Wo hört die Wissenschaft auf und wo fängt Religion an?

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Grüß Dich kL098

Das ist eigentlich nicht trennbar wenn man das genau betrachtet. Albert Einstein war der Meinung: "Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind".

Es gibt zwar keine allgemeine Definition von Religion. Aber es gibt eine sehr nahekommende Definition. Und zwar ist das die von Gustav Mensching, die wohl am ehesten den Begriff erklärt.

Religion ist erlebnishafte Begegnung mit dem Heiligen und antwortendes Handeln des vom Heiligen bestimmten Menschen“.

Da wäre aber noch zu klären, was heilig bedeutet:

Wikipedia:

Heilig bezeichnet etwas Besonderes, Verehrungswürdiges und stammt wortge-schichtlich von Heil ab, was sich abgeschwächt noch in heil („ganz“) wiederfindet. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist heilig ein im Zusammenhang mit Reli-gion gebrauchter Begriff mit der zugedachten Bedeutung „einer Sphäre des Göttlichen, Vollkommenen oder Absoluten angehörig“.

Heiligkeit muss aber keineswegs allein auf einen Gott oder allein auf irgendwelche Götter oder andere ähnliche Wesen oder allein auf Tiere bezogen sein, sondern es darf auch das ganze Leben selbst sein, mit all seiner Vielfalt, mit seinen Härten und Widersprüchen und mit seinen schönen und erhabenen Seiten, welches als besonders verehrungswürdig erlebt und angesehen werden kann. Denn im Universum und auf der Erde steckt in Allem eine schöpferische Kraft, das Eine oder das Große Geheimnis wie die Indianer sagen oder auch ES, kein Du wie ein Gott, was auch in uns und durch uns wirkt.

Alles aus Einem

Eines in Allem

Und Leben ist für mich alles Lebendige, einschließlich uns selbst, alles was wir mit den Sinnen aufnehmen und die Materie. Das ganze Universum ist der Ort, damit hier Leben gedeihen kann. Und unter ALLES ist wirklich AlLLES gemeint, nichts aber auch gar nichts ist ausgeschlossen!

Albert Einstein stellte für sich folgen­des absolut klarstellend fest:

Das Wort Gottes ist für mich nicht mehr, als der Ausdruck und das Produkt mensch­licher Schwächen. Die Bibel ist eine Sammlung ehrbarer, aber dennoch pri­mitiver Legenden, wel­che doch ganz schön kindisch sind. Keine Interpretation, wie feinsinnig sie auch sein mag, kann das für mich ändern. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, son­dern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbe­grenzte Bewun­derung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissen­schaft enthüllen kann.“

Diese Aussage ist eindeutig! Man kann wohl davon ausgehen, dass er jede Glaubensrichtung meinte, in denen Geister und Götter verehrt werden oder sich auf einen persön­lichen Gott bezogen wird. Zwar ist das Wort kindisch in diesem Zusammenhang abwertend gemeint, denke ich, aber das sollte man aus seiner eigenen religiösen Familiengeschichte heraus verstehen, die für ihn in manchem religiös-traumatisch war. In seinem Glaubensbe­kenntnis von 1932 hat Einstein nochmal seine Art von Religiosität präzisiert:

Das Schönste und Tiefste, was der Mensch erleben kann, ist das Gefühl des Geheimnisvollen. Es liegt der Religion sowie allem tieferen Streben in Kunst und Wissenschaft zugrunde. Wer dies nicht erlebt hat, erscheint mir, wenn nicht wie ein Toter, so doch wie ein Blinder. Zu empfinden, dass hinter dem Erlebbaren ein für unseren Geist Unerreichbares verborgen ist, dessen Schönheit und Erhabenheit uns nur mittelbar und in schwachem Widerschein erreicht, das ist Religiosität. In diesem Sinne bin ich religiös.(…).“

Fazit:

Das Wunder des Seins zu erkennen und zu erleben und davon ergriffen zu sein, ist tiefste Religiosität. Der Glaube ist Inhalt von Religion und die Spiritualität ist die Umsetzung des eigenen Glaubens ins Handeln im eigenen Leben.

Das macht beides Deine eigene Religion aus. Aber es ist Deine und nur Deine und kann und darf nicht anderen aufgezwungen werden.

Frei sei der Geist und ohne Zwang der Glaube!

Du selbst bestimmst was Dir heilig ist und was Du dann glaubst und nur Du allein hast die Verantwortung dafür. Das kann Dir niemand abnehmen bzw. keiner für Dich übernehmen. Denn Dein Glauben bestimmt Dein Leben!

Aus dieser Sicht sollte Wissenschaft Bestandteil von Religion und Religiosität die Folge von Wissenschaft.

"Wer nichts weiß, muss alles glauben".

Marie von Ebner-Eschenbach

Oder anders ausgedrückt: wer zuwenig weiß, muss all zu oft zu viel glauben!

Mache die Welt zu Deinem Tempel. Gehe hinein, um dort das Leben zu verehren.

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Ich weiß das auch aus eigener Erfahrung

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Wissenschftl. Buchstudium, Weiterbildung, Eigene Erfahrung

Nachtrag, Korrektur an kL098:

Aus dieser Sicht sollte Wissenschaft Bestandteil von Religion sein und Religiosität die Folge von Wissen (oder auch Wissenschaft).

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@vonGizycki

kl098

Vielleicht noch dies, das fällt mir gerade ein und muss ich los werden; ich hoffe Du verstehst mich:

Religiosität als die Möglichkeit von dem, wie Leben in Erscheinung tritt, wie beispielsweise der Anblick des sternenübersäten Universums in der Nacht oder eine schöne Blume oder ein überwältigender Sonnenuntergang aber auch ein Vulkanausbruch oder der Anblick der vielen Tiere auf der Erde, ergriffen werden zu können, scheint uns Menschen angeboren zu sein! Dies Gefühl bewerte ich als religiöses Gefühl und es ist ein besonderes Gefühl das und mit keinen anderen Gefühlen verglichen werden kann. Und das darin auch die Liebe eine zentrale Rolle spielt, Liebe zum Leben, zur Natur, zu den Tieren und zur Gesamtheit der Menschenheit und zum einzelnen Menschen, das scheint mir einleuchtend. Und das Wissen und Wissenschaft dieses Gefühl verstärken kann wenn man sich dafür öffnet, ist meines Erachtens einsehbar.

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Biblischer Glaube und Wissenschaft müssen kein Widerspruch sein. Es gibt auch Naturwissenschaftler, die an Gott glauben, wie beispielsweise Prof. John Carson Lennox, Prof. Werner Gitt, Dr. Walter Veit, Dr. Markus Blietz u. a. Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen ist beispielsweise ein wissenschaftlicher gemeinnütziger Verein, in der Wissenschaftler sich austauschen und mitarbeiten. Thematische Schwerpunkte der Arbeit bilden Grundlagenforschung und Bildungsarbeit im Spannungsfeld "Naturwissenschaft und christlicher Glaube": http://www.wort-und-wissen.de

Sehr interessant sind auch folgende Zitate berühmter Naturwissenschaftler (diese Liste könnte man mit Aussagen anderer bekannter Wissenschaftler erweitern):

"Die Naturwissenschaften braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln. Religion und Naturwissenschaft schließen sich nicht aus, wie heutzutage manche glauben und fürchten, sondern sie ergänzen und bedingen einander. Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang, für den Wissenschaftler am Ende aller Überlegungen." Max Planck (1858-1947), deutscher Physiker, Begründer der Quantentheorie

"Die moderne Physik führt uns notwendig zu Gott hin, nicht von ihm fort. - Keiner der Erfinder des Atheismus war Naturwissenschaftler. Alle waren sie sehr mittelmäßige Philosophen." Sir Arthur Stanley Eddington (1882-1946), englischer Astronom und Physiker

Naja, Gott hat damit gemacht das es Wissenschaft gibt und Gott hat gemacht, das es den Urknall gab.

Das ist aber nach biblischer Auffassung bzw. auch nach christlicher Auffassung wissenschaftlich so nicht haltbar.

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@vonGizycki

Die von mir aufgeführten Wissenschaftler dürften dies anders sehen. Warum sollte Wissenschaft nicht verschiedene Möglichkeiten in Erwägung ziehen?

Auch gibt es Christen, die den biblischen Schöpfungsbericht mit der Urknalltheorie vereinbaren und meinen, dass Gott den Urknall erschaffen hat.

Manchmal läuft es aber auch genau umgekehrt, wie der Bericht des folgenden Wissenschaftlers zeigt: https://www.erf.de/themen/glaube/glaube-an-schoepfung-fand-ich-primitiv/2803-542-6173

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@chrisbyrd

Kein ernstzunehmender Wissenschaftler macht sich die Vorstellung zu eigen, Gott hätte den Urknall bzw die Evolution ausgelöst. Es lohnt sich auch nicht darüber zu diskutieren, allenfalls ein Kopfschütteln über so viel Unverstand ist ein angemessenes Verhalten.

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@vonGizycki

Die von mir zitierten Personen und auch die Angehörigen der Studiengemeinschaft "Wort und Wissen" sind ernstzunehmende Wissenschaftler...

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@vonGizycki

Ich lüge nicht, ich schreibe nur meine Meinung...

Das dürfte nach unserem Grundgesetz (Meinungs- und Religionsfreiheit) erlaubt sein. Außerdem bin ich ja gefragt worden und habe nicht einfach meine Meinung aufgedrückt. Ich habe nur geantwortet.

Mit Lüge hat das gar nichts zu tun.

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@chrisbyrd

Ich bezog mich lediglich auf eine vermutete Antwort Deinerseits, da Du ja Kreationismus-Fan bist.

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Hallo kL098,

grundsätzlich sind Glaube an Gott und Wissenschaft aus meiner Sicht durchaus miteinander zu vereinbaren, sofern sich jede der beiden Richtungen ihrer Grenzen bewusst sind.

Unglaubwürdig werden Vertreter des Glaubens, wenn sie z.B. eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse, ignorieren oder schlichtweg ablehnen. Das beraubt sie natürlich ihrer Glaubwürdigkeit und spielt in die Hände derer, die die Existenz Gottes ablehnen.

Wissenschaftler bewegen sich grundsätzlich auf einem anderen Terrain als ein Verfechter des Glaubens. Ein Wissenschaftler hält sich bei seinen Forschungen an empirisch belegbare Tatsachen. Da jedoch die Existenz Gottes in diesem Sinn nicht belegbar ist, ziehen viele Wissenschaftler die Existenz eines Schöpfergottes erst gar nicht in Betracht.

Hierbei sollte ein Wissenschaftler jedoch an die Grenzen denken, die ihm gesetzt sind. Wenn er denkt, dass nur das existieren kann, was auch wissenschaftlich belegbar ist, überschreitet er in gewissem Sinn diese Grenzen. Die Wissenschaft kann eben nur einen Teil dieser Welt erklären. Die Frage nach Gott liegt somit eindeutig jenseits dessen, was Wissenschaft erforschen und beschreiben kann. Mit anderen Worten: Es weder Sache der Wissenschaft, Gott zu widerlegen als auch seine Existenz zu beweisen!

Andererseits hat bei dem einen oder anderen Wissenschaftler das Beschäftigen mit den Details seines Fachgebietes dazu geführt, an die Existenz Gottes zu glauben. Wie das? Zum Beispiel zeigt das immer weitere Vordringen in den molekularen Aufbau der Strukturen des Lebens, dass überragende Intelligenz mit im Spiel ist.

Dabei geht es dem gläubigen Wissenschaftler nicht darum, in einem Schöpfer eine Erklärung für das Unerklärbare zu suchen. Es geht für ihn einfach darum, anzuerkennen, dass allein das Zusammenwirken natürlicher Prozesse keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage ist, wie das Leben in all seinen vielfältigen Formen und seinem komplexen Aufbau entstehen und sich weiterentwickeln konnte.

Daher gibt es auch heute etliche Wissenschaftler, die ihre Überzeugung, dass es einen Schöpfer gibt, klar und deutlich zum Ausdruck bringen. Sie sehen also in ihrer wissenschaftlichen Arbeit einerseits und ihrer religiösen Überzeugung andererseits keinen Widerspruch.

LG Philipp

Deine Frage ist sehr ungenau, weil es so viele Dimensionen gibt, in denen man einen solchen Punkt vermuten könnte. Philosophen verstehen Wissenschaft traditionell in zwei Dimensionen:

1) Normativ. Das heißt, dass Ideen ein gewisses Maß an Vernunft haben müssen, um als wissenschaftlich durchzugehen. In dieser Dimension hört Wissenschaft dort auf, wo Pseudowissenschaft beginnt: Verschwörungstheorien, Kreationismus, Klimwandelleugung zum Beispiel. Auch eine persönliche Meinung ist nicht dasselbe, wie eine wissenschaftliche Theorie; es wäre aber sehr streng sie deswegen gleich als pseudowissenschaftlich zu bezeichnen.

2) Naturalistisch: Laut der Lehre vom methodischen Naturalismus erforscht die Wissenschaft die Natur und nicht die Mathematik, Metaphysik oder Ethik.

Religion hat kein bestimmtes Gebiet und erfüllt keine bestimmte vernünftige Norm. Überzeugungen über Ethik, Metaphysik und die Natur können alle religiös sein, wenn sie in einem Katechismus aufgenommen werden. Mathematische Überzeugungen theoretisch auch, aber mir ist kein solcher Fall bekannt. Religion wird oft als irrational belächelt, und das trifft auf viele Überzeugungen zu. Aber manche religiösen Ideen können auch von vernünftigen Überlegungen bestätigt werden. Von Religionsgründern wie Jesus würde ich vermuten, dass sie gute Menschenkenner waren und daher zu vernünftigen Aussagen über die menschliche Natur fähig waren; heutzutage haben wir die Psychologie dazu. Ich würde Religion daher eher als vernunftblind bezeichnen, statt als unvernünftig. Vernunft spielt keine Rolle und wird daher weder angestrebt noch vermieden.

Religion und Wissenschaft können sich daher auch überlappen. Jede beliebige wissenschaftliche Theorie kann theoretisch dasselbe aussagen, wie eine Überzeugung innerhalb einer Religion.

Meiner Meinung nach muss mann für beides nicht eine grenze ziehen,denn es gibt sehr viele sachen wo durch die heiligen bücher sei es der koran oder die bibel ein teil dazu bei getragen haben die Wissenschaft zu verbessern oder sogar durch irgendein Gesetz es zu fordern z.B. in koran heißt eine sure das du zu mekkah beten sollst das ist in saudi Arabien,aber da man in 9 jh nicht wusste wo z.b. von Spanien mekkah ist musdte man eine Mathematische formel entwickeln die heutzutage auch zu Astronomie zählt indem man durch die sterne die wickeln bestimmt, und da wusste man auch das die erde rund ist (das sage nicht ich sondern der Wissenschaftler Jim-Al khalili in seinem buch Im Haus der Weisheit)

Also hat es dadurch die Wissenschaftler damals eine Herausforderung gestellt die sie gemeistert haben,aber leider wurde diese lehre schnell nachdem Untergang der damaligen Herrschaft vergessen.

Insgesamt kann man also nicht direkt ein grenze ziehen.

(Ich kann kein Beispiel aus dem bibel nennen da ich ein muslime bin, und deshalb noch nicht die bibel gelesen habe aber ich schätze dass die bibel auch durch irgendeine sache dazu beigetragen hat)

Woher ich das weiß:Recherche

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