Wo gibt es die schönsten Orchideenwiesen und/oder Wälder in Deuschland?

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7 Antworten

Nur zur Artenvielfalt: Punktuelle Erholung Dank einiger Schutzgebiete und renaturierter Flächen bemerke ich schon. Was aber rapide schwindet, sind früher alltägliche Arten. Der kleine Fuchs z.B. (ein Schmetterling) ist aus meiner Umgebung (Südwestfalen) so gut wie verschwunden. Dafür darf ich gelegentlich einen Fischadler sehen. Das ist kein Ausgleich. Als Ursache vermute u.a. ich die Abschaffung von Weiden zugunsten von Maisanbau. Die Landschaft verödet dadurch auf breiter Front. Die Orientierung auf seltene Pflanzen oder Tiere als besonders schützenswert halte ich für einen Kardinalfehler im Naturschutz. Da werden oft Arten am Rande ihres Verbreitungsgebietes punktuell (und finanziell aufwendig) umsorgt, während großflächig Lebensräume ausdünnen. Orchideen sind ganz nett, aber eher Pralinen als Brot.

Den Kleinen Fuchs habe ich in diesem Jahr auch noch gar nicht gesehen.

Den großflächigen hochsubventionierten Anbau von Mais zur angeblich klimafreundlichen Energiegewinnung ist eine einzige ökologische Katastrophe! Die Folgen konnte ich in Schleswig-Holstein auch beobachten.

Nur die Nutzung von Abfallprodukten, z.B. von verschimmeltem Getreide oder den Abfällen aus Biotonnen ist ökologisch sinnvoll.

Klimaneutral kann der Anbau von Energiepflanzen, wie Mais, ohnehin nicht sein, da dadurch ja nicht mehr Sauerstoff produziert und CO2 gebunden wird, denn es würden dort stattdessen ja auch sonst Pflanzen wachsen, die ebensoviel Sauerstoff herstellen und CO2 einlagern würden. Im Falle von Wäldern sogar noch deutlich mehr!

Und tatsächlich werden jetzt ja sogar noch die Ränder von Äckern gespritzt oder abgemäht.

Die Kritik an Orchideenwiesen teile ich nicht, da in solch wichtigen Lebensräumen auch noch eine Vielzahl anderer seltener Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum finden.

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Ich bin auch aus Südwestfalen, aber der kleine Fuchs ist hier häufig. Dieses Jahr sind allerdings alle Schmetterlingsarten schwach vertreten. Liegt vermutlich am schlechten Wetter.

Zum Thema Orchideen: Wir haben hier einige Stellen, an denen relativ große Bestände Knabenkraut wachsen. Weitere Wildorchideen hab ich leider noch nicht entdeckt, aber ich war auch noch nicht überall ;-) Meist entdecke ich so was auf Spaziergängen mit dem Hund, wenn ich durch den Wald laufe.

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Ich gebe zu, dass ich nie hauptberuflich im Naturschutz gearbeitet habe, ich bin lediglich interessierter Laie. Trotzdem maße ich mir an zu sagen, dass ich finde, du siehst das zu pessimistisch!

VErgleiche doch unseren Naturschutz doch mal mit Südeuropa - ich weiß von was ich rede - dort ist Artenschutz Glücksache und gegen Bargeld ignoriert man gern eine Wiese mit bedrohten Pflanzen und winkt das Bauprojekt durch!

Bei uns gibt es die ausgewiesenen Rückzugflächen für die Arten - auch die du genannt hast - und ich finde - du unterschätzt die Fähigkeit bedrohter Arten sich aus einem geschütztem Bereich bei guter Gelegeheit wieder auszubreiten!

außerdem muss man auch Folgendes sagen: In Mitteleuropa unserer Ahnen (Vor 2000 Jahren) waren die meisten Arten, die heute bei uns bedroht sind, gar nicht ansässig, sie wanderten aus den Steppen Eurasiens, als Mitteleuropa Kulturlandschaft wurde, ein. Wie gesagt: ich finde das ist zu pessimistisch! Der nicht abzuwendende Klimawandel verdiente unsere Aufmerksamkeit und ich sags mit im Imbrunst: "in Konfliktfällen ist KLimaschutz wichtiger als Artenschutz!"

Maisäcker helfen überhaupt nicht dem Klimaschutz, da der angebaute Mais auch nicht mehr CO2 bindet und Sauerstoff produziert, als andere Pflanzen es tun würden, die man dort alternativ anbauen würde!

Nur dort, wo zuvor gar nichts wuchs und jetzt für Biokraftstoffe etwas angebaut würde, könnte wirklich von einer neutralen CO2-Bilanz gesprochen werden. Das wäre z.B möglich bei einem Anbau von Mais in der Sahara, wo zuvor also nichts wuchs. Selbstverständlich würde das aber wiederum ganz andere Probleme aufwerfen und falls das Wasser für die Bewässerung aus Meereswasserentsalzungsanlagen gewonnen würde, dürfte dorthinein wahrscheinlich mehr Energie hineingepumpt werden, als die Energiepflanzen liefern könnten.

Anstelle von Maisanbau könnten Weiden evtl. sogar sehr sinnvoll sein, da diese sehr schnell wachsen, der Boden nicht jedes Jahr umgepflügt werden müsste und Weiden auch nicht so stark gespritzt und gedünkt werden müssen. Aber da unsere Bauern ja fast immer nur das anbauen, wofür die höchsten Subventionen gezahlt werden, baut eben kaum einer Weiden an.

Die sowohl ökologisch, als auch klimatechnisch schlimmste Folge dieser Politik ist die Brandrodung tropischer Regenwälder für Palmölplantagen. Der Einsatz von Palmöl beim E10 und in Biokraftwerken wird in Deutschland und der EU sogar noch subvertioniert! Wie könnte das "klimafreundlich" sein und der Erde helfen?!!!

Natürlich ist es eine Katastrophe, dass in Südeuropa häufig Spekulanten Brände legen, um Bauland zu gewinnen. Das wäre bei uns nicht möglich, da bei uns auch ein abgebrannter Wald nicht automatisch zu Bauland wird. Warum das in Südeuropa nicht auch selbstverständlich ist, ist unbegreiflich und zeigt nur, wie korrupt und unfähig dort die Regierungen und Behörden sind.

Aber auch in Deutschland gibt es komische Gesetzte. So ist es zwar verboten unter Naturschutz stehende Pflanzen zu pflücken oder auszugraben, wenn jedoch ein Bauer eine ganze Orchideenwiese umpflügt oder eine Feuchtwiese trockenlegt, dann bleibt er straffrei.

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@MaykHamburg

Du hast mich mißverstanden: bei Mais und anderen Energiepflanzen sind wir einer meinung! Aber tut mir leid - ich merke- dass es keinen Sinn macht, sich auseinanderzusetzen. Das sollten wir beenden - das was du vorbringst ist mir alles bekannt!

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@findesciecle

Danke für dein Statement. Ich bin "angesprungen" auf deinen Satz: "ich sags mit im Imbrunst: "in Konfliktfällen ist KLimaschutz wichtiger als Artenschutz!""

Das habe ich gleich als Einsatz für den großflächigen Anbau von Energiepflanzen interpretiert, womöglich noch zu lasten von Naturschutzgebieten. Ansonsten sehe ich eigentlich keine Konflikte zwischen Klimaschutz und der Artenvielfalt.

Windkraftanlagen oder Stromtrassen sind zwar umstritten, aber ich sehe dort eher Probleme beim Landschaftsbild, die man in einer Industriegesellschaft aber wohl hinnehmen muss.

Aber danach hatte ich auch gar nicht gefragt und meine Frage finde ich neutral formuliert, Pessimismus erkenne ich selbst dort nicht.

Die Natur verändert sich natürlich laufend und viele unserer Pflanzen sind "Einwanderer". Bevor der Mensch hier Landwirtschaft betrieben hat waren Wiesen und Felder ja auch selten, Deutschland war größtenteils ein Waldgebiet.

Dass sich die Natur sehr schnell zerstörte Landschaften wieder zurückerobern kann, finde ich besonders eindrucksvoll in den Gebieten, in denen großflächig Braunkohle abgebaut wurde. Dort haben sich inzwischen sehr interessante neue Lebensräume entwickelt.

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Die Antwort wird Dir zwar nicht helfen, aber wir Naturschützer haben die Orchideenbestände in unserer Region immer geheim gehalten. Sonst kommen die Gartenbesitzer in Scharen und graben sie sich aus. Im Internet sollten sie auf keinen Fall bekannt gegeben werden. Frage besser direkt die Naturschutzorganisationen.

Nur so viel, weil es auch in Fachbüchern steht: Die thüringischen Muschelkalkgebiete sind artenreiche Orchideengebiete.

Ich weiß, was du meinst. Auch bei einem in meiner oben erwähnten Frage gemeinten Wald gibt es dieses Dilemma.

Mir ist dort bereits seit Jahren aufgefallen, dass die Orchideen z.B.durch benachbarte Camper, die einfach quer durch den Wald gehen, immer weniger wurden. Deshalb hatte ich bei verschiedenen Stellen angeregt, diesen Wald zu einem Naturschutzgebiet zu erklären. Die Antworten fielen aber ernüchternd aus.

Selbst eine Orchideenschutzorganisation aus Schleswig-Holstein riet mir nur dazu, mich für Informationstafeln, die die verschiedenen Orchideenarten auf Fotos und Beschreibungen dokumentieren, einzusetzen, auf denen dann zum Schutz dieser Arten und zum Verbleiben auf den Wegen aufgefordert wird.

Das fand ich sehr deprimierend und kontraproduktiv, denn wenn wirklich jeder erfährt, dass es diese Schätze der Natur dort gibt, werden diese sicherlich scharenweise ausgegraben oder zumindest gepflückt oder zertrampelt.

Genau dieses Schicksal haben die dort ehemals lebenden ebenfalls unter Naturschutz stehenden Wildprimeln (Schlüsselblumen) bereits hinter sich. Diese sind fast vollständig durch rücksichtlslose Menschen vernichtet worden, die diese für ihre Gärten ausgegraben haben, denn Primeln erkennt ja wirklich jeder.

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@MaykHamburg

Danke, jetzt verstehe ich erst Deine Frage richtig. Sowohl Tiere als auch Pflanzen sind dabei, Ihre Lebenweise zu ändern, wenn man sie denn lässt. Die kleinblütige/wohlriechende Schlüsselblume ist auch bei uns von den Wiesen verschwunden. Dafür breitet sie sich in einigen Gärten aus, vor allem in solche, welche die Bezeichnung Garten noch verdienen. Bei uns im Berliner Speckgürtel ist ein starkes Gefälle an Arbeitslosigkeit, je weiter man sich von Berlin entfernt. Und die Gartenbesitzer am Stadtrand, die Arbeit haben, die müssen oft für zwei arbeiten oder lange fahren und nutzen den Garten nur noch zum Entspannen. Dementsprechend einfach gestalten immer mehr Leute ihren Garten: Rasen und Koniferen, so dass sie außer Rasen mähen nicht noch Laub harken oder Unkraut zupfen müssen. In diesen Gärten siedeln sich kaum noch Tiere an, vielleicht ein paar Amseln, die Regenwürmer im Rasen finden.

In den 80er Jahren habe ich Garten noch anders erlebt. Da gab es einen stillen Wettstreit unter vielen Gartenbesitzern, wer die meisten, die schönsten und die ausgefallensten Blumen hat. Demzufolge waren es früher vielseitige Staudengärten auch mit wechselnden Straucharten in jedem Garten.

Diese immer seltener werdenden Gärten entwickeln sich heute zu Rückztugsgebieten für immer mehr wildlebenden Pflanzen und Tiere. U. a. tauchen in einigen Gärten Wildprimeln in Massen auf. Man findet brütende Tannenmeisen, die vor 60 Jahren nur in Wäldern anzutreffen waren. Nach den Dürresommern 2000, 2003 und 2006 sind immer mehr Amphibien von ihren natürlichen Laichgewässern auf Gartenteiche ausgewichen. 1986 habe ich mich über eine Wechselkröte im Teich erfreut. Heute findet man bei uns in jedem 2. Gartenteich Kaulquappen. Diese Entwicklung stellt uns Naturschützer vor neuen schwierigen Aufgaben. Bis vor einigen Jahren konnten wir die Amphibien an wenigen Schwerpunkten mit Krötenzäunen vor dem Überfahrenwerden schützen. Heute werden in jeder kleinen Nebenstraße Amphibien in Massen überfahren. Denn sie überwintern selten in dem Garten, wo sie laichen, sondern wandern nach wie vor 1 bis zwei Kilometer in Gärten, wo es noch richtige Komposthaufen und wilde Ecken gibt. So viele Krötenzäune und vor allem Zeit haben wir gar nicht, um diese Tiere zu schützen. Außerdem müssten wir alle paar Meter an den Einfahrten unterbrechen, wo die Tiere dann durchschlüpfen würden.

Ich denke, der beste Schutz ist der Schutz der Lebensräume. Bei Orchideen wird das z. B. deutlich an ihrer symbiotischen Lebensweise mit Pilzen. Damit Pflanze und Pilz gut leben können, muss der Boden immer die gleiche Bodenfeuchte haben, also vor Überschwemmung und vor Austrocknung geschützt werden. Unsere Orchideen sind durch die Austrocknungen der vergangenen 20 Jahre weitgehend verschwunden. Die trocken gefallenen Niedermoorböden haben angefangen, ihre Nährstoffe freizusetzen, so dass statt Orchideen plötzlich in Massen Brennnesseln gewachsen sind. Erst in den letzten zwei Jahren haben sich die Schichtwasserstände wieder etwas erholt. Hinzu kommt, dass immer wieder Leute in die Nähe von Mooren bauen. Das Bauamt schaut bei der Baugenehmigung nur auf die Statik und ob der Bebauungsplan eingehalten wird. Die Frage der Wasserverhältnisse muss jeder Bauherr vorher selbst abklären. Dies tun die wenigsten und das Gejammere ist dann groß, wenn in nassen Jahreszeiten plötzlich Wasser im Keller oder gar im Garten steht. Diese Neubürger machen dann Druck auf die Gemeinde, dass sie dafür sorgen soll, dass das Wasser weggeht. Oft geben die Gemeinden diesem Druck nach, obwohl sie es nicht müssten - und wieder ist ein Moor trocken gelegt.

Zum einen sehe ich die Notwendigkeit der Aufklärungsarbeit über diese Dinge. Zum anderen können diejenigen, die einen Garten haben, selbst in ihren Bereichen zur Artenvielfalt beitragen, indem sie möglichst viele wildlebende Arten überhaupt zulassen in ihrem Garten.

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@Kraeutergnom

Solch interessante Ecken in Gärten habe ich auch beobachtet. Z.B. haben meine Eltern in ihrem Garten einen Bereich, den sie kaum bearbeiten, weil dieser recht schattig ist und sich für die ursprünglich von ihnen gepflanzten Arten als recht undankbar erwiesen hat. Eine Breitblättrige Stendelwurz und einige Schlüsselblumen wuchsen dort aber bereits.

Ich habe dort und an anderen schattigen und halbschattigen Ecken und unter und zwischen Sträuchern vereinzelt Walderde eingesetzt. Im Winter habe ich von unterschiedlichen Stellen eines lichten Feuchtwaldes jeweils kleine Bodenplatten ausgegraben, von denen ich wusste, dass dort viele Buschwindröschen u.a. wuchsen. Von den Orchideenstandorten habe ich natürlich nichts ausgegraben! Im nächsten Frühjahr sind dann natürlich an diesen Stellen Wildblumen heraus gewachsen.

Im Laufe der letzten Jahre haben sich diese Waldpflanzen flächendeckend ausgebreitet und bilden zumindest im Frühjahr jetzt einen Blütenteppich. Die bereits zuvor vereinzelt vorgekommenen Schlüsselblumen und Stendelwurz-Orchideen haben sich auch ganz prächtig vermehrt.

Das Trockenlegen von Feuchtwiesen oder feuchten Wäldern aber auch das Düngen von Wildblumenwiesen ist eine Tragödie. Ich wünsche mir, dass solche Gebiete verstärkt vom Staat oder von Naturschutzorganisationen gekauft und unter Schutz gestellt werden.

Die Symbiose und Anpassungsfähigkeit im Pflanzenreich ist höchst spannend, nicht nur zwischen Pilz und Orchidee, auch Flechten sind eine faszinierende symbiotische Lebensgemeinschaft, dort zwischen Pilz und Alge.

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Berühmt für Orchideenkenner ist der Kaiserstuhl bei Freiburg.

Ich selbst schätze meine Heimat Franken in Nordbayern. In Unterfranken habe ich beispielsweise Rotes und Weißes Waldvögelein, dreierlei Ragwurzarten, Helmknabenkraut, Kuckucksblume, Riemenzunge und andere Orchideen gesehen.

Eine tolle Frage, die dir Walter Krohn,. Gartenpädagoge vom Botanischen Garten der Uni Hamburg sehr gerne beantworten wird. Er ist sehr sachkundig und hilfsbereit:

http://li.hamburg.de/gruene-schule/kontakt/

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