Wo liegt der Zusammenhang zwischen Staatsschulden und dem BIP (oder Alternativ Indikatoren für Wohlstand)?

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2 Antworten

Wenn Du Dir bei Wikipedia das Bruttoinlandsprodukt (BIP) anschaust und seine Definition von der Entstehungsseite, dann setzt sich das BIP zusammen aus


Private Konsumausgaben (1.374,40 Mrd. €)

+ Konsumausgaben des Staates (436,10 Mrd. €)

+ Bruttoinvestitionen (442,50 Mrd. €)

+ Exporte (1.133,00 Mrd. €)

− Importe (− 962,20 Mrd. €)

= Bruttoinlandsprodukt (2.423,80 Mrd. €)

Jetzt stecken in den Bruttoinvestitionen auch Investitionen des Staates. Der Staat ist also Teil des BIP. Das BIP selbst mit den Gesamtschulden des Staates zu vergleichen, ist ein Vergleichen von Äpfel und Birnen. Das BIP ist ja nur als Veränderung auf EIN JAHR erfasst, während die Schulden über alle Jahre zusammengerechnet sind. Ein BIP-Wachstum gegenüber dem Vorjahr sagt nur, dass im aktuellen Jahr mehr produziert und ausgetauscht wurde, aber nichts über den Wohlstand.

War z.B. im Vorjahr ein riesiges Unwetter oder Erdbeben, das ganze Bestände an Gebäuden und Infrastruktur schwer beschädigt hat, ist das ein Einbruch im Wohlstand. Das wird aber nicht im aktuellen BIP gemessen sondern, dass durch die außerordentlichen Reparaturarbeiten der Produktionsumfang gewachsen ist. Die Zerstörungen des Vorjahres werden nicht erfasst. Dazu müsste man einen Vermögensbestand einschätzen, dem man dann sinnvollerweise die in den Jahren aufgehäuften Schulden in Abzug bringen könnte. Dann könnte man sehen, wie der Nettovermögenszuwachs ist.

Wie weit die Wirtschaftsdaten mit "Lebensglück" zu interpretieren sind, ist eine nicht zu beantwortende Frage. Wirtschaftsdaten sind eindeutig quantitativ zu erheben. Lebensglück ist ein privates Gefühl und wer will die Tatsache, dass sich jemand zu Jahresanfang über beide Ohren verliebt und für den Rest auf Wolke sieben schwebt in Zahlen ausdrücken? Handelsblatt-Autoren schreiben viel, wenn die Seiten gefüllt werden müssen. Dass kein Unterschied gemacht wird zwischen konsumverursachten Staatsschulden und investitionsverursachten Staatsschulden finde ich eher ein Manko. Staatsschulden sind wie alle Kredite vorgezogener Konsum (Investition). Man kauft jetzt und bezahlt über längere Zeit mit Kostenaufschlag (Zinsen). Für den Staat bedeutet es, die jetzigen gönnen sich jetzt z.B. schuldenfinanzierte Sozialleistungen und das Abzahlen überlassen sie künftigen Generationen (das wäre vorgezogener Konsum, der erst noch erarbeitet werden muss). 

Aber Achtung: Solange durch Investitionen und sozialen Frieden das Inlandsprodukt gleich stark oder stärker steigt als die Zinslast, kann sich niemand aus den nächsten Generationen beschweren. Das galt noch so bis zur aktuellen EZB-Geldpolitik. Jetzt wird es kompliziert, denn die EZB drückt absichtlich die Marktzinsen, damit die Zinslast für die Staaten geringer wird. Das erreicht sie aber durch Umschichtung, weil sie dadurch die Vermögen der Privaten und Zukunfstssicherungen (Renten) abschmelzt und die Gesamtschulden der Zukünftigen erhöht, die nicht direkt in die Staatsverschuldung einfließen. Wir verzehren jetzt die Renten künftiger Generationen. Genau genommen zahlen wir unbemerkt etwas wie eine Steuer auf künftige Vermögen. Kompliziert, ich weiß.

Was hat das BIP mit der Schuldenlast zu tun. Nun der jährliche Schuldendienst des Staates ist Teil der Staatsausgaben (und die Teil des BIP). Wenn der schneller steigt als die Staatseinnahmen, kann der Staat mit den aktuellen Steuern- und Gebühren immer weniger Eigenleistung (Beamten, Staatsdienste wie Recht, Bildung, Gesundheit, Infrastruktur) finanzieren, weil ein immer größerer Teil für den Schuldendienst draufgeht. Da ist dann aber interessant, an WEN der Schuldendienst geht. Geht er an Gläubiger im Inland oder fließt er als Kapitalexport ins Ausland und macht Deutschland ärmer? Kapitalexport mindert das BIP. Nehmen wir als konkretes Beispiel der staatlicher Konjunkturstützung die berühmte Abwrackprämie. Da ist die Frage, falls die Abwrackprämie schuldenfinanziert war, ob die positive Wirkung der Abwrackprämie länger anhält als die bremsende Wirkung von Erhöhungen der Steuern und Gebühren, um die Schulden zurückzahlen zu können. Im Volksmund nennt man sowas dann ein Strohfeuer.

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hat meiner Meinung nach mit Humankapital und Arbeitslosenquote zu tun

"vorziehen wirtschaftlichen Wohlstands" heißt Schulden machen,
ohne dass sie durch einen Gegenwert gedeckt sind z.B. Gold (Fiat-Geld)

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