch meistens dazu.

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dann mach die augen auf! wäre ja schön, wenn es eigentlich keine geben würde, aber ist auch nur ein bruchteil unserer bevölkerung. da die meistens eben mit ihrem (körperlichen) handycap weniger mobil sein können, nehmen sie auch weniger am öffentlichen leben teil, als es dem rechnerischen anteil entspricht.

google mal nach "paralympics"

Die gibts zu genüge. Eventuell hast du dich schon so sehr daran gewöhnt, dass sie dir nicht auffallen.

Wohnst du in einem dorf? Kann daran liegen... also ich sehe sehr oft behinderte menschen. Egal ob körperlich oder geistig.

Es gibt halt nicht viele Behinderte... Ist doch gut, oder nicht?

Falls du aber Geistig Behinderte meinst gibt es genug.

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