Wo finde ich eine klare Übersicht der taxonomischen Unterteilung aller Lebewesen?

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2 Antworten

Es gibt immer wieder Versuche, alle Lebewesen in einem Stammbaum aufzugliedern. Da aber die entsprechenden Taxa ständig neu definiert werden und kein Biologe zu allen Gruppen Expertenwissen hat und überdies eine solche Aufstellung absolut unnütz ist, sind diese Versuche in aller Regel ziemlich dubios. Vergiss sie!

Mannimanaste 12.10.2014, 23:38

Hmmm... Das will mir nicht ganz einleuchten, obwohl es sich erst mal einleuchtend anhört.

Es gibt doch klare Zugehörigkeiten, die eben nicht dauernd neu definiert und / oder geändert werden, oder nicht?

Menschen gehören zu den Säugetieren, Säugetiere gehören zu den Wirbeltieren, Wirbeltiere gehören zu den vielzelligen Tieren, und diese zum Reich der Tiere. Und das Reich der Tiere gehört nicht zum Reich der Pflanzen. Daran wird sich doch nicht dauernd etwas ändern, oder?

Außerdem braucht es ja nicht ein Biologe erstellen, sondern es könnte ein offenes Gemeinschaftsprojekt aller Biologen sein. Und wenn dann mal was neu definiert oder unterteilt wird, könnte man es - vorausgesetzt es wird allgemein als sinnvolle Neuerung bewertet - in das bestehende Projekt als Update einpflegen.

Ich finde es höchst interessant, zu sehen, welche Lebewesen mit welchen anderen Lebewesen zu welchen gemeinsamen Obergruppen gehören. Beim von mir verlinkten Programm "Taxo 2.1" ist dieses rückwärtssuchen leider nur sehr unkomfortabel möglich, und es gibt auch keine Suchfunktion für einzelne Lebewesen. Ebenso gibt es bei dem Programm wohl nur das Reich der Tiere (was aber schon mal ein guter Anfang ist).

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botanicus 12.10.2014, 23:46
@Mannimanaste

Was Du höchst interessant findest, wird ein Biologe als überflüssig betrachten, weil er natürlich weiß, dass ein Mensch ein Säugetier, damit ein Wirbeltier bzw. ein Chordat (das ist der Stamm!) ist usw., dazu brauche ich nicht die Systematik der Pflanzen und Pilze. Man schreibt auch nicht ein Telefonbuch der ganzen Welt, weil man für jede einzelne Nummer weiß, in welchem Band man suchen muss.

Und wer sollte Biologen dafür bezahlen, so etwas aufzustellen, wenn man es nicht braucht? Und ständig aktuell zu halten? Denn was beim Menschen klar ist, ist nicht immer in Stein gemeißelt. Alleine die Familienzugehörigkeit der Liliaceen und Scrophulariaceen, Plantaginaceen und anderen Familien hat sich in den letzten 10 Jahren grundlegend geändert. Und die grobe Gliederung, die die Hierarchie der Archaeen, Bakterien, Eukaryoten klärt, findest Du auch alle paar Jahre etwas anders in den Lehrbüchern. Um vollständig zu sein, brauchst Du auch die ausgestorbenen Gruppen, die Protisten ... es ist uferlos!

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Mannimanaste 13.10.2014, 23:16
@botanicus

Danke für Deine Erklärung. Ich verstehe gut, worauf Du raus willst. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum "Taxo 2.1" nicht fertig entwickelt wurde.

Für uns nicht-Biologen ist es aber tatsächlich sehr interessant, zu erfahren, was beispielsweise alles eigentlich eine Beere ist, von dem man es nicht vermutet hatte, oder welche für uns Laien sehr unterschiedliche Tiere teilweise in der selben Obergruppierung zugeordnet sind.

Und ja, auch die ausgestorbenen Tierarten gehören natürlich zu einer solchen taxonomischen Aufstellung.

Aber nun zu den dauernden Neu-Zuordnungen: Wenn es neu geordnet wird, hat es doch sicher gute Gründe, oder? Dann ist man eben erst noch auf dem Weg zu einer zweckvollen Unterteilung. Solche Neuzuordnungen werden doch sicher auch jeweils begründet, richtig? Das ist dann ähnlich wie Wikipedia. Mit der Zeit sollte es dann in einer Art von künstlicher Evolution immer genauer und besser werden.

Vielleicht sollte man das wirklich mal als eine Art Taxo-Wiki ins Leben rufen, oder als ein Opensource-Programm, an dem jeder Biologe ein wenig mitarbeiten kann, um dann schließlich für uns Laien (und wie Du selbst sagst, sind ja auch Biologen bezüglich vielen Teilbereichen der Biologie selbst Laien) übersichtlich zugänglich zu machen.

Was hältst Du von dieser Denkrichtung?

Gruß, Martin

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botanicus 13.10.2014, 23:22
@Mannimanaste

Mag sein, dass es das einst geben wird ... aber zur Klärung von Fragen wie von Dir als Beispiele genannt, reichen die Stammbäume bestimmter Richtungen voll aus. Zum Thema Insekten brauchst Du nicht die Verwandtschaft der Lippenblütler.

Beeren gibt es in allen möglichen Gruppen, diese Fruchtform hat nichts mit Verwandtschaft zu tun.

Es geht auch nicht nur um neue Erkenntnisse, sondern auch um miteinander konkurrierende Ansichten, für die es oft überzeugende Belege auf beiden Seiten gibt.

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Amphioxus 16.10.2014, 20:16
@Mannimanaste

Das Tree of Life web project ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit vieler Biologen. Ein Biologe alleine hätte niemals die Zeit und Mittel alle Arten taxonomisch in einen Stammbaum einzuordnen.

Gruß Amphioxus

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Mannimanaste 17.10.2014, 00:56
@Amphioxus
Das Tree of Life web project ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit vieler Biologen.

Und genau das ist der fruchtbare Weg der Zukunft: Synergie! :)

Grüße, Martin

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botanicus 17.10.2014, 08:58
@Mannimanaste

Mag ja alles sein - aber auch die Mitarbeit vieler ändert nichts daran, dass ich den Sinn der Aktion aus wissenschaftlicher Sicht nicht erkennen kann.

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Mannimanaste 17.10.2014, 09:12
@botanicus

@botanicus: Der Sinn einer solchen Aktion ist der gleiche, wie der Sinn jeder anderen Wissensenzyklopedie: Jeder Interessierte kann dort Antworten auf seine speziellen Detailsfragen zu bestimmten Themen nachschlagen. Im Fall einer umfassenden Taxonomie der Lebewesen wäre eine solche Detailfrage beispielsweise die, wie nah zwei verschiedene Tierarten abstammungsmäßig miteinander verwandt sind.

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botanicus 17.10.2014, 12:31
@Mannimanaste

Das leisten die bisherigen Stammbäume, die nur Teile abhandeln, genauso. Solange man nicht den Verwandtschaftsgrad von Hefepilzen und Spitzmäusen visualisiert haben möchte ...

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Mannimanaste 17.10.2014, 17:11
@botanicus

Siehst Du, genau um diese unerwarteten Verwandtschaftsgrade geht es doch. Man kommt gar nicht darauf bei einigen Lebewesen überhaupt einen Verwandtschaftsgrad anzunehmen, und staunt dann oft nicht wenig, wenn man in einem allgemeinen Lebewesen-Taxo plötzlich sieht, dass diese Lebewesen um viel weniger Ecken miteinander verwandt sind, als man es annehmen würde. Leider habe ich Dir jetzt keine Beispiele dafür. Aber genau dafür wäre eben jetzt auch wieder so ein allgemeiner Lebewesen-Stammbaum gut.

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botanicus 17.10.2014, 20:11
@Mannimanaste

Naja, wer mag ... vielleicht sehe ich das als Biologe einfach zu nüchtern.

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