Wo beginnt Schuld?

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6 Antworten

Ich bin mal anders provokant und sage: es hat niemand Schuld. Weil: Handlung entsteht aus Denken und Fühlen, Worten und dann Handeln. Wer aber kann sagen, dass er Herr über dieses Denken und Fühlen ist? Mit anderen Worten, nähmen wir mal an, jemand, genannt X, begeht einen Mord. Das sieht ja klar schuldig aus. Und jemand anderer sagt, ich würde das niemals machen, ich hätte das und das gemacht. Das bleibt so stehen, weil es nicht beweisbar ist. Und der grösste Teil der Menschen schliesst sich diesem an, weil es moralisch integerer ist, kein Mörder zu sein. Aber ich behaupte mal, wenn dieser Nichtmörder als Herr X aufgewachsen wäre, genau dessen Erfahrungen und zugehörige Gedanken gehabt hätte, wär er an dieser Stelle auch zu einem Mörder geworden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jetzt hier jede Menge Leute protestieren würden.

Aber die Bestie ist in uns allen. Sobald gesellschaftliche Normen und Regeln fallen, kommt sie zum Vorschein. Siehe Jugoslawien etc. Man sollte nie nie sagen und sich für etwas besseres halten. Meine Meinung und die muss natürlich niemand teilen.

Gedanken sind wie Geschmäcker, den suchen wir uns auch nicht aus. Und jeder Mensch will in letzter Instanz nur glücklich werden. Der eine versucht es so, der andere so. Warum auf so unterschiedlichen Wegen? Weil der eine zu seinen Erfahrungen eben genau diese Gedanken und der andere solche "bekommt".

Nimm an, Du bekommst einen neuen Arbeitskollegen.Du findest ihn voll daneben und denkst Dir: Mann, ist der unsymphatisch. Du muss aber mit ihm arbeiten. Wärst Du jetzt Herr über Deine Gedanken, dann könntest Du ja einfach umdenken und ihn Dir symphatisch, ja freundschaftlich denken. Geht das? Kann man Spinat mögen, wenn man ihn nun mal nicht mag? Und Handeln ist letztlich ja nur die Folge von Denken.

Da kann man ja nur DH + Hilfreichste Antwort geben :-) PS.: Spinat ist mein Lieblingsessen, ich könnte mir jedoch nie im Leben vorstellen es nicht zu mögen :) viel zu lecker

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Schuld beginnt dort, wo eine Entscheidung getroffen wird mit dem Wissen, dass die Konsequenz, die Folgen dieser Entscheidung negativ/schlecht für Andere (oder mich) sind oder sein könnten. Ich bin mir nicht sicher, ob "die Gesellschaft" sich schuldig machen kann - oder ob das nicht eine bequeme Sichtweise des Einzelnen ist, seine eigene Verantwortlichkeit und Schuld nicht wahrzunehmen (habe ich persönlich z.B. aus Bequemlichkeit nicht auf "Hilferufe" eines Mitmenschen reagiert?) . Ein Mensch, der Suizid begeht, trifft diese Entscheidung für sich (aus was für Gründen auch immer) und entscheidet sich gegen Hilfe (warum auch immer) - kann die Gesellschaft da schuldig sein?

Letztendlich ist jeder Mensch Täter und Opfer zugleich. Er ist Opfer seiner Erziehung und der Einflüsse die er bekommen hat. Und er ist Täter, da er auch wieder andere erzieht und bei anderen im Leben auch eine Rolle spielt. Vielleicht ist das Ziel des Lebens, aus diesem ewigen Kreislauf zu kommen.

Alles Gute und ein Lob für deinen Gedankengang :)

Ich stelle mal ganz provokant und bewusst Folgendes in den Raum:

es gibt unzählige Menschen, die Schlimmes wie die von dir aufgezählten Dinge und noch mehr durchmachen mussten (Misshandlung, Enttäuschungen in der Beziehung, schlechtes Elternhaus oder einfach niemand zum reden ) - weshalb versuchen die meisten einfach weiter zu machen und ein bisschen Positives zu bekommen? Egal wie mühsam das auch sein mag ...

Schuld gibt es nicht. Es gibt nur Ursache und Wirkung.

Ich finde Schuld deprimierend. Es beschwört nur unnötig schlechte Gefühle herauf. Was immer ein Mensch tut, er hat in genau dem Moment einen Grund dazu. Dieser Grund lässt sich theoretisch vernünftig bestätigen (praktisch leider oft nicht, aber das spielt keine Rolle).

Wenn es einen guten Grund für etwas gibt, dann ist es in meinen Augen entschuldigbar. Wieso also erst jemandem die Schuld geben, wenn man es gleich darauf wieder entschuldigen kann?

Lass uns aufhören mit den ganzen Schuldzuweisungen und stattdessen das beste aus dem machen, was möglich ist.

Wenn du dich schuldig fühlst dann hast du die Schuld bis du dich nicht mehr schuldig fühlst.

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