Wo könnte ich eine Rede gegen Abtreibung halten? bzw. Wer könnten meine Zuhörer sein?

13 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

VORAB

  • Erst einmal vorab, denn Du formulierst es ja selbst sehr schön: Du sollst Dir Gedanken machen -- das sind Hausaufgaben und genau dafür ist GF.net eigentlich eben nicht gedacht.
  • Gut wäre es gewesen, wenn Du zum Beispiel selbst Vorschläge gemacht hättest, welche Idee Du beriets gehabt hast, welches Publikum Du favorisierst, welche Orte und Gelegenheiten eher nicht so günstig wären. Das hätten wir dann kommentieren können und das wäre dann auch im Einklang mit GF.net und würde sogar noch mehr helfen als so eine offene Frage.
  • Generell sind wir ja aber alle hier, weil wir gerne helfen und natürlich versuche ich auch hier eine Antwort zu geben, die hilfreich und sachbezogen ist.

TIPPS

  • Ist Dir klar, warum der Ort und die Gelegenheit wichtig ist? Überlege Dir, wie Du zum Beispiel zu Mitschülern sprechen würdest ("Du" statt "Sie", lockere Ausdrucksweise), wie Du zu Lehrern sprechen würdest ("Sie" und wohlfomuliert), welche Argumente Du vor schwangeren Frauen, die gerade abtreiben wollen bringen würdest, welche vor Parteimitgliedern doer Politikern, die sich für ein Gesetz einsetzen sollen? Wie würdest Du vor Ärzten reden? Welche Argumente wären bei Ärzten wohl überflüssig (weil ohnehin bekannt)? Wieso würdest Du bei einer Rede vor katholischen Abtreibungsgegner mit bestimmten Argumenten nur offene Türen einrennen? Wären solche Argumente dann sinnvoll? Hast Du bei diesen Fragen mitbekommen, wieviele Beispiele ich für mögliche Zuhörer gegeben habe? Genau so geht man an eine Frage wie Deine heran, und so wäre es auch für Dich ein guter Anfang gewesen.
  • Eine fachbezogene Überzeugungsrede DARF parteiisch sein und SOLL Stellung beziehen, somit darf eindeutig für oder gegen etwas argumentiert werden. Gerade deshalb sollten aber auch die guten Argumente der Gegenseite bedacht und konkret angesprochen, möglichst natürlich widerlegt oder zumindest in nachdenklichen Kontext gestellt werden. Denke also über Argumente beider Seiten nach -- nur wer beide Seiten kennt, kann den "Gegner" überzeugen. Fokussiere Dich nicht nur auf die Pro-Argumente Deiner Seite.
  • Natürlich ist es völlig in Ordnung, eine klare Meinung zu haben und in diesem Falle zum Beispiel wie Du "klar dagegen zu sein". Jeder darf und soll klare und eindeutige Ansichten und Wertvorstellungen haben. Jedoch ist es fast immer besser, zu versuchen, beide Seiten zu verstehen, Toleranz zu üben und sich in die Gegenseite hineinzuversetzen. Je mehr man die anderen versteht, desto besser kann man argumentieren und umso bessere Lösungen kann man finden. Denn eines sollte bei gesellschaftspolitischen Themen auch klar sein: Es müssen Kompromisse gefunden werden, die für die breite Mehrheit tragbar sind. Brandreden nützen da wenig, sondern eher Verständnis, fachliche Argumente und die Bereitschaft aufeinanderzuzugehen. Genau das unterscheidet dann geschickte und erfolgreiche Redner und Politiker von den nichtsnutzen Hetzern und Pharisäern.

ZUR SACHE

  • Meines Erachtens ist ein Kernpunkt der gesellschaftlichen und gesetzlichen Kontroverse zum Schwangerschaftsabbruch die Frage, inwiefern für alle dieselbe Moral zu gelten hat und inwiefern man Bürgern eine bestimmte Moral vorschreiben darf. Als Vertreter der pro-choice-Fraktion setze ich dabei auf Toleranz und Pluralität.
  • Wenn jemand sagt, er könne aus moralischen Gründen nicht abtreiben und er hielte Abbrüche für verwerflich und falsch, so ist das seine freie Wahl und gewiss muss er das Recht haben, nicht an Schwangerschaftsabbrüchen beteiligt zu sein. Ich würde niemals versuchen, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, sondern seine Entscheidung und seine Moral tolerieren.
  • Wenn jemand umgekehrt sagt, er könne Schwangerschaftsabbrüche mit seinem Gewissen vereinbaren, so ist auch das seine freie Wahl und gewiss sollte er das Recht haben, Schwangerschaftsabbrüche durchführen zu lassen. Ich würde auch hier niemals versuchen, seine moralische Einschätzung bezüglich Abtreibung zu verurteilen, sondern seine Moral tolerieren.
  • Die Kontroverse entsteht dadurch, dass Abtreibungsgegner partout wollen, dass ihre Ablehnung der Maßstab für alle wird. Umgekehrt fordert aber kein pro-choice-Befürworter, dass jemand abtreibt, der dies nicht will, ja nicht einmal, dass der andere Abtreibung für legitim hält. Die pro-choice-Fraktion möchte nur für sich selbst das Recht haben, nach der eigenen Moral zu entscheiden, andere sollen davon gar nicht betroffen sein.
  • Gerade wenn moralische Ansichten, wie die kategorische Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen, vorrangig auf religiösen Überzeugungen basieren, ist es für mich persönlich nicht akzeptabel, dass Bürger, die eben nicht jene religiöse Überzeugung teilen, ihr Handeln ebenfalls nach den moralischen Maßstäben der religiös motivierten Gegener der Abtreibung richten müssen. Soll doch bitte jeder nach seiner Facon selig werden, aber nicht nach verordneter Moral und Religion.

DH!
Deine nachdenklichen Ausführungen werden aber, fürchte ich, fundamentalistische User nicht daran hindern, auch dich als "Abtreibungsfan" zu verunglimpfen.

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@earnest

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Tolle Antwort! Gut strukturiert, durchdacht und stichhaltig. 1a!

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also Grundsätzlich in der Innenstadt wo alle shoppen, da sind immer viele Zuhörer. Erst dachte ich, dass das nicht gut ankommt weil da viele Jugendliche und junge Erwachsene sind die abtreiben würden und das vil. schei*e und unnötig fänden. Aber dann dachte ich mir, das wäre ja eigentlich genau das richtige Publikum! Nicht nur die Erwachsenen die es abtreiben nur weil sie nicht wollen sondern auch junge Menschen die eig tatsächlich noch etwas zu jung sind und das ja heutzutage oft genug passiert dass sie (warum auch immer) schwanger werden und nicht wissen was sie tun sollen. Bzw genau dann gibt es die größte Diskussion und ich finde es wichtig dass man sich als Betroffene sehr viele Gedanken darüber macht, und wirklich beide Seiten sieht! Ich persönlich bin (erstmal grundsätzlich) auch gegen Abtreibung

Die Idee ist nicht schlecht... Man könnte das auch gleich mit gezielter Aufklärung verbinden... Wenn ich hier immer so sehe wie ahnungslos hier manche Teenies sind, dann wunderts mich nicht, dass manche sehr früh schwanger werden... Außerdem finde ich es grausig, dass sich viele Schulen und Eltern sich vor dem Thema drücken....

hust ich bin eher für Abtreibung...

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@PhysioFliege

Ja das stimmt, es sind echt viele noch nicht so aufgeklärt. Wobei ich krämpfe kriege wenn ich dann ständig höre "wer spaß am zeugen hat, hat auch spaß am erziehen" oder so, das finde ich geht garnicht und unterstützt denjenigen in keinster Weise. Bei mir muss ich allerdings sagen, dass ich mich einerseits etwas damit auseinander gesetzt habe, dass wir es regelmäßig in der Schule hatten und auch meine Eltern dafür gesorgt haben. es gibt viele Bereiche aus denen die Aufklärung kommt und ich glaube jeder sollte abgedeckt sein.

naja kommt drauf an wann und warum, ich wüsste nicht warum man grundsätzlich für Abtreibung sein kann. ich meine Abtreibung soll es ruhig geben, von mir aus soll auch nicht jede Frau das Kind behalten müssen, solange man es sich gut überlegt.

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Google nach Debatierclubs in deiner Nähe. Unis haben auch teils solche Clubs. Ansonsten findet die Kirche sojne Rede bestimmt cool.

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