Wird Homosexualität im Buddhismus eigentlich abgelehnt?

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Ich bin Buddhist und helfe dir bei deiner Frage gerne weiter.

Da im Buddhismus kein gemeinsamer Katechismus existiert, der alles verbindlich definiert und vorschreibst, gibt es in den verschiedenen Strömungen des Buddhismus keine einheitliche Lehrmeinung darüber.

Auch innerhalb der verschiedenen buddhistischen Traditionen vertreten die einzelnen Lehrer unterschiedliche Ansichten.

Diese reichen von diskriminierenden und homophoben Äußerungen, bis zur Gründung von "Gay-Sanghas", also buddhistischer Gemeinschaften homosexueller Praktizierender.

Es sollte nicht vergessen werden, dass asiatische Lehrer aus einer anderen Kultur stammen, so dass ihre eigene Unterweisungen auch durch gewisse kulturelle Vorurteile gefärbt sein kann.

Es gilt also immer zu unterscheiden zwischen der buddhistischen Lehre, den Vorstellungen innerhalb bestimmter Gemeinschaften und der persönlichen Haltung einzelner Lehrer.

Grundlagen

In den fünf Sittlichkeitsgelübden, die von allen buddhistischen Traditionen respektiert werden, gibt es keine Grundlage für die Ablehnung von Homosexualität.

Wenn man dies, zusammen mit den vier edlen Wahrheiten und dem edlen achtfachen Pfad als gemeinsame, buddhistische Basis ansieht, gibt es keine Grundlage für eine ablehnende Haltung gegenüber Homosexualität.

Was Geistliche angeht, so ist ihnen, gemäß den monastischen Ordensregeln (Vinaya) für Mönche und Nonnen, ohnehin jede Form von Geschlechtsverkehr untersagt.

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Danke ...

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@Neun188

Keine Ursache.

Ich denke, so lange man keiner spezifischen Linie des Buddhismus nachforscht, sondern eine allgemeine Aussage haben will, ist es ausreichend, den Buddhismus auf seine Basis zu reduzieren.

Wenn man dann wissen will, wie das ganze anhand des Vinaya beurteilt wird, oder wie die davon abweichende Situation in Japan ist, kann man sich immer noch damit befassen.

Falls man an einen homophoben Lehrer gerät, muss man selbst wissen, welche Konsequenzen man daraus ziehen möchte.

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Vielen Dank für den Stern. :-)

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Hallo,

ich zitiere den 14. Dalai Lama und übernehme das Zitat, wie das üblich ist, in der originalen Rechtschreibung und Grammatik:

"Viele Leute fragen mich, was ich über Homosexualität denke. Für diejenigen, die einer Religion angehören, ist es sicher das Beste, sich bei der Entscheidung, was sie tun oder lassen sollen, von ihrem Glauben leiten zu lassen. [...] Manche Buddhisten stehen zu ihrer Homosexualität, andere wiederum sind der Ansicht, daß Homosexualität und Buddhismus einander praktisch ausschließen.

In den grundlegenden Teten des Buddhismus ist von zehn schädlichen Taten die Rede, die es zu vermeiden gilt. Dazu zählt auch sexuelles Fehlverhalten. Damit ist vor allem gemeint, dass man einem Menschen nicht seinen Partner wegnehmen darf, es fallen aber auch Homosexualität sowie oraler oder analer Verkehr und Masturbation darunter. Das bedeutet aber nicht, daß solche Praktiken einen Ausschluß aus dem Buddhismus zur Folge haben. [...]

Wenn Sie keiner Religion angehören und eine sexuelle Beziehung mit einem Menschen des gleichen Geschlechts eingehen wollen, die auf gegenseitigem Einverständnis beruht und bei der keinerlei Mißbrauch oder Vergewaltigung im Spiel ist, und wenn Sie eine gewaltfreie Befriedigung darin finden, so habe ich nichts dagegen einzuwenden. Meiner Meinung nach ist es sogar ungerecht - und das ist ein wichtiger Punkt -, daß Homosexuelle manchmal auf gesellschaftliche Ablehnung stoßen, bestraft werden oder ihre Arbeit verlieren. Man darf sie nicht auf eine Stufe mit Kriminellen stellen.

Nach meinem Verständnis und nach allgemeiner buddhistischer Auffassung stellt Homosexualität in erster Linie einen Verstoß gegen manche Verhaltensregeln dar; im Unterschied zu einer Vergewaltigung, einem Mord oder anderen Handlungen, die Menschen Leid zufügen, ist sie aber an sich nicht schädlich. [...] Deshalb gibt es auch keinen Grund, Homosexuelle auszugrenzen oder ihnen gegenüber eine diskriminierende Haltung einzunehmen." - S. H. Dalai Lama XIV, "Ratschläge des Herzens", Diogenes Verlag AG Zürich, 2003, S. 74-76

Dabei ist zu beachten, dass der Dalai Lama nicht das Oberhaupt aller Buddhisten ist, sondern viel mehr das Oberhaupt einer Schule des Buddhismus. Von daher kann es sein, dass in anderen Schulen andere Ansichten verbreitet sind.

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Die Vierte der fünf Silas sagt ja, man soll kein sexuelles Fehlverhalten begehen, nur dachte ich immer, das betrifft nur Sexualität bei der anderen Wesen Leid zugefügt wird.

Aber der Dalai Lama ist halt der Dalai Lama ... Mich hätte eher interessiert, ob man irgendwas im Palikanon dazu findet.

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@Neun188

Ein wenig gezeigte Dankbarkeit wäre auch ganz nett. Immerhin habe ich gerade geschlagene zweieinhalb Seiten gelesen, mir Gedanken darüber gemacht, welche Informationen wichtig sind, das Zitat dementsprechend gekürzt und es hier aufgeschrieben...

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@Neun188

 Mich hätte eher interessiert, ob man irgendwas im Palikanon dazu findet.

Man braucht den Pali Kanon nicht. Zumal er gar keine festen aussagen trifft (weiterer Hinweis darauf wie irrelevant es ist)

Deshalb gilt folgendes:

Das grundsätzliche Problem der sexuellen Ethik, im dritten Sila angesprochen, ist Untreue. „Sexuelles Fehlverhalten“ ist das Sexualverhalten, das Schäden durch das Zerstören von Vertrauen verursacht, dass ein geliebter Mensch in uns gesetzt hat. Der Buddha war mitfühlend, und er hat nie ethische Regeln festgelegt, die Schaden oder Leid zugefügen. Ein moralisches Verbot der Homosexualität drängt an den Rand und schädigt Menschen, die nichts Böses getan haben, und es ist gegen die grundlegenden Prinzipien der buddhistischen Ethik.

Es ist so wichtig, diese grundlegend ethisch Frage im Hinterkopf zu behalten. In Diskussionen über Homosexualität, wie bei so ziemlich allen anderen kontroversen ethischen Fragen, gibt es eine weit verbreitete Tendenz, das Thema durcheinander zu bringen. Warum finden wir es so schwierig, auf ethische Fragen rational zu betrachten? Es ist wahr, es gibt einige Fragen, die komplex sind und die Details können schwierig zu behandeln sein. Aber dies ist nicht eins dieser Themen.

Zum Beispiel wird uns unzählige Male erzählt, dass Homosexualität „unnatürlich“ ist. Eine gewisse kurze Überlegung sollte uns zeigen, das das nicht wahr ist, denn es gibt viel Homosexualität in der Tierwelt. Und überhaupt, wie viel „mehr unnatürlich“ ist homosexueller Sex, als sagen wir, Tippen auf einer Tastatur oder das Verpacken von Lebensmitteln in Kunststoff? Aber das ist alles nebensächlich. „Unnatürlich“ zu sein ist keine ethische Frage. Die Frage ist, ob es schadet, nicht, ob es natürlich ist oder nicht. Diese Frage ist nicht mehr als die Wahl, sagen wir, ökologisches oder konventionelles Gemüse zu essen.

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@CountDracula

Dann antworte halt einfach gar nicht. So weh tut mir das nicht. ;)

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Ich kann jetzt nicht gerade auf Quellen verweisen aber prinzipiell geht es im Buddhismus nicht um den Körper sondern um die Form der Beziehung. 

Tibetanische Buddhismus ist wie fast immer eines der schlechtesten Beispiele. Noch in den 70er Jahren äusserte sich der Dalai Lama klar gegen Homosexualität. In letzter Zeit passt er sich dem Westen halt an.

Dazu muss man wissen das es Homosexualität im Sinne des Westens in Asien traditionell eigentlich nicht gibt. Der Buddhismus klar gegen sexuelle Ausschweifungen ist - und als solches ein  buddhistischer Mönch natürlich das sexuelle ausschweifenden Verhalten zum Beispiel der Schwulenszene in San Francisco in den 70er Jahren verurteilte.

In Asiatischen Ländern gab es schon immer Paare gleichen Geschlechtes. Wobei aber der Männliche Part als "MANN" und nicht Schwul gilt. "Schwul" ist nur der weibliche Partner. Welcher sich auch als Frau kleidet und deutlich jünger ist wie der Mann. Das Konzept dass zwei Männer über 30 als Mann+Mann offiziell zusammenleben ist relativ neu in Asien. Der Druck als Mann eine Familie mit Kindern zu haben ist viel zu gross. Auch wegen der Altersversorgung!

Es gab also solche Paare wie heute im Westen eigentlich NIE. 

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@AndyG66

Der Dalai Lama hat nie von sich behauptet, perfekt und unveränderlich zu sein.

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@CountDracula

Tibetanische Buddhismus ist wie fast immer eines der schlechtesten Beispiele.

Der Dalai Lama hat nie von sich behauptet, perfekt und unveränderlich zu sein.

Außerdem spielt in der Frage der Homosexualität das eigene Weltbild des Dalai Lamas immer eine wichtigere Rolle, als die des Buddhismus selbst. Das sagte er sogar einmal selbst, und er steht auch dazu, dass er es ablehnt. 

Aber nur weil ein einziger Mönch die Homosexualität ablehnt, tun das nicht direkt alle Buddhisten ;)

Zumal sich in den heiligen Schriften keine Stellen dagegen finden lassen, wie ich in meinem Beitrag schon geschrieben habe.

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@CountDracula

Na dann frag ihn mal ob seine Vergangenheit inkl Flucht wegen China nur noch in seinem Kopf existiert. 

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@AaronMose3

Hat ja auch niemand behauptet. Ich sagte nur dass ich den Dalai Lama und den tibetanischen Buddhismus als schlechtestes Beispiel für diese Frage sehe :-)

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@AndyG66

Ist jedenfalls eine Einstellung, die ich schon von einigen Buddhisten gehört habe. "Illusion von Zeit" und "ewiges Hier und Jetzt" sind Begriffe, die ich in dem Zusammenhang hin und wieder höre.

Die Vergangenheit ist eine Erinnerung und die Zukunft eine Vorstellung.

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@AndyG66

Und ich unterscheide nicht zwischen Gut und Schlecht ;) manchen Aussagen des Dalai Lama stimme ich zu, anderen nicht. In dem Fall stimme ich nur der Aussage, dass man seine Religion über so etwas entscheiden lassen sollte, nicht zu, aber irgendwie überrascht mich diese Aussage dann doch nicht bei einem religiösen Oberhaupt...

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@AndyG66

Die Vergangenheit hat mal existiert und die Zukunft wird mal existieren, aber hier und jetzt existieren sie nicht.

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@CountDracula

Na er will es halt mit Papa nicht verderben. In der Zukunft :-)

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Ich konnte es nicht lassen und hab doch noch etwas recherchiert.

Homosexualität im westlichen Sinn gibt gab es tatsächlich nicht wie ich unten versuchte zu erklären . Der penetrierende Part (Mann) wird als fähig zur Erleuchtung in diesem Leben errachtet. NICHT aber der anal empfangende Part. Der galt als Pandaka und muss zuerst als normal heterosexueller Mensch wiedergeboren werden bevor er "aufsteigen" kann.

So ähnlich hat man mir das auf meinen Reisen in Ländern mit  Theravada Buddismus auch erklärt.

"
The paṇḍaka is a complex category that is variously defined in different Buddhist texts. In the earliest texts, the word seems to refer to a socially stigmatized class of promiscuous, passive, probably transvestite homosexuals, who were possibly prostitutes
"

"
although in ancient times, a man who sexually penetrated another man or a paṇḍaka was not himself considered a paṇḍaka.[11]
"

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Nein wird es nicht. Allerdings gibt es nicht DEN Buddhismus. Sondern viele verschiedene. Es hängt eher mit der Kultur und Geschichte einer Region zusammen wie mit dem Buddhismus. 

Auch wird traditionell nicht zwischen Homosexualität und Heterosexualität unterschieden. Es wird zwischen Männlicher und Weiblicher Rolle unterschieden in der Asiatischen Kultur. Es gibt das Schwulsein eigentlich nicht.  Es gibt Männer und Frauen und die können jedes Geschlecht haben. 

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