Wissenslücken als Beweis für Gott?

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Dafür spricht einiges, wenn man die Entwicklung des Glaubens über die letzten 3500 Jahre verfolgt. Dieser erlebte eine Evolution insofern, als er ständig dem wachsenden Wissen angepasst wurde und Gott immer genau dort angesiedelt wurde, wo Erklärungslücken bestanden.

Zu Abrahams Zeiten war er noch dafür verantwortlich, ob der Rauch beim Feueropfer senkrecht oder waagrecht aufsteigt. Luftströmungen wurden noch nicht berücksichtigt.

Den größten evolutionären Sprung machte er 1755 anlässlich des großen Bebens in Lissabon, siehe hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Erdbeben_von_Lissabon_1755

Eine weiter Anpassung erfolgte durch die Erkenntnisse Darwins. Bis dahin hatte Gott jede einzelne Art persönlich geschaffen. Nachdem das nicht mehr aufrecht zu halten war, gab sogar der Vatikan zu, dass es Evolution gibt und Gott eben der Verursacher der Evolution sei.

Ähnlich beim ganzen Universum. Bis 1920 dachte man, das Universum sein hinter der Milchstraße zu Ende und es sei komplett so von Gott geschaffen worden. Hinter der Milchstraße wäre dann der Wohnort Gottes und der Himmel als Aufenthaltsort der Toten. Seit Edwin Hubble aber bewies, dass das Universum viel größer ist und hinter der Milchsstraße kein Gott wohnen kann, wird der Himmel nicht mehr als realer Ort sondern als Zustand der Gottesnähe verkauft.

In den letzten rund 70 Jahren kam dann die Urknalltheorie auf und prompt hat Gott nicht mehr das Universum direkt geschaffen sondern ist nun nur noch für den Urknall verantwortlich, weil die Wissenschaft noch nicht genau sagen kann, was vor während und unmittelbar nach dem Urknall geschah.

Seit wissenschaftlich gezeigt wurde, dass der Geist des Menschen nicht mehr wie ursprünglich behauptet dem Meschen durch die Nase von Gott eingehaucht wird, sondern ein Ergebnis der Hirntätigkeit ist, gibts jede Menge theologische Versuche, Gott doch noch irgendwo betreffs Geist und Seele unterzubringen.

Um dieses ganze peinliche Theater nicht noch weiter treiben zu müssen, sind die Theologen nun auf einen ganz neuen Dreh gekommen, indem sie nicht mehr wie seit Jahrtausenden behaupten, die Bibel sei Gottes Wort sondern nun ist die Bibel nur noch göttlich inspiriert und dürfe auch nicht mehr wörtlich verstanden werden.

Persönlich bin ich schon wahnsinnig gespannt, was die Theologen aus diesem Lückenbüßergott machen, sollte außerirdisches Leben gefunden werden. Aber auch für den Fall wird ihnen sicherlich wieder etwas pseudoschlaues einfallen, und es wird dann wahrscheinlich auch immer noch Gläubige geben, die auch diese neuerliche Wendung mitmachen und nicht vom Glauben abfallen.



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Ist das eigentlich der sinn von theologie? Die Religionen an das wissen der Menscheit anzupassen? XD

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@FouLou

Etwa 90% des katholischen Theologiestudiums besteht aus Übungen und Grundlagen zur Apologese.

In der Juristerei nennt man das nicht Apologese sondern Rabulistik.

Im Alltag nennt man das Rechthaberei.

Ansonsten stellt sich insgesamt die Frage, ob Theologie überhaupt einen Sinn hat und nicht etwa nur ein Ziel, nämlich über die Religion die eigenen Pfründe zu sichern.

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wirklich viele gute und konstruktive Antworten in dieser Frage

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Hallo Fanta421,

ganz sicher sind es nicht Wissenslücken, die einen Beweis für die Existenz Gottes darstellen. Da die Existenz Gottes nicht im Sinne der Wissenschaft "bewiesen" werden kann, haben sich einige dafür entschieden, nicht an ihn zu glauben. Es ist einfach ihre Überzeugung, dass es ihn nicht gibt, wofür sie jedoch ebenfalls keinerlei Beweise haben. Es gibt also ebenso wenig einen wissenschaftlichen Beweis, dass Gott nicht existiert, wie dafür, dass er existiert.

Wenn man sich also an die Fakten hält, dann sollte man vorsichtig damit sein, feste Behauptungen aufzustellen, so als seinen diese unantastbar. Dieser Fehler wird oft auf beiden Seiten gemacht; sowohl von den Befürwortern des Glaubens an Gott als auch von Gegnern des Glaubens. Wer hat denn nun recht?

Viele wissenschaftlich denkende Menschen glauben, das Vorhandensein von Materie und Leben sei auch ohne einen Gott erklärbar und so sind verschiedene Theorien und Denkansätze entwickelt worden. Beruhen diese jedoch auf unumstößlichen Beweisen, die keinen Widerspruch dulden? Sicher nicht! Sämtliche wissenschaftlichen Theorien im Hinblick auf dieses Thema sind im strengen Sinne nicht beweisbar. Im Grunde steckt auch in jedem Wissenschaftler eine bestimmte Weltanschauung, von der er sich in seinem Denken und in seinen Schlussfolgerungen leiten lässt. Es hat daher nichts mit Wissenschaft zu tun, wenn jemand behauptet, die Existenz Gottes sei durch Fakten widerlegt. Solch eine Behauptung entspricht eher eine Art Glaubensaussage.

Auch wenn uns der wissenschaftliche Fortschritt viel Gutes gebracht hat und Dinge möglich gemacht hat, die früher als undenkbar galten, kann Wissenschaft eines nicht: uns alles erklären. Manche Dinge liegen einfach außerhalb des Zugriffs der Wissenschaft. Hier ein einfaches Beispiel: Ich könnte niemals wissenschaftlich beweisen, dass mich meine Frau liebt, obwohl ich aufgrund vieler Erfahrungen und Eindrücke felsenfest davon überzeugt bin. Sollte ich aber an der Liebe meiner Frau zu zweifeln beginnen, weil mir der wissenschaftliche Beweis fehlt? Das wäre sicher lächerlich, nicht wahr?

Wie schon gesagt, ist natürlich auch die Existenz Gottes nicht zu beweisen, jedenfalls nicht nach rein wissenschaftlichen Kriterien. Die Frage "Gibt es Gott oder nicht?", lässt sich also nicht anhand wissenschaftlicher Beweise beantworten. Es gibt jedoch eine Menge Fakten, die die Wissenschaft zutage gefördert hat, die man unterschiedlich bewerten kann. Je näher man sich mit diesen Fakten (z.B. aus der Biologie oder Chemie) beschäftigt, umso eher hat man eine Entscheidungsgrundlage zur Beantwortung der Frage, ob Gott existiert.

Ich möchte ein Beispiel aus der Genetik herausgreifen, das für mich persönlich eine Menge an Überzeugungskraft dafür liefert, dass die Existenz des Lebens nicht das Produkt ungerichteter Abläufe sein kann.

Nehmen wir einmal die Gene einer "einfachen" Zelle. Die darin gespeicherten Baupläne enthalten eine solche Fülle an Informationen, dass, würde man sie aufschreiben, ca. 850 Buchbände von je 1.000 Seiten entstünden! Ist es vernünftig anzunehmen, eine solche umfangreiche "Büchersammlung" mit äußerst sinnvollen Informationen könne das Werk blinden Zufalls sein?
Ein einzelnes Gen enthält ca. 27.000 Buchstaben. Das Genom besitzt die gigantische Informationsfülle, die in etwa 3 Milliarden Basenpaaren abgespeichert sind. Um sich die Informationsdichte noch besser vorstellen zu können: Nur ein Gramm DNA enthält bereits so viele Informationen, wie auf einer Billion CD`s. Noch plastischer wird das Ganze, wenn man sich einmal klar macht, dass man auf einem einzigen Teelöffel die DNA der aktuellen Weltbevölkerung 350 mal unterbringen könnte!

Kein von Menschen entwickelter Datenträger kann auch nur annähernd eine solche Kapazität erreichen. Ist es logisch anzunehmen, dass eine einzelne CD einen intelligenten Konstrukteur benötigt, die gerade beschriebene hoch komplexe DNA jedoch nicht? Wenn man sich klar macht, welche Arten von Informationen in der DNA abgespeichert sein müssen, wird das Ganze noch beeindruckender. Sie enthält nämlich u. a. Informationen für den Bau, die Wartung und die Reparatur komplizierter "Maschinen".

Allein die DNA-Verpackung im Zellkern ist eine technische Meisterleistung. Dazu ein Vergleich: Man müsste einen 40 km langen, sehr dünnen Faden in einen einzigen Tennisball unterbringen, wobei dieser Faden in einer ganz bestimmten Weise angeordnet sein muss. Das wäre in etwa so, als ob in einem riesigen Shop mit Millionen von Artikeln alles derart sinnvoll angeordnet wäre, dass man alles sofort findet. Würde man wohl jemals auf die Idee kommen, dass sich ein solcher Shop selbst organisieren könnte?
Bleiben wir noch einen Moment bei der DNA. Diese muss sich ja zigmal replizieren, damit die Zellteilung stattfinden kann. Dieser Vorgang ist hoch komplex . Z. B. müssen komplizierte molekulare Maschinen die DNA kopieren, lesen und Fehler berichtigen. Das alles geschieht in Bruchteilen von Sekunden.

Diese kurze Exkursion in die Genetik lässt mehr als deutlich klar werden, dass hier Intelligenz auf höchster Ebene im Spiel ist.Solcherlei Beispiele lassen sich aus allen möglichen Fachgebieten der Wissenschaft entnehmen. Ob es um den Aufbau hochkomplexer molekularer Maschinen in lebenden Organismen geht oder um genial konstruierte Organsysteme - alles verrät ein großes Maß an Intelligenz. Intelligenz setzt meiner Überzeugung nach jemanden voraus, der denken, planen und konstruieren kann, eine Person also.

Zu diesem Thema möchte ich noch eines anmerken: Um an Gott zu glauben brauche ich nicht irgendwelche Beweise oder Hinweise aus dem Gebiet der Wissenschaft. Gott hat sich meiner Überzeugung nach nicht nur in den Werken seiner Schöpfung geoffenbart, sondern auch in dem "Buch der Bücher", der Bibel. Sie trägt eindeutig den Stempel göttlicher Urheberschaft.
Der britische Archäologe William Foxwell Albright sagte einmal über die Bibel: "„Jedenfalls überragt die Bibel im Gehalt alle frühere religiöse Literatur; und in der Einfachheit und Direktheit ihrer Botschaft und der Universalität ihrer Wirkung auf Menschen aller Länder und Zeiten überragt sie ebenso eindrucksvoll alle nachfolgende Literatur.“ ( History, Archaeology, and Christian Humanism, S.  294—296).

Aus meiner Sicht liefert die Wissenschaft außerdem keine zufriedenstellenden Antworten auf die Entstehung des Lebens mit all seinen vielfältigen Erscheinungsformen. Man hat zwar eine Vielzahl von Erklärungen und Theorien aufgestellt, denen es jedoch an substanziellen Beweisen fehlt. Wären diese tatsächlich vorhanden, dann wäre Gott widerlegt und man könnte ihm allenfalls einen Platz im Museum zuweisen. Doch weit gefehlt!

LG Philipp

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Mal wieder viel Gewese, um "hintenrum" dann quasi zu "beweisen", dass es Gott doch wohl geben dürfte.

Es ist völliger Unsinn, zu behaupten, die Bibel trage "eindeutig den Stempel göttlicher Urheberschaft".

Dies ist eine unehrliche Methode, erst so zu tun, als sei man objektiv, indem man korrekt anführt, dass es keine Beweise für oder gegen Gott gebe - um dann genau das Gegenteil zu versuchen: "hintenrum" den Lesern eine unterschwellige Art von "Gottesbeweis" vorzugaukeln.

Ein Manipulationsversuch wie er im Buche steht.

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@earnest

Ich sprach am Anfang von wissenschaftlichen Beweisen, nicht von Beweisen schlechthin! Wenn es um Beweise geht, die für einen Gott sprechen, dann gelten diese immer aus der persönlichen Sicht dessen, der an sie glaubt. Für einen anderen mögen diese Beweise allerdings nicht überzeugend sein. Bitte verstehe meine Antwort in diesem Sinne!

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@Philipp59

Ok, das ist eine gute Erklärung. Das eigentliche Problem dürfte dann aber sein wenn denn mal wieder von Beweisen gesprochen wird dass da von unterschiedlichen Dingen gesprochen wird.

Die einen reden von rational und kühl betrachtet wissenschaftlich belegbaren Aussagen und andere von Beweisen "aus der persönlichen Sicht dessen, der an sie glaubt" (Zitat von deinem obigen Posting). Das sind also zwei paar Schuhe. Folgedessen würde man sagen, dass ohne diese persönliche Sicht gibt es diese Beweise dann auch nicht bzw. man glaubt nicht daran.

Meiner Meinung nach wird der Begriff Beweis bei deiner Betrachtungsweise zu sehr strapaziert und verliert gewissermaßen die eigentliche Bedeutung und wird zu einer einfachen Behauptung.

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@Fanta421

Ich gebe zu, dass der Begriff "Beweise" in Zusammenhang mit Gott nicht ganz unproblematisch ist. In der Tat denken viele, wenn von Beweisen gesprochen wird, an das, was Du hier beschrieben hast.

Wenn es um den Glauben an Gott geht, dann gibt es jedoch eine ganze Menge an Fakten (z.B. gerade aus dem naturwissenschaftlichen Bereich), die für viele die Kraft von Beweisen haben. Andere wiederum lassen diese nicht gelten. Aber so ist das ja nun mal beim Glauben; einige haben aus verschiedenen Gründen keinen Zugang dazu oder sie verschließen sich davor. Daher geben sie dem, was andere als einen deutlichen Beweis für die Existenz Gottes sehen, keine Bedeutung.

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@Philipp59

Daher geben sie dem, was andere als einen deutlichen Beweis für die Existenz Gottes sehen, keine Bedeutung.

nein, nicht daher, sondern weil die Bezeichnung Beweis einfach nicht die semantische Bedeutung hat, wofür sie von Gläubigen genutzt wird. Von Beweisen zu sprechen, wenn man in Wirklichkeit von etwas mit gänzlich anderer Semantik spricht, ist der Sache nunmal nicht dienlich. Nur wollen Gläubige ihre nicht rationalen Sichtweisen (was ein Glaube nunmal ist) auf eine rationale Grundlage stellen, daher bedient man sich entsprechender Worte, die das vermuten lassen. Aber es ist nur Trug.

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Fanta421,

Weil die Griechen in der mykenischen Zeit keine Ahnung hatten woher die Blitze kamen, haben sie angenommen, daß Zeus sauer war und "Bitze vom Himmel/Olymp schleuderte".

Das haben die Juden/Christen für die unbekannten Naturgewalten auch angenommen, bis dann böse Wissenschaftler kamen und erklärten, daß es dafür auch ganz natürliche Erklärungen gäbe.

Diese Wissenschaftler wurden, wenn sie Glück hatten, nur mit Hausarrest und Publikationsverbot bedroht - mit weniger Glück durfte man sich auf den Scheiterhaufen stellen - "Zur höheren Ehre Gottes und um die Seele zu reinigen"

Das System funktionierte natürlich nur, weil die Menschen sich das haben gefallen lassen. Mit der Aufklärung änderte sich das. Die Kirchenfürsten haben sich aber nicht aus Einsicht von ihren Positionen getrennt, sondern weil sie keine Chance hatten. Bezeichnenderweise hat der Pabst erst 500 Jahre später zugegeben, daß das Urteil gegen Giordano Bruno  nicht "ganz korrekt" gewesen sei.

Heutzutage sollten aufgeklärte Menschen, ganz egal, ob sie an Gott glauben, das Selbstbewußtsein haben die Sprüche des Pabstes zu ignorieren.

Und außerdem - welche Autorität hat der denn überhaupt? Er war lediglich der Bischof von Rom, nicht mehr. Und jahrhundertelang spielte er gegenüber dem Patriarchen von Konstantinopel sowieso nur die 2.Geige!

Gruß

PS: Wissenslücken werden wir immer haben, aber durch konsequente Forschung können wir unsere Erkenntnisgrenzen immer weiter hinaus schieben - mit Religion hat das nichts zu tun!

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Ein kluger Kopf sagte, wenn wir nicht schon einen Gott haetten, dann muessten wir einen neuen Gott erfinden !

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@zetra

Meine, zugegeben etwas sexistische, Ansicht dazu - ich würde mir Aphrodite aussuchen - nette Frau! :)

Das hatte ich mal irgendwem gepostet, woraufhin ich darauf hingewiesen würde, ich hätte quasi die sumerische Ischtar gewählt! Diese Verbindung ist zwar eine recht riskante Hypothese, aber  - nun ja - gegen Ischtar hätte ich auch nichts!

(Selbstverständlich nicht als ihr Lover - denen widerfährt übles!)

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@nax11

Aber die sind doch alle aus Stein, da bekommt man doch das froesteln, auch im warmen Griechenland. 

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@zetra

Nicht so destruktiv, bitte  :)

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