Wird Glückseligkeit durch mediale Abhängigkeiten verhindert?

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10 Antworten

Natürlich nimmt die unnatürliche Entfremdung der eigenen Wahrnehmung in der Ausweitug der eigenen Bedürfnisse auf fremdgelenkte Aufmerksamkeit und Appelle überproportional zu..

Mediale Verwirrung schafft Entfremdung und entpersonalisierung, der eigene K ern und Sinngehalt bleibt unendeckt und wird mit fremdgewählter, unpersönlicher Message zugepflastert ohne die dann manchen, in Unkenntniss ihrer eigenen als Abgrund gefürchteten Seelen- und Seinstiefen dann kaumm noch zu existieren und zu leben wagen. Wenn jemandem die Welt permanent erklärt wird, ohne sich zu fragen wie sie wirklich aussieht wird blind, taub und gehörlos für andere feinere Signale und Wahrnehmungen, die mehr Ruhe, Achtsamkeit und Aufmerksankeit benötigen als ein aktionistischens und ausgebreitetes, permanentes Geschrei in konventionellen Medien, die niemand wirklich betreffen, meinen und ansprechen, sich nur an Zielgruppen und die vermeintliche Amsse wenden.

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Kommentar von MaNic22
12.10.2011, 12:14

Wow, das ist mal ne Antwort nach meinem Geschmack. Danke dafür!

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Hier herrscht leider ein Missverständnis vor, denn der zitierte "Gedanke" stammt so nicht von Aristoteles, er stammt sinngemäß eher von Epikur. In der Nikomachischen Ethik, 5. Kapitel kommt Aristoteles zu dem Schluss:

"Also: die Glückseligkeit stellt sich dar als ein Vollendetes und sich selbst Genügendes, da sie das Endziel alles Handelns ist."

Dabei ist Glückseligkeit nicht Glück und sein sich selbst Genügendes nicht Selbstgenügsamkeit. Aristoteles geht es um die Begründung, warum "einen guten Geist haben" (wörtlich für Eudaimonia) das höchste Gut ist. Selbst sagt er im Abschnitt über der Schlussfolgerung:

"Das vollendet Gute muß sich selbst genügen."

Also nicht der Mensch muss selbstgenügsam sein. Das wäre beim wohlhabenden Aristoteles auch etwas verwunderlich, groß geworden in begüterten Verhältnissen, des öfteren am Königshof gelebt, nein Aristoteles Sache ist es, das "reche Maß" zu lehren. Das ist aber etwas Relatives und ist auf die jeweiligen Lebensumstände anzupassen.

Wenn einer in der Selbstgenügsamkeit ein hohes Ziel sieht, dann ist es überraschenderweise Epikur, der selbst aus eher armen Verhältnissen stammt und immer um Spenden für seinen Garten kämpfen musste. Auch seine oft missverstandene Aufforderung, sich politischer Ämter zu enthalten ist eine Empfehlung auch zur öffentlichen Selbstgenügsamkeit, nicht in der Achtung der eh neidischen Mitbürger Anerkennung suchen wollen. Frei sein, im Sinne von autark und selbstbestimmt sein, ist Epikurs Grundmotiv. Epikur ist bekanntlich gegenüber Körperlichem nicht negativ eingestellt, doch hat er ein feines Gespür dafür, dass Wohlleben auch abhängig machen kann, dass öffentlicher Beifall abhängig machen kann. Das allerdings kann man in unserer medialen Welt und "Verwöhnkultur" (Sloterdijk) sehr gut beobachten.

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Kommentar von MaNic22
13.10.2011, 09:29

Das hatte ich mir fast schon gedacht mit der Fehlinterpretation des Aristoteles, da es mit seinem Eudämonismus, wo ja nach glücklich machenden guten Nah, Fern und Endziel gestrebt wird. Umso besser wenn ich dafür dann Epkiur richtig anführen kann, doch mache ich soetwas gerne mit Zitaten.

Haben sie da etwas für mich, dass diese Einstellung wiedergibt? Ich hatte da was in der Art "Gib mir Brot und Wasser und ich bin glücklich" in Erinnerung.

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Der Buddhismus hat als hoechstes Ziel den Seins-Zustand-des Wohlbefindens (Die Rede ist in meiner Hinsicht das wonach du suchst): http://www.ted.com/talks/matthieu_ricard_on_the_habits_of_happiness.html es ist in englisch, kannst aber auch deutsche untertitel zuschalten.

Um eine Antwort auf deine Frage zu finden, gehoert das Buch (ironisch, dass ich dir gerade etwas vorschlage zu erwerben um dich zufrieden zu stellen)..... haben oder sein von Erich Fromm.

Ein kleiner Vorgeschmack(Zitate!):

Eine Gesellschaft, die auf den Prinzipien Erwerb - Profit - Eigentum basiert, bringt einen am Haben orientierten Gesellschaftscharakter hervor, und sobald das vorherrschende Verhaltensmuster etabliert ist, will niemand ein Ausgestossender sein. Um diesem Risiko zu entgehen, passt sich ein jeder der Mehrheit an, die durch nichts anderes miteinander verbunden ist als durchen ihren gegenseitigen Antagonismus.

....Am Ende seines Lebens erkennt er, dass er aufgrund dieser Besitzstruktur seiner Existenz, nie er selbst gewesen war

Wenn ich bin, der ich bin und nicht, was ich habe kann niemand berauben oder meine Sicherheit und mein Identitaetsgefuehl bedrohen

Alle wesenseigenen Kraefte wachsen, indem man sie ausuebt. Was man gibt verliert man nicht, sondern im Gegenteil, man verliert was man festhaelt.

In der Existenzweise des Seins kann mehr als ein Mensch, koennen in der Tat Millionen von Menschen sich an der gleichen Sache erfreuen, da keiner von ihnen sie haben muss, um sie zu geniessen. Diese Tatsache verhindert nicht nur Streit, sie bewirkt eines der tiefsten Erlebnisse menschlichen Gluecks, geteilte Freude.

Das waren ein paar meiner geschaetzten 80 rot markierten Stellen in dem Buch.

(Wenn du Rechtschreibfehler findest darfst du sie behalten, bin in Amerika und habe teilweise Probleme mit meinem Deutsch)

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Kommentar von MaNic22
03.01.2012, 00:00

Wirklich guter Hinweis, dieses Buch von Fromm (den ich mir ohnehin mal näher anschauen wollte) werde mit absoluter Sicherheit lesen.

PS: Wie nett von dir, mir deine Rechtschreibfehler zu schenken ;)

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Ich meine halt, Muße kann man nicht ausleben, sondern nur "haben" und dann ev. mit etwas ausfüllen, das einem am Herzen liegt. Dass man Glück nur in sich selber finden kann - abgesehen von glücklichen Momenten mit allem und jedem - ist schon bekannt. Oft ist es nur schwer, sich damit zu begnügen, weil man im Außen eine höhere Befriedigung erwartet. Also: besinne dich auf dich selbst, hab Muße und Müssiggang!

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Ich denke Glückseligkeit erreicht man am intensivsten wenn ein gewisser Wunsch oder ein Traum lange unerfüllt und dann unerwartet erfüllt wird. Mit anderen Worten auch, würden wir sofort alles bekommen und würde es nur Erfolge regnen, dann würden wir das Glück nicht mehr schätzen, es hat also durchaus Sinn dass wir Mist erleben und leiden müssen.

Der Mensch allein braucht meines Erachtens aus zwei Gründen Dinge wie Computer, Autos und Fernseher.

  1. Weil es ihn unterhält und es eine Freizeitbeschäftigung ist, sprich ein Weg aus der Langeweile.

  2. Weil man mit den anderen mitziehen möchte und irgendwie dazugehören möchte.

Ob das Glück dadurch verhindert wird?

Wenn ich Fernsehen schaue, mit dem Handy telefoniere oder mit dem Auto fahre befinde ich mich in einer Welt bei der ich nur mich und den Gegenstand kenne. Es ist schwer dass man Glück erreicht wenn man nur zu Hause , im Auto oder an der Strippe hängt. Insofern kann ich beispielsweise in dieser Zeit wo ich diese Dinge benutze, doch eigentlich dafür sorgen, dass ich ein erfüllteres Leben führe in dem ich diese Gegenstände links liegen lasse und auf ein Traum hinarbeite. Alle Dinge mit denen ich mich nur selber beschäftige, verhindern Schritte in Richtung erfülltes Leben. Wenn Glück alles ist was mit einem erreichten Ziel gemeint ist, dann verhindern diese Abhängigkeiten Glückseligkeiten.

Auf der einen Seite ist das aber normal, da jeder Mensch Unterhaltung braucht und auch mal Zeit für sich alleine, ohne könnte man auch nicht leben. Aber Philosophie ist eine strenge Lehre und bringt es immer konsequent auf den Punkt.

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Kommentar von MaNic22
11.10.2011, 21:05

Wenn Glück alles ist was mit einem erreichten Ziel gemeint ist, dann verhindern diese Abhängigkeiten Glückseligkeiten.

Hierzu passen deine Ausführungen natürlich, aber war die Prämisse ja, dass Glück nicht mit Erfolg, sondern mit Selbstgenügsamkeit gleichzusetzen ist, was sich nahezu entgegen steht, da der, der nur nach Erfolg strebt, sich selbst nicht genug ist, solange er diesen nicht erreicht hat, was wahrscheinlich entweder gar nicht oder nur zeitlich beschränkt eintreffen mag.

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hüstel Wenn du von Aristoteles und dessen Begriff von Glückseligkeit ausgehst, sollte doch klar sein, das es nicht um intrinsische Dinge geht, sonder ob andere jemanden als glückselig bezeichnen (nach dem Ableben). Ob man sich selbst als glücklich bezeichnet ist im aristotelischen Sinne irrelevant. zur Not: Wähle das rechte Mass beim benutzen der Dinge (goldene Mitte).

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Kommentar von MaNic22
15.10.2011, 12:41

Ja darüber wurde ich schon aufgeklärt, aber der Kern der Sache war nicht, dass der Gedanke von ihm kam, sondern der Gedanke wie ich ihn interpretiert habe.

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Du hast Aristoteles zitiert und ihn halt nicht verstanden. Deine Glückseligkeit ist alles zu achten und Dir bewusst zu sein welches Glück Du hast. Du musst nichts "wegwerfen", aber zu verstehen, das es eben nicht selbstverständlich ist.

Natürlich ist es viel mehr, aber um zu philosophieren ... hier nicht und es würde lange dauern.

mfg

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Kommentar von freezyderfrosch
11.10.2011, 20:58

Natürlich ist es viel mehr, aber um zu philosophieren>

Auch du hast nun philosophiert mit deinem Beitrag, da du dich jetzt schon mit der Welt auseinandergesetzt hast.

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Ich drehe dir jetzt mal bewusst deine Worte im Mund herum :-)

All diese Geräte sind Schuld, dass wir der Glückseligkeit verlustig sind...

Sinnvoll? Geistreich?

Ich finde nein.

Also was dann?!

Wem ich die Schuld gebe, gebe ich die Macht!

Wo ist demnach der Ursprung dessen, was uns von Glückseligkeit abhält?

IN jedem selbst!

Von Innen nach Außen und nicht umgekehrt!

Selbstgenügsamkeit kannst du nicht erzwingen, indem du auf äußere Dinge verzichtest. Dies entspricht der Idee von Nonnen, Mönchen und anderen, die glaubten durch Askese ihr Glück zu finden.

Selbstgenügsamkeit entsteht IN dir, wenn du dir über alle inneren und unbewussten Motive klar wirst, die dich glauben machen, dass du dieses und jenes zum Leben, zu deinem Glück brauchen würdest. Sie entsteht in dir, wenn du dir der Illusion von Mangel bewusst wirst, wenn du IN dir erkennst und verstehst, warum du "goldene Kälber" anbetest und worin all deine Ablehnungen und "nein`s" bestehen.

Erst wenn du nichts mehr brauchst, bekommst du alles!

So ist die verborgene Harmonie der Dinge.

Wenn du nichts mehr brauchst, also selbstgenügsam bist, kannst du all dies noch immer haben, aber du brauchst es nicht. Es ist dir gleich-gültig (es gilt das gleiche, ob du es nun hast oder nicht).

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Kommentar von MaNic22
12.10.2011, 12:22

Selbstgenügsamkeit kannst du nicht erzwingen, indem du auf äußere Dinge verzichtest. Dies entspricht der Idee von Nonnen, Mönchen und anderen, die glaubten durch Askese ihr Glück zu finden.

Ich gebe dir absolut in deiner Beschreibung der inneren Erkenntnis von bloß scheinbarem Mangel recht, doch ist es wohl so, dass uns der Besitz dieser Gegenstände und die Möglichkeiten sich an sie zu hängen, die wir permanent durch sie wahrnehmen, uns auf dem Weg zu dieser Erkenntnis blockieren. So meint schon Adorno, dass all diese Technologien gar nicht so einen Reiz ausüben würden, wenn sie nicht da wären. Insofern könnte man sagen, dass derjenige, der sich in Askese begibt, diesen inneren Scheinmangel enttarnt hat, aber zugleich gewiss ist, dass die vielen Verführungen um ihn herum, diesen bloß weiterhin erhalten bzw. dass man den Blick nie ganz frei bekommt, wenn man ständig solche Belustigungen vorgesetzt bekommt. M.E. ist die Askese, in die man sich freiwillig aufgrund dieser Einsicht begibt, sehr zu befürworten, da wir durch den Entzug unseren Blick auf das schärfen, von was wir getrennt sind und somit seine Nichtigkeit erkennen bzw. einfacher/besser erkennen.

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Kommentar von MaNic22
12.10.2011, 12:26

Zu dieser Erkenntnis auch ohne Askese zu gelangen ist zwar ebenso möglich, aber wie mich die Erfahrung gelehrt hat, um einiges schwieriger bzw. dessen Manifestation im Leben benötigt noch viel mehr an Willensstärke. M.E. muss man ja auch nicht ewig in der Askese verharren, sondern sie bloß mal kennen gelernt haben um dann mit geschärften Blick in die Welt der Bedürfnisse zurück kehren zu können. Für mich war diese Methode äußerst hilfreich im Loskommen von Spielen, Fernsehen ungesundem aber einfachem und leckerem Essen und Unsportlichkeit.

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Glück hat der, welcher glücklich ist.So erzählte es mir schon meine Grundschullehrerin.

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Kommentar von MaNic22
11.10.2011, 20:59

Das ist die unglaublichste Erkenntnis seit "Wenn ich gestorben bin, bin ich tot!"

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`Denn die freie Muße eines jeden ist soviel wert, wie er selbst wert ist' (Eth. Nic.X, 7)

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Kommentar von MaNic22
13.10.2011, 19:35

Das ist einleuchtend

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