Wo liegt der Unterschied zwischen der Anerkennung von Kosovo und Krim?

...komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Ein Unterschied ist, daß beim Kosovo der Westen ein derart großes Interesse an der Abspaltung hatte, daß man dafür einen völkerrechtswidrigen Angrifsskrieg führte.

Das Interesse war so groß, daß man der Bevölkerung die aberwitzigsten Lügen erzählte, nur um dort Krieg führen zu können:

Bei der Krim hingegen hatte der Westen kein Interesse an der Abspaltung.

FloydPepper 07.06.2014, 19:27

Will man sich darüber informieren, was es im Falle der Krim mit dem Völkerrecht auf sich hat, sollte man sich nicht bei Spiegel, Bild oder am Stammtisch informieren sondern diesen Artikel der FAZ zur Kenntnis nehmen: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-krim-und-das-voelkerrecht-kuehle-ironie-der-geschichte-12884464.html

1
PatrickLassan 08.06.2014, 14:57
@FloydPepper

Da du schon mal den Begriff 'Völkerrecht' erwähnst: Schon mal etwas vom Budapester Memorandum gehört?

0
cherskiy 08.06.2014, 21:01
@PatrickLassan

Schon mal etwas vom Budapester Memorandum gehört?

1) Die Charta der Vereinten Nationen ist jedem Memorandum dieser Welt übergeordnet.

2) Im Kosovo hat die Integrität Serbiens niemanden im Westen interessiert

2
Aus meiner Sicht sind diese auch sehr ähnlich.

Aus meiner Sicht nicht. Im Fall des Kosovo handelt es sich um eine Abspaltung von einem Staat (Serbien), im Fall der Krim um die Annexion eines Teils der Ukraine durch Russland. Russland hat damit ziemlich eindeutig gegen einen völkerrechtlichen Vertrag verstoßen.

PeVau 07.06.2014, 19:28

Bei der Krim handelt es sich um eine Sezession mit anschließendem Beitritt zu Russland, der zudem auch noch von einer überwältigenden Mehrheit der Krimbevölkerung getragen wurde.

Von einer Annexion, gar einer gewaltsamen, kann keine Rede sein, außer in den westlichen Propagandamedien.

http://www.faz.net/-gsf-7o5ps

4
PatrickLassan 08.06.2014, 14:56
@PeVau

Von einer gewaltsamen Annexion war keine Rede. Russland hat 1994 das Budapester Memorandum unterzeichnet, in dem u.a. die Unverletzlichkeit der Grenzen der Ukraine garantiert wurden.

von einer überwältigenden Mehrheit der Krimbevölkerung

Wenn man schon die westliche Medien pauschal als Propagandamedien bezeichnet, sollte man auch russische Medien etwas kritischer sehen.

0
PeVau 08.06.2014, 21:42
@PatrickLassan

Im Budapester Memorandum heißt es:

  1. The United States of America, the Russian Federation,and the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland, reaffirm their commitment to Ukraine, in accordance with the principles of the CSCE Final Act, to respect the Independence and Sovereignty and the existing borders of Ukraine.
  2. The United States of America, the Russian Federation, and the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland, reaffirm their obligation to refrain from the threat or use of force against the territorial integrity or political independence of Ukraine, and that none of their weapons will ever be used against Ukraine except in self-defense or otherwise in accordance with the Charter of the United Nations.

http://www.ppnn.soton.ac.uk/bb2/Bb2secK.pdf

Ich gebe zu, dass mein Englisch nicht das beste ist, doch soviel ich hier verstehe, verpflichtet man sich, die bestehenden Grenzen der Ukraine zu respektieren. Weiter verpflichtet man sich keine Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit der Ukraine anzuwenden und dass keine Waffen gegen die Ukraine eingesetzt werden, außer im Fall der Selbstverteidigung oder nur in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen.

Nun ist aber die Sezession der Krim eine innerukrainische Angelegenheit, die das Memorandum nicht berührt. Mit der Abspaltung der Krim wurden die ukrainischen Grenzen verändert, aber aus dem Memorandum geht keine Pflicht für Russland hervor, eine solche Abspaltung zu verhindern oder gar rückgängig zu machen.

Waffengewalt hat Russland auch nicht angewendet, um die Krim abzuspalten. Das geschah durch ein Referendum als ein Akt der Selbstbestimmung der Krimbewohner.

Nach der vollzogenen Sezession bat die Krim um Aufnahme in die Russische Föderation, die von Russland auch angenommen wurde. Auch das berührt das Budapester Memorandum nicht.

Russland hat weder die Ukraine angegriffen noch hat Russland die Grenzen der Ukraine verändert. Die Grenzveränderungen ergaben sich aus der selbstbestimmten Abspaltung der Krim von der Ukraine.

Wenn man schon die westliche Medien pauschal als Propagandamedien bezeichnet, ...

Das habe ich nicht getan. Ich habe mir lediglich die Freiheit genommen, die Medien, die wider besseres Wissen von einer Annexion der Krim reden, als Propagandamedien zu bezeichnen. Das hat nichts mit einer Pauschalisierung zu tun, auch wenn der Verdacht einer Gleichschaltung dieser Medien naheliegt.

2
PatrickLassan 09.06.2014, 14:47
@PeVau
Ich gebe zu, dass mein Englisch nicht das beste ist, doch soviel ich hier verstehe, verpflichtet man sich, die bestehenden Grenzen der Ukraine zu respektieren.

Stimmt, und genau das hat Russland nicht getan, indem man nämlich in einem geradezu atemberaubenden Tempo das Ergebnis der Abspaltung akzeptierte.

0
PeVau 09.06.2014, 16:25
@PatrickLassan

In dem Memorandum steht nichts von der Nichtakzeptanz einer Sezession.

0
PatrickLassan 10.06.2014, 09:32
@PeVau

Es steht aber sehr wohl darin, dass Russland die Grenzen eines souveränen Staats zu achten hat, und daran ändert auch die Volksabstimmung auf der Krim nichts.

0
PeVau 10.06.2014, 16:26
@PatrickLassan

... daran ändert auch die Volksabstimmung auf der Krim nichts.

Natürlich ändert die Volksabstimmung dort alles. Mit der Sezession wurden die Grenzen verändert (nicht von Russland). Das kann man gut finden oder nicht, am Fakt ändert das gar nichts.

0

Was möchtest Du wissen?