Wird man als Soldat bei der Bundeswehr ausschließlich von Bundeswehrärzten behandelt, oder kann man auch zu zivilen Fachärzten seiner Wahl?

4 Antworten

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Grundsätzlich bist Du als Soldat verpflichtet, im Falle einer Erkrankung einen Bundeswehrarzt aufzusuchen oder wenigstens zu kontaktieren. Nur in extremen (unaufschiebbaren, lebensbedrohlichen) Notfällen darfst Du ohne vorherige Rücksprache einen zivilen Arzt bzw. ein ziviles Krankenhaus aufsuchen.

Wenn ein Soldat zuhause krank wird, muss er also entweder a) das Standort-Sanitätszentrum seiner Kaserne aufsuchen oder b) den nächstgelegenen Bundeswehrarzt, falls er von der Kaserne weiter entfernt wohnt oder c) zumindest einen Bundeswehrarzt telefonisch um Erlaubnis bitten, einen zivilen Arzt aufsuchen zu dürfen, sich also quasi überweisen zu lassen.

Dass Bw-Ärzte Patienten zu zivilen Fachärzten überweisen, kommt relativ häufig vor - aber die erste Anlaufstelle ist und bleibt der Bw-Arzt. Hintergrund ist, dass die Bundeswehr grundsätzlich über den Gesundheitszustand ihrer Soldaten selbst die Kontrolle haben will. Würde ein Soldat quasi "heimlich" einen zivilen Arzt aufsuchen, steht der Vorwurf der Verschleierung des tatsächlichen Gesundheitszustandes im Raum.

Ein Nichtbeachten dieser Vorschrift kann erhebliche diszipliniarische Konsequenzen nach sich ziehen.

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Du bist verpflichtet, zum nächsten Truppenarzt zu gehen. Auch, wenn du am Wochenende krank wirst.

Nur in absoluten Notfällen darfst du eigenständig einen zivilen Arzt aufsuchen.

Braucht es mal einen Spezialisten, den die Bundeswehr nicht hat, bekommst du eine Überweisung zu einem zivilen Arzt. Aber dort steht dann auch drin, welcher Arzt es ist und du kannst mit dieser Überweisung nicht zu einem beliebigen Arzt gehen.

Also nein, man hat keine Arztwahl. Das unterscheidet die kostenlose truppenärztliche Versorgung von der freien Heilfürsorge, die Soldaten halt nicht haben (auch, wenn immer wieder fälschlich das Gegenteil behauptet wird).

Ich kann Dir Deine Frage jetzt vielleicht nur indirekt beantworten. Mein Bruder war seinerzeit bei der Bundeswehr (Grundwehrdienst), hatte eine Schleim-beutelentzündung und konnte seinen Arm nicht mehr bewegen. (Er war am Wochenende daheim.) Er bat mich, ihn in die nächste Kaserne zu fahren. Der anwesende Arzt dort hat ihn ins nächste zivile Krankenhaus geschickt, weil er aktuell nichts machen konnte. Es wird also wohl (auch) die Frage eines akuten Notfalls sein.

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