Wo ist das Nicht-Hier-und-Jetzt?

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10 Antworten

Gute Frage

Doch der der sich da hinein verstrickt,

Ich denke, das ist der entscheidende Punkt dabei

Wenn man ganz im Hier und Jetzt ist, dann brauch es kein "ich", weil man eins ist mit dem Augenblick, der Erfahrung.

Weilt man in der Erfahrung des Hier und Jetzt, kann "Ich" mich nicht verstricken, weil "ich" in diesem Moment keine Rolle spielt.

Das ist ähnlich wie der Zustand des "Flow" von dem Extremsportler berichten. Irgendwann wird die Anstrengung zu viel und sie denken "Ich kann es nicht, ich schaffe es nicht mehr...."

Doch dann kommt ein Punkt großer Klarheit, an dem sie plötzlich spüren, dass nicht mehr sie gegen den Anstieg, oder den Gegenwind kämpfen... sondern es scheint alles ganz mühelos zu gehen...es läuft sich wie von selbst Man wird eins mit seiner Bewegung, dem Moment des Hier und Jetzt.

In diesem Moment gibt es kein "Ich" das irgendwohin wandern könnte, weil es sich ganz in der Erfahrung des Augenblicks verliert.

Doch sobald man gedanklich in die Vergangenheit oder Zukunft reisen will, benötigt man einen Zeitreisenden - also erschafft man sich ein "Ich" und löst sich damit wieder aus dem Nicht-Ich des Hier und Jetzt

Im Moment des Hier und Jetzt erfahren wir das Nicht-Ich, die Erfahrung löscht das Ego für einen Moment lang aus.

Dieses Spüren wird als sehr befreiend empfunden, was einer der Gründe ist, weshalb Extremsportler immer weiter machen

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Kommentar von NewKemroy
25.06.2016, 15:34

Und Du meinst es würde sich widersprechen im Hier und Jetzt zu verweilen und gleichzeitig darüber nachzudenken was ich übermorgen tun möchte?

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Kommentar von NewKemroy
25.06.2016, 16:33

Das ist ähnlich wie der Zustand des "Flow" von dem Extremsportler berichten. 

Das ist ja eigentlich der Punkt. Meiner Meinung nach hat das überhaupt nichts mit "Gedanken-Lenken" oder "Wahrnehmungsfokus-Lenken" zu tun (es sei denn als Übung, um dieses Hier und Jetzt zu erreichen), sondern es ist meines Erachtens eine fundamentale Zustandsänderung.

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Kommentar von NewKemroy
25.06.2016, 17:01

Wenn zwei Personen den gleichen Satz sagen: "Du Schatz, ich geh' mal in 10 Minuten noch einkaufen, ich glaub der Kaffee ist alle." Und die eine Person verweilt während dessen im Hier und Jetzt und die andere Person nicht. Worin unterscheidet sich dann das Ich der ersten Person von dem Ich der zweiten Person? - Ich würde sagen im ersten Fall ist Ich nur ein Gedanke, ein Konzept und im zweiten Fall (zusätzlich) ein Identifikations-Punkt, der für lebendig gehalten wird. Was meinst Du?

Also beide Personen können diesen Satz sagen und meinen, oder?

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Kommentar von Enzylexikon
02.07.2016, 15:34

Vielen Dank für den Stern. :-)

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Rein theoretisch hast du all das sehr präzise aufgedröselt.

Rein praktisch wird aber ein Mensch im direkten Kontakt merken, dass du nicht "bei ihm" bist.

Wenn du denkst, kannst du nicht wahrnehmen, nicht zuhören, nicht deine Impulse umsetzen, also eigentlich gar nichts, außer eben zu denken.
Du bist einfach nicht "da".

Das kann man sicher auch mit Sprüchen aus dem unendlichen Schatz deutscher Sprichwörter und Redewndungen beschreiben, ohne auf fernöstliche Begriffe zurückzugreifen.

Jemand ist wach, verbindlich, aufgeschlossen. Oder verpeilt, dicht, verschlossen. Oder "verstickt".

Du deutest es ja an, es geht um die Lockerheit. Natürlich denkt man fast immer an irgend etwas, und Meditationen helfen etwas dagegen, sind aber auch kein Selbstzweck

Aber wenn du einen Menschen triffst, hörst du damit auf, oder fängst es erst recht an, das Denken.
Wenn du eben nicht offen bist, sondern zu sehr in deine eigenen Probleme vertrickt.
Es gibt tausende Gedanken, die du denken kannst, wenn du nicht 100%ig mit dir selbst im Reinen bist.

Ich kenne deine nicht. Nur meine. Und meine sind eben meine, genau so dumm wie deine, mindestens, nur anders.

Man muss nicht immer alles hochphilosophisch sehen.
Vielleicht kennst du Menschen, die immer nur den selben Mist reden, nie zuhören, ihre Meinung lebenslang abonniert haben und alles kennen, außer Argumenten.

Die sind halt völlig - naja - nicht von dieser Welt, abgedriftet - eben nicht ansprechbar oder zugänglich.
Oder eben irgendwo und -wann, aber im jedem Fall weit weg.

Das Leben im Hier und Jetzt ist kein theoretisches oder philosophisches Prinzip, sondern einfach etwas, das man lernen kann.
Wenn sich die blöden Gedanken schon nicht ausrotten lassen, kann man sie zumindest zeitweise mal beiseite schieben.
Das lässt sich lernen, und auch das Prinzip dahinter, mit sich selbst im Reinen zu sein.
Nicht perfekt, aber niemand ist perfekt, und wer mich nicht mag, der lässt es halt.

Dann kannst du einfach nur zuhören, reden (ohne vorher zu planen), lachen, denken (ohne nachzudenken).
Und das ist kein Ziel, das man irgendwann erreicht, eher eine Etappe, wo du es ein wenig besser gemacht hast als bei der vorigen.

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Kommentar von NewKemroy
26.06.2016, 00:50

Joah, cool. Muss mir das morgen nochmal mit klarem Kopf durchlesen.

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Kommentar von NewKemroy
26.06.2016, 16:14

Du beschreibst das sehr schön praktisch. Also von total verpeilt bis locker. Allerdings habe ich bei mir den Eindruck, dass sich trotz sporadischen "Trainings" wirkliche Verbesserungen nur in den 20 Minuten danach einstellen. Und dann ist wieder alles wie vorher.

Möglich dass es mir auch an Sensitivität fehlt hier Unterschiede festzustellen. Eines jedoch habe ich bemerkt. Nämlich dass es über Jahrzehnte hin betrachtet immer besser wird. Aber das schiebe ich nicht auf eine Meditations-Übung sondern schlicht auf einen natürlichen Prozess, den man vielleicht Altersweisheit nennen könnte. Vor 25 Jahren hatte ich immer noch schiere Denk-Anfälle, wenn ich mal gezwungen war mit jemandem fremden zu telefonieren. Heute laber ich einfach drauf los.

Trotzdem weiß ich, dass es über Locker weit hinausgehen kann. Rein erfahrungsmäßig gibt es da schon die totale Coolness eines "Endpunktes", eines 100 %-JETZT-Zustandes, der mit Sicherheit unter bestimmten Voraussetzungen auch permanent einrasten kann.

Angesichts dieser Möglichkeit frage ich mich natürlich, was denn das ist, "worin" die allermeisten Menschen heute leben.

Ich meine, die Bibel spricht einfach nur von den Toten - wahrscheinlich in Ermangelung des Wortes "verpeilt".

Demnach sind wir alle Zombies. Ist das nicht lustig?

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Gute Frage! Tatsächlich ist es ja eine besondere Eigenschaft des Menschen, dass er sich an die Vergangenheit erinnern, weit in die Zukunft denken kann, planen kann, sich reflektieren durch zurückdenken kann... Und nichts daran ist erstmal schlecht. Es ist auch tatsächlich so, dass wir automatisch immer im jetzt sind, wo sollen wir auch sonst sein?

Enzylexikon und Mabur haben schon tolle Antworten gegeben. Das Hier und Jetzt zielt eher darauf ab, dass wir vor lauter planen und zurückdenken nicht bewusst wahrnehmen, dass es jetzt gerade vlt auch schön und gut ist und wir so aktiv verpassen, etwas im Jetzt zu bemerken weil der Kopf beschäftigt ist.

Wenn jemand zB Depressionen hat, so verstrickt er sich oft im Bedauern der Vergangenheit oder in der Angst vor der Zukunft, das Jetzt hingegen ist irrelevant. Wobei ein zuviel an Jetzt auch wieder schlecht ist, zum Beispiel wenn man gerade leidet und sich nicht vorstellen kann, dass es einmal besser wird. Auch das ist gefährlich.

Ich denke das Ganze sollte vielleicht anders formuliert werden: Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, schönes bewusst genießen, sich an etwas erfreuen können. Aber im richtigen Moment auch das Jetzt loslassen können und sich auf bessere Zeiten freuen.... Du hast Recht, dieser Punkt fällt da etwas unter den Tisch.

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Daher würde ich behaupten, jemand der vollkommen im Hier und Jetzt ist,

Niemand ist vollkommen im Hier und Jetzt. Das würde implizieren, dass jemand auch nur teilweise oder gar nicht im Hier&Jetzt sein könnte. Wie du selbst sagst, existiert aber nichts außerhalb vom Hier&Jetzt.

 Somit gibt es nirgendwo ein Nicht-Hier&Jetzt, außer in der Vorstellung eines Jemand. Und alle Vorstellungen (inkl. dem Denker) sind auch nur Erscheinungen im Hier&Jetzt, im Bewusstsein.

Deine Frage ist also suggestiv, weil es ja nur das JETZT gibt... und damit überflüssig ;-)

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Kommentar von NewKemroy
26.06.2016, 15:34

Gut, aber Vorstellungen (von denen du sprichst) gehören dem Inhalt nach der Vergangenheit an. Also z.B. die Vorstellung ich sei ein guter Fußballspieler gründet sich auf Bilder und Eindrücke von letzter Woche, wo ich möglicherweise ein Tor geschossen habe.

Wenn ich mich nun mit diesen Bildern und Eindrücken identifiziere, d.h. wenn ich mein Seins-Empfinden dort herausziehe, oder besser gesagt wenn ich glaube das zu sein, dann könnte das der erste Schritt sein das JETZT in Richtung der Vergangenheit scheinbar zu verlassen. Damit das noch realer wirkt, ändere ich noch die Zeit-Indizes der Gedächtnisinhalte und benenne einige in JETZT um. Auf diese Weise entsteht die perfekte Illusion ein guter Fußballspieler zu sein. Und gleichzeitig habe ich mich zu einem Konzept gemacht und in die Vergangenheit katapultiert. Denn ich ziehe ja nun eine ziemlich real scheinende Seins-Empfindung hier heraus. Es stimmt alles, das Bild stimmt, der Zeitindex steht auf "NOW" (wenn auch geschummelt) und nun glaube ich der Fußballspieler in meinem Fotoalbum zu sein. Und fortan lebe ich in den Fotos weiter.

So würde ich ein scheinbares NICHT-JETZT konstruieren.

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Hallo NewKemroy,

ich glaube damit ist der Unterschied zwischen "Automodus" und kein Automodus gemeint. Nimm z.B. Fahrradfahren am Anfang ist es schwer, hinterher machst du es im Automodus und bist dir dessen gar nicht mehr bewusst. Oder z.B. Spazierengehen du hast die Möglichkeit entweder "bewusster" wahrzunehmen was du gerade an Sinnesempfindungen wahrnimmst oder es gar nicht mehr wahrzunehmen, wenn du in meinetwegen Gedankenversunken den weg lang läufst. Wenn du z.B. einen Gedanken hast über die Zukunft oder Vergangenheit, dann bist du dir entweder in dem moment darüber bewusst und beobachtest das du grade an die Vergangenheit oder die Zukunft nachdenkst - oder du bist im Inhalt des Gedanken "gefangen" und ein bewusstes wahrnehmen der eigentlichen Situation findet nicht statt du bist also in dem Moment nicht "präsent".

Allerdings bin ich keineswegs der Ansicht das dieses immer im "Hier und Jetzt" sein wirklich so erstrebenswert ist, das lässt sich zwar üben, aber als Krone aller möglichen Daseinsformen würde ich es nicht auszeichnen wollen.

Liebe Grüße

Mabur

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Kommentar von NewKemroy
25.06.2016, 17:08

Ja, hab' ich auch schon öfter darüber nachgedacht. Allerdings scheint der Automodus häufig viel angenehmer und vorteilhafter. Zum Beispiel beim Tanzen. Ich denke das sieht total krumm und eckig aus, wenn man sich bemühen würde die Tanzbewegungen ganz bewusst auszuführen.

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Das Nicht-Hier ist Nirgendwo und das Jetzt ist immer. Alles Denken, das,worauf du deine Aufmerksamkeit legst ist immer im Jetzt, weil es gar nichts anderes als das Jetzt gibt! Insofern hast du recht!

Im Jetzt sein bedeutet, dass man im Jetzt verweilt, ohne Absicht, ohne Wuensche und Angst, ohne das Gedanken auftauchen, ohne das eine Person anwesend ist. Das kann nur geschehen, wenn man den Widerstand aufgibt gegen das Leben, also das Leben in seiner vollen Bandbreite einfach so sein laesst wie es ist. Dann entsteht Gluecksseligkeit, dann kannst du mit voller Intensitaet leben.

Die meisten Menschen aber, sagen wir fast alle, sind hin und her gerissen zwischen ihren Wuenschen und Aengsten, kontrolliert von ihren Verstand, der sie mit Hilfe von Gedanken nach Belieben runtermacht, oder hoch leben laesst. Sie erfahren das Leben nie in seiner vollen Intensitaet, weil Angst im Hintergrund sie Dinge tun oder vermeiden laesst, was dann nicht zum Vorteil ihrer Psyche fuehrt.

Es ist sogar so, dass die meisten  Menschen in der Vergangenheit leben, immer versuchen zu erklaeren, warum die oder jenes geschah. Sie verpassen ihr Leben, weil ihre ganze Energie mit Gedanken verschwendet wird. Damit meine ich natuerlich nicht nuetzliche Gedanken, wie z.B. wenn du ein Brot backst oder den Bus kriegen musst. Ich meine die restlichen 99 Prozent von idiotischen, schwachsinnigen und unlogischen Gedanken, die uns alle so quaelen.

Alles Gute!

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Kommentar von ThomasJNewton
26.06.2016, 02:14

Etwas weniger dramatisch wäre es etwas mehr überzeugend.

Es ist ja der alltägliche Wahn- und Schwachsinn in uns allen, der uns alle lähmt.

Und da sind die Gedanken Täter wie Opfer, die Gedanken kontrollieren uns, und wir kontrollieren unsere Gedanken.

Ein Teufelskreis! Oder einfach nur Schlamm, den man abschüttelt?

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wenn du an die vergangenheit denkst rufst du eine erinnerung oder ein gefühl ab, dementsprechend bemerkst du grade nicht was jetzt ist. es bedeutet das man achtsamer sein soll, wie kinder sind, das verlernt man meist im erwachsenenalter weil wir funktionieren müssen.

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Kommentar von NewKemroy
25.06.2016, 15:11

Also Du meinst, wenn ich an eine schöne Urlaubsreise in der Vergangenheit denke, dann kann ich nicht mehr autofahren?

Sicherlich, wenn ich mich in solche Gedanken total hineinversenke, so dass es schon einem Tagtraum gleichkommt, dann kann ich nicht mehr autofahren.

Aber wenn ich z.B. nachdenke was, ich gerne einkaufen möchte, wenn ich am Supermarkt angekommen bin, kann ich immernoch autofahren, obwohl ich Bilder und Pläne ins Gedächtnis gerufen habe, oder?

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Dass du immer und ausschließlich im "Hier und Jetzt" bist und auch nur sein kannst, hast Du doch selbst schön erkannt.

Es geht bei dieser Redewendung also nicht um Dein physisches Sein, sondern es geht um Deine Präsenz, also um den Fokus Deiner Aufmerksamkeit.

Es gibt dazu ein nettes Lied von Gerhard Schöne: "Ganz einfach"

Hier der Text:

http://www.golyr.de/gerhard-schoene/songtext-ganz-einfach-62921.html

Hier das Lied:



Das Nicht-Hier-und-Jetzt ist also - bezogen auf Deine Präsenz - überall ausser "Hier-und-Jetzt". Wie das zu verstehen ist, wird imho in obigem Lied recht deutlich.

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Kommentar von NewKemroy
25.06.2016, 15:29

Cooles Lied!  Ja, aber mein eigener Zeitbezug, will sagen meine Position auf dem Zeitstrahl verändert sich doch nicht dadurch, dass ich damit aufhöre mögliche Zukunfszenarien zu betrachten. Und sicherlich gibt es auch Zusammenhänge wo das äußerst schädlich sein kann, völlig darauf zu verzichten sich die Zukunft vorzustellen.

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Kommentar von ThomasJNewton
26.06.2016, 02:05

Wenn ich hör, dann les' ich nicht.

Anzuhören war das Lied gut, und die Bilder waren dezent.

Die Schrift habe ich aber bewusst ausgeblendet, erinnerte mich zu sehr an Bibel-TV.
Also nicht der Text, den habe ich ja nicht gelesen, sondern die Art der Einblendung.

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schmier dir am besten mal drei Brote mit Nutella, Erdnussbutter oder was du sonst so gerne isst wenn du was geraucht hast....dann bist du beschäftigt und musst dir um nix anderes mehr 'n Kopf machen...

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Das "Nicht-Hier-und-Jetzt" ist in Gedanken.

Wenn du denkst, bist du (mit deinem Bewusstsein) entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Deine Gedanken halten dich davon ab, bewusst im "Hier-und-Jetzt" zu sein.

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