Wiso haben die Menschen in Europa Angst vor Gentechnik?

...komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Die gleiche Geschichte gab es doch, als man Insulin mit gentechnisch veränderten Bakterien produzieren wollte, da höhrte man auch Aufschreie aus allen Ecken und heute ist es Alltag.

Im Lebensmittelbereich kommt sicher noch hinzu, dass die ersten kommerziellen Produkte ein schlechtes "Marketing" für die Technologie waren, da der Verbraucher bei ihnen den Mehrwert nicht einfach erkennt. Auch ist vielen nicht wirklich klar wie unsere Nahrung tatsächlich Produziert wird und noch weniger wie es in den vorgelagerten Bereichen aussieht

Dein angesprochener Punkt ist auch nicht zu vernachlässigen, die meisten haben keine Vorstellung davon, wo man überall schon gentechnisch veränderte Organismen einsetzt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Welt im Allgemeinen immer komplexer wird und das scheint viele Menschen einzuschüchtern, weshalb sie sich "simple Zeiten" zurückwünschen und oft ist eben auch Natürlichkeit damit assoziiert .

Zu guter Letzt muss die Gentechnik in der Landwirtschaft, ebenso wie Glyphosat, häufig als Stellvertreter für industrielle Landwirtschaft herhalten und werden daher auch im "Kampf" gegen diese angeprangert und verurteilt.

Es wirken einfach viele Faktoren zusammen.

Hallo zerstreut,

die Angst vor Gentechnik ist häufig entweder mangelnder oder falscher Information geschuldet, hat aber auch ihre Berechtigung.

Leider ist es in diesem Land nicht selten, dass Meinungen entweder nachgeplappert werden, nicht hinterfragt werden oder aus reiner Unsicherheit heraus entstehen (in beiden Lagern -Befürworter oder Gegner-). Nur selten folgt auf diese Unsicherheit eine sachliche, objektive Suche nach Informationen.

Rein objektiv spricht zunächst nichts gegen genetisch verändertes Essen an sich.

Dazu 2 Beispiele:

1. "Gentechnik" wird in der Viehzucht seit Jahrhunderten betrieben, indem Rassen gekreuzt wurden, um robustere, schneller wachsende und muskulösere Tiere, also ertragsreichere Tiere zu züchten. Davon ist bis heute keiner krank geworden.

2. Die genetisch veränderten Gemüse und Getreide folgen demselben Prinzip, nur wird der Prozess in einem Labor erheblich beschleunigt.

Da verändertes Essen die Gene des Konsumenten nicht verändern kann, weil die DNA durch körpereigene Enzyme zersetzt wird und auch die Proteine in ihre Aminosäurebestandteile zerlegt werden, geht davon i.d.R. auch keine Gefahr aus.

Nur Licht gibt es in diesem Thema allerdings nicht. Nun zum Schatten:

Schauen wir mal zum "Liebling der Massen" "monsanto". Diese Firma hat zum Beispiel Getreidesorten gentechnisch entwickelt, die nur mit Produkten von Monsanto gepflegt und beschützt werden können.

Da genetisch veränderte Organismen oft auch robuster sind, können sie natürliche Arten verdrängen ("survival of the fittest") und das kann ökologische und ökonomische Folgen haben, die heutzutage noch nicht überschaubar sind.

Es wird in die Natur eingegriffen und Abhängigkeiten geschaffen, aus denen man sich eventuell nicht mehr befreien kann. Das ist einer der großen und berechtigeten Gründe, genetisch veränderten Organismen kritisch gegenüber zu treten, v.a. weil bei der gewohnten Arbeitsweise dieses Staates nicht damit zu rechnen ist, dass regulierende Gesetze vor der Erlaubnis der GVO stehen werden, sondern Gedanken daran erst verloren werden, wenn es zu spät ist.

Das Thema ist damit bei weitem nicht ausreichend dargelegt oder beleuchtet, aber es kann vielleicht ein Verständis dafür wecken, warum es massive Kritik an dieser komplizierten und kopmlexen Thematik gibt.

Gruß,

MedIudex

FlyingCarpet 04.11.2016, 10:38

DH - das hast Du sehr gut beschrieben!

0
Agronom 04.11.2016, 11:36

Essen allgemein kann potenziell die Gene des konsumenten "verändern", nicht als irreversible Veränderung, aber durch regulatorische Eingriffe. Bekannt ist da microRNA in Reis, die das Verdauungsystem überstehen und die Genexpression beeinflussen kann. Das hat erstmal nichts mit gentechnischer Veränderung zu tun, aber man steht dabei noch ganz am Anfang der Forschung.

Von diesem Mythos, man könne Pflanzen von Monsanto nur mit deren Produkten anbauen, lese ich hier öfter, frage mich aber wo das nun wieder herkommt. Es ist schlicht falsch, eine RR-Srote von Monsanto kannst du auch mit einem Glyphosat-Herbizid eines beliebigen anderen Herstellers behandeln und erzielst ähnliche bis gleiche Effekte.

Dem Rest stimme ich im Wesentlichen zu.

0

Ängste bestehen oft gegenüber unbekannten Dingen.

Es wäre genauer zu hinterfragen, inwieweit diese sachlich begründet sind.

Tatsache aber ist auch, dass unsere Welt nur eine begrenzte Anzahl von Erdenbürgern traditionell landwirtschaftlich ernähren kann.

Derzeit sind wir ca. 7 Mrd Menschen, in gar nicht all zu langer Zeit wie Schwelle von 10 Mrd. Menschen überschritten werden, die ernährt werden wollen.

Günter

Gesundheit setzt voraus, dass die genetischen Anlagen eines Organismus und dessen Umwelt zusammen passen. Während sich unsere Gene im Lauf der Evolution kaum verändert haben, bilden unsere Nahrung und unsere Lebensweise in vielerlei Hinsicht eine neue Umwelt.

Die notwendigen genetischen Anpassungen, um die evolutionär gesehen neuen Lebensmittel schadlos in großen Mengen nutzen zu können, sind in diesem kurzen Zeitraum noch nicht erfolgt, woraus sich eine Fehlanpassung
entwickelt, die zu gesundheitlichen Problemen führt.

Vor 10000 Jahren z.B. wurden die Menschen sesshaft und betrieben Ackerbau und Viehzucht. Die Nahrung wurde somit auf eine neue Grundlage gestellt. Kohlenhydrate wurden nun in großem Stil nutzbar gemacht durch den Anbau von Getreide. Die Anpassung an Getreide ist bis heute nicht gelungen.

Die Gluten-Unverträglichkeit (Sprue ) ist darauf zurückzuführen. Das gilt ebenso für die aufkommende Milch und den Zucker. Unser Organismus ist
bis heute nicht auf den überwiegenden Verzehr von Zucker ausgelegt.

Dasselbe gilt eben auch für gentechnisch veränderte Lebensmittel. Diese werden sehr viele Menschen krank machen.

o0bellaAnna0o 04.11.2016, 10:27

Bis zum vorletzten Absatz stimme ich vollkommen zu. Nur der Schluss enthält keine Erklärung, nur eine unbegründete Aussage, also warum?

1
surbahar53 04.11.2016, 10:31
@o0bellaAnna0o

Durch den Einsatz von Gentechnik entstehen in den Lebensmitteln z.B. neue Formen von Proteinketten. Solche Proteinketten können im Organismus zu Entzündungen führen, wenn diese vom Immunsystem als Fremdkörper betrachtet werden. Genau das passiert z.B. bei der Gluten-Unverträglichkeit, die aufgrund der Immunreaktion zu einer Entzündung der Darmwand führt.

0
MedIudex 04.11.2016, 10:47
@surbahar53

Hallo surbahar53,

die Glutensensitive Enteropathie ist eine Mischung aus Allergie und Autoimmunerkrankung. Diese existiert als "Sprue" schon sehr lange und auch schon bevor es genetisch verändertes Getreide gab. Und die Entstehung dieser Erkrankung auf den Getreideberzehr zurückzuführen, ist so nicht richtig. Die "Sprue" betrifft ja nur Roggen, Weizen, Gerste, Dinkel und Grünkern. Alles andere vertragen Menschen mit einer glutensensitiven Enteropathie.

Unsere Gene haben sich im Rahmen der Evolution massiv verändert und das geht auch -an der Zeit unserer Geschichte gemessen- sehr fix. Ein interessantes und faszinierendes Thema sind dazu Ureinwohnerstämme, die verscheidene Organe ihrer Verstorbenen verzehren. Bei diesen Menschen gibt es welche, die resistent gegenüber diversen Prionenerkrankungen geworden sind.

Dass der Organismus sich nicht an den Getreideverzehr angepasst haben soll, wird durch die erfolgreiche und schnelle Entwicklung sowie das Wachstum der Menschheit widerlegt. Seitdem der Mensch sesshaft wurde, ist seine Rasse gewachsen und hätte er sich nicht an den massenhaften Verzehr von Getreide angepasst, wäre die Sesshaftigkeit nur ein kleines Experiment der Evolution gewesen, welches letztendlich gescheitert wäre.

Gruß,

MedIudex

2
Agronom 04.11.2016, 10:51
@surbahar53

Auch das ist keine zwangsläufige Folge. Es muss nicht sein, dass Peptide entstehen, die bisher "unbekannt" für den menschlichen Körper sind. Es gibt schlicht keine Argumente um diese Technik grundlegend abzulehnen, man muss anfangen jedes Produkt für sich zu bewerten.

Jeder Kritikpunkt ist immer auch produktbasiert, daher ist eine verfahrensbasierte Bewertung, wie sie in der EU stattfindet, nicht zielführend.

0

Ich glaube dazu fehlt die nötige Offenheit gegenüber Neuem. Und viele setzen sich aus Sturheit  gar nicht erst mit dem Thema auseinander.

Was möchtest Du wissen?